Nahverkehr in Berlin - Nachfrage bei BVG dank Deutschlandticket wieder auf Vor-Corona-Niveau

Fr 26.04.24 | 18:00 Uhr
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Archiv: Eine Straßenbahn der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). (Foto: dpa)
Video: rbb24 Abendschau | 26.04.2024 | Agnes Sundermayer | Bild: dpa

Vor allem dank des Deutschlandtickets sind im vergangenen Jahr wieder so viele Menschen in den Bussen und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) unterwegs gewesen wie vor der Corona-Pandemie. 1,1 Milliarden Fahrten verzeichnete das landeseigene Unternehmen im Jahr 2023, wie aus dem aktuellen Geschäftsbericht hervorgeht, den BVG-Chef Henrik Falk und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) am Freitag in Berlin präsentierten.

Das entspreche dem "Spitzenniveau" von 2019, teilte die BVG mit. "Das Vertrauen ist zurück", sagte die Senatorin im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung der BVG.

Rund 1,2 Millionen Abonnenten

Hauptgrund für die deutlich gestiegene Nachfrage war das 49-Euro-Abo für den öffentlichen Personennahverkehr. Rund 1,2 Millionen Abonnentinnen und Abonnenten hatte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr. Rund die Hälfte davon waren Inhaberinnen und Inhaber des Deutschlandtickets. Insgesamt stieg die Zahl der Abo-Kunden um 150.000 im Vergleich zum Vorjahr.

29-Euro-Ticket soll für weiteren Zuwachs sorgen

Ab Juli soll das sogenannte Berlin-Ticket die Nachfrage noch weiter ankurbeln. Das Abo kostet 29 Euro im Monat und gilt lediglich für die Tarifbereiche A und B. Nur wenige Tage seit dem Vorverkaufsstart des 29-Euro-Tickets für den Nahverkehr in Berlin am vergangenen Dienstag sind bereits rund 22.000 der Abos verkauft worden.

Bei rund 15 Prozent davon handele es sich um neue Kundinnen und Kunden, die vorher kein Abo für den öffentlichen Personennahverkehr in der Hauptstadt besessen hätten, sagte Giffey. Drei Viertel der Käuferinnen und Käufer seien hingegen von einem bestehenden Abo auf das günstigere Angebot gewechselt. Die Verkaufszahlen beziehen sich auf die BVG und die Berliner S-Bahn.

Doch das neue Angebot hat viele Kritiker. Die Verkehrsbranche und einige andere Bundesländer befürchten, dass es die Nachfrage nach dem bundesweiten Deutschlandticket untergräbt. Der Senat finanziert das Angebot mit zusätzlichen 300 Millionen Euro pro Jahr. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kritisierte kürzlich, dass das Geld künftig für Investitionen in den ÖPNV, für Instandhaltung und Ausbau fehlen werde.

Kapazitäten sollen gesteigert werden

In der Tat haben die Kapazitäten bei der BVG mit der gestiegenen Nachfrage zuletzt nur bedingt mithalten können. Zwar hat die BVG seit der Corona-Krise ihr Angebot sowohl im U-Bahn-, Bus- und Tramverkehr ausgeweitet. Doch im Vergleich zum Vorjahr stagnierte das Angebot. Bei der U-Bahn ging es sogar etwas zurück.

Ein Grund ist vor allem die dünne Personaldecke. Zwar konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr die Beschäftigtenzahl im Saldo um knapp 300 steigern. Doch es fehlt weiter vor allem an Fahrerinnen und Fahrern.

Der BVG-Aufsichtsrat stimmte am Freitag einer Maßnahme zu, mit der auch bei gleichbleibendem Personal die Kapazitäten langfristig um bis zu 30 Prozent steigen sollen: Auf den U-Bahnlinien U5 und U8 sollen in den nächsten Jahren neue digitale Überwachungssysteme einen teilautonomen U-Bahnverkehr ermöglichen.

