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Quelle: dpa/Trappe

"Berlin-Monitor 2023"

Studie sieht Anstieg bei antisemitischen und antimuslimischen Einstellungen

Vorbehalte gegen Muslime und Juden nehmen in der Berliner Bevölkerung zu. Das zeigt der neue "Berlin-Monitor", eine Befragung von rund 2.000 Menschen. Gleichzeitig zeigen immer mehr rechtsautoritäre Ansichten.

Antimuslimische, rechtstotalitäre und antisemitische Einstellungen sind in der Berliner Bevölkerung einer Studie zufolge verbreitet. Das geht nach Angaben der Sozialverwaltung aus dem am Montag veröffentlichten "Berlin-Monitor" hervor, einer seit 2019 regelmäßig erhobenen Studie über die Einstellungen der Hauptstädter zu politischen und gesellschaftlichen Fragen.

Für den "Berlin-Monitor" befragten die Forscher im Auftrag des Senats von Ende Mai bis Ende Juli dieses Jahres 2048 Berlinerinnen und Berliner im Alter ab 18 Jahren.

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Fast 50 Prozent sehen sich als islamfeindlich

In der Umfrage stimmten 42 Prozent der Befragten der Aussage "stark" oder "eher" zu, dass die Anzahl der Muslime in Deutschland zu hoch sei. 61 Prozent glauben demnach nicht, dass sich Muslime für eine offene Gesellschaft einsetzen. 58 Prozent sehen den Islam als frauenfeindliche und 54 Prozent als "rückständige" Religion. 36 Prozent gehen davon aus, dass Muslime planen, den Westen Schritt für Schritt zu islamisieren. Nach Ansicht von 34 Prozent der Befragten streben Muslime danach, die Scharia in Deutschland einzuführen, also eine islamische, auf dem Koran fußende Gesetzgebung.

Die Autoren der Studie unter Leitung des Religions- und Kirchensoziologen Gert Pickel von der Universität Leipzig nehmen auf Basis der Befragung an, dass 20 Prozent der Befragten überzeugt muslimfeindlich und 48 Prozent überzeugt islamfeindlich seien, den Islam also ablehnten.

Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) äußerte sich besorgt über die Ergebnisse. Es werde deutlich, "dass Rassismus und Antisemitismus tief in der Berliner Bevölkerung verwurzelt sind", sagte sie am Montag bei der Vorstellung der Studie.

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Anstieg rechtsautoritärer Einstellungen

Rechtsautoritäre Einstellungen, die bereits im "Berlin- Monitor" der Jahre 2019 und 2021 abgefragt wurden, nahmen zudem laut Studie zu. So befürworteten nach Angaben Pickels rund 19 Prozent die Aussage: "Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert." Vor vier Jahren waren es noch 10 Prozent.

Dass Deutschland jetzt "eine einzige starke Partei" brauche, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpere, unterstützen aktuell 31 Prozent der Befragten. Vor vier Jahren waren es noch 19 Prozent. 8 Prozent glauben, unter Umständen sei eine Diktatur die bessere Staatsform (2019: 4 Prozent).

Gleichzeitig gaben 90 Prozent der Befragten an, dass die Demokratie am ehesten zu unserer Gesellschaft passe. 69 Prozent zeigten sich zufrieden mit der Demokratie.

Antisemitismus in vielen Köpfen

Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass der Antisemitismus zugenommen hat - und das schon vor dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober und der Reaktion Israels, in deren Folge Hass auf Juden und auf Israel in Berlin nach Beobachtungen vieler Fachleute eine neue Dimension erreichten.

Laut Umfrage stellten sich zum Beispiel 15 Prozent hinter die Aussage "Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß". 2019 waren es 3 Prozent. 12 Prozent glauben: "Die Juden und Jüdinnen haben einfach etwas Besonderes und eigentümliches an sich und passen nicht so recht zu uns" (2019: 6 Prozent). 27 Prozent halten die Staatsgründung Israels für eine schlechte Idee (2019: 13 Prozent), 13 Prozent glauben: "Juden sind verantwortlich für die meisten Kriege und Konflikte in der Welt." (2019: 2 Prozent)

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Autoren sehen "zunehmende autoritäre Dynamik" in Berlin

Die Studienautoren schließen aus der Erhebung, dass es "eine zunehmende autoritäre Dynamik" in Berlin gibt. 54 Prozent der Befragten attestieren sie eine "autoritäre Aggression", 31 Prozent eine "Verschwörungsmentalität".

Senatorin Kiziltepe betonte, dass Projekte zur Förderung der Demokratie wichtig seien. Dafür seien die Mittel im Haushalt 2024/2025 von 15 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro verdoppelt worden. Außerdem forderte sie von der Bundesregierung, "Präventionsmaßnahmen auch in schwierigen Haushaltslagen nicht in Frage zu stellen".

Sendung: rbb24 Inforadio, 18.12.2023, 14:00 Uhr

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