Angespannter Haushalt - Koalition prüft eine Wochenstunde mehr Unterricht für Brandenburger Lehrer

Di 25.03.25 | 16:20 Uhr
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Symbolbild: Unterricht in einer Schule - Lehrer sitzt vor einer Tafel. (Quelle: imago images/serienlicht)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.03.2025 | Björn Lüttmann | Bild: imago images/serienlicht

Hunderte Lehrer fehlen aktuell in Brandenburg. Angesichts auch finanziell enger Spielräume sollen die Lehrkräfte künftig eine Stunde mehr unterrichten. Doch die Pläne der SPD/BSW-Koalition stoßen auf wenig Zustimmung.

  • Lehrer sollen künftig eine Stunde mehr unterrichten
  • SPD: Arbeitszeit soll dafür umgeschichtet werden
  • Opposition reagiert überwiegend ablehnend auf Pläne
  • Gewerkschaften kündigen Protest an

Die Lehrerinnen und Lehrer in Brandenburg könnten angesichts enger finanzieller Spielräume künftig eine Pflichtstunde mehr unterrichten. Darüber berät die SPD/BSW-Koalition, wie aus Informationen der Deutschen Presse-Agentur zu den Haushaltsplänen am Dienstag hervorgeht. Zuerst berichtete der "Tagesspiegel" [Bezahlinhalt].

SPD: Innerhalb der Arbeitszeit umschichten

Unter dem Strich soll die Zahl der Wochenstunden jedoch nach SPD-Angaben nicht steigen. "Es muss keine Lehrerin und kein Lehrer fürchten, dass jetzt die Wochenstundenzahl angehoben wird", sagte SPD-Fraktionschef Björn Lüttmann. "Es geht darum, innerhalb der Arbeitszeit umzuschichten hin zu einer weiteren Stunde mehr in der Schule und dafür auf der anderen Seite aber (...) vor allem bei den bürokratieaufwendigen Arbeiten zu entlasten." Alternativ könnten auch Stunden gemindert werden, die Lehrern für besondere Aufgaben angerechnet werden.

In Brandenburg fallen bisher an Grundschulen 27 Stunden pro Woche und an Oberschulen, Gesamtschulen und Gymnasien 25 Stunden pro Woche verpflichtend an. Mit einer Pflichtstunde mehr wäre das Niveau der Wochenstunden in Berlin erreicht.

Finanzminister Robert Crumbach (BSW) hatte angekündigt, dass der Doppelhaushalt für 2025 und 2026 für Brandenburg nicht ohne Kürzungen auskommen und zu neuen Schulden führen werde. Das Bildungsministerium äußerte sich auf Anfrage nicht zum Stand des Haushaltsverfahrens vor dem Kabinettsbeschluss.

Opposition lehnt Vorschlag überwiegend ab

Die Opposition sieht die Pläne unterschiedlich. CDU-Fraktionschef Jan Redmann sagte: "Wir haben gar nicht ganz grundsätzlich etwas gegen diese Stunde. Man muss die Lehrer an der Stelle aber mitnehmen - und zwar mit Anreizen." Die AfD-Fraktion ist dagegen. Eine Erhöhung der Pflichtstundenzahl bringe nicht den erhofften Erfolg, belaste die Lehrer mehr und sei deswegen abzulehnen, sagte Bildungspolitiker Dennis Hohloch. Die Grünen sprachen von einem "bildungspolitischen Armutszeugnis der SPD-BSW-Landesregierung". Die Linke befürchtet mehr Unterrichtsausfall und weniger Lehrerinnen und Lehrer.

In Brandenburg herrscht Lehrermangel: Zu Schulbeginn im Herbst 2024 waren laut Bildungsministerium 455 Vollzeitstellen unbesetzt. Um mehr und schneller Lehrer auszubilden, hat das Land Brandenburg mit dem Libra Anfang 2025 ein eigenes Institut für Schule und Lehrkräftebildung eröffnet. Ziel ist die die berufsbegleitende Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern, vom Referendariat über Fortbildungen bis zur Führungskräftequalifikation.

