Strausberger Platz in Berlin-Friedrichshain - Fliesen von DDR-Bauten dürfen nicht mit Schrauben befestigt werden

Mo 31.03.25 | 13:55 Uhr
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Archivbild: Architektur am Straußberger Platz in Mitte, Berlin. (Quelle: dpa/Spremberg)
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Audio: rbb 88.8 | 31.03.2025 | Michael Ernst | Bild: dpa/Spremberg

Viele Kacheln der DDR-Prachtbauten im Zuckerbäckerstil drohen, altersschwach, auf die Karl-Marx-Allee zu fallen. Um die Passanten zu schützen, wurden Netze gespannt. Sie kostengünstig festzuschrauben ist wegen des Denkmalschutzes keine Option.

Herabfallende Fliesen an einem der Prestigebauten der DDR in Berlin dürfen nicht mit Schrauben befestigt werden. Das hat das Berliner Verwaltungsgericht am Montag mit Verweis auf den Denkmalschutz entschieden.

Das Gebäude am Strausberger Platz in Berlin-Friedrichshain sei "als Teil eines Denkmalbereichs von geschichtlicher und städtebaulicher Bedeutung und sein Erhalt liege im Interesse der Allgemeinheit", begründete das Gericht sein Urteil. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig.

Netze wegen herunterfallender Fliesen

Das Ensemble im Zuckerbäckerstil wurde Anfang der 1950er Jahre am Ost-Berliner Prachtboulevard Stalinallee - heute Karl-Marx-Allee - errichtet. Die Gebäudefassade war ursprünglich mit Meißner Keramiken verkleidet.

Nach der Wiedervereinigung wurde die Fassade 1999 bis 2000 laut Gericht umfassend erneuert. Dabei wurden die Keramiken fast vollständig entfernt und eine Fassade erstellt, bei der neue Kacheln auf vorgefertigte Trägerplatten aus Glasfaserbeton aufgeklebt wurden. Wegen Pfusch am Bau fallen jedoch seit 2007 immer wieder Keramiken herunter. Um Passanten zu schützen, wurden Netze aufgespannt.

Um Kosten zu sparen, wollte die Eigentümergesellschaft die Fliesen auf der Trägerplatte verschrauben. Das untersagte ihr jedoch das Bezirksamt. Deswegen zog das Unternehmen vor Gericht - ohne Erfolg.

Die Schrauben seien auch aus einer Entfernung von mehreren Metern deutlich erkennbar, so die Richter. Sie wirkten als "nicht bauzeitliche Fremdkörper". Der Eindruck der architektonisch-städtebaulichen Gestaltungskonzepte aus den 1950er Jahren werde verfremdet.

Sendung: rbb 88.8, 31.03.2025, 15:00 Uhr

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58 Kommentare

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  1. 58.

    Oh man, deswegen heißen die Dinger bei Öfen auch Kacheln und nicht Fliesen. Und Kacheln sind vor allen Dingen gute Wärmespeicher, dass ist das C und nicht das R in der ohmschen Wärmeleere.
    Bei der Fassade handelt es sich um Fliesen um FLIESEN!!!

  2. 57.

    „Dann kam jemand auf die Idee die Fliesen durch die Marke Plaste und Elaste zu ersetzen. Erich war wieder glücklich und aufgefallen ist das auch nicht so doll, hielt aber prima….Pünktlich zur Wende wurde alles weggekloppt, von Denkmalschutz keine Spur, viele Keramiken landeten im Container.“


    Na was denn nun Plaste und Elaste oder Keramiken?!

  3. 56.

    Danke, dass Sie sich trotz aller Häme hier die Mühe gemacht haben, die Geschichte der Fliesen an der Karl-Marx-Allee zu rekonstruieren. Dass sie sich schon zu DDR-Zeiten reihenweise abgelöst haben, wusste ich nicht.

    Einige Hersteller von Bauchemie behaupten ja, sie hätten Kleber, der ewig hält. Jedoch: wenn darunter nur sandiger Putz vor sich hin bröselt, nützen auch Wunderkleber nichts.

    Freundliche Grüße und Danke

  4. 55.

    Interessante Diskussion.
    Fließen/ Kacheln, Teile sind vor herabfallen zu sichern. Wie ist jedem überlassen , solange ich nicht gegen Vorschriften oder Auflagen verstoße. Also hier kleben oder andere nicht sichtbare Methoden. Ich dachte Ingenieurleistungen waren mal ein Aushängeschild. Aber wer an alten immer festhalten mag, schafft keine Neuerungen.... Übrigens...
    Ich darf auch nicht in meine Fliesen bohren oder schrauben und die sieht man nicht mal von außen

  5. 53.

    Aus der Realität? Jede Fliese, die außen angebracht ist und der Witterung ausgeliefert ist, löst sich irgendwann. Ich wüsste nicht, dass dagegen jemals jemand schon ein Mittel gefunden hätte - auch die DDR nicht. Dort musste man die Teile ja offenbar auch regelmäßig neu befestigen.

  6. 52.

