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Audio: rbb24 Inforadio | 02.09.2023 | Jakob Rüger | Quelle: IMAGO / Matthias Koch

4:6-Niederlage in Magdeburg

Hertha BSC unterliegt in Torspektakel

Wie in der Vorwoche blieb das Hertha-Spiel torreich. Doch gegen die bisher ungeschlagenen Magdeburger verspielte die Mannschaft von Pal Dardai insgesamt vier Führungen und konnte in der Schlussphase nicht mehr nachlegen.

Fußball-Zweitligist Hertha BSC hat am 5. Spieltag beim 1. FC Magdeburg verloren. Am Samstagnachmittag unterlag die Mannschaft von Pal Dardai 4:6 (3:2) in einer turbulenten Partie. Damit bleibt Hertha BSC bei insgesamt drei Punkten.

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Rasanter Start

Die Hertha-Offensive verschob das Spiel direkt vors Magdeburger Tor. Dort ging vor allem Fabian Reese die Abwehr der Gastgeber immer wieder an, sodass der Ball kaum den Strafraum verließ. Reeses Beharrlichkeit zahlte sich aus, da Mohammed El Hankouri ein Fehlpass unterlief, den Reese direkt in einen erfolgreichen Torschuss aus elf Metern umwandeln konnte (2.). Die mitgereisten Hertha-Anhänger ließen den Gästeblock im ausverkauften Heinz-Krügel-Stadion rot aufleuchten. Der dabei entstandene Rauch verursachte eine kurze Spielunterbrechung.

Kurz nach Wiederanpfiff gelang den Magdeburgern der Ausgleich, indem auch sie schnell das Mittelfeld überbrückten. Ein Pass gelangte zu Luca Schuler, dessen Schuss noch von Tjark Ernst pariert werden konnte. Silas Gnaka setzte nach und verwandelte aus kurzer Distanz zum 1:1 (7.). Wegen eines Fouls während des Angriffs bekam Hertha-Kapitän Toni Leistner im Nachgang noch Gelb. Schiedsrichter Tom Bauer war in der ersten Hälfte immer wieder damit beschäftigt, die Spieler wegen harten Einsteigens zu verwarnen. So sah auch Marten Winkler Gelb.

Insbesondere Ceka brachte die Hertha-Abwehr immer wieder in Bedrängnis. Doch die Magdeburger konnten ihre Chancen nicht nutzen. Stattdessen war es erneut Reese, der aus dem linken Halbfeld auf Haris Tabakovic kurz vor dem Tor passte. Der 29-Jährige behauptete sich im Zweikampf und passte den Ball flach ins Zentrum. Von dort schob der mitgelaufene Winkler ohne große Probleme ein (22.).

Hertha geht mit 3:2 in die Halbzeit

Die erneute Hertha-Führung sorgte dafür, dass sich die Mannschaft von Christian Titz etwas zurückfallen ließ. Erstmals beruhigte sich das Spiel etwas. Daniel Elfadli verletzte sich in einem Zweikampf und wurde wenig später durch Amara Conde ersetzt (36.). Eine Minute später gelang dem FCM der erneute Ausgleich (37.). Einen schnellen Flachpass in die Spitze legte Baris Atik im Fallen nach rechts in die Box. Schuler knallte den Ball aus 14 Metern Entfernung oben rechts in Tor, ohne dass Ernst etwas ausrichten konnte.

Es ging rasant weiter. Tabakovic köpfte eine Flanke aus dem rechten Halbfeld von Winkler aus elf Metern rechts ins Eck (42.). Doch die Fahne ging sofort hoch. Tabakovic protestierte und die Situation wurde nochmal auf Abseits überprüft: 3:2 für Hertha BSC. Die ebenfalls lautstarken Proteste der Magdeburger führten zu einer Gelben Karte gegen die Bank. In der siebenminütigen Nachspielzeit fielen keine weiteren Tor und Hertha konnte mit der Führung in die Pause gehen.