Neue Kommunikation soll helfen

Die sogenannte Communication-Based Train Control (CBTC) soll die digitale Kommunikation zwischen Infrastruktur und Fahrzeugen ermöglichen. Zwar werden die Fahrzeuge mit dieser Technik weiterhin von Fahrerinnen und Fahrern gesteuert. Doch müssen sie nicht mehr etwa manuell den Abstand zum vorausfahrenden Zug halten. Bis dahin wird allerdings noch einige Zeit vergehen: Die Technik soll 2029 auf der U5 eingeführt werden und 2032 auf der U8.

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26 Kommentare

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  1. 26.

    Nee Nee, Nix da. Ich würde gerne mehr zahlen, wenn ich dafür mehr Sicherheit und Sauberkeit bekommen würde. Wie ich überhaupt der Meinung bin, daß wir den falschen Weg gehen: ERST den ÖPNV attraktiv gestalten, mit allem was dazu gehört, DANACH runter mit den Preisen.

  2. 25.

    Ich finde es wirklich unterhaltsam wie sehr einige der Foristen es vermeiden können, sich in die Lebensumstände ihnen völlig fremder Menschen reinzudenken. Wenn jeder an sich selbst denkt, ist auch an alle gedacht. Im übrigen ist, wie hier auch schon gesagt wurde, was ein Abo genannt wird, ein Abo. Aber was solls?

  3. 23.

    Jeder will eigentlich nix bezahlen aber einen Service vom feinsten. Warum sind eigentlich die Bahnen und Buse so schmutzig? Mitunter liegt es meistens an den Kunden selber, der alles fallen und liegen lässt, denn die Bahnen werden selbst am Tage gereinigt. Ohne ausreichend Personal kann man den Takt nicht verdichten und Vorrang ist irgendwie nicht gewollt (Senat). Dann noch das "schnelle" aussteigen und wieder Türen aufdrücken, macht es nicht schneller sondern nur schlimmer.

  4. 22.

    Na klar ist das ein Abo! Wer lesen kann... https://www.bahn.de/angebot/regio/deutschland-ticket
    Ich muß ein Abonemment abschließen, was ich danach kündigen kann. Statt mir einfach am Schalter / Kiosk / Automaten NACH BEDARF einen Fahrschein zu kaufen. Ein kleines, bedrucktes Stück Papier. Etwas ganz simples. Nein. Stattdessen muß ich meinen Rechner anmachen, umständlich ein Abo abschließen, alle meine Daten eingeben, irgendwie Geld transferien, das Ganze dann rechtzeitig wieder abmelden... Zwischendrin bestimmt noch mit irgendwelchen Bestätigungen beschäftigt sein. Gehts noch? Schon der Preis regt mich auf. Ist das ein Sonderangebot im Supermarkt? Warum kann das Ding nicht 50 € kosten, die es de facto sind? Oder 46,83€? Wozu Abo? Um sicherzugehen, daß jeder nur eins und nicht etwa drei der wertvollen Fahrscheine hat?

  5. 20.

    Antwort auf "öpnv nutzer" vom Freitag, 26.04.2024 | 21:07 Uhr
    "Ich verstehe nicht, wieso sich nicht mehr über das Konzept Abonnement aufregen. Das ist m. E sowohl beim sog. Deutschlandticket als auch für das 29€ - Ticket eine Zumutung....." Das Deutschlandticket ist monatlich kündbar, also kein Abo. Und das 28-€-Ticket ist nur das erste Jahr ein Abo, danach ebenfalls monatlich kündbar. Wer mit seinem Geld "jonglieren" muss, sollte darüber nachdenken ob er überhaupt eine Monatskarte braucht.

  6. 19.

    An allen unterirdischen Bahnhöfen ist Personal in irgendwelchen Räumen versteckt. Ich finde es nur schade, dass dieses Personal von BVG und S-Bahn nicht dauerhaft sichtbar auf dem Bahnsteig zu sehen ist. Diese einfache Maßnahme könnte die gefühlte sicherheit für Mädchen, Frauen und ältere schnell erhöhen. Bei der S-Bahn steht brandwache auf der Kleidung.

