Überflutungsgefahren - Starkregenkarte für Berlin und Brandenburg ist online

Mi 26.03.25 | 17:22 Uhr
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Archivbild: Eine Gewitterzelle mit dunklen Wolken zieht über die Landschaft im Landkreis Oder-Spree in Ostbrandenburg. (Quelle: dpa/Peul)
Audio: Antenne Brandenburg | 20.02.2025 | Florian Ludwig | Bild: dpa/Pleul

Die möglichen Auswirkungen von Starkregen sind auf einer Karte für Berlin und Brandenburg jetzt einsehbar. Sie simuliert Wassertiefen, Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen im Falle eines extrem starken Regens. Diese Starkregenkarte soll Bürgerinnen und Bürgern, Behörden und Bezirken eine Orientierungshilfe über mögliche Überflutungsgefahren bieten.

Das Projekt entstand in einer Zusammenarbeit des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie (BKG) mit den Bundesländern Berlin und Brandenburg. Nutzer können auf der Karte [geoportal.de] zwei Szenarien wählen: Ein außergewöhnliches Starkregenereignis mit einer Niederschlagshöhe von 35 bis 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb einer Stunde oder ein extremes Starkregenereignis mit einer Niederschlagshöhe von 100 Litern und einer konstanten Niederschlagsintensität innerhalb einer Stunde.

Starkregen immer häufiger

Von Starkregen spricht man, wenn innerhalb kurzer Zeit außergewöhnlich große Mengen Niederschlag fallen. Starkregenereignisse nehmen in Deutschland zu. "Dieses Wetterphänomen ist selten und schwer vorhersehbar", sagt Jürgen Kropp vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung.

In einer Pressemitteilung des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie heißt es: Starkregen "ist Folge der allgemeinen Klimaerwärmung. Mit steigenden Durchschnittstemperaturen nimmt die Luftfeuchtigkeit, also der Anteil an Wasser in der Atmosphäre zu." Sobald die Temperaturen in den höheren Schichten bei gleichzeitig warmen Wetterlagen fallen, würden in relativ kurzer Zeit regional begrenzt Starkregenereignisse mit enormen Niederschlagsmengen ausgelöst.

"Städte sind durch Gebäude, Straßen und Parkplätze versiegelt", erklärt der Klimaforscher Jürgen Kropp. Wassermassen können so kaum versickern, noch von der Kanalisation vollständig aufgenommen werden, so dass Wasser auf der Oberfläche abfließt oder sich an Tiefpunkten sammelt. "Wasser folgt der Schwerkraft und sammelt sich an niedrig gelegenen Gegenden. Dann kann es zum Beispiel überflutete U-Bahnen, Keller, oder Unterführungen geben", so Kropp.

Hohe Fließgeschwindigkeit an Greifswalder Straße erwartet

Wenn das Wasser nicht mehr von der Kanalisation oder von dem Boden aufgenommen wird, dann staut es sich und fließt naturgemäß bergab. In der Online-Karte sind Straßen eingezeichnet, in denen eine besonders schnelle Fließgeschwindigkeit erwartet wird.

So zum Beispiel in der Greifswalder Straße (Berlin-Prenzlauer Berg), die zur Otto-Braun-Straße wird. Da die Straße vom S-Bahnhof Greifswalder Straße in Richung Alexanderplatz bergab führt und aus Seitenstraßen viel Wasser dazufließen würde, wird hier mit einer besonders hohen Fließgeschwindigkeit gerechnet. Die Expertinnen und Experten gehen von über zwei Meterrn pro Sekunde aus. Das sind circa sieben Kilometer pro Stunde. In der Karte ist das mit der Farbe dunkelrot markiert. Diese Fließgeschwindigkeiten seien für Menschen lebensgefährlich, denn es würde dann schwer fallen, sich auf den Beinen zu halten, schreibt das BKG in einer Pressemitteilung.

Rund um Pritzwalk im Landkreis Prignitz gibt es gleich mehrere Bereiche, in denen bei so einem Starkregenereigniss hohe Fließgeschwindigkeiten erwartet werden. So zum Beispiel auf der Bundesstraße 189 im Südwesten der Stadt und auf der selben Straße im Südosten von Pritzwalk.

Überflutungen mit großer Tiefe

In der Starkregenkarte sind neben den Fließgeschwindigkeiten und Fließrichtungen auch die erwarteten Überflutungstiefen für Berlin und Brandenburg angegeben. In Berlin wird sich laut der Karte das Wasser zum Beispiel in Charlottenburg in der Nähe des Fürstenbrunner Weges stauen. Dort, wo aktuell die Kleingartenkolonie "Tiefer Grund 2" liegt, soll bei einem Starkregenereignis das Wasser bis zu vier Meter hoch stehen. Solche Überschwemmungstiefen werden auch am Ostbahnhof und auf dem Tempelhofer Feld erwartet.

