Jahresbericht des BBU - Wohnungsunternehmer-Verband: "Mieten in Berlin ist günstig"

Do 25.07.24 | 11:43 Uhr
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Baugerüst am Fenster eines Hauses, dahinter ein fertig gestelltes Haus, Berlin, 06.05.2024. (Quelle: Picture Alliance/Jochen Eckel)
Audio: rbb24 Inforadio | 25.07.2024 | Jan Menzel | Bild: Picture Alliance/Jochen Eckel

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen hält die Miete in Berlin für günstig - auch wenn die Wahrnehmung eine andere sei. Besonders Neuvermietungen über private Immobilienportale würden das Bild verzerren.

Berlin hat nach Auffassung des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) kein gravierendes Mieten- sondern ein Neubau-Problem. "Mieten in Berlin ist günstig", sagte BBU-Vorstand Maren Kern am Donnerstag bei der Vorstellung des Jahresberichts ihres Verbands. Kern sprach allerdings davon, dass die "Wahrnehmung" vielfach eine andere sei.

Der Verband führte das darauf zurück, dass vor allem auf die Angebotsmieten, nämlich für Neuvermietungen, insbesondere bei privaten Immobilienportalen geschaut werde. Das würde das Bild jedoch "verzerren" und "Ängste schüren".

Berlin deutlich günstiger als München

Der BBU verwies hingegen auf die Zahlen der Volkszählung Zensus. Danach liegen die 2022 ermittelten Durchschnittswerte der Nettokaltmiete in Berlin bei 7,67 Euro pro Quadratmeter. In München liege der Preis mit 12,89 Euro deutlich darüber.

Der BBU betonte außerdem, dass in der bayrischen Landeshauptstadt mehr als die Hälfte der Mieter mehr als 8 Euro pro Quadratmeter für die Miete aufbringen müsse. In Berlin sei das Bild ein deutlich anderes. Hier lägen die Mieten für 70 Prozent der Haushalte unter der Marke von 8 Euro. Dabei handle es sich allerdings um Bestandsmieten.

Bei Neuvermietungen würden in den gängigen Immobilienportalen Mietpreise von 11,54 pro Quadratmeter aufgerufen, räumte Kern ein. Sie verwies darauf, dass rund drei Viertel der BBU-Mitgliedsunternehmen nicht auf diesen Portalen inseriere. Die BBU biete auch deutlich günstiger Wohnungen an.

Neubau-Investitionen eingebrochen

Laut Kern ist aktuell nicht die Mietenentwicklung die drängendste Herausforderung auf dem Berliner Wohnungsmarkt, sondern der immer stärkere Abwärtstrend beim Neubau. "Da müssen wir bedauerlicherweise feststellen, dass wir eine Talfahrt haben", so die BBU-Chefin. So seien die Neubau-Investitionen 2023 real um 18 Prozent eingebrochen. Den Unternehmen machten insbesondere die gestiegenen Baukosten zu schaffen. Außerdem seien Millionenbeträge notwendig, um die Wohnungsbestände energetisch zu sanieren.

Der BBU erwartet für das kommenden Jahr einen regelrechten Einbruch bei den Fertigstellungen. 2025 würden demnach nur noch 4.486 Wohnungen schlüsselfertig übergeben. In diesem Jahr sollen es noch 7.139 sein.

Sendung: rbb24 Inforadio, 25.07.2024, 12:20Uhr

59 Kommentare

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  1. 59.

    Was ist das überhaupt für ein Begriff?
    Und vielleicht ist es Ihnen schon zu Ohren gekommen, dass es nicht nur Bürojobs gibt. Es gibt genug Menschen, die mehr als eine Stunde zur Arbeit pendeln. Sieht man an den Fahrgastzahlen im Berufsverkehr und an den Staus.
    Aber ich vermute, Sie wollen hier nur provozieren.
    Schönen Abend noch.

  2. 58.

    "Hier offenbaren sich sich ja Abgründe, was das wirtschaftliche Verständnis und die Zusammenhänge betrifft."

    Nennen sie uns welche. Die Zusammenhänge zwischen Neubau und steigenden Bestandsmieten sind erwiesen.

  3. 57.

    "Ich denke man sollte in der Schule bereits das Thema Geld&Verstand unterrichten."

    Das wäre aber schlecht für ihre Scheinargumente und die Banken. Dann würden die meisten Menschen nämlich sehen in welche Armutsfalle sie tappen wenn man auf ihre Vorschläge hereinfällt.

  4. 56.

    Deswegen lege ich mein Geld auch lieber in Aktien und Anleihe an. Tagesgeldzinsen sind mir auch zu wenig.

  5. 55.

    Kann ich bestätigen, es ist so gut wie unmöglich und für Vermieter unzumutbar, was die Gesetze und Gerichte hier aktuell machen.

  6. 54.

    In anderen europäischen Großstädten wird auch gesendet. Es ist nur die eigene Komfortzone, dass man nicht bereit ist für die Arbeit auch mal 1h zu fahren, weil Wohnkonsum und Arbeitsplatz räumlich getrennt sind. Übrigens haben die meisten Firmen eine Regelung, die nur 40% Anwesenheit im Büro in Präsenz vorsieht.

  7. 53.