GEW kündigt Proteste an

Die Pläne der Landesregierung stoßen auch bei Gewerkschaften auf große Kritik. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kündigte Proteste an. "Da wird es Widerstand geben", sagte der Landesvorsitzende Günther Fuchs der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Art der Politik wird nicht dazu führen, dass mehr Unterricht erteilt wird." Die Pflichtstunden und der Bürokratieaufwand könnten nicht gegeneinander aufgerechnet werden.

"Wir sind erzürnt, wir sind wütend", sagte der Präsident des Brandenburgischen Pädagogenverbands, Hartmut Stäker, der "Märkischen Allgemeinen".

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.03.2025, 15 Uhr

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34 Kommentare

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  1. 34.

    Rechnen muss ich meinen Azubis selber beibringen weil die Lehrer das nicht hin bekommen. Dafür können sie mit digitalen Geräten umgehen was sie aber auch nicht in der Schule gelernt haben. Die Schule macht hier einen echt schlechten Job!

  2. 33.

    Klempner: Wenn Sie Fakten nicht wahrnehmen wollen, ist es billig, das als "Jammerei" hinzustellen. Zumal es gerade die Lehrer sind, die den Laden am laufen halten.
    Wenn die Arbeitsbedingungen so unterirdisch bleiben, wird sich die Bildung in BB weiter verschlechtern, obwohl sie bei uns ja schon unterirdisch ist.
    Ob das für die Ausbildungsbetriebe so schön ist, wenn die Schulabgänger nicht mehr die einfachsten Dinge wie Dreisatz oder Prozentrechnung oder Rechtschreibung können? So wie das heute schon ist?
    2009 wurde in der Schweiz nur noch das Abitur von Baden-Württemberg als solches anerkannt. Aber Bildung ist in einem rohstoffarmen Industrieland ja vollkommen pille-palle. Und die Experten des Systems sind ja sowieso faule Deppen, stimmt`s?

  3. 30.

    „Evtl. Arbeiten zu Hause müssen auch genau und nachvollziehbar abgerechnet werden und die Richtigkeit der Abrechnung sollte mindestens stichprobenartig überprüft werden durch den AG“
    Und wenn das nicht gewollt ist? Vom Arbeitgeber? Außerhalb der Ferien sind es ganz schnell 60 Stunden/Woche! Wussten Sie, dass Lehrer, lt. Finanzamt, nur 1 mal pro Tag abrechenbar zur Schule fahren? Egal ob Abends Veranstaltungen sind oder nicht? Wussten Sie, dass Stundenpläne absichtlich mit Freistunden geplant werden um Vertretungsreserven zu haben?

  4. 29.

    Es gibt weder Arbeitszeiterfassung noch werden sonstige Arbeitsschutzgesetze (Lautstärke, Temperatur des Arbeitsplatzes, Erholungspausen beim Tragen von FFP-3 Masken) auf Lehrer zur Anwendung gebracht.
    Zudem gehen vom ach-so-tollen-Gehalt noch Laptop, Materialien und jegliches Bürozeug (von der Büroklammer bis zum Scanner) ab, da sie privat bezahlt werden müssen. Wenn man die Korrekturzeiten, die Abiturphasen mit 80 Zeitstunden-Wochen oder mehr und die Klassenfahrten, die man bis 2 Uhr Nacht auf dem Flur zubringt, mal als Stundengrundlage durchrechnet, liegt man als Akademiker mit 5 bis 6 Jahren Studium und zwei Jahren Referendariat mit Azubigehalt bei einem Gehalt von unter 25 Euro/ Zeitstunde.
    Verglichen mit anderen Stundensätzen lohnt sich dieser Beruf weder finanziell, noch ist er von den Arbeitsbedingungen her anstrebenswert. Nur der Einsatz der Lehrerinnen und Lehrer für die Bildungsziele - also für unsere Kinder - lässt diese in dem unterfinanzierten System durchhalten.

  5. 28.

    Nein
    1Unterrichtsstunde entspricht demzufolge 1,75 Zeitstunden (105 Minuten)

    Also 45 Minuten Unterricht + 60 Minuten Vor- und Nachbereitung.
    Verbindlich geregelt ist das aber scheinbar nirgendwo

  6. 27.

