Pkw mit Brennstoffzelle - Wasserstoff-Zapfsäulen in Potsdam und Neuruppin werden stillgelegt

Mo 31.03.25 | 20:30 Uhr | Von Oliver Noffke
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Archivbild: Wasserstoffauto tankt H2 Wasserstoff an einer H2 Wasserstofftankstelle. (Quelle: dpa/Oberhäuser)
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Audio: Antenne Brandenburg | 01.04.2025 | Toni Schmitt | Bild: dpa/Oberhäuser

Geringe Nachfrage, technisch veraltet, keine Möglichkeit zur Weiterentwicklung: Zwei der drei Wasserstoff-Tankstellen in Brandenburg gehen am Dienstag vom Netz. Besitzer der abgasfreien Pkw haben es dann deutlich weiter zur nächsten Zapfsäule. Von Oliver Noffke

Pkw mit Brennstoffzelle können in Potsdam und Neuruppin (Ostprignitz-Ruppin) ab Dienstag nicht mehr betankt werden. Der Betreiber H2 Mobility teilte rbb|24 auf Anfrage mit, er plane seine dortigen Wasserstoff-Zapfsäulen still zu legen. "Begründet liegt diese Veränderung vor allem im gedämpften Markthochlauf für Pkw und kleine Nutzfahrzeuge." Bundesweit würden zum 1. April insgesamt elf Standorte aufgegeben, hieß es.

Damit bietet in Brandenburg ab sofort nur noch eine öffentliche Tankstelle Wasserstoff für Pkw an. Sie wird von einem anderen Anbieter am Flughafen BER betrieben. Zudem betreibt H2 Mobility Wasserstoff-Zapfsäulen an vier Standorten von Shell oder Total im Berliner Stadtgebiet. Bei den beiden auslaufenden Standorten bestanden ebenfalls solche Partnerschaften. Benzin oder Diesel werden dort weiterhin angeboten.

Fahrerinnen und Fahrer eines Pkw mit Brennstoffzelle müssen in Brandenburg also künftig längere Strecken zurücklegen. "Dies könnte für einige von ihnen eine Herausforderung darstellten", teilte Karsten Schulze, Vorstand für Technik beim ADAC, auf Anfrage mit, "insbesondere wenn sie bisher kurze Wege zum Tanken hatten."

Geringe Nachfrage, veränderter Markt

Laut H2 Mobility werden ältere, kleinere Zapfsäulen geschlossen, die auf Pkw fokussiert waren. Sie seien zum Teil vor mehr als zehn Jahren in Betrieb genommen worden. Den heutigen technischen und wirtschaftlichen Anforderungen würden sie nicht mehr gerecht. "Die Standorte in Potsdam und Neuruppin zählen zu dieser Tankstellengeneration", so eine Sprecherin des Berliner Unternehmens.

Von Beginn an sei die Nachfrage an diesen elf Standorten weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, hieß es weiter. Im Vergleich zu anderen Regionen verlaufe der Trend außerdem abwärts. Größere Abnehmer oder Partner wie ÖPNV-Unternehmen fehlten zudem.

Auch aus technischen oder baulichen Gründen könnten diese Standorte nicht weiterentwickelt werden, so die Sprecherin. Einige der Tankstellen könnten schlicht nicht von Bussen oder Lkw angefahren werden. Womit ausgerechnet jene Fahrzeuge außen vor blieben, die mittlerweile das Gros der Nachfrage ausmachten.

Schließungswelle schwappt über das Wasserstoff-Tankstellennetz

H2 Mobility wurde 2015 gegründet und mit öffentlichen Mitteln gefördert, um eine Infrastruktur für Wasserstoffautos aufzubauen. 2022 stieg der Investmentfonds Hy24 ein. Seitdem arbeitet das Unternehmen rein privatwirtschaftlich. Eine europaweite Karte zum Füllstand von Wasserstoff-Tankstellen – den eigenen, als auch denen der Konkurrenz – betreibt H2 Mobility weiterhin [h2.live].

