Spitzentreffen in Berlin - Abstützen offenbar keine Option: Marode A100-Brücke soll Neubau weichen

Mi 02.04.25 | 09:25 Uhr
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Sperrung Ringbahnbrücke Berlin am 20.03.2025. (Quelle: IMAGO/Andreas Friedrichs)
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Audio: rbb24 Inforadio | 02.04.2025 | Kai Wegner | Bild: IMAGO/Andreas Friedrichs

Der Verkehr im Berliner Westen ist durch die Sperrung der A100-Brücke am Funkturm stark beeinträchtigt. Bei einem Spitzentreffen ging es darum, die Brücke möglichst schnell neu zu bauen. Das fordert auch der Regierende Bürgermeister.

Hinweis: Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Die Autobahn GmbH hat am Mittwoch mitgeteilt, die Brücke noch im April abzureißen. Alles Weitere dazu finden Sie hier.

Bei der Ringbahnbrücke am Autobahndreieck Funkturm stehen die Zeichen auf Neubau. Das geht aus einer Mitteilung der Senatsverwaltung für Mobilität nach einem Spitzentreffen zur A100 am Dienstagabend hervor. "Kapazitäten beim Brückenbau sind vorhanden, gerade auch wenn es darum geht, innovativ und möglichst schnell zu bauen", so die Verkehrsverwaltung.

Bei dem Treffen, an dem neben Vertreter des Landes Berlin auch die Autobahn GmbH, das Bundesministerium für Digitales und Verkehr, die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die Deutsche Bahn teilnahmen, wurde auch über den Ablauf weiterer Bauarbeiten gesprochen.

Wie der rbb aus dem Kreis der Teilnehmenden erfuhr, scheint ein kompletter Abriss und Neubau unausweichlich: Die Brücke lediglich abzustützen ist offenbar keine Option.

Wegner dringt auf schnellen Neubau

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) dringt darauf, die Ringbahnbrücke so schnell wie möglich neu zu bauen. Zwei Jahre wären eine gute Zeit, auch wenn das eine ziemliche Belastung bedeute, sagte er am Mittwochmorgen dem rbb.

"Ziel ist, die konkreten Auswirkungen auf die Mobilität in und um Berlin, bei BVG und S-Bahn und den innerstädtischen Auto- und Wirtschaftsverkehr so gering wie möglich zu halten", hieß es in der Mitteilung der Verkehrsverwaltung.

Es müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, um Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, so Wegner. Es solle dann möglichst rund um die Uhr gebaut werden. Er begrüßte, dass der Bund am Dienstag zugesagt hat, 150 Millionen Euro für eine neue Brücke bereitzustellen.

Bessere Kommunikation vereinbart

Auf dem Spitzentreffen am Dienstag wurde derweil auch beschlossen, die Kommunikation künftig stark zu verbessern. Dafür soll in der Verkehrsverwaltung eine eigene Steuerungsgruppe geschaffen werden. In den vergangenen Wochen war es mehrfach zu Verwirrungen und Problemen gekommen, weil Informationen nicht ordentlich weitergegeben und Maßnahmen teils extrem kurzfristig oder gar nicht angekündigt wurden - etwa die Sperrung der Brücke oder der Ringbahn. Zudem soll es regelmäßige Treffen aller Akteure geben, das nächste ist bereits für kommenden Freitag geplant.

Im betroffenen Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf zeigte man sich zufrieden mit dem Ergebnis. Es sei gut, so der zuständige Bezirksstadtrat für Verkehr Oliver Schruoffeneger (Grüne), dass nun die Zuständigkeiten geklärt seien.

So sieht es an der gesperrten Ringbahnbrücke aus

S-Bahnring unterbrochen

Die Autobahnbrücke der A100 wurde Mitte März wegen eines sich ausbreitenden Risses zunächst für den Autoverkehr in Richtung Norden gesperrt. Wenig später wurde auch der darunter verlaufende S-Bahn-Verkehr eingestellt.

Auf der Stadtautobahn am Dreieck Funkturm gibt es inzwischen in die nördliche Richtung aktuell eine Notspur auf der Gegenfahrbahn. Die ist allerdings für schwere Lkw gesperrt, die Fahrzeuge müssen durch die Straßen in Charlottenburg-Wilmersdorf fahren oder sollen die A100 über den Berliner Ring weiträumig umfahren.

An der Kreuzung Spandauer Damm Ecke Königin-Elisabeth-Straße wurden am Freitag die Ampelschaltungen und Fahrbahnmarkierungen angepasst. So soll der Autoverkehr nach Norden besser zurück auf die A100 geführt werden.