    Ich dachte eher 0,75 (45min), Vor- und Nachbereitung dokumentieren und anrechnen auf Arbeitszeit...
    Aber am Ende: " Alternativ könnten auch Stunden gemindert werden, die Lehrern für besondere Aufgaben angerechnet werden". Werden einfach Sachen nicht mehr angerechnet und in der Freizeit und Spaß an der Sache erledigt...oder halt auch nicht... Und damit weiter die Situation für Schülerinnen und Schüler verschlechtert...

  7. 25.

    Ich habe mal recherchiert.

    Das Bundesarbeitsgericht hat im Mai 2024 entschieden, dass auch die Arbeitszeit für Lehrer zu erfassen ist.

    Offenbar gilt die Faustregel, dass eine Unterrichtsstunde 1,75 Zeitstunden entspricht. Konkret wäre dies aber in Dienstvereinbarungen zu regeln.

  8. 24.

    "Da es trotz gesetzlicher Verpflichtung keine Arbeitsstundenmessung, Erfassung oder auch nur Idee, wie viel das ist, für Lehrkräfte." Die Arbeitszeiterfassung ist aber vorgeschrieben, das währe ein grober Gesetzesverstoß dee AG. Die Erfassung kann auch nicht einfach auf Papier sein o.ä., es muß ein elektronisches System sein (also sowas wie elektronische Stechkarten o.ä.). Evtl. Arbeiten zu Hause müssen auch genau und nachvollziehbar abgerechnet werden und die Richtigkeit der Abrechnung sollte mindestens stichprobenartig überprüft werden durch den AG, wird das bei Lehrkräften gemacht?

  9. 23.

    Interessante Frage.
    Seit 2025 ist die Arbeitszeiterfassung gesetzlich vorgeschrieben.
    Warum wird dieses Recht für Lehrer bundesweit nicht umgesetzt.

    Eigentlich müssten Lehrer dies reihenweise einklagen.

  10. 22.

    Da es trotz gesetzlicher Verpflichtung keine Arbeitsstundenmessung, Erfassung oder auch nur Idee, wie viel das ist, für Lehrkräfte.

    Zu sagen das die Unterrichtsstunde mehr als Umschichtung dann mit Arbeitszeitreduktion kompensiert wir, total unglaubwürdig.

  11. 21.

    Sorry, aber das wirkt sehr wenig glaubhaft.
    Ich möchte nur auf Ihre Behauptung eingehen, dass deutsche Lehrer in Europa die bestverdienenden sind.
    Das ist schlicht weg falsch.
    Wir liegen hier im oberen Mittelfeld.
    Länder wie Griechenland , Tschechien, Spanien, Portugal und andere liegen mit deutlichem Abstand an der Spitze, fas lässt sich schnell und einfach recherchieren.
    Warum behaupten Sie anderes?

  12. 20.

    Doch die hatten immer zugehört, daraus hatte sich ja bei allen Beteiligten der Spruch eingebrannt; Kinder sind unsere Zukunft! Scheinbar bezog sich das wirklich nur auf die Kinder, aber niemals um die Umstände mit denen sie konfrontiert werden und fertig werden müssen.

  13. 19.

    Das Schlimme ist ja, dass die ganze Misere schon vor 12, 13 Jahren genau damit begonnen hat, dass die damalige Bildungsministerin eher dem Diktat des Finanzministers als pädagogischen Entwicklungen und Notwendigkeiten folgte. Schon damals hat man begonnen, das Bildungswesen kaputtzusparen. Die Lehrerschaft hat damals schon vor drohender Überalterung und Lehrermangel gewarnt. Leider hat niemand zugehört. Jetzt derselbe Fehler: Es ist kein Geld da, es fehlen Lehrer, also werden die Arbeitsbedingungen verschlechtert. Damit macht man den Beruf für eventuellen Nachwuchs noch unattraktiver.

  14. 18.

