Fehlende baurechtliche Voraussetzungen - Cottbuser Club "Scandale" schließt nach knapp 14 Jahren

Fr 31.01.25 | 11:45 Uhr
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Das "Scandale" in Cottbus, in der Nähe des Bahnhofs (Bild: rbb/Schneider)
Audio: Antenne Brandenburg | 31.01.2025 | Florian Ludwig | Bild: rbb/Schneider

Unter Clubgängern in Cottbus ist das "Scandale" eine feste Größe - am Freitag schließt der Club vorerst seine Türen. Laut Stadt fehlen baurechtliche Voraussetzungen. Eine lange Pause kann der Club aber nach eigenen Angaben nicht überstehen.

Der Cottbuser Club "Scandale" schließt vorerst. Das teilte der Club selbst mit, die Stadt Cottbus bestätigte die Meldung. Am Donnerstagabend fand die letzte Veranstaltung in den Räumlichkeiten nahe des Cottbuser Bahnhofs statt.

Der Club ist in der Cottbuser Nachtszene eine Institution. Er befand sich seit 2011 an verschiedenen Orten in der Stadt, zeitweise hatte sich rund um den Club ein eigenes Netzwerk weiterer Lokale gebildet. Der Club zeichnete sich vor allem durch sein sehr diverses Angebot aus: Konzerte fanden hier genauso statt wie Partys, Vorträge, Quizveranstaltungen, Lesungen oder Sportveranstaltungen. Das Publikum war dabei eher studentisch und alternativ geprägt.

Das Scandale befand sich zuletzt in einem ehemaligen Güterschuppen in der Nähe des Cottbuser Hauptbahnhofs. Das gesamte Areal wird als "Bunter Bahnhof" bezeichnet, auch eine Galerie ist hier beispielsweise angesiedelt. Das "Scandale" ist ein Nutzer des Geländes, der wiederum auch mit mehreren wiederkehrenden externen Veranstaltungsreihen zusammenarbeitet, etwa regelmäßige Lesungen oder Quizveranstaltungen.

Baurechtliche Belange sorgen für Schließung

Wie der Club um den Chef Philipp Gärtner mitteilte, fehlen die nötigen Genehmigungen für den Weiterbetrieb des "Scandale". "Trotz großer finanzieller und organisatorischer Anstrengungen unsererseits, die erforderlichen Unterlagen einzureichen, reicht dies offenbar nicht aus", heißt es in der Mitteilung.

Nach Angaben der Stadt geht es um baurechtliche Belange, die den Brand- und den Lärmschutz in dem Objekt betreffen. Details nennt die Stadt mit Verweis auf den Datenschutz nicht: "Zu bauordnungsrechtlichen Details darf die Stadtverwaltung mit Blick auf den Datenschutz und schutzwürdige private Belange keine Angaben in der Öffentlichkeit machen". Wie ein Sprecher der Stadt auf rbb-Nachfrage aber mitteilte, sind auch bundesbehördliche Belange zu beachten. Dazu gehört beispielsweise das Eisenbahnbundesamt - der Club befindet sich direkt an den Bahnschienen des Cottbuser Hauptbahnhofs.

Das "Scandale" selbst ist dafür nur zum Teil verantwortlich. Der Club ist nicht gleichzeitig Besitzer des ehemaligen Güterschuppens, in dem er sich befindet. Dieser gehört einem Cottbuser Immobilienunternehmer, mit dem sich der Club und die Stadt nach eigenen Angaben ebenfalls im Austausch befinden, "um die weiteren baurechtlichen Schritte abzustimmen und notwendige Investitionen zu ermöglichen."

"Scandale" sieht sich trotz Umbauplänen vor dem Ende

Die Stadt bedauert nach eigenen Angaben, dass der Club "zumindest vorübergehend" schließen muss. "Ziel ist es jetzt, gemeinsam mit dem Eigentümer und dem Betreiber die Nutzung des Standortes für Kunst und Kultur zu ermöglichen", heißt es in einer Mitteilung. Der Eigentümer des Objekts müsse nun die notwendigen baurechtlichen Voraussetzungen schaffen.

"Insgesamt ist das ein langwieriger, komplexer, aufwendiger und schwieriger Prozess, der zum Teil noch in die Corona-Zeit fällt, der Denkmal-Belange berührt, der eine Akzeptanz in der Nachbarschaft/Anwohner braucht und der auch Positionierungen von Bundesbehörden beinhaltet", erklärte die Stadtverwaltung schriftlich.

Obwohl die Stadt offenbar lediglich von einer vorübergehenden Schließung des "Bunten Bahnhofs" ausgeht, sieht der Club darin sein Ende. "Auch wenn die Schließung "nur" für vier bis acht Monate vorgesehen ist, ist es für uns nicht möglich, diese Zeit zu überbrücken", heißt es in der Mitteilung. Ohne Einnahmen sei es "schlichtweg unmöglich", das Team weiter zu beschäftigen und danach wieder zu öffnen. Die geplanten Veranstaltungen wie Jugendweihen, Hochzeiten, Abibälle, politische Diskussionen, Lesebühnen oder Live-Podcasts bräuchten zudem viel Vorlauf und Planung. Während der Schließzeit sei das nicht zu leisten.