Der vom Staat erhoffte Durchbruch von Pkw mit Brennstoffzelle hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht eingestellt. Seit der Privatisierung hatte H2 Mobility in Deutschland bereits 24 Standorte still gelegt. In diesem Jahr kommen etwa noch einmal so viele Schließungen hinzu. Neben den jetzigen seien elf weitere für Ende Juni geplant. Ob davon Zapfsäulen in Berlin betroffen sein werden, konnte die Unternehmenssprecherin zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Anderswo wird neu gebaut

H2 Mobility baut und plant aktuell neue Standorte, an denen zukünftig sowohl Pkw und Nutzfahrzeuge betankt werden können. Allein im vergangenen Jahr seien 22 neue Standorte im Bundesgebiet hinzugekommen, hieß es. Konkrete Pläne für neue Zapfsäulen in Brandenburg wurden nicht genannt. "Wir stehen hierfür in Kontakt v.a. mit Politik und Speditionsunternehmen sowie dem ÖPNV."

Parallel sind in den vergangenen Jahren Mitbewerber am Markt aufgetaucht. In Prenzlau (Uckermark) und Schipkau (Oberspreewald-Lausitz) befinden sich derzeit Wasserstoff-Tankstellen anderer Energieunternehmen im Bau.

Allerdings: Die meisten der Zapfsäulen, die still gelegt wurden oder werden, befinden sich in ländlich geprägten Gebieten. Der ADAC sieht diese Entwicklung kritisch: "Der Rückgang der Infrastruktur wird das Vertrauen der Verbraucher und Verbraucherinnen in diese Technologie beeinträchtigen und die Akzeptanz von Wasserstoff-Fahrzeugen verringern", so Schulze.

Bis 2030 sollen höchsten 200 Kilometer zwischen zwei Wasserstoff-Zapfsäulen liegen

Langfristig sei dies ein Nachteil gegenüber batterieelektrischen Motoren, so Kurze. Diese seien zwar effizienter als Brennstoffzellen, jedoch mit der Einschränkung: "wenn man lediglich den Energiefluss von der Quelle bis zum Antrieb betrachtet."

Werde das hohe Gewicht der Batterien, der Energieaufwand bei ihrer Herstellung oder die Verluste bei der Speicherung mit eingerechnet, verändere sich die Bilanz allerdings zum Vorteil von Wasserstoff, teilte er mit. "Deshalb muss die klimafreundliche Wasserstoff-Produktion so schnell wie möglich in der Region Berlin-Brandenburg hochgefahren werden."

Mittlerweile fokussiert der Staat seine Unterstützungen ebenfalls auf Lkw und Busse. Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert öffentliche Wasserstoff-Tankstellen für schwere Nutzfahrzeuge. "Die Förderquote beträgt bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben", so das Ministerium [bmdv.bund.de]. "Um die Schließung von Wasserstoff-Tankstellen für Pkw zu verhindern, könnte der Staat die bestehenden Förderprogramme erweitern und gezielt auf Pkw ausrichten", sagt Karsten Schulze vom ADAC.

H2 Mobility sieht ebenfalls eine Notwendigkeit die Technologie nicht allein den Kräften des Markts zu überlassen. Bis Dezember 2030 sollen innerhalb der EU höchsten 200 Kilometer zwischen zwei Wasserstoff-Tankstellen liegen, sieht die Verordnung "Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe" vor, kurz: Afir [eur-lex.europa.eu]. "Nicht fortgeführte Förderprogramme und der aktuelle Rückgang kleiner H2-Tankstellen machen es fraglich, ob Deutschland die Afir-Vorgaben bis 2030 einhält."

Sendung: Antenen Brandenburg, 01.04.2025, 9:30 Uhr

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48 Kommentare

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  1. 48.

    Das liegt an Typen wie Söder, der sich lieber einen schlanken Fuß machen, den Ausbau der Südtrasse verhindern, während die Bundesländer die die erneuerbaren Energien ausbauen auf den Netzkosten sitzen bleiben und ihren Strom nicht loswerden.
    Wenn man nur wollte ginge da auch bei diesem „Speicherstand“ eine ganze Menge mehr.

  2. 47.