    Wieder einmal wird die Belastung der Lehrer auf eine weitere Spitze getrieben. Wo bleibt aber die seit Jahren versprochene Entlastung durch pädagogische oder verwaltungstechnische Hilfskräfte. Stattdessen bleiben uns Lehrern Rechte wie eigene geregelte Pausen ( nicht gemeint die Pausen der Schüler) eine Arbeitszeiterfassung ( die für jeden Arbeitgeber in Deutschland verpflichtend ist) versagt. 25 Wochenstunden sind reine Unterrichtszeit. Alle anderen Aufgaben :Fachkonferenzen, Kontrolle und Erstellung von Lernmateriaien , Elternarbeit und die Zusammenarbeit mit Jugendämtern und andere Behörden beginnen erst nach Unterrichtsschluss und das sind dann oft Arbeitstage von mehr als 10 Stunden. Die Wochendenden sind für das Vor -und Nachbereiten von Unterricht,dem Schreiben von Förder- und Entwicklungsplänen verplant. Wer kann diesen Anforderungen über Jahre ohne
    gesundheitlichen Folgen gerecht werden? Ich bin seit über 30 Jahren gern Lehrerin,aber jetzt ist das Maß voll!

  15. 17.

    An alle Kommentatoren, die auf "einfach mal vergleichen" antworten: ich kann Sie alle sehr gut verstehen,auch mich ärgern solche unwissenden überheblichen Äußerungen extrem. Nur:eine sachliche Antwort ist nutzlos, wie wir an den weiteren Antworten von " einfach...." erkennen. Jemand macht sein persönliches Frustthema groß. Würde es sich im Artikel um die Arbeitszeit von Bauingenieuren im öffentlichen Dienst handeln, wäre sein Kommentar ähnlich. Wir wissen nun wie derjenige über L denkt und können uns vorstellen wie über Schülerinnen gedacht wird. Mit meiner langjährigen Berufserfahung sehe ich hier ein Beispiel für die kleine Gruppe " schwierigste Eltern mit Frust und Rechthaberei" . Und deshalb geht meine Antwort auch genau nicht an " einfach..."

  16. 16.

    Ich gebe Ihnen Recht, was die Unfairness unterschiedlicher Bezahlung betrifft. Allerdings ist es meine Erfahrung, dass in Brandenburg schon seit den 90ern durchweg verbeamtet wird - allerdings auf der Grundlage von Studium nach bundesdeutschem Recht und Referendariat. Habe selbst zu den ersten Jahrgängen gehört, bei denen das so lief. Und soweit ich es mitbekommen habe, sind gerade die noch nach DDR- Recht ausgebildeten Lehrerinnen nicht sofort ohne weiteres verbeamtet worden. Das mag in anderen Bundesländern anders aussehen, aber in BB ist meines Wissens der Großteil der Lehrerinnen und Lehrer verbeamtet. Ich denke aber auch, dass die IFL - Ausbildung sich auf mehr als malen und kneten erstreckt hat, denn auch früher waren die Grundschullehrer solide ausgebildet. Auch da gilt, dass der Arbeit Respekt gezollt werden sollte.

  17. 15.

    Ihre hochgelobten BWLer und Ingenieure sollten sich einen Unterrichtstag bei meiner Tochter ( Berufschule) in ihrer AV - und Migrantenklasse anhören, die würden schreiend rauslaufen und freiwillig den Hof fegen.
    AV Klasse, in Hamburg besteht bis zum 18.Lj Schulpflicht. Es sind die Schüler ohne Abschluss und Ausbildungsplatz.

  18. 14.

    Jeder verdient Respekt und Anerkennung in seinem Beruf oder ausgeführten Tätigkeit, soweit er seinen Pflichten nachkommt und muss nach seinen Fähigkeiten und Kompetenzen auch entsprechend entlohnt werden.
    Ich denke nicht, dass es einen Lehrermangel gibt, sondern sehe das Problem an der ungerechten Bezahlung von Lehrenden, die schon ewig dabei sind und verbeamtet wurden (ohne Abi, ohne Studium und Weiterbildung...Institut für Lehrerbildung (..., mahlen, backen, kneten und Schulgarten und bisschen Musik ... usw.) Die nachkommende Lehrerschaft als nicht verbeamtete tragen hier die Hauptlast. Nach 6 Wochen Lohnfortzahlung, weil man krank ist , ist der Ofen aus, aber sie gehen trotzdem. Warum ? Warum ist eine verbeamteter Lehrer nicht zu sehen ? Warum wird gegen Quereinsteiger geschossen ?