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Torspektakel auch in der zweiten Hälfte

Hertha-Trainer Pal Dardai brachte Neuzugang Andreas Bouchalakis für Jeremy Dudziak und Smail Prevljak für Winkler. Es ging ähnlich wie in der ersten Hälfte weiter. Allerdings gelang dieses Mal den Magdeburgern das schnelle Tor (49.). Jason Ceka sicherte sich den Ball im Mittelfeld und lief vor. Aus zwanzig Metern setzte er schließlich zum Torschuss an und traf von halbrechts ins rechte Eck. Ernst kam noch an den Ball, schaffte es aber nicht mehr zu parieren. Die Antwort der Hertha folgte kurz darauf. Eine Berliner Ecke von links landete am zweiten Pfosten. Prevljak köpfte in die Mitte zu Tabakovic, der mit dem Kopf aus sechs Metern zum 4:3 für die Hertha versenkte (55.).

Der achte Treffer gehörte wieder den Magdeburgern. El Hankouri fand mit einer weiten Flanke mit dem rechten Fuß vom linken Flügel am langen Pfosten Ceka. Der Angreifer legt per Kopf in die Mitte zu Leon Bell Bell. Der 26-Jährige brachte den Ball dann aus vier Metern im Tor unter (58.).

Magdeburg übernimmt Führung

Pal Dardai reagierte auf den erneuten Führungsverlust mit einem weiteren Wechsel. Linus Gechter ersetzte Marc Oliver Kempf, der direkt in den Spielertunnel durchlief. Weil es keine der Abwehrreihen schaffte, sich zu stabilisieren, blieb das Tempo weiter hoch und das Spiel unberechenbar. In der 68. Minute übernahm Magdeburg erstmals die Führung. Mohammed El Hankouri drückte aus halbrechter Position mit 25 Metern Abstand zum Tor ab. Ernst hob ab, konnte den Ball, der in dieser Flugkurve genau ins rechte Eck ging, jedoch nicht halten.

Christian Titz entschied sich für einen Wechsel und brachte Luc Castaginos für Schuler. Dardai nutzte seinen letzten beiden Wechseloptionen und schickte Florian Niederlechner für Palko Dardai sowie Peter Pekarik für Michal Karbownik aufs Feld (71.). Das Spiel beruhigte sich etwas, weil die Magdeburger das Tempo drosselten, um ihre Führung zu halten. Auch die Hertha attackierte weniger intensiv.

Titz nahm Ceka, El Hankouri und Atik runter und brachte für die Schlussphase Ahmet Arslan, Alexander Nollenberger und Tatsuya Ito (83.). Mit den frischen Kräften schafften es die Magdeburger die Führung bis zum Ende zu halten. Und Arslan baute sie sogar noch zum 6:4 aus, indem er von rechts aus kurzer Distanz einschob (90. +3).

Nach Abpfiff: Mannschaft von Hertha BSC im Gespräch mit dem Capo der Berliner Ultras | Quelle: Imago Images/Matthias Koch

Die Reaktionen auf das Spiel

Pal Dardai (Trainer Hertha BSC): "Das ist ein neuer Kader, viele neue Spieler. Erstmal müssen wir uns richtig kennenlernen. Aber ich habe keine Zeit, mich mit Freundschaftsspielen zu beschäftigen. Das war heute so ein Spiel, das wir analysieren müssen. Wenn du schon so eine Führung kriegst, musst du das Tempo rausnehmen und Stabilität reinbringen. Das haben wir nicht getan. Nicht ein Spieler hatte heute dieses Können."

Fabian Reese (Hertha BSC): "Es ist total bitter. Du führst vier Mal. Da muss mindestens ein Punkt, wenn nicht drei Punkte am Ende bei rauskommen."

Christian Titz (Trainer 1. FC Magdeburg): "Es ist wirklich ein sehr außergewöhnliches Spiel gewesen. Ich weiß nicht, ob es das schon mal so gab und für alle Zuschauer und Fans war es natürlich fantastisch. Für uns war es allerdings ein Spiel, wo es gefühlt auf und ab ging. Es war wichtig, dass wir von draußen immer wieder versucht haben, Ruhe reinzubringen, weil wir gegen einen Gegner gespielt haben, der sehr nickelig war."

Das Spiel im Liveticker

Sendung: rbb24 Inforadio, 02.09.2023, 13 Uhr

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