Streit um Bezahlung - Beschäftigte der Charité-Tochter CFM in unbefristetem Streik

Do 03.04.25 | 12:09 Uhr
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Hunderte Mitarbeitende der Charité-Tochter CFM protestieren. (Bild: rbb)
rbb
Video: rbb|24 | 03.04.2025 | Material: rbb24 Abendschau | Bild: rbb

Die CFM-Beschäftigten wollen nicht länger das "Sparschwein der Charité" sein - und haben am Mittwoch einen unbefristeten Streik begonnen. Das führt auch zu Einschränkungen im Klinikbetrieb.

  • Mitarbeitende der Charité-Tochter CFM in unbefristetem Streik
  • Bistros geschlossen, mancherorts erfolgt keine Reinigung
  • Gewerkschaft fordert für 3.200 Beschäftigte Anpassung an Charité-Tarifvertrag
  • CFM-Geschäftsführung hatte Streik per Gericht untersagen lassen wollen

Hunderte Angestellte der Charité-Tochter CFM haben am Donnerstag für die Eingliederung in den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) demonstriert. 650 bis 700 Menschen seien auf die Straße gegangen, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Gisela Neunhöffer der Deutschen Presse-Agentur. Die Demonstration startete an der Charité und sollte vor dem Abgeordnetenhaus enden. Die Demo führte auch an der Mohrenstraße vorbei, wo der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) an der Ost-Ministerpräsidentenkonferenz teilnimmt. Vor Ort waren "Kai, komm raus"-Sprechchöre zu hören. Man habe Wegner Grüße überbringen und ihn an sein Wahlversprechen erinnern wollen, die Charité-Tochterunternehmen in den Mutterkonzern einzugliedern, sagte Neunhöffer.

Die Mitarbeiter der Charité-Tochter CFM sind am Mittwoch in einen unbefristeten Streik getreten. Genaue Teilnehmerzahlen gebe es nicht, sagte die Verdi-Verhandlungsführerin. Man gehe aber von einer höheren Beteiligung als bei den vorangegangenen Warnstreiks aus. Damals hatten sich ihr zufolge etwa 650 bis 700 Menschen beteiligt.

Wie groß die Auswirkungen im Betrieb sind und wie viele Menschen tatsächlich davon betroffen sind, ist derzeit unklar. Einige Einrichtungen der Mitarbeiter- und Patientenversorgung wie Bistros waren am Mittwoch geschlossen. Shuttle Services seien nicht bedient worden und bestimmt seien auch viele Bereiche nicht gesäubert worden oder Pflegekräfte der Charité hätten Aufgaben der CFM übernommen, sagte Neunhöffer. Die genaueren Auswirkungen würden sich erst in den kommenden Tagen zeigen. Ein Notdienst sei aber eingerichtet und stelle sicher, dass alle wichtigen Aufgaben trotz des Streiks erledigt würden, sagte CFM-Sprecherin Sophie Külz.

Die Charité Facility Management (CFM) ist unter anderem für Krankentransporte, Reinigung, Catering und Technik zuständig. An der Charité wurden streikbedingt Einschränkungen im Betrieb und bei der Patientenversorgung erwartet, das Uni-Klinikum war auf den unbefristeten Streik eigenen Angaben zufolge jedoch vorbereitet. Die CFM-Geschäftsführung hält den Streik für unangemessen und war im Vorfeld mit einem Verbotsantrag bei Gericht gescheitert.

Gewerkschaft wirft Koalition Bruch des Koalitionsvertrags vor

Zuvor hatten in einer Urabstimmung laut der Gewerkschaft 99,3 Prozent ihrer Mitglieder, die bei CFM beschäftigt sind, für einen unbefristeten Streik gestimmt.

Verdi fordert, die Bezahlung der rund 3.200 CFM-Beschäftigten an den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst und damit auch an die des Charité-Personals anzugleichen. Sie arbeiteten zu deutlich schlechteren Bedingungen; die Zweiklassengesellschaft müsse ein Ende haben, hieß es.

Die Gewerkschaft verweist darauf, dass CDU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag zugesagt hätten, dass die CFM-Beschäftigten genauso bezahlt werden sollten wie die der Charité. Sie wirft der schwarz-roten Koalition einen "kaltschnäuzigen Bruch" des Koalitionsvertrags vor.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnete die ungleiche Bezahlung von Mitarbeitern der landeseigenen Klinikkonzerne und deren Tochterunternehmen als Ungerechtigkeit. "Wir gucken uns das an, wir überprüfen das", versicherte er vor knapp zwei Wochen vor CFM-Mitarbeitern bei der Gesprächsreihe "Kai Wegner vor Ort". Schon vor Beginn der Veranstaltung hatten etliche von ihnen den CDU-Politiker abgefangen und auf ihre Situation hingewiesen.