  19. 13.

    Glückwunsch, dass Ihre "Expertise" alle Lehrer in allen über 900 Brandenburger Schulen umfasst.
    Höchste Gehälter? Ohne Zweifel verdienen Lehrer in Brandenburg gutes Geld, das Gehalt ist - wie in anderen Berufen auch - von der Qualifikation, der Berufserfahrung, der Schulform - und vom Bundesland abhängig ( in Bayern, Hamburg,... wird bis zu einem Fünftel mehr verdient). Europaweit zahlen übrigens die Schweiz und Luxemburg die höchsten Lehrergehälter.
    Die aufwändige soziale Arbeit mit Schülern mit der von Ingenieuren, die überwiegend an "toter Materie" in einem Konzern arbeiten, vergleichen zu wollen, ist schon mehr als abenteuerlich.
    Nicht einmal die Leistungen von Lehrern lassen sich objektiv vergleichen (hat man 24 oder 30 Schüler mit völlig unterschiedlichem Bildungshintergrund? Wieviel Schüler mit Deutsch als Zweitsprache sind in der Klasse? ...). Aber das wissen Sie ja alles als erfahrener und empathische Pädagoge ...

  20. 12.

    Wieso 80 arbeitsfreie Tage? Ich komme auf 62 Ferientage, die aber bis auf die Sommerferien definitiv nicht alle arbeitsfrei sind. Könnte man also noch ein wenig Zeit gegenrechnen. An etwa drei Vierteln der 40 Schulwochenenden sitzt man auch zusammengenommen je 7 bis 8 Stunden, also nochmal nett geschätzt 25 Arbeitstage. (Achtung, das ist nicht genau gerechnet, sondern wieder vorsichtig abgerundet). Und trotz Ihrer in den späteren Kommentaren dargelegten Erfahrungen glaube ich nicht, dass Sie sich ein Urteil über alle ca. 22000 Lehrer erlauben dürfen. Ich kenne genug Kolleginnen und Kollegen, die Ihrer Pauschalbeurteilung in keiner Weise entsprechen. Diese halten, zum Teil in krass unterbesetzten Schulen, das Ganze noch am Laufen - im Interesse der Schüler. Ich bestreite nicht, dass die Bezahlung gut ist - aber ich erwarte, dass die hinter unserer Arbeit stehende Leistung respektiert wird. Das sind wir wert. Aber genau das wird mir der Pflichtstundenerhöhung mit Füßen getreten.

  21. 11.

    Gut zusammengefaßt; viele haben gar keine Vorstellung vom Bürokratiemonster, das auch in den Schulen haust. -Und die Kinder kommen in immer "schlechterem Zustand" (Selbständigkeit, Sozialkompetenzen, Sprache) in die Schule. WEnn ich daran denke, daß ich vierzügig mit jeweils mehr als dreißig Kindern eingeschult wurde... und es ging. Da waren aber die meisten Eltern nicht davon überzeugt, ein hochintelligentes, hochsensibles Goldstück in der Schule zum Nachpolieren abzugeben.

  22. 10.

    Persönliches: Rückkehr an die Schule - niemals! Die Lethargie dort ist grauenvoll, dieses ewige Gejammer lähmt mich. Keinerlei Bereitschaft als Lehrkraft selber zu lernen und Dinge zu verändern, keinerlei persönliche Ambitionen. Zugleich völlige Inkompetenz im Umgang mit "schwierigen Schülern", aber endlose Konferenzen darüber.
    Heute sind die Anforderungen ungleich höher und die Rahmenbedingungen wesentlich fraglier. Aber, das, was Lernen, (persönliche) Entwicklung und sinnvolle Lebensarbeitszeit ausmacht, ist es ungleich befriedigender und lebensbejahender!
    Probieren Sie es doch mal aus...

  23. 9.