Laut der Mitteilung des "Scandale" müsse nun außerdem noch geklärt werden, ob eine insolvenz unvermeidbar ist.

Unterstützung durch die Stadt

Von der Stadt Cottbus gab es unterdessen nach eigenen Angaben Unterstützungsangebote. "Aktuell wird gemeinsam geprüft, welche Veranstaltungen aus dem Bunten Bahnhof an anderen Standorten wie z.B. dem Gladhouse durchgeführt werden können", so die Stadt. Beim Gladhouse handelt es sich um ein städtisches Jugendkulturzentrum.

Es gebe dazu bereits erste Vereinbarungen. Das Cottbuser Staatstheater habe darüberhinaus angeboten, einen seiner Standorte, die Theaterscheune im Stadtteil Ströbitz, für Angebote nutzen zu können. "So können Teile des Programms weitergeführt werden und später an den Bunten Bahnhof zurückkehren, wenn die notwendigen Genehmigungen für den Kunst- und Kulturbetrieb erlangt sind", so die Stadt. Allerdings - auch, wenn einzelne, teils externe Veranstaltungen weiterhin stattfinden können - ist dem Club "Scandale" selbst damit nicht geholfen. Für den ist bislang keine alternative Location gefunden worden.

Die Stadt ist nach eigenen Angaben weiterhin in Gesprächen mit dem "Scandale" und mit dem Eigentümer des Güterschuppens. Wie lange die andauern werden und wann ein Kulturbetrieb am "Bunten Bahnhof" wieder möglich ist, ist aktuell unklar. Das ist abhängig davon, wann der Eigentümer die nötigen Umbauten abgeschlossen hat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.01.2025, 08:30 Uhr

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8 Kommentare

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  1. 8.

    Das es mit dem ICE Werk zusammenhängt, ist totaler Dummfug. Die "kleine" neue Halle wird längst von Zügen befahren und die "große" neue Halle ist viel weiter hinten.
    Ich hoffe, das man einen Weg zurück zur Kulturlocation findet. Gerade Lärmschutz ist immer so ein Totschlagargument. Brandschutz ist wichtig. Es geht immer so lange gut, bis dann wirklich mal was passiert, und dann schreien Alle, warum das so lange geduldet wurde.
    Leider ist auch die Nähe zu Bahnanlagen nicht unproblematisch. Jeden Tag kommen hunderte Vespätungsminuten zusammen, nur weil die vermeintliche Abkürzung über die Gleise genommen wird. Auch wenn ich aus dem Partyalter raus bin, wünsche ich dem Betreiber viel Glück.

  2. 7.

    Wenn Maßnahmen des Lärm -und Brandschutzes nicht eingehalten werden, müssen die Verantwortlichen reagieren. Sollte die Bude irgendwann mal abfackeln und es dann möglicherweise Verletzte oder gar Tote geben, ist das Geschrei riesig. Dann werden wieder Schuldige gesucht und sicher auch gefunden. Saniert das Ding, dann kann es weitergehen.

  3. 6.

    Die Antwort darauf wird sich wohl in den nächsten Jahren zeigen. Ich persönlich vermute Ähnliches. Denn soweit mir bekannt ist, wurden diese von der Stadt bemängelten Bau- & Lärmschutzvorschriften über Jahre geduldet. Da kommt eben die Frage auf, warum jetzt? Aber vielleicht war auch einfach die Geduld ausgereizt oder oder oder.

  4. 5.

    Könnte es vielleicht daran liegen das das ice Werk Platz braucht? Ich seh nicht ganz wie Platz für die Gleise aus dem Werk hinaus geschaffen werden soll ohne das Haus abzureißen

  5. 3.

    Sorry, was soll so ein Statement? Vielmehr wurde diese Location immer wieder im "MAERKER COTTBUS" für seine extreme Lärmbelästigung bekannt, was durch die Anwohner dort angezeigt wurde und was nun offensichtlich die (vorläufige)Schließung zur Folge hat. Siehe auch im Text: "Nach Angaben der Stadt geht es um baurechtliche Belange, die den Brand- und den Lärmschutz in dem Objekt betreffen. "
    Man sollte nicht alles politisieren, ist ja schon wie in der DDR, als alles am Klassenstandpunkt festgemacht wurde - Herrschaftszeiten;

  6. 2.

    Ein Verlust für unsere Stadt. Ich denke da nicht nur an das „Lausitzfestival“, Auftritte von Markus Kafka und Lars eidonger sls DJ‘s, auch laue Sommerabende und gemütliche Runden mit Freunden.

  7. 1.

    das ist doch nur ein vorgeschobener Grund! der Grund ist doch, daß diese jungen Menschen gegen Rechtsextremisten auftreten, also hoch anständig sind!