Verkehrsbeeinträchtigungen durch marode Ringbahnbrücke im März 2025. (Quelle: rbb)

Die Ringbahn ist zwischen Halensee und Westend in beide Richtungen unterbrochen. Betroffen sind die S41, S42 sowie die S46. Die Stationen Messe/Nord und Westkreuz werden bis auf Weiteres von diesen Linien nicht angefahren. Das aktuelle Konzept habe sich als "robusteste Variante erwiesen", um einen "möglichst stabilen und verlässlichen Betrieb" zu gewährleisten, hieß es von der S-Bahn.

Der Bahnhof Messe Nord/ZOB wird über den Ersatzverkehr mit Bussen sowie die U2 erreicht. Von Halensee gibt es einen 20-Minuten-Takt zum S-Bahnhof Charlottenburg und damit einen Anschluss an die Stadtbahn. Die fährt auch das Westkreuz an, also die Linien S3, S5, S7 oder S9. Die S46 fährt nur zwischen Königs Wusterhausen und Bundesplatz. Die Haltestelle Westkreuz werde von den Ringbahnen nicht angefahren, da dort Wendemöglichkeiten fehlen, so der Berliner S-Bahn-Geschäftsführer Peter Buchner.

Marode A100-Brücke: S-Bahn-Ring unterbrochen. (Quelle: rbb)

Sendung: rbb24 Inforadio, 02.04.2025, 7:40 Uhr

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92 Kommentare

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  1. 92.

    Es ist Absicht die A100 wieder rückzubauen - ein vernünftiger Schritt!

  2. 91.

    Jaaa, ich habs noch im Ohr. Die ganzen schlauen Kommentatoren, die meinten, da sollten alle dankbar für sein. Oder die ganzen Leute die meinen, der Fluglärm am BER muss auszuhalten sein oder man muss halt wegziehen. Aber wehe wehe es trifft einen selbst.

  3. 90.

    Was für ein absurder Kommentar. Auf dem Land brauche ich ein Auto, weil weite Wege, Zersiedelung, Fahrt zum Arbeitsplatz.
    Und in der Stadt, wo kurze Wege möglich sind, wo die meisten Strecken nachweislich zu Fuß zurück gelegt werden, wo der Platz knapp ist, sollen wir trotzdem Auto fahren?
    Merkste selbst oder? Auto in der Stadt ist quatsch. Ein gesunder Kompromiss wäre - nach 60 Jahren Verkehrspolitik ausschließlich fürs Auto - die nächsten 60 Jahre ausschließlich in Fahrradverkehr, ÖPNV und Fußverkehr zu investieren, zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs.

  4. 89.

    Da haben Sie recht, das Gesamtgewicht ist aber das gleiche. Sehr wenige LKW werden es auch nicht gewesen sein. Die Versorgung von (damals Westberlin)erfolgte hauptsächlich über die Straße. Und der Verkehr aus Westen und Süden fuhr immer über Dreilinden nach WB. Nur aus Norden war es erst Staaken, danach Stolpe. Aber zur Zeit der Erbauung hat keiner gewusst was 60 Jahre später ist und ob die Mauer jemals wegkommt.

  5. 88.

    Der war gut "An alle die gegen Kraftfahrzeuge sind. Weshalb wohnt ihr nicht auf dem Land.".
    Da gibt es Gegenden, da musst man zum Einkauf ohne Auto Übernachtungsmöglichkeiten einplanen.

  6. 87.

    Es wurden damals nicht nur weniger Güter mit LKW transportiert, das Güterverkehrsaufkommen insgesamt (also inklusive Schiff und Bahn) war um ein Vielfaches geringer. Und das Transportaufkommen steigt weiter. Die Bahn schafft es gar nicht, dieses Mehr an Gütern zu transportieren, selbst wenn der politische Wille da wäre.

  7. 86.

    Soweit ich mich erinnere gab es damals aber auch noch eine Unterscheidung zwischen Güterfernverkehr und Güternahverkehr! Auch dürfte die Anzahl der LKW-Transporte in den sechziger Jahren geringer gewesen sein, da viele Güter über die Bahn transportiert wurden.

  8. 85.

    Die 150 Millionen kommen vom Bund, weil der für die Fernstraßen zuständig ist. Das hat also mit dem Berliner Haushalt und der dortigen Prioritätensetzung rein gar nichts zu tun. Aber Hauptsache erst mal meckern.