    Mir war schon lange klar, dass es - realistisch betrachtet - keine andere Möglichkeit gibt, als durch eine Erhöhung der Wochenstundenzahlen dem Lehrermangel zu begegnen. Da das MBJS aber immer betont, dass es nicht am fehlenden Geld läge, würde ich an dieser Stelle auch eine entsprechende Erhöhung der Besoldung erwarten - auch wenn "Einfach mal vergleichen" ja der Meinung ist, dass Lehrer ohnehin überbezahlt seien.
    Zitat: "Es geht darum, innerhalb der Arbeitszeit umzuschichten hin zu einer weiteren Stunde mehr in der Schule und dafür auf der anderen Seite aber (...) vor allem bei den bürokratieaufwendigen Arbeiten zu entlasten." Wie soll das denn funktionieren? Welche Aufgaben sollen das sein? Etwa so wie bei den Abiturprüfungen? Früher wurden die Aufgabenstellungen für die schriftlichen Prüfungen ausgedruckt in der entsprechenden Anzahl an die Schulen geliefert. Aktuell "dürfen" die Schulen diese Aufgaben selbst ausdrucken, das macht ja schließlich der Drucker ;)

  24. 8.

    Na dann herzlich willkommen am attraktivsten Arbeitsplatz in Brandenburg-bei 1026 freien Stellen ist doch sicher was für Sie dabei. Mit Ihrer Erfahrung werden Sie sicher eine Bereicherung für jede Schule sein- insbesondere die Schulen, die schon mit 70%Seiteneinsteigern unterrichten werden dankbar sein für pädagogisch qualifiziertes Personal.

  25. 7.

    Interessant - mir wird Unwissenheit vorgeworfen von Leuten, die von mir nichts wissen.... das nennt sich Vorurteil - eine qualifizierte Beurteilung sieht wahrlich anders aus!
    Als studierter Pädagoge kenne ich die Arbeit an Schulen, Hochschulen und Akademien. Ebenso kenne ich aus einem Konzern die Arbeit von BWLern, Juristen und insb. Ingenieuren. Wenn Lehrkräfte unter den Arbeitsbedingungen z.B. von Ingenieuren arbeiten müssten, würden sie nach einem Monat ihren alten Job für die Hälfte des Gehaltes machen. Alleine die Tatsache, dass das Gehalt von der erbrachten (nachhaltigen) Leistung abhängt und ebenso auch Folgeaufträge, würde viele Lehrkräfte an ihre Grenze bringen - auch hier weiß ich wovon ich rede.

  26. 6.

    So etwas kann nur jemand schreiben, der nicht weiß, wie viele Stunden Lehrer zusätzlich zu der Pflichtstundenzahl arbeiten. Sprechen Sie mal mit Ehepartner oder Kindern von Lehrern.Die können Ihnen ein Lied davon singen, das Mami/ Papi bis abends, auch am Wochenende "Schulzeug" machen. Und mental mal abschalten ist auch nicht drin- Lehrer sind immer im Einsatz. Sie lesen und beantworten Emails von Eltern, bereiten Unterricht vor und nach, planen Arbeiten, Ausflüge, Elternabende und -gespräche, sammeln Materialien, kaufen Arbeitsmittel (natürlich vom eigenen Geld), ... Eine 50-Stunden-Woche würde meist nicht reichen. Eine Wochenstunde mehr bedeutet noch mehr Arbeit! Das Land BB saniert sich auf Kosten der Lehrer.

  27. 5.

    Herzlich willkommen als neue Lehrkraft in Brandenburg! Da jemand anscheinend "wirklich" Ahnung.
    Dabei werden nur sämtliche Klischees auf einmal bedient, absolut ungefiltert
    1. Die genannten Std. pro Woche sind die Std., die man als Lehrkraft Schüler unterrichtet. Dazu kommen die jeweilige Vor- & Nachbereitung aller gehaltener Stunden.
    2. Was denken Sie, wann die Lehrkräfte Tests, Klassenarbeit, Prüfungen, Klassenkonferenzen, Klassenfahrten etc. etc. vor- und nachbereiten? Während sie vor der Klasse stehen?
    Antwort: Am Wochenende, nach den gehaltenen Stunden
    3. Elternabende, Sprechtage, Hilfegespräche mit Jugendamt etc. sind ebenfalls nach den gehaltenen Stunden!
    4. Immer mehr Sorgeberechtigte geben ihre Kinder in der Schule ab & erwarten, dass sie sämtlicher Verantwortung für alle Lebensbereiche entbunden sind, z. B. Anstand, Werte, Normen & Regeln.
    Die Aufgaben einer Lehrkraft ist inzwischen kaum noch der "eigentliche" Unterricht, sondern die Vermittlung der zuvor genannten Dinge.

