Fünf Landkreise betroffen
Die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) wird 30 ihrer momentan 141 Geschäftsstellen keine Beratung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr anbieten. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Potsdam mit. In 22 Filialen sollen nur noch Geldautomaten bereitgestellt werden, mindestens acht Filialen sollen komplett geschlossen werden, hieß es am Dienstag.
Das betrifft die Standorte in Finkenkrug und Rathenow West (beide Kreis Havelland), Bötzow, Borgsdorf, Schönwalder Straße in Hennigsdorf sowie Mühlenbeck (alle Oberhavel), Wilhelmshorst (Potsdam-Mittelmark) und Sperenberg (Teltow-Fläming). Die Zweigstelle in Groß Leuthen (Dahme-Spreewald) wird ebenfalls geschlossen, zweimal die Woche soll dort noch eine "fahrbare Geschäftsstelle" vorbeikommen. Groß Köris bleibt bis auf Weiteres geschlossen, nachdem die Sprengung eines Geldautomaten Teile der Filiale zerstört hatte.
Die Mittelbrandenburgische Sparkasse ist die größte Bank Brandenburgs und die größe Sparkasse in Ostdeutschland, sie hat eigenen Angaben zufolge 750.000 Kundinnen und Kunden. Die Unternehmensführung begründete die Schließungen am Dienstag mit "immer weiter nachlassenden Filialbesuchen" und dem Fachkräftemangel. Immer mehr Kunden zahlten bargeldlos und erledigten ihre Bankgeschäfte online, dementsprechend sinke der Bedarf an Präsenzfilialen und Geldautomaten.
Offensichtlich stehen auch nicht mehr genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung - das Personal, das die MBS hat, will die Unternehmensführung eigenen Angaben zufolge "effizienter einsetzen", um Kosten zu sparen. An die Stelle von persönlicher Beratung vor Ort sollen vermehrt Beratung über Telefon und Videochat treten.
Der Vorstand kündigte an, alle Kunden der betroffenen Standorte im Mai zu informieren und automatisch an die nächstgelegene Geschäftsstelle weiterzuleiten. Wie die Sparkasse mitteilte, habe man mit Vertretern der betroffenen Gemeinden gesprochen. Die sind aber erwartbar wenig begeistert von den Plänen. So bezeichnete Zeuthens Bürgermeister Herzberger eine vollständige Schließung der Filiale im Gespräch mit dem rbb als nicht hinnehmbar. Daraufhin sagte die MBS zu, dort einen Geldautomaten anzubieten.
Nach Angaben der deutschen Bundesbank ist die Anzahl der Geldautomaten von etwa 59.000 im Jahr 2018 auf gut 55.000 drei Jahre später gesunken. Die Zahl der Bankfilialen ging im selben Zeitraum von knapp 30.000 auf etwa 23.000 zurück, im Vergleich zum Jahr 2006 habe sie sich sogar halbiert.
Sendung: Antenne Brandenburg, 25.04.2023, 19:30 Uhr
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