Angespannter Haushalt - Koalition prüft eine Wochenstunde mehr Unterricht für Brandenburger Lehrer
Hunderte Lehrer fehlen aktuell in Brandenburg. Angesichts auch finanziell enger Spielräume sollen die Lehrkräfte künftig eine Stunde mehr unterrichten. Doch die Pläne der SPD/BSW-Koalition stoßen auf wenig Zustimmung.
- Lehrer sollen künftig eine Stunde mehr unterrichten
- SPD: Arbeitszeit soll dafür umgeschichtet werden
- Opposition reagiert überwiegend ablehnend auf Pläne
- Gewerkschaften kündigen Protest an
Die Lehrerinnen und Lehrer in Brandenburg könnten angesichts enger finanzieller Spielräume künftig eine Pflichtstunde mehr unterrichten. Darüber berät die SPD/BSW-Koalition, wie aus Informationen der Deutschen Presse-Agentur zu den Haushaltsplänen am Dienstag hervorgeht. Zuerst berichtete der "Tagesspiegel" [Bezahlinhalt].
SPD: Innerhalb der Arbeitszeit umschichten
Unter dem Strich soll die Zahl der Wochenstunden jedoch nach SPD-Angaben nicht steigen. "Es muss keine Lehrerin und kein Lehrer fürchten, dass jetzt die Wochenstundenzahl angehoben wird", sagte SPD-Fraktionschef Björn Lüttmann. "Es geht darum, innerhalb der Arbeitszeit umzuschichten hin zu einer weiteren Stunde mehr in der Schule und dafür auf der anderen Seite aber (...) vor allem bei den bürokratieaufwendigen Arbeiten zu entlasten." Alternativ könnten auch Stunden gemindert werden, die Lehrern für besondere Aufgaben angerechnet werden.
In Brandenburg fallen bisher an Grundschulen 27 Stunden pro Woche und an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien 25 Stunden pro Woche verpflichtend an. Mit einer Pflichtstunde mehr wäre das Niveau der Wochenstunden in Berlin erreicht.
Finanzminister Robert Crumbach (BSW) hatte angekündigt, dass der Doppelhaushalt für 2025 und 2026 für Brandenburg nicht ohne Kürzungen auskommen und zu neuen Schulden führen werde. Das Bildungsministerium äußerte sich auf Anfrage nicht zum Stand des Haushaltsverfahrens vor dem Kabinettsbeschluss.
Opposition lehnt Vorschlag überwiegend ab
Die Opposition sieht die Pläne unterschiedlich. CDU-Fraktionschef Jan Redmann sagte: "Wir haben gar nicht ganz grundsätzlich etwas gegen diese Stunde. Man muss die Lehrer an der Stelle aber mitnehmen - und zwar mit Anreizen." Die AfD-Fraktion ist dagegen. Eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl bringe nicht den erhofften Erfolg, belaste die Lehrer mehr und sei deswegen abzulehnen, sagte Bildungspolitiker Dennis Hohloch. Die Grünen sprachen von einem "bildungspolitischen Armutszeugnis der SPD-BSW-Landesregierung". Die Linke befürchtet mehr Unterrichtsausfall und weniger Lehrerinnen und Lehrer.
In Brandenburg herrscht Lehrermangel: Zu Schulbeginn im Herbst 2024 waren laut Bildungsministerium 455 Vollzeitstellen unbesetzt. Um mehr und schneller Lehrer auszubilden, hat das Land Brandenburg mit dem Libra Anfang 2025 ein eigenes Institut für Schule und Lehrkräftebildung eröffnet. Ziel ist die die berufsbegleitende Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern, vom Referendariat über Fortbildungen bis zur Führungskräftequalifikation.
GEW kündigt Proteste an
Die Pläne der Landesregierung stoßen auch bei Gewerkschaften auf große Kritik. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kündigte Proteste an. "Da wird es Widerstand geben", sagte der Landesvorsitzende Günther Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Art der Politik wird nicht dazu führen, dass mehr Unterricht erteilt wird." Die Pflichtstunden und der Bürokratieaufwand könnten nicht gegeneinander aufgerechnet werden.
"Wir sind erzürnt, wir sind wütend", sagte der Präsident des Brandenburgischen Pädagogenverbands, Hartmut Stäker, der "Märkischen Allgemeinen".
Sendung: Antenne Brandenburg, 25.03.2025, 15 Uhr