    "Hochwertig mit Solar- oder Windkraft " ist eben insgesamt gesehen der daraus produzierte Strom eben auch nicht. Denn die "Speicher im Netz" die den Flatterstrom glätten sollen, gibt es bis heute nicht. Und wird sie aus physikalischer Sicht wohl auch nicht geben. Das liegt nicht daran, weil die Gestehungskosten der regenerativen Stromerzeugung so günstig wären. Das liegt am marktwirtschaftlichen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je mehr regenerative Stromerzeugungsanlagen installiert werden, desto mehr verschärft sich das Problem. Allein deshalb muss über eine Korrektur des Zubaus nachgedacht werden. Deren Stromproduktion ist mehr oder weniger zufällig. Diese Komponenten zu erweitern und gleichzeitig gut regelbare Stromerzeugung abzuschalten ist, da braucht man kein Akademiker zu sein, das ist einfach nur dumm.

  3. 46.

    Was speilt das für eine Rolle? Keine. Sie haben noch nie etwas für Ihr geistiges Fortkommen ausgegeben?

  4. 45.

    Da ich von einigen ,,Freunden'' hier der Überheblichkeit bezichtigt wurde, kann ich es beichten: mein Wissen betseht zu 70-80 % aus dem Internet und da speziell von Wikipedia. Da könnt ihre mal nachschauen, also die , die davon noch nie etwas gehört haben. Und der Rest ist Schulwissen!

  5. 44.

    Es ist abschließend gesagt, verdammt schade und kurzsichtig, daß die wasserstoffherstellung eingestellt wird. So verbauen wir und die Zukunft. Na wenigstens gibt es bald die Elektroautos, mit höherer Reichweite als 1000km!

  6. 43.

    Wasserstoff in der Mobilität ist auch Schwachsinn.

  7. 42.

    Zumindest sind Sie weder an Fakten interessiert noch können Sie mit welchen aufwarten. Stattdessen kommen nur leere Sprüche.

  8. 41.

    Ihr spezielles Anforderungsprofil finde ich interessant, gehören Sie offensichtlich doch zu den Menschen, die stundenlang ohne Biopause unterwegs sind. Oder haben Sie immer eine Flasche zur Reichweitenverlängerung griffbereit? Ansonsten z.B. Kia EV9.

    Der Ingolstädter Gumpert hat zwar Fördergelder vom aus Bayern stammenden Bundesverkehrsminister erhalten, konnte aber darüber hinaus nicht mit seiner Methanol-Brennstoffzelle reüssieren. Im Gegenteil hat sich der mit ihm temporär kooperierende chinesische Autohersteller Airways schnell wieder verabschiedet. Er wurde von mehr CSU-Ministern und Herstellern ignoriert den gefeiert.

    Mercedes hat in Fachzeitschriften die Einstellung des GLC F-Cell mit der mangelnden Konkurrenzfähigkeit der Brennstoffzelle gegenüber der fortschreitenden Batterietechnik begründet und dabei neben der Effizienz auch das Tankvolumen angeführt. Auch Toyota kann sich über mangelnde Förderung von Wasserstoff im Vergleich zur Batterie nicht beklagen.

  9. 40.

    Nun ja, weil eben die Rahmenbedingungen von der Politik anders gestellt wurden. Das hat vereinfacht Toyota in einer Meldung zu dem Thema mitgeteilt. Ähnlich liest es bei MB und Hyundai m.M.n.. War letztes(?) Jahr mal Thema in Fachzeitschriften. Auch das System von Gumpert(mit viel Geld vom Bund gefördert und gefeiert) wurde einfach ad acta gelegt. Rein technisch sind die Fahrzeuge unauffällig und funktionieren.
    Weil ich als gelernter Fahrzeugschlosser, Selbstschrauber Auto -& Motorradfahrer/Besitzer & Interessierter einen anderen Blick auf die aktuellen Entwicklungen habe, lebe ich nicht in der Vergangenheit. Es ist nicht nur ein Unding, was qualitativ & haptisch dem Kunden für richtig Kohle angeboten wird, sondern eine Frechheit. Nebenbei bemerkt gibt es aktuell kein Batterieauto, welches mein Lastenheft erfüllen kann. Mind.2t Anhängelast,7Sitze, Reichweite 800km+ mit einer Energiefüllung und von 10 auf 100% innerhalb von 10 Minuten wieder aufzufüllen. Gibts das?

