Strip-Till-Methode oder Beisaaten - Wie Brandenburger Landwirte ihre Arbeit an die Trockenheit anpassen
Der Prignitzer Landwirt Christian Rohwedder arbeitet seit einigen Jahren mit einer speziellen Einsaatmethode, bei dem der Boden nur wenig aufgelockert und nur einmal bearbeitet wird. Solche Methoden sollen den Boden schonen und vor allem: möglichst wenig austrocknen.
20 Tonnen zieht Christian Rohwedder mit seinem Traktor übers Feld bei Pritzwalk in der Prignitz. Die schwere Maschine hat so viel Technik verbaut, dass er sie selbst seine "eierlegende Wollmilchsau" nennt. Sie hilft ihm, seine Art des landwirtschaftlichen Anbaus besser an den Boden und die zunehmende Trockenheit anzupassen.
Christian Rohwedder arbeitet seit einigen Jahren nach dem Strip-Till-Verfahren - auch Streifenbearbeitung genannt. Es handelt sich um eine vergleichsweise neue Technik bei der Bodenbearbeitung, bei der der Boden nur eingeschränkt gelockert wird. Rohwedder hat damit gute Erfahrungen gemacht, wie er sagt. Er baut Raps, Gerste, Weizen, Mais und Erbsen an, bewirtschaftet damit 500 Hektar Ackerland, sowie jeweils 50 Hektar Grünland und Wald. "Das Stip-Till-Verfahren lockert quasi partiell direkt unterhalb der zukünftigen Wurzel", erklärt Rohwedder die Methode, bei der der Boden nur streifenweise bearbeitet wird.

"Man kann auch noch Dünger in diesen Lockerungsstreifen in verschiedene Tiefen hineinlegen und legt dann in einer Überfahrt die Saat mit rein", sagt der Landwirt. Die Vorteile liegen für ihn trotz der hohen Investitionskosten von knapp 200.000 Euro auf der Hand: "Es spart Zeit, es spart Diesel, es spart Wasserverlust", fasst Christian Rohwedder zusammen. Eine Förderung für umweltschonende Verfahren wie Strip Till fände er gut.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Methoden werde der Boden mit der Methode nur einmal geöffnet, erklärt Rohwedder. Bei anderen Verfahren wird erst das ganze Feld gepflügt und dann später gesät. Bei jeder Öffnung verdunstet allerdings kostbare Feuchtigkeit aus der - in Brandenburg oft trockenen - Erde. Das Wasser im Boden zu halten, ist deshalb das oberste Ziel für Rohwedder. Vor allem, wenn der dringend benötigte Regen ausbleibt wie in diesen Tagen.
Dürreähnliche Bedingungen, sommerliche Hitzephasen und Trockenstress
"Nach dem wärmsten Wetterjahr 2024 mit eher durchschnittlichen Regenmengen hat es nun seit Februar 2025 kaum nennenswerte Regenmengen in Brandenburg gegeben", teilt Peter Hoffmann, Leitender Wissenschaftler und Meteorologe am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) auf rbb-Anfrage mit.
Grund dafür seien anhaltende Hochdruckwetterbedingungen über Mitteleuropa. "Setzt sich die Entwicklung im Laufe der Frühlingsmonate so oder in ähnlicher Form fort, können sich bei jahreszeitlich bedingt steigenden Temperaturen dürreähnliche Bedingungen entwickeln, die sommerliche Hitzephasen verbunden mit Trockenstress verstärken können", so Wissenschaftler Hoffmann weiter.
Ende April werde die Datenlage eine genauere Einschätzung ermöglichen. Im Kontext des Klimawandels und seinen Folgen für Brandenburg "gehört der Umgang mit Trockenheit zu den größten Herausforderungen", so das PIK.
"Weg vom Pflug, hin zur pfluglosen Bodenbearbeitung"
Die Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte in Brandenburg beeinflusst das schon länger. "Landwirte passen sich mit bestimmten Anbauverfahren an die veränderten Klimabedingungen an, also hinsichtlich der Bodenbearbeitung: weg vom Pflug, hin zur pfluglosen Bodenbearbeitung, bis hin zum Extremfall Direktsaat", sagt beispielweise Hartmut Noppe, Vorsitzender des Kreisbauernverband Oder-Spree, dem rbb. Bei einer Direktsaat wird gepflügt, sondern direkt in das unbearbeitete Land eingesät. Welche Methoden am besten zum Betrieb passen, müsse jeder für sich entscheiden und sei auch abhängig von den Bodenarten, die Betrieben zur Verfügung stünden, sagt Noppe.
Bernd Starick von der Bauern AG Neißetal (Spree-Neiße) zum Beispiel nutzt winterliche Zwischenfrüchte, um den Boden vorm Austrocknen zu schützen, Wasser darin zu speichern und Humus aufzubauen. Stefan Bernickel vom Hof Beccu (Uckermark) verwendet Beisaatverfahren als Antwort auf verlängerte Vegetationsperioden mit anhaltender Trockenheit und Wärme. Dabei sollen zusätzlich eingesäte Pflanzen die Hauptkultur unterstützen.
Und Christian Rohwedder aus der Prignitz schwört auf Strip Till. Der Landesbauernverband Brandenburg hat ihre Methoden auf seinen Social-Media-Kanälen als mögliche Maßnahmen zum Bodenschutz vorgestellt und bezeichnet Klima- und Umweltschutz auf den Landwirtschaftsbetrieben als "Bestandteil des betrieblichen Managements genauso wie die Ausbildung der Azubi in den Grünen Berufen, die Maschinenwartung, das Tiergesundheitsmanagement, die Anbauplanung oder das Dünge- und Pflanzenschutzmanagement".
Henrik Wendorff: "Der Boden wird nicht mehr als nötig bewegt"
Die Landwirtschaft hat sich auf solche Situationen auch dadurch bereits eingestellt, dass immer mehr Kulturen bereits vor dem Winter in die Erde gebracht werden. "Wir sind natürlich vom Wetter abhängig, aber als Maßnahme wird der Boden nicht mehr als nötig bewegt, gerade jetzt in den Frühjahrsbestellungen", sagt Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg und Bio-Landwirt aus Worin in Märkisch-Oderland.
So könne fehlender Regen zwar nicht ersetzt werden, aber zumindest werde so Feuchtigkeit länger im Boden gelassen. Allerdings: "Die Pflanzen, die jetzt in die Erde kommen, die sogenannten Sommersaaten, brauchen jetzt Feuchtigkeit und die scheint es in den nächsten Tagen nicht zu geben", sagt Wendorff.
Für den Prignitzer Landwirt Christian Rohwedder geht "die wassersparende Bewirtschaftung schon mit der Fruchtfolge los. Die technische Umsetzung ist der letzte Schritt, den man vollzieht", sagt er. Dank der Strip-Till-Methode, ist Rohwedder sich sicher, konnte er seine Erträge in den vergangenen Jahren stabilisieren – auch bei zu wenig Regen.
Mit Material von Juliane Gunser
Sendung: Brandenburg aktuell, 24.03.2025, 19:30 Uhr