Einschränkungen bei Patientenversorgung erwartet

Die Gewerkschaft Verdi wirft der CFM-Geschäftsführung "Arbeitsverweigerung am Verhandlungstisch" vor. Sie sei bisher nicht bereit, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen. Ohne Reinigung, Transport, Catering, Handwerk und den vielen anderen Gewerken der CFM würde die Charité nicht funktionieren. "Wir sind nicht mehr bereit, das Sparschwein der Charité zu sein. Deshalb treten wir jetzt in den Streik", erklärte Robin Weber, Medizintechniker und Mitglied der Tarifkommission, laut einer Mitteilung.

Die Beschäftigten der Charité-Tochtergesellschaft waren in den vergangenen Wochen mehrfach in einen Warnstreik getreten.

Fünfte Verhandlungsrunde wohl abgebrochen

Der unbefristete Streik hatte am Mittwochmorgen mit der Frühschicht begonnen. Zuvor hatten Verdi und die CFM in der fünften Verhandlungsrunde am Montag keine Einigung gefunden. Nach Angaben von CFM-Sprecherin Külz brach die Gewerkschaft die Verhandlung nach 15 Minuten ab. Die CFM wollte den Streik vor Gericht vorerst untersagen, doch das Gericht entschied für die Streikenden.

Verdi sprach von einer Blockadehaltung der Geschäftsführung. "Wir sehen die Geschäftsführung jetzt am Zug, endlich mal ein Angebot zu machen", sagte Verdi-Verhandlungsführerin Neunhöffer. "Für diesen Tarifkonflikt und die möglichen Auswirkungen auf die Patientenversorgung trägt die Koalition aus CDU und SPD maßgebliche Mitverantwortung", so Neunhöffer. Der Tarifstreit schwelt seit Jahren.

Die CFM-Geschäftsführung hatte mitgeteilt, dass mit der Eingliederung in den TVöD eine Lohnkostensteigerung von 40,9 Prozent beziehungsweise 42,7 Millionen Euro jährliche Mehrkosten einhergingen. "Wir können keine Forderungen umsetzen, die zu einer Existenzgefährdung der CFM führen", teilten Juliane Kaufmann und Simon Batt-Nauerz von der CFM-Geschäftsführung mit. Der bestehende Entgelttarifvertrag der CFM liege im Vergleich über dem Branchentarif für Reinigung, Sicherheit oder Catering.

Sendung: rbb24, 02.04.2025, 13:00 Uhr

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58 Kommentare

  1. 58.

    Die CFM-Geschäftsführung hatte mitgeteilt, dass mit der Eingliederung in den TVöD eine Lohnkostensteigerung von 40,9 Prozent beziehungsweise 42,7 Millionen Euro jährliche Mehrkosten einhergingen. "Wir können keine Forderungen umsetzen, die zu einer Existenzgefährdung der CFM führen",
    So der Absatz im Artikel.
    Was ist der Kern der Aussage.
    Hier liegt eine Wettbewerb Verzerrung vor.
    Es kann also nur für den Preis die Leistung angeboten werden, weil die Löhne so niedrig sind.
    Ab wann liegt dann eine Straftat vor?

  2. 57.

    Sollen sich einfach glücklich schätzen das die Leute sich das so lange bieten lassen haben. Da kommt schon einiges zusammen, was durch diese Masche gespart wurde.

  3. 56.

    Aber ob die in den Heimen besser bezahlt werden? Schaunmermal wie das ausgeht. Die Patienten in den KH sind nun wirklich die schwächsten auf deren Rücken man einen solchen Arbeitskampf austragen kann.

  4. 55.

    Ok, das sind aber auch Tätigkeiten wo sich kaum ein Angestellter von CFM sorgen machen müsste, wenn die vor die Tür gesetzt werden. Allein in den Seniorenheimen, sind immer Leute aus der Branche gern gesehen mit Berufserfahrung. Facility im Allgemeinen.

  5. 54.

    CFM war mal ein zur Charité zugehöriger Bereich, die Stammbeschäftigten wurden damals einfach ausgegliedert.
    Im Koalitionsvertrag ist die Wiedereingliederung beschlossen worden

  6. 53.

    Ich finde den Streik berechtigt. Es muss endlich aufhören mit der unterschiedlichen Bezahlung, obwohl die gleiche Arbeit gemacht wird. Die Politiker versprechen immer nur, alles heiße Luft die verpufft. Bei der BVG genau dasselbe Spiel, wertschätzendes Gelaber von Herrn Wegner mehr nicht. Kein Wunder, dass die Menschen verärgert sind und sich verarscht fühlen, denn sie werden verarscht, von Leuten, die sich um ihre Existenz nicht sorgen müssen! Das Blatt muss sich wenden!!!

  7. 52.

    Das ist fein beobachtet, und damit streiken sie gegen sich selbst. Lohnausgleich wird nicht passieren, denn damit wäre CFM überflüssig. Aber vielleicht würde die Charité ja ein paar Leute übernehmen, aber eben nur vielleicht. So wie sich das für mich darstellt, ist ein unbefristeter Streik aus Sicht der Protagonisten nicht sehr schlau

  8. 51.