  9. 84.

    "Besser wäre, auf diese Brücke und die weitere im Norden zukünftig zu verzichten, und die Autobahn in 2 Etagen westlich der Gleise zu führen." Das wäre dann doch aber auch nur wieder ein weiteres Brückenbauwerk. Zudem würde das die Anschlussstellen weiter verkomplizieren und Brücken über die Bahngleise zum Anschluss in die Stadt müssten trotzdem vorgesehen werden. Es ist eigentlich egal, wo die Brücken sind. Da hier verschiedene Verkehrswege aufeinander treffen, sind immer Brücken notwendig.

  10. 83.

    Erst gestern Nachmittag wieder erlebt am Klausenerplatz, Fahrbahn Richtung Spandau: Kurz vor der Bushaltestelle macht ein Ersatzbus für die S41 gemütlich Pause. Hinter ihm zwei Busse der Linie M 45, ein weiterer SEV-Bus und ein Bus der Linie 309. Die Busse können nicht ausweichen, da sich der umgeleitete Autoverkehr auf den daneben liegenden Fahrbahnen staut. Endlich Pause beendet und die erste drei Busse sind gleichzeitig an der Haltestelle. Die Fahrt ist nur kurz. An der Haltestelle Sophie-Charlotten-Straße können max. zwei Busse stehen. Der dritte muss zwangsläufig vor der Kreuzung halten und blockiert die nachfolgenden Busse sowie rechtsabbiegende PKW und LKW. Wer hat sich die Pause auf der Busspur ausgedacht? Wenn man nicht mal solche Kleinigkeiten ordentlich regeln kann, sehe ich für den Brückenabriss und -neubau schwarz.

  11. 82.

    Vielen Dank!!! Ich dachte schon, ich bin der Einzige, der sich fragt, wie die "Anschlüsse" zukünftig funktionieren sollen...

  12. 81.

    Heute Nacht, I Have a Dream.
    Die Brückenbauer müssen erst mal eine Kaution in Millionenhöhe hinterlegen, falls die Lebensdauer mit 80 bis 100 Jahren nicht erreicht wird. Den Politikern und Staatsdienern werden bei Versagen die Pensionen gestrichen und sie müssen finanziell mit ihrem Vermögen persönlich haften.

    Und dann bin ich aufgewacht.

  13. 80.

    Da wurde nichts "gequetscht". Das nennt sich Verkehrswegebündelung.

  14. 79.

    Weil niemand mehr bereit ist Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Aber bezahlen lassen sich alle dafür, dass sie es eigentlich müssten.

  15. 78.

    Wahnsinn. Jeden Tag werden die Aussagen der Vortage hinfällig.

  16. 77.

    Weil sich an der Streckenführung Richtung Norden (leider) nichts ändert. Wie auch, da ist kein Platz. Die A100 wurde da einfach neben die Bahngleise gequetscht.
    Besser wäre, auf diese Brücke und die weitere im Norden zukünftig zu verzichten, und die Autobahn in 2 Etagen westlich der Gleise zu führen. Ähnlich wie die Erweiterung hinterm Ostkreuz Richtung Frankfurter Allee. Die aktuelle Streckenführung ist immer anfällig, da es kaum vernünftige Umfahrungen für den Abschnitt nördlich vom Dreieck Funkturm gibt. Allerdings dürfte das zu teuer werden.

  17. 76.

    Wer anderen Ideologie vorwirft, hängt oft selber seiner eigenen nach, s. z.B. Aiwanger. Die, die eine autofreie Ringbahnblase fordern, feuern oft auch Paris, unterschlagen dabei aber, dass dort der ÖPNV ausgebaut wird. Im für den ÖPNV zuständigen Land Berlin wird dagegen Verkehrspolitik nur für Klientel gemacht, die individuell mobil ist und dabei in oder auf Pedale tritt.

  18. 75.

    Deutscher Sozialneid.

  19. 74.

    Zulässiges Gesamtgewicht Lastzug/Sattelzug 1963 32 to, ab 1965 38 to.

  20. 73.

    "Gut, in Genua haben sie für eine 2km lange sechs sturige Brücke zwei Jahre gebraucht, diese nach ihrem Einsturz neuzubauen, hier im Land dauert es eben etwas länger."

    Zum Vergleich die Elsenbrücke: Länge 185m, Schäden 2018 entdeckt, gesperrt 2021, Neueröffnung voraussichtlich 2028 !
    Aber ok, "etwas länger" ist natürlich ein dehnbarer Begriff! :-(