Berliner Stadtentwicklung - Plan für Stadtviertel "Pankower Tor" ist nach 16 Jahren unterschrieben

Di 25.03.25 | 21:34 Uhr | Von Johanna Sagmeister
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Blick auf das Pankower Tor, aufgenommen am 25.03.2025 in Berlin-Pankow. (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
rbb/Matthias Bartsch
Vertrag für ''Pankower Tor'' unterzeichnet

Vertrag für ''Pankower Tor'' unterzeichnet

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Video: rbb24 Abendschau | 25.03.2025 | Dorit Knieling | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Seit 16 Jahren verhandeln der Investor Kurt Krieger und der Bezirk Pankow über das Gelände zwischen den Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf. Jetzt wurde der Vertrag unterschrieben. Einige Streitpunkte bleiben aber offen. Von Johanna Sagmeister

Es braucht noch Fantasie, um sich auszumalen, wie das neue Stadtviertel am S-Bahnhof Pankow aussehen soll. Der zentrale Zugang zu dem Gebiet ist die Auffahrt von der Berliner Straße am S-Bahnhof Pankow. Hinter dem Bauzaun mischt sich vertrocknetes Gras mit Sand, ein kleiner Hügel ist mit grünen Absperrplanen umringt.

Dort steht Edda Metz, Geschäftsführerin Immobilien der Krieger-Gruppe, und breitet den aktuellen Bauplan für das sogenannte "Pankower Tor" aus, um zu erklären, was auf dem Grundstück geplant ist. "An diese Ecke kommt überwiegend studentisches Wohnen hin", sagt sie. "Da vorne dann noch ein etwas höheres Haus mit sieben Geschossen, Einzelhandel, Büros ein kleiner Stadtpark."

Visualsierung des geplanten Architekturprojekt Pankower Tor.(Quelle: Nöfer Architekten Berlin/Krieger Unternehmensgruppe)
Visualisierung des geplanten Stadtviertels "Pankower Tor" | Bild: Nöfer Architekten Berlin/ Krieger Unternehmensgruppe

Ursprünglicher Plan: Möbelhaus und Park

Grob gerechnet umfasst die Planfläche ein Areal von etwa 47 Hektar. Auf ihnen entstehen sollen 2.000 Wohnungen, eine Schule, zwei Kitas, eine Art Stadtteilpark, eine Einkaufsstraße und ein neuer Möbelmarkt. Mit dem hatte alles angefangen, als Möbelhaus-Milliardär Kurt Krieger das Gelände 2009 kaufte. Der heutige 76-Jährige kaufte 1967 die Namensrechte des Möbelhauses Höffner und gründete das Unternehmen in der Weddinger Pankstraße neu. Heute gehören ihm auch Möbel Kraft und Möbel Walther. "Eigentlich wollte Kurt Krieger hier ein Möbelhaus und einen Park bauen", erklärt Edda Metz am "Pankower Tor". "Jetzt wird ein neues Quartier entstehen."

Auch wegen der unterschiedlichen Vorstellungen über den Bauplan scheiterten die Verhandlungen mit dem Bezirk immer wieder. “Die Bedürfnisse haben sich einfach verändert”, erklärt der Pankower Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Cornelius Bechtler (Grüne), der beim Rundgang dabei ist. "Pankow hat in den letzten 25 Jahren fast 100.000 Einwohner dazu gewonnen, jetzt kommen in den nächsten Jahren noch mal 60.000 bis 70.000 dazu", erklärt er.

"Eine Menge Zeit verloren"

Bechtler sagt, er finde, dass das Land Berlin seine Erwartungen an das Bauprojekt zu spät formuliert habe. "Dadurch haben wir natürlich auch eine Menge Zeit verloren", sagt er. “Das ist sicherlich etwas, das wir lernen können", so Bechtler mit Bezug auf die politischen Verfahren. Das Land Berlin hätte beispielsweise seine Anforderungen "zielstrebiger formulieren" und die Planverfahren konsequent vorantreiben müssen.

Zehn Stunden waren für die Vertragsunterzeichnung unter notarieller Beurkundung am Dienstag eingeplant. Dabei ging es nach ersten Angaben um den städtebaulichen Vertrag, den Erschließungsvertrag, den Vertrag über die naturschutzrechtlichen Maßnahmen und die anschließende Fortführung des Bebauungsplanverfahrens. Diese Einigung nach 16 Jahren sei ein "Meilenstein", sagt Edda Metz. Bezirksstadtrat Bechtler bezeichnet die Einigung als “sehr großen Schritt”.

Zukunft der Lokschuppen noch offen

Doch es sind noch nicht alle Kämpfe ausgetragen. Zu Verzögerungen führte auch Streit über Natur- und Artenschutz sowie über Denkmalschutz. Die vom Aussterben bedrohte Keuzkröte muss noch umgesiedelt werden. Dafür lässt Krieger gerade Teile der Kleingartensiedlung "Feuchter Winkel" abreißen. Ein Vorgehen, gegen das der Deutsche Naturschutzbund (Nabu) Anfang März klagte.

