Neues Online-Portal
In Berlin gibt es unzählige Sportplätze und -hallen. Dennoch ist deren Buchung für Vereine kompliziert - und lädt zu Missbrauch ein. Das soll sich ab Oktober ändern.
Die digitale Vergabe von Trainingszeiten in Berliner Sportstätten soll noch vor Jahresende an den Start gehen. Das teilte die zuständige Senatsverwaltung für Inneres und Sport in einer noch unveröffentlichten Anfrage der Grünen-Abgeordneten Klara Schedlich mit.
Zwischen Oktober und Dezember soll das Portal mit den Belegungsplänen für Sportanlagen in Landesbesitz online gehen. Das soll den Vereinen künftig helfen, freie Plätze in Hallen oder auf Außenanlagen schnell zu finden und zu beantragen.
Zum Anfang werden allerdings noch nicht sämtliche Sportstätten einsehbar sein. Das Portal solle 2024 ausgebaut und erweitert werden, so die Sportverwaltung. Grundlage ist eine Software, die seit 2020 entwickelt wird und für die in der Sportverwaltung bislang Ausgaben in Höhe von rund 800.000 Euro eingeplant wurden.
Der rbb hatte bereits Anfang Juni ausführlich über die Probleme der schlechten Auslastung von Berliner Sportstätten berichtet. Obwohl die Stadt sehr viele Sportplätze und Hallen besitzt, ist die Vergabe der Nutzungszeiten oft intransparent und kompliziert.
Das führte in der Vergangenheit auch zu Missbrauch: In einzelnen Fällen haben nach rbb-Informationen Vereine mit langfristigen Nutzungsrechten ihre ungenutzten Zeiten unter der Hand weiterverkauft oder getauscht. Gleichzeitig haben immer wieder vor allem kleine Vereine und freie Sportgruppen kaum eine Chance, in Sportstätten ihrer Wahl Trainingszeiten zu ergattern.
Derweil sind abgelegene Hallen und Außenplätze häufig nur schlecht ausgelastet. "Durch eine transparente Vergabe könnte man dieses Problem lösen", sagte die sportpolitische Sprecherin der Grünen, Klara Schedlich, dem rbb. "Wenn das berlinweite Sportstättenportal tatsächlich bald öffentlich wird, wird dies für viele Vereine eine Verbesserung bedeuten."
Dabei ist die Nachfrage nach Nutzungszeiten der öffentlichen Sportstätten enorm. So zählt zum Beispiel der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf über 900 positiv beschiedene Anträge pro Monat. In Pankow wurden 2022 insgesamt mehr als 48.000 Anträge auf Nutzung öffentlicher Sportstätten gestellt. Die Datenerfassung ist allerdings von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich, eine einheitliche Statistik zur Auslastung der Hallen und Außenanlagen gibt es nicht. Das soll sich mit dem neuen Portal zur Sportstättenvergabe ändern.
Die digitale Sportstättenvergabe soll dann auch das Problem lösen, dass Vereine Nutzungszeiten buchen, dann aber gar nicht in Anspruch nehmen – und eventuell unter der Hand weitergeben. Denn bisher findet die Kontrolle von Bezirk zu Bezirk unterschiedlich und meistens nur stichprobenartig statt.
Funktioniert das Portal wie gewünscht, könnte künftig zumindest genau nachvollzogen werden, wer wann welche Halle oder welchen Sportplatz nutzt. Die Sportverwaltung räumt allerdings auch ein: Flächendeckende Kontrollen hängen am Personal der Bezirke.
Sendung: rbb24 Abendschau, 07.07.23, 19:30 Uhr
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