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Quelle: picture alliance/dpa/Arne Immanuel Bänsch

Neues Triage-System beim Berliner Notruf

Was ändert sich, wenn ich die 112 wähle?

Wer die 112 in Berlin wählt, wird seit dieser Woche mit einem neuen System eingestuft, wie dringend er wirklich Hilfe benötigt. Dadurch sollen Rettungsdienste entlastet und Notfälle besser versorgt werden können.

Die Berliner Feuerwehr priorisiert eingehende Notrufe ab sofort nach einem neuen Schema, um sie systematisch nach Dringlichkeit abarbeiten zu können.

Angesichts einer zunehmenden Zahl an Notrufen habe die Feuerwehr die Rettungseinsätze der vergangenen Jahre analysiert, sagte Feuerwehrsprecher Vinzenz Kasch dem rbb bereits im Februar bei der Ankündigung der Neuorganisation. Das neue Notruf-Schema soll den Rettungsdienst entlasten und dafür sorgen, dass Notfälle schnellstmöglich versorgt werden.

Wer die 112 wählt, wird ab sofort in eine von fünf Kategorien eingeteilt.

Kategorie 1

Fälle, bei denen Menschen zum Beispiel bewusstlos sind

Notärzte sollen innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein

Kategorie 2

Unter anderem Brustschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Atemnot oder stärkere Blutungen

Kategorie 3

Bauch- und Rückenschmerzen, Traumata oder Vergiftungen ohne schwere Symptome

Kategorie 4

Weniger kritische Fälle wie ungefährliche Blutungen ohne Risikofaktor oder psychische Krisen ohne akute Fremdgefährdung

Kategorie 5

Alle übrigen, weniger dringlichen Notfälle

Notrufe, bei denen es sich eindeutig um ungefährliche Situationen handelt, kann die Feuerwehr an den Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV Berlin) weiterleiten. Das soll auch künftig mit allen Fällen geschehen, die unter die Kategorie 5 mit der niedrigsten Priorität fallen.

Wie war die Regelung bisher?

Auch in der Vergangenheit wurden Notfälle in Gruppen eingeteilt. Die neuen Kategorien sind allerdings viel genauer und sollen für den jeweiligen Notfall viel besser die nötigen Einsatzmittel bestimmen können, wie Feuerwehrsprecher Kevin Bartke gegenüber rbb|24 bestätigte.

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Was ist neu?

Im Vorfeld wurden fast drei Millionen Patientendaten von Rettungsdienst und Krankenhäusern ausgewertet. Dadurch konnten Zusammenhänge zwischen Informationen, die beim Notruf übermittelt werden, und den darauf folgenden Diagnosen hergestellt werden. Erst auf Basis dieser Informationen wird nach Angaben der Feuerwehr eine wirksame Triage möglich, die zwar Prioritäten bevorzugt, dabei aber an anderer Stelle das Patientenwohl nicht gefährdet.

Wer entscheidet, in welche Kategorie der Anrufer eingeordnet wird?

Jedem Anrufer wird auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse des Notrufgesprächs ein Code zugeordnet. Für jeden Code erfolgt vorab eine Zuordnung von geeigneten Einsatzmitteln. Zum Schluss treffe die Ärztliche Leitung des Rettungsdienstes die Entscheidung über die Freigabe und sie werde an das Einsatzleitsystem der Feuerwehrleitstelle weitergegeben und beim jeweiligen Notfall angewandt, so der Feuerwehrsprecher.

Warum brauchen wir ein neues Notruf-System?

Aufgrund einer Überlastung der Berliner Rettungsdienste hält die Berliner Feuerwehr das klassische System, nach dem die Anrufer der Reihe nach abgearbeitet werden, für nicht mehr leistungsfähig genug. Ressourcen müssen demnach dort zum Einsatz kommen, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Sendung: rbb24 Inforadio, 25.03.2025, 17:30 Uhr

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