Erste Details zu Umleitungskonzept - Gesperrte A100-Brücke: Schwerverkehr soll über Berliner Ring geführt werden
Die Ringbahnbrücke am Dreieck Funkturm bremst zurzeit den Verkehr auf der A100 aus. Laster kommen Richtung Norden gar nicht durch. Am Dienstag wurden Details aus einem Umleitungskonzept bekannt. Der Bezirkstadtrat zeigt sich skeptisch.
- Verkehrssenatorin Bonde will mit Autobahn GmbH am Mittwoch Umleitungskonzept zur gesperrten Ringbahnbrücke vorstellen
- Lkws sollen Berliner Ring zur Umfahrung Berlins nutzen
- In Berlin Umleitungen vor allem über Heerstraße, Königin-Elisabeth-Straße und Sophie-Charlotten-Straße
- Erste Ampeln im Bezirk Charlottenburg schon umprogrammiert, weitere sollen folgen
- Bezirksstadtrat äußert Kritik: Schwertransporte sollten nicht durch Wohngebiete fahren
Für die A100 in Berlin gibt es nun in Grundzügen ein Konzept, wie der Verkehr angesichts der Brückensperrung am Dreieck Funkturm umgeleitet werden soll. Am Dienstag wurden erste Details bekannt.
Eine zentrale Rolle bei den Umfahrungen soll neben Hauptstraßen im Stadtgebiet der Berliner Autobahn-Ring (A10) spielen. Geplant ist demnach, Lastwagen, die Berlin nicht als Ziel haben, von vornherein um die Stadt herum über den Berliner Ring zu führen. Die Autobahn GmbH habe mit solchen Konzepten bereits bei anderen Bauvorhaben in Deutschland gute Erfahrungen gemacht, hieß es aus informierten Kreisen. Nach rbb-Informationen soll der Lastverkehr, der in die westlichen Stadtbezirke fahren möchte, über die Bundesstraßen 2 und 5 und damit über die Heerstraße geleitet werden.
Zuerst hatte der "Tagesspiegel" über das Konzept berichtet.
Ampeln im Umfeld der gesperrten Brücke umprogrammiert
Im Stadtgebiet dürfte der Ausweichverkehr wie bisher zum größten Teil über Hauptstraßen wie die Königin-Elisabeth-Straße und die Sophie-Charlotten-Straße fließen. Wie dem rbb bestätigt wurde, sind bereits an zwei Kreuzungen Ampelschaltungen neu programmiert worden, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Weitere Ampelschaltungen sollen noch angepasst werden.
Zurzeit gibt es auf der Stadtautobahn am Dreieck Funkturm in nördliche Richtung nur eine Notspur auf der Gegenfahrbahn. Diese ist allerdings für schwere Lkw gesperrt, die Fahrzeuge müssen durch die Straßen in Charlottenburg-Wilmersdorf fahren. Unklar ist noch, ob und welche Lösungen es geben wird, um die Belastung für betroffene Wohnquartiere zu begrenzen.
Am Mittwoch will die Autobahn GmbH ihre Pläne gemeinsam mit Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) auf einer Pressekonferenz vorstellen. Klar ist jetzt schon, dass der Um- und Neubau von Brücken am Dreieck Funkturm mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Deshalb werde es auch fortlaufend Anpassungen und Änderungen der Verkehrsführung und des Umleitungskonzepts geben müssen, hieß es weiter.
Bezirk bleibt kritisch: "Das geht überhaupt nicht"
Der Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf blickt kritisch auf das Umfahrungskonzept.
Die bisher bekannt gewordenen Umleitungen seien "bei weitem noch nicht die Lösung, die wir brauchen", sagte der für Verkehr zuständige Stadtrat Oliver Schruoffenegger (Grüne) am Mittwoch auf radioeins vom rbb. Das Problem sei vor allem der Schwerlastverkehr innerhalb Berlins, der weiter durch die Wohnstraßen des Bezirks geleitet werde. "Das geht überhaupt nicht", betonte der Grünen-Politiker.
Christoph Meyer, Landesvorsitzender der Berliner FDP sagte, eine "Sonderbaurechtszone" könne die Situation entschärfen. Bauarbeiten könnten demnach mit maximaler Geschwindigkeit "rund um die Uhr, sieben Tagen die Woche" erfolgen. Zudem brauche es "leistungsfähige lokale Umleitungen", so Meyer weiter: "Die aktuelle Verkehrssituation rund um die gesperrte A100-Brücke ist eine unzumutbare Belastung für Bürger, Pendler und Unternehmen in Berlin."
Kein Umleitungskonzept trotz Anzeichen der Verschlechterung
Die Autobahngesellschaft des Bundes hatte am Mittwochabend vergangener Woche die sogenannte Ringbahn-Brücke am Autobahndreieck Funkturm vollständig gesperrt. Grund war ein Riss im Tragwerk, der sich unerwartet vergrößert hatte. Dass sich der Riss ausbreitet, hatte die Autobahn-Gesellschaft bereits Anfang März mitgeteilt und zunächst eine Teilsperrung der Brücke eingeleitet.
Die Vollsperrung am Mittwoch führte dann zum Verkehrsinfarkt am einem wichtigen Knotenpunkt in der Region - auch weil zeitgleich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bestreikt wurden. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kritisierte die überraschende Vollsperrung ohne Umleitungskonzept. Die Sperrung sei "katastrophal vorbereitet" worden, hieß es vom Bezirksamt.
Der Bezirk ordnete in der Folge an, mehrere Wohngebiete für den Umleitungsverkehr zu sperren, darunter die Einfahrten Tegeler Weg/Brahestraße, Tegeler Weg/Mindener Straße, die Einfahrten zum Kiez rund um den Klausener Platz sowie Kaiserdamm/Soorstraße und Kaiserdamm/Meerscheidtstraße.
Marode Brücke sollte in Kürze abgerissen werden
Die 1963 eröffnete Brücke war ohnehin für den Abriss vorgesehen. Das Planfeststellungsverfahren für einen Neubau läuft bereits. Eine Sperrung war indes nicht geplant. Im Rahmen der Baumaßnahmen sollte der Verkehr über einen Ersatzbau gelenkt werden. Ob ein solcher nun auch kurzfristig möglich ist, ist noch unklar.
Sendung: rbb24 Abendschau, 25.03.2025, 19:30 Uhr