    Ich denke, dass es mehr um die Befähigung der Menschen gehen sollte, damit auch in Deutschland endlich die Eigentumsquote steigt. Hierzu muss aber auch ein Umdenkprozess angestoßen werden. Das entlastet dann auch den Mietmarkt, wenn nur noch Menschen, die sich Eigentum nicht leisten können, auf Miete angewiesen sind.. Die beobachtbare Fehlentwicklung in der post-Kriegszeit muss in Deutschland nun schrittweise beseitigt werden.

  8. 52.

    Und die Gesetze und Rechtsprechung in Deutschland ist so vermieter-unfreundlich. Hier sollte nachgebessert werden. Sonst hilft keine noch so hohe Förderung und keine Abschreibungsmöglichkeit, um hier wieder mehr Aktivitäten zu entfalten. Eine Vereinheitlichung durch Anpassung an die Regeln des Gewerbemietrechts wäre hier ein erster wichtiger Und richtiger Schritt zur Attraktivitätssteigerung.

  9. 51.

    Bestandsmieten und Neumieten in einen Topf zu werfen verzerrt natürlich das Bild. Wer eine Wohnung sucht, dem nützt es gar nichts auf alte, günstige Mietverträge zu schauen, die man eh nicht übernehmen kann. Die Realität ist, dass neue Mietverträge auch in Berlin immer weniger bezahlbar werden. Dabei kann nun mal nicht jeder an den Stadtrand ziehen, wenn sich der Arbeitsweg dadurch verdoppeln würde. Das hat nichts mit Ansprüchen zu tun. Und München sollte mit seinen überteuerten Mieten hier wirklich kein Maßstab sein.

  10. 50.

    In solchen Momenten ist der Staat gefragt. Da müssten die Gelder herkommen das Bauen wieder Geschäftsfähig zu machen. Dummerweise stellt man sich beim sozialen Wohnungsbau und steuerlichen Vergünstigungen quer um die erhöhten Baukosten abzufangen. Damit schießt sich die Regierung ins eigene Knie und verfehlt die Ziele für den Wohnungsbau um längen.

  11. 49.

    Rund drei Viertel der BBU-Mitgliedsunternehmen inserieren nicht auf diesen Portalen. Die BBU biete deutlich günstiger Wohnungen an.

  12. 48.

    Man muss ein vernünftiges Netto-Haushaltseinkommen bei Mietern fordern, weil man nur Probleme hat, wenn der Mieter die Kosten für seinen Wohnkonsum nicht mehr aufbringen kann. Dauert Mega-Lange sich von Zechprellern zu trennen. Hier sollten die Gesetze denen des Gewerbemietrechts angepasst werden.

  13. 47.

    Ja, stimmt. Ausländische Fachkräfte wundern sich oft, warum bei Ihnen Zuhause die Eigentumsquote bei über 90% liegt und hier in einem Land mit oftmals gebildeten Menschen diese so unterirdisch schlecht ist. Ich denke man sollte in der Schule bereits das Thema Geld&Verstand unterrichten.

  14. 46.

    Das niemand mehr Miet-Wohnungen bauen will verwundert nicht wirklich, die magere Rendite von 1,5% macht ein schlecht verzinstem Tagesgeldkonto auch ohne Mieterrisiko.

  15. 45.

    In Berlin liegen die Mieten für 70 Prozent der Haushalte unter der Marke von 8 Euro bei den Bestandsmieten. Also wie bei uns, wir zahlen für 100 qm 790 Euro monatlich, unser Haushaltsbrutto beträgt 8.000 Euro monatlich, mein Mann ist als Handwerker selbständig tätig.

  16. 44.

    Ja, stimmt, bei uns im Freundeskreis Zahl keiner mehr als 9 Euro pro Quadratmeter Miete. Es ist halt eine Frage der eigenen Wohn-Konsum-Ansprüche, die man so mitbringt.

  17. 43.

    Um Sanierungsstau abzuarbeiten, müssten erst einmal die Mieten in den landeseigenen ordentlich ansteigen. Schließlich kosten Handwerker und Baustoffe sehr viel Geld.

  18. 42.

    Also in Spandau, Marzahn-Hellersdorf etc. gibt es leere Wohnungen... Aber alle wollen ja innerhalb des S-Bahn-Rings wohnen...

  19. 41.

    Es gibt etliche Wohnungen bei denen die WBS-Kriterien nur mal anfangs von den Wohnungsnutzern erfüllt wurden. Hier sollte regelmäßig geprüft und eine satte Fehlbelegungsabgabe gefordert werden. Andernfalls handelt es sich um Missbrauch der Sozialleistungen, die alle Steuerzahler zahlen.

  20. 40.

    Mieten und Kaufen sind austauschbar. Wenn Sie Mieten wollen weil sie sich nicht an eine Immobilie binden wollen dann ist das Ihre Entscheidung. Ja, wenn Sie den Preis nicht zahlen wollen müssen Sie es nicht. Es steht Ihnen frei sich jedem Vertrag zu entziehen der Ihnen zu teuer erscheint. Es gibt in Berlin die ein oder andere Ecke die besonders beliebt ist. Da wird es natürlich dann auch teurer. Den Preisen kann man sich auch entziehen.
    Berlin ist die Bundeshauptstadt. Wir haben exzellente Universitäten, ein großes Angebot von Arbeit, viele Bars und Clubs, ein weitreichendes Nahverkehrsnetz und sind der Puls von Deutschland. Daher sollte Berlin andere Städte preislich langsam einholen.

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