Vorteile des Klimawandels? - Bio-Winzer testet Weinanbau auf Böden in Frankfurt (Oder)

Do 19.10.23 | 15:15 Uhr
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Winzer Guido Seyerle baut In Frankfurt Markendorf Wein an
Audio: Antenne Brandenburg | 19.10.2023 | Elke Bader | Bild: Elke Bader/rbb

Die zunehmende Trockenheit ist ein Vorteil für den Weinbau. Davon ist ein Winzer aus Baden überzeugt. Er testet in Frankfurt-Markendorf, welche Reebsorten am besten in der Gegend angebaut werden können.

Brandenburg könnte in den kommenden Jahren zunehmend zum Weinanbaugebiet werden. Denn nicht nur auf dem Wachtelberg in Werder (Havel) oder in den ehemaligen Tagebauen lässt die märkische Sonne die Trauben bereits reifen. Nun soll auch in Frankfurt (Oder) Wein angebaut werden. Die Trauben werden dort aktuell geerntet und auch verkostet.

"Der ist nicht süß, aber auch nicht zu sauer, dass es mich durchschüttelt", resümiert Testerin Steffi Rothe und lässt den Wein in ihrem Glas gegen das Licht kreisen. "Rosè Carmen" heißt der Tropfen den Winzer Guido Seyerle aus Trauben im Ortsteil Markendorfer gekeltert hat. "Da es eine Mischung aus süß mit ein bisschen Energie ist, passt das genau für einen Rosé".

Trockenheit in Brandenburg begünstigt Wein-Anbau

Einen Hektar Anbaugebiet hat Winzer Seyerle aus Baden-Württemberg vor zwei Jahren in der bislang für Wein eher unbekannten Region Frankfurt gepachtet. "Das ist einfach auch eine Versuchsfläche, um zu sagen, was in Brandenburg geht", so Seyerle. "Und unsere Kinder und Enkel werden das irgendwann als ganz normal empfinden, dass hier Wein wächst."

Die Trockenheit in Brandenburg sei für den Weinanbau von Vorteil, erklärt Winzer Seyerle. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bereichen der Landwirtschaft, könne ihm zufolge die zunehmende Trockenheit ein Vorteil für den Weinbau sein. "Dadurch, dass es in Brandenburg normalerweise kaum regnet, hat man den Vorteil, dass es viel weniger Probleme mit Krankheiten hat. Das ist dann auch für den Verbraucher gut, weil er einfach einen reineren Wein bekommt."

Zur besserer Abwehr behandelt der Bio-Winzer seinen Wein zudem mit Aloe Vera, Brennnesseln und Schachtelhalm. Klassische Bio-Winzern verwendeten stattdessen Schwefel und Kupfer für ihre Weinstöcke. "Das wird gegossen und gesprüht. Das kommt auch auf die Blätter. Und bei Aloe Vera ist es, als ob man eine Verletzung hat: Man sprüht es drauf, dann zieht sich das zusammen. Das ist genauso wie bei den Pilzen, die die Blätter schädigen."

Bald auch Wein aus Seelow

Guido Seyerle ist neben seinem Standort in Markendorf viel mit seiner mobilen Weinpresse in Brandenburg unterwegs. Dass die Märker lieber Bier trinken, ist ihm auch schon aufgefallen. In vielen Gesprächen will der badische Winzer nun herausfinden, was den Brandenburgern schmeckt. "Die Leute sind interessiert und vor allem wenn man den Verbrauch sieht: halbtrockener und süßer Wein läuft in Brandenburg viel besser als in Baden. Die Badener trinken viel mehr trockenen Wein."

Die Erkenntnisse wolle er auch künftig in seine Produktion einfließen lassen. So wolle Seyerle weiter expandieren und hat bereits mehrere Hektar Land bei Seelow gekauft. Dort will er den Lieblingswein der Brandenburger anbauen. Geplant sei zudem eine eigene Besenwirtschaft - sobald er die Räumlichkeiten gefunden hat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.10.2023, 14:40 Uhr

Mit Material von Elke Bader

1 Kommentar

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  1. 1.

    Klimawandelfolgeanpassung.
    Wenn unser Boden gut für Äpfel ist, sollte er für Wein auch taugen.
    Dieses Jahr gab es richtig viel und lecker bei Schwiegereltern im Garten.

    Hopfen leidet wohl eher unter dem Klimawandel und wird teurer. Hab ich kürzlich in bayrischen Medien gelesen.
    Bier deshalb aber nicht unbedingt. Ist nicht der große Kostenfaktor.
    Vielleicht steig ich im Alter doch auf Wein als Genussgetränk um.

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