    Gucken sie bei Wikipedia bei der u4. Dort war bereits solche Technik fürs autonomes dmfahren verbaut.

  7. 18.

    Autonomes Fahren ist nicht mal eben von heute auf morgen umzusetzen.
    In Hamburg wird dafür für die im Bau befindliche U5 ein komplett neuer Fahrzeugpark (DT6) angeschafft.
    Naja,Brandwache,soll da einer mit Feuerlöscher und Handrassel Streife laufen? Dafür gibt es Früherkennungsanlagen (BMA)
    Ich gehe davon aus, dass es in Berlin auch Stand der Technik ist.

  8. 17.

    Wie ich solche Verallgemeinerungen "liebe". Das klassische Beispiel eines Schwarz-Weiß-Denkens.

  9. 16.

    Bleibt das 49,-- € Ticket trotzdem ???

  10. 15.

    Respekt bekommen Sie mit 67 als Rentner oder nach 51 Arbeitsjahren wie die echt arbeitenden Boomer und GenX welche jetzt gerade die BVG noch am laufen halten, danach ist Ende im Gelände.

  11. 14.

    Genau! Bei den vielen neuen U-Bahn-Linien, die in Berlin derzeit entstehen (von den Verlängerungen bestehender Linien gar nicht zu reden), sollte autonomes Fahren und überhaupt irgendwas mit digital von vornherein Vorschrift sein. Am besten mit der auf der U 4 erprobten Technik (aus den siebziger Jahren).

    Trotzdem freue ich mich schon, wenn all die neuen Strecken in den nächsten Jahren eröffnet werden. Werde die Feierlichkeiten mit meinem VHS-Rekorder festhalten.

  12. 13.

    Ja, aber ich meinte eher das kritische dran-bleiben am Thema. Denn jeder kann sich in Berlin das neue 29 Euro ticket holen, egal ob es finanziell sinnvoll ist. Einen Arzt oder einen Professor brauch man kein 29 Euro subventionieren. Von daher muss es nicht bei dem geplanten betrag in dem Artikel bleiben. Ich finde sie spd sollte ihre Wahlkampf Geschenke aus ihrer Parteikasse zahlen.

  13. 12.

    Was haben die Leute denn gemacht, als die Umweltkarte AB im Abo über 60€ oder einzeln über 80€ gekostet hat? Ticket 65+ auch mehr als 50€ und trotzdem - kein Geschrei - Ermäßigungsangebote für Sozialleistungsempfänger usw. Und jetzt regt man sich über 49€ deutschlandweit auf? Das Berlin-Ticket ist ein kontraproduktiver und unsinnig teurer Irrweg. Für Arme gibt es Fast-Umsonst-Angebote und jeder andere muss für sich eben entscheiden, was gebraucht (und dann auch finanziert) wird.

  14. 11.

    Auch mit "erst" 61 Jahren tue ich mich schwer damit, von einer Servicegesellschaft des ÖPNV, offiziell und persönlich mit einem "Du" angeredet zu werden.

  15. 10.

    Ich verstehe nicht, wieso sich nicht mehr über das Konzept Abonnement aufregen. Das ist m. E sowohl beim sog. Deutschlandticket als auch für das 29€ - Ticket eine Zumutung für Menschen mit geringem Einkommen, die Monat für Monat mit ihrem Geld jonglieren müssen.

  16. 8.

    Ich kann Ihnen nur zustimmen.
    Berlin hat es halt ganz dicke. Geld-Geschenke mit der Gießkanne, ohne Sinn ;-(

    "... Der Senat finanziert das Angebot mit zusätzlichen 300 Millionen Euro pro Jahr. ..." aus diesem Artikel

  17. 7.

    Mit einer Verkehrsgesellschaft die durch Unhöflichkeit im Umgang mit seiner "Kundschaft" sowie mit Altersdiskriminiering auffällt, werde ich bestimmt kein Abovertrag anschließen. Als Vertragpartner (Ü60) erwarte ich da einfach mehr gebotenen Respekt!

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