Leibniz-Institut - Zu viele tote Wölfe - nicht jedes Tier kann untersucht werden

Di 23.07.24 | 18:40 Uhr
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Symbolbild. Ein toter Wolf liegt nach einem Unfall mit einem PKW an einer Landstraße. (Quelle: dpa/Nord-West-Media TV)
Audio: Antenne Brandenburg | 23.07.2024 | Juliane Kowollik | Bild: dpa/Nord-West-Media TV

Der Wolf ist in Deutschland streng geschützt. Für gewöhnlich untersucht das Leibnitz-Institut jedes Tier, das tot aufgefunden wird. Doch die Zahl der toten Wölfe ist so stark gestiegen, dass die Forschungseinrichtung nicht mehr hinterherkommt.

Die Zahl der tot aufgefundenen Wölfe in Deutschland ist mittlerweile so groß, dass nur noch jedes zweite Tier umfassend untersucht werden kann. Bis Anfang Mai sei jeder Totfund im Computertomografen und auf dem Seziertisch gelandet, erklärt das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) am Montag. Jetzt sei das angesichts von mehr als hundert toten Wölfen pro Jahr nicht mehr zu schaffen.

Kürzlich wurde in dem Institut der 1000. tote Wolf untersucht. Das Tier war eine Wölfin, die mit sechs Welpen trächtig war. Das stehe sinnbildlich für die erfolgreiche Fortpflanzung der Tiere, erklärte Heribert Hofer, Direktor des Leibniz-IZW. Die Wölfin starb den Angaben zufolge aufgrund eines Verkehrsunfalls.

Häufigste Todesursache: der Verkehr

Etwa drei Viertel der untersuchten Wölfe kamen durch Verkehrsunfälle ums Leben. Jedes zehnte Tier sei illegal geschossen worden, obwohl Wölfe als streng geschützte Art in Deutschland nicht bejagt werden dürfen. Seit 1990 wurden 17 Wölfe legal getötet. Weitaus seltener sind laut dem IZW natürliche Todesursachen wie Kämpfe mit anderen Wölfen oder Wildschweinen, Magen-Darm-Verletzungen durch Knochensplitter oder Infektionen.

Marie Neuwald, Referentin Wolf beim Naturschutzbund Nabu, merkt an, dass der Straßenverkehr zwar eine Gefahr darstelle, aber den Wolfsbestand nicht massiv einschränke. Auch gebe es durchaus noch andere Todesursachen, die aber im Totfund-Monitoring nicht so häufig auftauchten. "Die Wölfe, die an anderen Ursachen sterben wie Krankheiten und Auseinandersetzungen mit anderen Wölfen, werden eher nicht gefunden, denn sie legen sich nicht auf einen Waldweg, um zu sterben."

Brandenburg ist Wolfsland

Beim jüngsten Wolfsmonitoring wurden mehr als 1.339 Wölfe in Deutschland nachgewiesen, verteilt über fast alle Bundesländer. Auch die Totfunde stammen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands.

Das Bundesland mit den meisten Wölfen ist nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz Brandenburg. Im Jahr 2023 gab es demnach 52 Rudel, gezählt wurden 190 Welpen in insgesamt 62 Territorien. Mit einem großen Zuwachs der Population rechnen Fachleute derzeit nicht mehr, die Zahl der Wolfsrudel stagniert laut Daten des Landesumweltamtes (LfU) seit Jahren.

Totfunde von Wölfen bis Juli 2024. (Quelle: rbb24)

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.7.2024, 19:30 Uhr

83 Kommentare

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  1. 82.

    Die Wolfslobby macht es doch umgekehrt auch nicht anders und geht ihrerseits mit unbändigem Hass auch auf jene los, die versuchen eine vermittelnde Position durchzusetzen.

  2. 81.

    In Schweden werden die Wölfe nachhaltig reguliert, in den baltischen Staaten ist es nicht anders, ebenso in der Schweiz. Nur in Deutschland meint eine zwar lautstarke aber sachlich völlig unkundige Gruppe, in der naturfernen Kulturlandschaft Mitteleuropas würde sich ein ökologisches Gleichgewicht ähnlich wie vor 10000 Jahren einstellen. Das ist völliger Unsinn und Ihr Beitrag zeugt davon, dass Sie nicht einmal über oberflächliche Sachkunde verfügen sondern allein ideologiegeleitet argumentieren.

  3. 80.

    Finden Sie es nicht auch etwas seltsam, dass man von Leuten, die vehement für die Regulierund des Wolfsbestandes eintreten, immer nur Argumente hört, weshalb Wölfe unbedingt dezimiert werden müssen, aber nie Argumente, dass Wölfe in einem gesunden Ökosystem die Funktion haben, alles im Gleichgewicht zu halten, obwohl sie angeblich niiee was gegen Wölfe haben?
    Auch wenn Jagdverbände über geringer ausgefallene Jagdstrecke jammern - Förster sind zufrieden, weil es weniger Wildverbiss in ihren Wäldern gibt.

  4. 79.

    Klar mit vielen Wölfen. Worin bestand bei der Mahd der Wiesen durch die Schafe gleich nochmal der Zusammenhang zur Steigerung der Artenvielfalt?

  5. 78.