  10. 39.

    Der Strom muss immer erst produziert werden. Die Frage ist nur wie. Hochwertig mit Solar- oder Windkraft oder wieder nur mit Carnot, wo mind. die Hälfte über den Jordan geht.

  11. 38.

    Na dann bin ich mal lieber AHNUNGSLOS als ÜBERHEBLICH .Es soll ja solche User geben die glauben alles besser zu wissen.

  12. 37.

    2022 sind etwas über 15.000 PKW mit Brennstoffzelle weltweit verkauft worden, 2023 waren 8.800, voriges Jahr rund 4.800 Stück. Zum Vergleich: Ferrari baut ca. 8.000 Autos pro Jahr, Rolls Royce ca. 4.000.

  13. 36.

    Die Verkehrs Wende greift .
    Wie viele Millionen wurden verbrannt ?

  14. 35.

    Der Komentar ist leider komplett am Thema meines Kommentars vorbei. Es ging um den Satz: ""Der Elektroantrieb ist beim PKW, LKW und Bussen der wesentlich bessere," " Es geht also nur um den Antrieb und der ist auch bei Brennstofzellen halt ein E-Motor, da die Brennstoffzelle halt auch nur Strom zum Betrieb der E-Motoren liefert und in dem Sinne "nur" ein Ersatz des sonst dafür benutzten Akkus als Hauptenergielieferant ist, ob da noch eine kleine Akkukapazität als Zwischenspeicher vorgehalten wird ist dafür irrelevant (sowas hat sogar ein Verbrenner mit Start-Stop-System ohne zum Hybrid damit zu werden). Um Wirkungsgradbetrachtungen über die ganze Kette vom Erzeuger ging es überhaupt nicht.

  15. 34.

    Man merkt Ihnen Ihren Frust über Ihre Ahnungslosigkeit an, sind doch hier die geschlossenen Tankstellen für brennstoffzellen-elektrische Fahrzeuge das Thema.

  16. 33.

    Der Strom muss auch erst produziert werden. Im Anschluss wird dieser über Stromleitungen, Verteiler usw. bis zur Ladesäule weitergeleitet. Über die Ladesäule wird der Akku im Auto aufgeladen. Über all diese (Transport-)Stufen gibt es ebenfalls "Verluste" die es zu berücksichtigen gilt.

  17. 32.

    Batterieelektrisch ein wunderbares Wort. Ich habe schon eine Vermutung gehabt ,zwischen Batterie und Elektrik könnte ein Zusammenhang bestehen.

  18. 31.

    Ja im Prinzip wird H2 zu H2O verstromt. Aber es natürlich nicht das Gleiche wie ein Akku. Denn der Akku wird als Zwischenspeicher auch in H2-Brennstoffzellen-Autos benötigt. Schon wegen der Spitzenlasten und Rekuperation.
    Und der Gesamtwirkungsgrad muss schon wegen Strom -> H2 und im Auto H2 -> Strom zu Strom -> Akku -> Strom wesentlich schlechter sein.

  19. 30.

    "Der Elektroantrieb ist beim PKW, LKW und Bussen der wesentlich bessere," Fahrzeuge mit Brennstoffzelle haben Elektromotoren. Die Brennstoffzelle ist im Prinzip "nur" die Alternative zum Akku als Lieferant von el. Energie für die E-Motoren und kann zBsp mit Wasserstoff (+Sauerstoff) betrieben werden wie hier, aber es gibt auch Lösungen mit Methanol und Konverter.

  20. 29.

    Genau und deswegen können wir mit der Elektroenergie auch nicht umgehen, als wäre sie endlos verfügbar.
    Das heißt ein Parameter muß die Maximierung des Wirkungsgrads sein, zwingend im Rampup und da fällt H2 und erst Recht Efuels ja wohl aus.