Beauftragt vom Bildungsministerium
Die Evaluation eines Hortes im Spreewaldort Burg (Spree-Neiße) trifft bei den Mitarbeitenden der Einrichtung und der Amtsleitung des Ortes auf Unverständnis. Die dort beschriebene Kritik sei nicht nachvollziehbar, hieß es.
Die Evaluation im Hort "Lipa" soll eigentlich bewerten, wie das Landesprogramm zur Förderung von Kindertagesstätten mit sorbisch-wendischen Bildungsangeboten umgesetzt wird. Beauftragt hat sie das Landesministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS). Durchgeführt wird die Evaluation von der pädquis Stiftung mit Sitz in Berlin. 14 Einrichtungen in Cottbus und im Spree-Neiße-Kreis sollen bewertet werden.
Unter anderem soll die Untersuchung Erkenntnisse über die sprachliche Interaktion mit der sorbisch-wendischen Sprache liefern. So soll zum Beispiel geprüft werden, ob es genügend Anregungen dafür in der Einrichtung gibt und welche Maßnahmen besonders gut dabei helfen, die Sprache zu erlernen, so das MBJS.
Die nun der Einrichtung vorgelegten Ergebnisse beschäftigen sich laut den Mitarbeitenden des Hortes aber weniger mit dem Umgang mit der sorbische Sprache in der Einrichtung. Vielmehr seien andere Bewertungsmaßstäbe in den Vordergrund gerückt. Mit niederschmetterndem Ergebnis: Es würden nur minimale Anforderungen erfüllt, so das Ergebnis der Stiftung.
Die Kinder hätten eine zu enge Bindung an die Erzieher, Mahlzeiten würden gemeinsam zu festen Zeiten eingenommen und nicht in Buffetform angeboten. Ein Gemälde von Grimms Märchen an der Wand sei gewaltverherrlichend, so die Kritik der Stiftung.
"Ich bin einfach nur wahnsinnig wütend, ich habe das Gefühl, dass das, worauf wir besonders stolz sind, diese enge Beziehung, die wir zu den Kindern haben, dass wir die Tradition wahren und die Sprache vermitteln und ein Stück unserer Kultur weitergeben, ins Negative gezogen worden ist. Es ist die ein oder andere Träne geflossen, als wir die Auswertung bekommen haben", sagte die Hortleiterin Iva Schultchen.
Auch im Amt Burg (Spreewald) kann man die gesetzten Schwerpunkte der Evaluation nur schwer nachvollziehen. Amtsleiter Christoph Neumann sagte, für ihn sei unklar, warum die sorbischen Aspekte scheinbar nur eine deutlich untergeordnete Rolle spielen.
Das MBJS hat auf Nachfrage des rbb darauf hingewiesen, dass im Rahmen der Erhebung auch die pädagogische Qualität des Hortes im Allgemeinen bewertet wurde. Dazu wären international anerkannte Beobachtungsverfahren zum Einsatz gekommen.
Das Ministerium erwartet Ende November dieses Jahres den Abschlussbericht der pädquis Stiftung. In dem Bericht werde sich ein deutlicher Bezug zu den sorbisch-wendischen Bildungsangeboten zeigen, so das MBJS. Dabei fließen die Daten des Hortes in Burg anonymisiert in die Gesamtauswertung ein.
Die Rückmeldungen an das Hort-Team würden der Einrichtung lediglich die Möglichkeit bieten, die pädagogische Qualität weiterentwickeln zu können, hieß es weiter. Darüber hinaus sei das Ministerium offen für Kritik. Der Hort könne sich gern beim MBJS melden.
Sendung: Antenne Brandenburg, 25.10.2023, 15:40 Uhr
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