Auch was mit den drei denkmalgeschützten Gebäuden passieren wird, ist noch nicht geklärt. Das Areal, auf dem sie stehen, ist aus dem Bauplan, der nun unterschrieben wird, herausgehalten worden. Das "Pankower Tor" war einst Deutschlands größter Rangierbahnhof. Daran erinnern ein Rundlokschuppen aus dem Jahr 1893 und ein Ringlokschuppen aus dem Jahr 1901. Zu dem Ensemble gehört auch ein Sozialgebäude von 1960, ein Industriebau der klassischen Moderne.

Visulaisierung der Neubauten im geplanten Projekt Pankower Tor(. Quelle: Nöfer Architekten Berlin/ Krieger Unternehmensgruppe)So sollen Gebäude im Stadtviertel "Pankower Tor" aussehen.

"Dass man diese drei unterschiedlichen Epochen an einem Ort hat, ist auch eine Dokumentation von Industriegeschichte", sagt Bezirksstadtrat Bechtler, "das ist wichtig". Das Verwaltungsgericht Berlin hatte im Dezember vergangenen Jahres entschieden, dass die Gebäude nicht abgerissen werden dürfen, was Krieger eigentlich vorhatte.

Vision für Lokschuppen: ein "Naturbildungsort"

"Unsere Vision ist, dass die Stiftung Naturschutz mit ihrer Verwaltung in den Ringlokschuppen einzieht", sagt Edda Metz, als sie vor dem Gebäude steht. Auch Baustradtrat Bechtler gefällt diese Idee, wie er sagt. "Wenn wir hier Naturschutz und Industriegeschichte zusammenbringen, haben wir hier einen spannenden, interessanten Ort."

Wann es darüber eine Entscheidung geben soll, steht noch nicht fest. "Jetzt haben wir den Fokus auf dem Wohnungsbaugrundstück und wollen hier die 2.000 Wohnungen zum Erfolg führen", sagt Edda Metz.

Der Lokschuppen ist von der Autobahnbrücke Prenzlauer Promenade nahe der S-Bahnstation Pankow-Heinersdorf gut zu sehen. Hier steht Thomas Brandt und schaut auf die Brache Richtung "Pankower Tor" hinab. "Ich hoffe, dass hochwertige Wohnungen entstehen, die man auch bezahlen kann", sagt er. Brandt ist Co-Vorsitzender des Vereins "Für Pankow". Die Bürgerinitiative sei von Anfang an für die Bebauung gewesen, erzählt er. Dass es jetzt endlich losgehen kann, sei ein wichtiges Signal.

Doch bis das Bauprojekt fertig ist, dauert es noch: In zehn Jahren, also 2035, soll das neue Stadtviertel fertig sein, wie Edda Metz am Ende des Rundgangs sagt.

Sendung: rbb24 Abendschau, 25.03.2025, 19.30 Uhr

Beitrag von Johanna Sagmeister

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72 Kommentare

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  1. 72.

    Und als Eigentümer leben sie im Alter dann kostenfrei? Woher kommt bloß immer dieses fehlerhafte Wissen?

  2. 71.

    Darf ich mal fragen was eigentlich "gild"ist .Da ich ein klein wenig die englische Sprache verstehe ist Ihr Kommentar irgendwie merkwürdig.

  3. 70.

    Ich lebe in Deutschland, wohne in Rheinsberg und die Firma für die ich arbeite ist in Dresden. Hoffentlich konnte ich Sie jetzt ein "klein wenig aufklären "

  4. 69.

    Gut, mit der Kommasetzung hapert es bei Ihnen aber auch.
    Wer im Glashaus sitzt, .... gild auch in Rheinsberg/Dresden.

  5. 68.

    Für jemanden, der in Rheinsberg lebt, aber Dresden angibt, ...

  6. 67.

    Auch Sie sind schon ein Verlierer, jedenfalls was die Orthographie betrifft.

  7. 66.

    Hoffentlich dauert es nicht so lange. Das Areal sollte sehr schnell an Tram und Schiene angeschlossen und bebaut werden. Ich freue mich schon darauf, dort als einer der ersten zu wohnen. Für eine 2-Zimmer-Wohnung sollte mein Eigenkapital reichen, den Rest bekomme ich ja von der Bank.

  8. 65.

    Wo habe ich Deutschland schlecht geredet? Es stimmt auch nicht dass es in Deutschland Menschen gibt die für einen Mindestlohn arbeiten. Na dann bin ich gespannt auf Ihre Antwort.

  9. 64.