  28. 4.

    Mal wieder primitivstes Lehrerbashing. Jeder, der ein bisschen Ahnung vom Lehrerberuf hat, weiß wie stressig das sein kann. Warum werden denn händeringend neue Lehrer gesucht, warum darf fast jeder ohne entsprechende Ausbildung Lehrer werden? Ich habe mehrere Referendare kennen gelernt, die lieber einen anderen Job gesucht haben. Und das alles hat seinen Grund. Natürlich entwickelt man als erfahrener Lehrer (wie jeder Facharbeiter) Routinen, die die Arbeit erleichtern sollen. Aber man arbeitet mit Menschen (Kindern und Erwachsenen), was gar nicht so selten im wahrsten Sinne nervenaufreibend ist. Und dann die Anzahl der Stunden zu erhöhen, bedeutet, die jahrzehntelange Unfähigkeit unserer Landesregierung bei der Lehrerplanung auf dem Rücken der Mitarbeiter auszutragen. Pfui.

  29. 3.

    Es ist mal wieder sehr schade, dass die Arbeit der Lehrer*innen nicht gesehen wird. Der erste Kommentar zeigt es mehr als deutlich, dass absolute Unwissenheit in der Breite der Gesellschaft über die Tätigkeit besteht. Und dies sagt jemand, der nicht Lehrer ist.

    Es ist auch schade oder schon eher ein Witz, dass die Antwort der Landesregierung auf fehlende Lehrer*innen nicht die Steigerung der Attraktivität des Berufes ist, sondern einfach Mehrarbeit.

  30. 2.

    Die Rahmenbedingungen für die Schüler und Lehrkräfte in Brandenburg haben sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Statt das Stundensoll zu erhöhen, sollten alle abgeordneten Lehrkräfte zurück an die Schulen. Das neue Libra ist personell überdimensioniert. Auch hier ließe sich sparen. Zurzeit sind über 1000 Stellen ausgeschrieben. Vor allem in den MINT - Fächern fehlen Lehrkräfte. Wäre es nicht Zeit, eine eigene pädagogische Hochschule zu etablieren und für die Ausbildung die Wirtschaft mit ins Boot zu holen? Nur mit Seiteneinsteigern wird das Personalproblem nicht gelöst.Ausserdem ist deren Hauptverteilung auf Grundschulen und Oberschulen zu tiefst ungerecht. Alle Kinder haben einen Anspruch darauf, von pädagogischen Fachkräften unterrichtet zu werden!

  31. 1.

    " "Wir sind erzürnt, wir sind wütend"" so der entsprechende Lobbyist des Pädagogenverbandes - das ist schon heftig in Anbetracht der massiven Veränderungen im Arbeitsmarkt, insbesondere von massiven Kündigungswellen. Hier wird Lehrern maximal 28 Stunden Unterricht abverlangt und das bei einer so hohen Bezahlung, wie sie europaweit kein zweites Mal anzutreffen ist. Von den 80 arbeitsfreien Tagen im Jahr will ich gar nicht erst reden. In dieser sehr hohen Komfortzone mutet es schon merkwürdig an, hier von Wut zu reden. Ziel- und leistungsorientierte Bezahlung, Wochenenddienste und mehrwöchige Dienstreisen sind bei akademischen Berufen keine Seltenheit und im Vergleich dazu kann man aus meiner Sicht Pädagogen deutlich mehr Einsatz abverlangen - insbesondere vor dem Hintergrund von schlechten Pisa-Ergebnissen.