Kommentar - Verwaltungsreform in Berlin - jetzt oder nie

Di 01.04.25 | 15:04 Uhr | Von Jan Menzel
  30
Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, kommt zu einer Pressekonferenz des Berliner Senats. Thema war die Verwaltungsreform am 01.04.2025. (Quelle: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow)
Bild: picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow

Berlin steht kurz vor einer Verwaltungsreform - der Senat hat ein Gesetzespaket am Dienstag einstimmig beschlossen. Der Regierende Kai Wegner hat damit ordentlich vorgelegt - was nun auch die Opposition anerkennen muss, meint Jan Menzel.

Bei Superlativen ist stets Vorsicht geboten. Aber Kai Wegner ist etwas gelungen, an dem sich seine Vorgängerinnen und Vorgänger regelmäßig verhoben haben, das etliche Kommissionen beschäftigt und die Stadt regelmäßig zur Verzweiflung gebracht hat: Der Regierende Bürgermeister hat den Riesenknoten Verwaltungsreform durchschlagen.

Zuständigkeiten zwischen Land und Bezirken sollen so klarer geregelt werden, die Verwaltung soll effizienter arbeiten, das berüchtigte Behörden-Ping-Pong ein Ende haben.

Wegner hat geschickt und mit langem Atem verhandelt. Er hat vier Parteien und Fraktionen, den Senat, zwölf Bezirke und etliche Verbände auf ein Ziel eingeschworen und Ergebnisse geliefert. Zweifellos auch taktisch motiviert hat er unaufgeregt und unideologisch die Linke einbezogen und damit einer politischen Wirklichkeit in Berlin Rechnung getragen, die viele in seiner Partei, der CDU, nicht wahrhaben wollen.

Starkes Signal gegen Politik-Verdruss

Dass die – wie Wegner immer betont - demokratischen Parteien von Mitte-Rechts bis ganz Links die Kraft hatten, eine solch grundlegende Reform gemeinsam anzuschieben, ist ein Erfolg an sich. Und ein starkes Signal gegen Politik-Verdruss, gegen das Gefühl des Mehltaus und Stillstands, das so viele Debatten beherrscht.

Es ist auch eine kraftvolle Ansage an die AfD, die selber kaum etwas anzubieten hat, außer vermeintliche Unfähigkeit der anderen lautstark und populistisch zu beschreien. Die Reform der Berliner Verwaltung wird nun - so wie jedes Gesetz - im Abgeordnetenhaus beraten. Und so wie bei jedem Gesetz sind in diesen Beratungen Änderungen möglich.

Umsetzung steht noch bevor

Damit diese Reform - inklusive einer Änderung der Landesverfassung - in Kraft treten kann, braucht die schwarz-rote Koalition die Zustimmung der oppositionellen Linken und Grünen. Diese machen bereits deutlich, dass sie noch einmal reden und Änderungen wollen. Fair enough, könnte man sagen. Jedem und jeder muss aber klar sein: Die Chance ist jetzt. Dieses Zeitfenster kommt so schnell nicht wieder. Die Verwaltungsreform darf nicht scheitern. Deshalb kann es nicht um Maximalforderungen gehen, Kompromissfähigkeit ist gefragt.

Kai Wegner kann sich den Erfolg, die Verwaltungsreform so weit gebracht zu haben, verdientermaßen ans Revers heften. Aber auch er weiß: Die Kärrnerarbeit, das mühselige Klein-Klein der Umsetzung der Reform, eine echte Aufgabenkritik sowie die Digitalisierung – all das muss noch erledigt werden, damit aus seiner Chefsache Verwaltungsreform tatsächlich der große Wurf wird, den Berlin dringend braucht.

Sendung: rbb24 Inforadio, 01.04.2025, 14:00 Uhr

Beitrag von Jan Menzel

Nächster Artikel

30 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 30.

    Wozu braucht man denn in Berlin einen Anwohnerparkausweis? Ist mir viel zu umständlich. Ich fahre ausschließlich mit Bahn und Bus oder laufe. Wo ich damit nicht hin komme, will ich auch nicht hin.

  2. 29.

    "Gerade mit KI – die die zur Genüge vorhandenen Daten analysieren kann – könnten ganz neue Wege gegangen werden, andersartige effiziente Systeme aufgelegt. "

    "Anders" glaube ich sofort, effizienter auf keinen Fall. Ich weiß wie ITler arbeiten. Woher stammt diese Technikgläubigkeit in eine Technik die alles andere als sicher und erprobt ist?

    Schon Stephen Hawking warnte 2014 vor der KI und sah darin eine Bedrohung für die Menschheit.

  3. 28.

    Großes Getöse um nichts hatten wir ja schon öfter. Mal sehen, was dieser große Wurf am Ende wird. Ich bin da eher pessimistisch.

  4. 27.

    Das ist ein sehr gescheiter Vorschlag. Diese ständigen Verschlimmbesserungen bringen uns nicht nach vorne.

  5. 26.

    Herr Wegner, wie lange sind Sie schon im Amt und was haben sie schon auf den Weg gebracht ?

  6. 25.