    Weil ja die Mehrheit für Mindestlohn arbeitet. Hören Die auf Märchen zu erzählen. Es wird immer "Verlierer" geben, die nicht den normalen Weg, sondern Unterdurchschnittliches Erreichen. Das sollte jedoch nicht der Maßstab und das Ziel sein. Man kann mehr erreichen, wenn man sich anstrengt im Leben als Mindestlohn und Dauer-Bürgergeld. Wir sind nicht so schlecht wie Sie unser Deutschland darstellen.

  10. 63.
    Antwort auf [Moin] vom 25.03.2025 um 10:51

    Was für ein inhaltmäßig-intelligenter Beitrag!
    Mal etwas abgesondert, weil man sonst kein Gehör findet?

  11. 62.

    Erklären Sie mal denjenigen Menschen die für den Mindestlohn arbeiten wie die zu Wohneigentum kommen sollen.

  12. 61.

    16 Jahre bis zur Vertragsunterschrift,der Bau der Cheopspyramide hat etwa 20 Jahre gedauert. Berliner Tempo eben.

  13. 60.

    Also, ich fange schon gleich mal mit dem Sparen fürs Eigenkapital an und kaufe mir dann dort eine gut geschnittene 2-Zimmer-Wohnung mit Garten. Warte schon so lange, dass dieser neue Stadtteil entsteht. Jetzt geht es endlich los.

  14. 59.

    Mieten ist immer nur eine Übergangslösung. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Eigentum muss ohne Wenn und Aber angestrebt werden. Dann klappt es auch im Alter. Hier gab es in den letzten Jahrzehnten leider ein falsches Mindset. Einige werden auf Dauer im Mieterhamsterrad bleiben müssen und dann mit den entsprechenden inflationsbedingten Preisanpassungen leben müssen.

  15. 58.

    Prima. Kann jetzt nach 16 Jahren endlich losgehen. Gute Nachrichten für Berlinerinnen und Berliner.

  16. 56.

    Naja, im Museum will auch keiner wohnen und den Ausstellungsstücken kann es nach tausenden von Jahren unter der Erde auch egal sein, wenn sie Mal für 30 Jahre wieder nicht gesehen werden. Aber 16 Jahre nur für die Planung von Wohnungsbauten ist nicht mehr vertretbar. Wenn die Bauphase dann ebenso "schnell" ist, dann wäre sogar die Errichtung der Pyramiden flotter gewesen.

    Das Land lebt zunehmend im selbst verursachten Stillstand.

  17. 55.

    "Schade, dass meine Antworten mittlerweile, die nicht gegen die Richtlinien verstoßen, nicht veröffentlich werden ..."
    Da nehme ich mal an, dass eine so qualifizierte Meinung auch den Tagesspiegel erreichte.
    Schade, dass die von Ihnen so genannten "urpankower Granitzstraßenbewohner", die Sie vorgeben zu kennen, mich ausschließt.
    Ich wohne seit 1984 in der Granitzstraße und habe noch die Zeiten des RAWs miterleben dürfen. Auch verbrachte ich meine Schulzeit, 1961-1971, im Rahmen des UTP in diesem Werk.
    Also schwadronieren Sie nicht von "urpankower", als einer der ab 1990 zugezogenen Gentrifizierer.


  18. 54.

    Schade, dass meine Antworten mittlerweile, die nicht gegen die Richtlinien verstoßen, nicht veröffentlich werden - jetzt noch ein Versuch:
    Mein "Gejammer" wie Sie es bezeichnen, bezüglich der Versiegelung am Gendarmenmarkt habe ich beim Tagesspiegel als qualifizierte Meinung kommentiert. Die Urpankower Granitzanwohner, die ich kenne, sind seit Anfang an gegen die Bebauung und sehen die Zerstörung einer wichtigen Freifläche ebenso schlimm wie die Verdrängung der sich wieder ansiedelnden Flora und Fauna, was Sie auch nicht leugnen können. Und Einkaufsmöglichkeiten gibt es bereits genug, wozu also ein Überangebot schaffen? Sollten Sie zugezogen sein,erkunden Sie Ihre Umgebung und erkennen, wo und was man alles schon kaufen kann im Kiez und der Umgebung. Viel Spaß beim Entdecken der vorhandenen Möglichkeiten :-)
    Nur mal gefragt: Hätte eine Teilbebauung nicht auch gereicht?

  19. 53.

    Es ist traurig, wie hier mit unser Geschichte umgegangen wird. Denkmalgeschützt Häuser kann man integrieren und wenn die deutsche Bürokratie nicht so erschwerlich wäre, würde auch vieles viel einfacher sein. Wir werden es irgendwann bedauern diesen Rangierbahnhof in ein Wohnviertel umgewandelt zu haben. Wenn wir unsere Natur weiter so behandeln wie es hier in Deutschland geschieht, brauchen wir uns um Staatsverschuldung nicht mehr sorgen. Es braucht schon mehr als nur Geld um unsere Welt zu retten. Verstand und Rücksicht, wären da ein Anfang!