    Selbstverständlich, denn bei Gehaltsangleichung erfüllen sie ihren Zweck nicht mehr. Triebfeder eines jeden Streiks sind meiner Meinung nach die ständig steigenden Lebenshaltungskosten. Entweder arbeite ich in Regierungsverantwortung daran alles in Grenzen zu halten, um Situationen wie sie jetzt entstanden sind gar nicht erst zu zulassen, oder ich muss freiwillig die Gehälter angleichen. Da es scheinbar niemanden wirklich wichtig war, gehen die Leute auf die Straße. Oder hatten die geglaubt das sich diese Probleme in Luft auflösen? Scheinbar!

  9. 50.

    Irgendwie stehe ich auf dem Schlauch. Wenn Outtasking Firmen, wie CFM, die gleichen Gehälter zahlen sollen wie die Charité sind sie überflüssig.

  10. 49.

    Haha, genau.

    Nach einem Jahr Stütze zurück in den Job ist schwieriger als sich sofort zu bemühen.

  11. 48.

    Ja Frau Kaufmann, irgend wann fällt einem das mal auf die Füße, wenn man Arbeitsplätze schafft von deren Gehalt Menschen im Existenzminimum gehalten werden sollen. Herr Wegner sollte sein Wahlversprechen einhalten, damit nicht auch noch der letzte in dieser Partei an Glaubwürdigkeit verliert.

  12. 47.

    Doch wohl eher die "Melkkuh" statt das "Sparschwein der Charité", denn ihnen wird genommen statt gegeben.

  13. 46.

    Das betrifft vielleicht Menschen die sich so eingerichtet haben, und darauf verzichten können, kontinuierlich ein Gehalt zu verdienen um Investitionen zu tätigen um die Zukunft abzusichern. Eigentumswohnung, Eigenheim, usw. wo ich 70% Eigenkapital hatte und den Rest über Hypothek finanziert habe. Das Model was sie ansprechen kenne ich, wohl nicht mit so langer Arbeitslosigkeit, aber Arbeitsplatzwechsel. Auch immer mit dem Nachteil, Anfangsgehalt. Ist dann auch nicht lustig, wenn Kollegen die länger dabei sind 3,00 € mehr die Stunde verdienen für die selbe Arbeit und Leistung.

  14. 45.

    Der Preiskampf ist doch immer und überall in der Wirtschaft da. Aber warum sollten die Beschäftigten immer von solchen Erwägungen leiten lassen.
    Die Zeiten, wo alle Angst vor Arbeitsplatzverlust haben, ist doch längst vorbei.
    Und wer heute seinen Job verliert, sagt sich meistens: OK, ein Jahr arbeitslos, und dann kann ich jederzeit woanders neu anfangen.

  15. 44.

    Bevor da jemand insolvent wird, werden die Kosten angepasst oder weitergegeben.
    Und wenn dann eine neue Firma den Laden schmeißt, dann ist es eben so.
    Nur findet man scheinbar keine Firma, welche genug Personal hat, die die Arbeit für weniger Geld macht.

  16. 43.

    Die Gesellschaft muss ich doch nur die Frage stellen, welche Konsequenzen sie bevorzugt.
    Die aus dem Streikrecht resultierenden oder diejenigen, die aus einem fehlenden Streikrecht resultierenden.
    Ich bevorzuge die Konsequenzen eines Streiks und versuche mich anzupassen.
    Ohne Streikrecht würde alles in der Folge viel schlimmer.
    Leider denken viele Menschen aus Bequemlichkeit zu kurz und lieben es kurzfristig unkompliziert, störungsfrei und billig - ohne zu begreifen, wie ihr Leben wär, wenn Mitarbeiter keine Druckmittel haben.
    Auch Kranke sollten langfristig ein Interesse haben, dass Mitarbeiter gut bezahlt werden.

  17. 42.

    Wenn die Forderung zur Existenzgefährdung führt, bietet es sich doch geradezu aus der Sicht der Firma an, die Forderung zu erfüllen, dann einen Insolvenzantrag zu stellen und nach Abwicklung der Firma mit einer neuen Firma und genügsameren neuen Mitarbeitern neu anzufangen.

  18. 41.

    Was wäre denn an maximalen Auswirkungen zu erwarten, wenn man die einfach streiken lassen würde, bis der Gewerschaft das Geld ausgeht?

  19. 40.

    Es wäre auch mal schön, wenn die Politik durch eine Einkommensteuer- und Sozialabgabenreform für mehr Netto sorgt.
    Warum ist das so schwer?
    Offenbar fehlt da der Wille, und es ist nur Wahlkampfgequatsche, wenn man Entlastungen für die hart arbeitenden Menschen in Aussicht stellt.

  20. 39.

    Einige Mitarbeiter sind evtl. auch in der Probezeit und wollen nicht entlassen werden.