    Endlich ein Hoffnungsschimmer am Berliner Himmel. Würde heute die Sonne nicht von ganz alleine scheinen, würde es mich nicht wundern dieses in der Lobeshymne auch dem Kai zuzuschreiben. Da steht jetzt was auf dem Papier und schon verfällt man in Euphorie der guten Laune.“ Endlich, wir sind über dem Berg, Berlin hat es geschafft“. Nur mit den Grünen muss er noch reden. Und schon ziehen am Himmel der Freude graue Wolken auf. Eine Farbe wie gemacht für den Bürgermeister. Das Sparprogramm des Senats liest sich wie ein Roman mit dem Thema selbst gemachter Weltuntergang. Die Brücken sind kurz vor dem kompletten Einsturz, Nahverkehr ein Desaster, Ausbau der Radwege abgesagt, Flüchtlingsunterkünfte vor dem kollabieren, Wohnungsbau im Stillstand, Entwicklung des Wohnungsmarktes schon hochgradig kriminell, Nummer gegen Kummer steht vor dem Aus, die Freibäder bleiben kalt. In der Heimatschutz Division, stationiert im Großraum Berlin werden wir unsere Sehnsüchte stillen können. Feuer frei.

  7. 24.

    Bis 14.10.2025 wird Windows 10 und Office 365 noch mit Sicherheitsupdates versorgt. Erst danach sollte es nur noch Offline laufen.

  8. 23.

    "Jetzt wird auf Windows 11 umgestellt und alles erneuert. Moderne iPhones haben bei uns auch fast alle Mitarbeiter." Was?

    - Das hieße ja, bis jetzt Windows 10, das heißt eklatante Sicherheitslücken und gesetzlich unzulässig!
    - iPhones in der Verwaltung, vielleicht sogar private? Daten über Phones, die nicht ausschließlich dienstlich eingerichtet sind (IT-Sicherheit), vielleicht gar noch über Apps wie die von meta (Whatsapp, Insta)? Unzulässig per Gesetz.

  9. 22.

    Ich finde auch: Es breucht keine Reform, es braucht eine Revolution, ein ganz neu aufgelegtes System, das nicht auf dem alten basiert und dieses nur abändert.

    Gerade mit KI – die die zur Genüge vorhandenen Daten analysieren kann – könnten ganz neue Wege gegangen werden, andersartige effiziente Systeme aufgelegt.

  10. 21.

    Wenn schon eine Verwaltungsreform beschlossen werden soll die dem Senat von Berlin quasi eine absolutistische Macht beschert, dann traditionell mit Pauken und Trompeten.

  11. 20.

    Zu dieser Reform, bedarf es einer 2/3 Mehrheit im Abgeordneten Haus, und das ist in Berlin der größter, vieleicht ein unüberwindbarer Knackpunkt, leider!

  12. 19.
    Antwort auf [Neuer] vom 02.04.2025 um 08:38

    Die werden auf die Straßen verteilt, als Poller Ersatz, im 3 Schichtsystem!

  13. 18.

    Jetzt kommt wieder meine Frage der Fragen: Wurde denn schon eine Task-Force/Arbeitskreis gegründet, oder steht wieder nur erstmal ein geistiges Gerüst für die ganzen Vorhaben?

  14. 17.

    Ob bei Bund/Länder oder Senat/Bezirke, es ist leider viel zu sehr verknotet worden in den letzten 50 Jahren.
    Die Kompetenzen sind nicht mehr klar geregelt, bestes Beispiel ist doch das Thema Migration!
    Auch beim Thema Bildung, wo jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht, hängen wir hinter anderen Ländern hinterher!
    Gut wenn jetzt in Berlin versucht wird etwas Licht ins Dickicht zu bringen.
    Viel Erfolg!

  15. 16.

    Hallo Eurus,

    du brauchst keine Termin für den Antrag.
    Runterladen, ausfüllen, in den Briefkasten werfen, fertig.
    Wenn du persönlich hingehst dauert es genauso lang.

  16. 14.

    Hier geht es nicht um den Austausch von Menschen sondern um die Neuregelung von Zuständigkeiten. Davon verspricht man sich nun was.
    Wie gut diese umgesetzt werden und ob dadurch irgendwas besser wird, werden wir sehen. Man darf sich eine V.Reform in der Regel nicht als Feuerwerk oder Paukenschlag vorstellen. Das wird viel zuviel aufgebauscht. Also liebe Mitbürger- /innen: entspannt zur Kenntnis nehmen und mal schaien, pb man davon überhaupt jemals betroffen sein wird.

  17. 13.

    Offenbar haben Sie Metapher nicht verstanden. Unter "Hardware" hat der Kommentator sehr wahrscheinlich die Bediener(innen) der Technik, wie, so sieht es aus, Sie.

  18. 12.

    Also meine Amts-Hardware war bisher immer aktueller als meine private. Jetzt wird auf Windows 11 umgestellt und alles erneuert. Moderne iPhones haben bei uns auch fast alle Mitarbeiter. Natürlich haben wir im Amt auch noch ein Faxgerät, Gerichte, Rechtsanwälte und die Polizei nutzen es noch ab und zu.

  19. 11.

    Verwaltungsreform, wow. Seit 35 Jahren im Öffentlichen Dienst in Berlin höre ich das gefühlt jede Woche einmal, nur passiert ist nichts grundlegendes.