In Brandenburg an der Havel könnte es bei einem solchen Starkregen rund um den Nicolaiplatz ähnliche Wassertiefen geben. Aber auch in Cottbus würde es vereinzelt zu solchen Überflutungen kommen. So zum Beispiel rund um die Lessingstraße. Forscher warnen vor diesen Regenfällen und fordern ein Umdenken in der Stadtplanung.

Forscher fordert Entsiegelung der Städte

Klimaforscher Jürgen Kropp vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung erklärt, wie die Wassermassen gebändigt werden könnten: "Am besten wäre es, wenn das Wasser versickert. Dafür braucht man entsiegelte Flächen. Oder man schaut, ob man Gebiete hat, die tiefer liegen, um das Wasser dorthin gezielt zu leiten, wo es keine Gefahr darstellt und versickern kann."

Die Städte können so zur "Schwammstadt" werden, so Kropp. Zusätzlich können auch Dachflächen begrünt werden, um den Abfluss des Wassers zu verzögern. Auch dadurch würden Risiken vermindert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.02.2025, 17:30 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Gutes Tool! Wenn die Karte auch noch laden würde. Das dauert mittlerweile über 10 Minuten und wird Pixel für Pixel nachgeladen.

  2. 11.

    In D. gibt es genügend Vorschriften und Gesetze zum Umgang mit Oberflächenwasser. Aber sie haben aus meiner Sicht dringenden Novellierungsbedarf.

    Vor einiger Zeit sah ich eine Doku, wie in New York eine Idee umgesetzt wurde. In einem neu gebauten Gebiet wurden zu gepflanzten Bäumen nicht nur die Dächer, sondern auch Hochhausassaden kpl. begrünt. Gesammelter Niederschlag wird tlw. hierüber verrieselt. So wurde eine höhere Luftfeuchte erreicht. Die Folgen sind eine Temperatursenkung von >4 Grad Celsius u. weniger Feinstaubbelastung.

    In SRB ist es noch anders.

    Die Niederschlagmenge ist hier stark richtungsabhängig. Aus NW bis SW, ist es seit > 20 J. so, dass z. B. in B. und P. u. a. Starkregen fällt u. es zu Überflutungen kommt.

    Bei mir in SRB kommt dagegen, bedingt durch den Regenschatten von Berlin, fast immer nur vglw. Mückenpipi oder gar nichts an.

    Besser ist es, wenn die Niederschläge von woanders herkommen, aber meist ist es auch dann nicht der wirklich große Bringer...

  3. 9.

    Das Tempelhofer Feld ist riesig; die zu erwartenden Probleme bei Starkregen bekannt-
    Also wäre DAS doch eine prima sinnvolle Maßnahme in so vielerlei Hinsicht ein großes Auffangbecken fürs Wässer unter dem Tempelhofer Feld zu bauen..!

    Das ZUVIEL an Wasser kann abfließen; bei Trockenheit kann es (als Gießwasser) entnommen werden… usw.
    gibts schon in vielen anderen Städten sowas.

    Wiedereinmal bräuchte es nun Verantwortliche mit Weitblick ..

  4. 7.

    Die relativieren und bagatellisieren Kommentare spiegeln die Gesellschaft. Nö, hatten wir nicht. Bei uns ist 2 mal das Untergeschoss vollgelaufen im Einfamilienhaus. Es hat tausende von Euro gekostet einen Schuz zu zu bauen. Wir sind halt auf uns selbst gestellt. Jeder sollte daran arbeiten, dass unser gesamtes Leben nicht in Gefahr ist.

  5. 6.

    Jaja, das "Entsiegeln" und "Schwammstadt" und "ob man Gebiete hat, die tiefer liegen" - Blödsinn, Blödsinn, Blödsinn.
    Wir in Berlin werden irgendwann unter gehen, Knöcheltief oder bis zum Hals?

  6. 5.

    Die etwas ältere Meldung liest sich heute schon etwas komisch. Das es solche Karten gibt, ist ohne Frage eine gute Sache. Sehe ich aber heute in die Regentonnen, kann ich nur grob den Boden sehen. Nach Entfernung der Spinnweben ist er tatsächlich noch unter einer Staubschicht vorhanden.

  7. 3.

    Was bitte geht hier vor ? Sie werden einfach niedergemacht - alle Bäume auf der Mitttelinsel ! Ich lebe doch hier, wo bleibt der Sauerstoff, den sie alle produzierten ? Wie warm wird es werden im Sommer hier ? Ist doch eine echte Schweinerei solche Verändering zu akzeptieren. Ich kann es nicht fassen, dass Sie so etwas machen bei mir und hier - wirklich nicht !!!

  8. 2.

    Also hier herrscht bestes Wetter

  9. 1.

    Bei uns geht jetzt schon los! Es schüttet, wie aus Eimern! Dann wird die Allee spiegelglatt!