    Jaja, alle doof: Planer, Architekten, Bauingenieure, alle. Niemand hat Ahnung, nur der kleene Mann vor Ort uffe Baustelle hat den Plan.

  7. 51.

    Schon in den 70ern sind die Dinger reihenweise abgefallen. Links wieder rangeklebt, rechts wieder abgefallen. Dann kam jemand auf die Idee die Fliesen durch die Marke Plaste und Elaste zu ersetzen. Erich war wieder glücklich und aufgefallen ist das auch nicht so doll, hielt aber prima. Pünktlich zur Wende wurde alles weggekloppt, von Denkmalschutz keine Spur, viele Keramiken landeten im Container. Die Häuser gehörten Berlin, Sanierung war teuer, Häuser wurden an Immofonds verkauft. Erst Mitte der 90er kam der Denkmalschutz um die Ecke, Berlin kaufte zwar ein paar Häuser zurück, aus dem Rest wurde aber gut Schotter gemacht. Die eine Turmspitze, 11.OG, 265 m², 8 Zimmer, ging für 2,1 Mio über den Tisch. Zu der Zeit war unsere "Plastikfliesenklebebude" schon raus. Aber ehrlich - es ist schon eine Kunst auf Sand was festzukleben. Man munkelt ja, das da auch ein bisschen Mörtel mit bei war. Moderne Flachfirmen übernahmen und das Ergebnis sieht man heute. Macht mal.

  8. 50.

    Keramiken sind der Stoff, aus dem die Fliesen sind. Sie bringen hier einiges durcheinander.

  9. 49.

    Woher nehmen sie ihr Wissen? Waren sie an der damaligen Sanierung beteiligt?

  10. 48.

    Es scheint aber ausreichend genug zu sein, sonst würden die Fließen (nicht Keramiken) nicht abfallen. Außerdem ist die Wärmeleitfähigkeit von Keramiken äußerst unterschiedlich. Wäre doof, wenn der gute alte Kachelofen keine Wärme leiten könnte, dann würde man ja nur den Schornstein heizen.

  11. 47.

    Punkt eins: weil ich es bin und unbedingt schlauer werden möchte
    Punkt zwei: auch 159 km sind mindestens mehrere Meter, dachte ich jedenfalls bisher
    Aber das wissen Einsteine*innen wie Sie ja ständig besser.
    Danke für die Schlaumeierei!

  12. 46.

    Wieso versucht man es nicht einfach mit einem ordentlichen Kleber? Nur weil der vorherige nicht hält heißt es nicht das es nicht besseres gibt. Außerdem ist das mit Sicherheit billiger als Verschrauben.

  13. 45.

    Keramiken "arbeiten" nicht. Wärmeleitfähigkeit und Wärmeausdehnungskoeffizient sind bei Keramiken verschwindend gering. Verbreiten sie bitte kein Laienwissen.

  14. 44.

    Auch hier zeigt sich wieder dass der "Denkmalschutz" die größte Gefahr für schützenswerte Bauten ist. So wie anderen Ortes wo Eigentümer die Bauten weiter verfallen lassen weil die Forderungen des Denkmalschutzes vom Aufwand her unerfüllbar sind.

  15. 43.

    Ganz einfach: Das Problem bestand schon immer und hat nichts mit Pfusch an sich zu tun. Fliesen, die der äußeren Witterung, den Elementen und Temperaturschwankungen ausgeliefert sind, arbeiten und werden deshalb mit der Zeit locker. Das ist leider einfache Physik. Es gibt Fliesenkleber, der das alles etwas besser und länger ausgleichen kann, aber irgendwann gibt jeder Kleber nach, da er irgendwann immer die nötige Flexibilität verliert. Zum Beispiel wenn die Sonne darauf scheint und die Fliesen erwärmt, denen die sich anders aus als der Kleber und dieser wieder anders als die Wand. Beim Abkühlen im Schatten und der Nacht erfolgt es umgekehrt. Dieses ständige Arbeiten schwächt die Materialien, so dass diese irgendwann versagen müssen. Ohne feste Verbindung besteht also immer die latente Gefahr, dass sich Fliesen lösen.

  16. 41.

    Der Denkmalschutz dreht wieder völlig frei. Dann lässt man das Gebäude halt verfallen, irgendwann reißt es sich von selber ab.

  17. 40.

    "Die Schrauben seien auch aus einer Entfernung von mehreren Metern deutlich erkennbar" bedeutet aus zwei oder zweihundert Metern?
    Ab welcher Gebäudehöhe wären die denn dann nötig.

  18. 39.

    Wer es genau wissen will, möge bitte an den Strausberger Platz fahren: Die aufgespannten Netze an den Fassaden sind natürlich vollkommen unsichtbar. Tarnnetze gewissermaßen.

    Jedoch: warum kann man nicht den ursprünglichen Zustand wieder herstellen? Also die Fliesen so ordentlich fixieren, wie sie ursprünglich befestigt waren und fast 40 Jahre gehalten haben? Gibt es nur die Alternative zwischen Pfusch am Bau und Pfusch am Bau?