    Thomas wenn die sachlichen Argumente nicht mehr vorhanden sind, geht es nur noch mit persönlicher Diffamierung ,gelle. Dieses ist ein Meinungsaustausch keine Plattform für Beleidigungen also piano .Sie haben ihre Meinung und andere haben ebend eine andere ,Sie stehen nicht über den Dingen.

  6. 77.

    ,,Maris'' jetzt mal ganz langsam für Sie: Sie werden vom Staat unterstützt, wenn Sie sich für Wolfschutzmaßnahmen entscheiden. Sie müssen nicht alles komplett selbst bezahleln. Und wenn Sie Ihre Schafe auch lieb haben, tun Sie das auch.
    Ansonsten, gat man das Gefühl, die Schafe sind nur zum Schlachten da! Und, noch schlimmer, die Lämmer (ess ick nicht).

  7. 76.

    Das ist, mit Verlaub gesagt, das ist alles Blödsinn! Anthropogen gemacht war die Ausrottung der Wölfe vor 150 Jahren. Bis dahin hat der Eurasische Wolf seit ewigen Zeiten hierher gehört.
    Nur in DE und AT wird so ein Gewese wg. der paar Wölfe gemacht. Alle anderen nutzen Herdenschutzhunde und kommen prima zurecht.
    Lesen Sie den Artikel bis zu Ende! Dasteht lt. Daten des LUA stagniert die Zahl der Rudel. Mit Übertreibungen und Schwarzmalerei bekunden Sie nur Ihre von jeder Sachkenntnis freie Voreingenommenheit.

  8. 75.

    Sie müssen sich schon entscheiden. Naturschutz ist nicht Kulturschutz. Sie fordern gerade Kulturschutz zu Lasten des Naturschutzes.

  9. 74.

    Ähm wie sinnvoll sind 100 Schafe für deren Unterhalt mir das Geld fehlt. Und eine Haftpflichtversicherung gehört ja wohl generell zum Gewerbe oder machen sie im Schadensfall grundsätzlich den Nassauer?

  10. 73.

    Stellen Sie sich nur vor, es gibt Wanderwege neben den Wiesen. Schon mal im Solling gewesen? Sollten Sie mal hinreisen, es ist sehr schön dort.

  11. 72.

    Ich dachte ihre Schäferin bewirtschaftet „beweiden Wiesen zu Naturschutzzwecken und zur Steigerung der Artenvielfalt.“
    und nicht Wanderwege von Touristen.
    Wahrscheinlich werden sie nun posten,…???

  12. 71.

    Klar, Schafhaltung aufgeben - das ist leider die Lösung, die viele Schäfer derzeit gehen. Dass damit nicht nur Naturschutz den Bach runter geht, dass alte Rassen aussterben, der Genpool verkleinert wird, scheint Menschen wie Ihnen ziemlich egal zu sein. schon klar, Naturschutz hat keine Lobby. Haben Sie sich überhaupt schon mal intensiv damit befasst, was Schafhaltung leistet? Ich bin nicht dafür, Wölfe wieder auszurotten. Auch meine Bekannte nicht. Die Medaille hat eben zwei Seiten. Wolfsschutz ist Naturschutz, aber nur eine Seite der Natur zu schützen auf Kosten derer, die sich um die andere Seite kümmern (an Pflanzen und Insekten artenreiche Wiesen), kanns auch nicht sein.

  13. 70.

    Wie teuer sind die 4 Hunde in der Anschaffung?
    Wie teuer ist die Tierhalterversicherung, wenn die Hunde Menschen beißen, die sich der Herde nähern? Wie hoch sind die Kosten für Hundefutter, Tierarzt?
    Egal, gut, dass es Menschen gibt, die immer ganz genau wissen, was andere sollen.

  14. 69.

    Wenn sie sich ein bisschen mit der Natur beschäftigen würden, wüssten sie auch, dass es keine Regulierung der Wolfspopulation geben kann.
    In ihrer Logik verfangen würde der Wolf nahezu ausgerottet werden müssen, damit ihre Freunde der Nutztiere überhaupt keinen Finger krumm machen müssten.
    Nur leider funktioniert Evolution nicht nur mit Pflanzenfressern. Aber richtig die knallen wir auch gleich mit ab. Nur zu dumm, dass das leider so einfach nicht funktioniert.

  15. 68.

    Das wollte ich noch ergänzen. Die Schafe meiner Bekannten weiden an Wanderwegen. Und ja, manche Menschen sind eben mit dem Klammerbeutel gepudert und wollen die süßen Hunde und Schäfchen doch nur mal streicheln. Wer haftet? Natürlich der Tierhalter, sprich Schäfer. Versicherungskosten? Wenn Sie 16 Stunden täglich beschäftigt sind mit Tierkontrolle, abzäunen, neu zäunen, Tiere umsetzen, Landschaftspflege (z.B. Nachpflege von Wiesen, die nicht komplett abgeweidet wurden, Schafe fressen auch nicht alles) teilweise mit der Sense am Steilhang, Bürokratie - dann erziehen Sie nebenbei noch Herdenschutzhunde?

  16. 67.

    Eine nachhaltige Regulierung der Wolfsbestände wäre in der Tat eine Lösung. Ihr Fanatismus trübt den Blick für die Realität.

  17. 66.

    Na offenbar ruinieren die über 100 Schafe durch ihre pure Anwesenheit und ihren Unterhalt ihre Schäferin.
    Der Fehler scheint dann wohl, dass sie sich ein anderes Hobby suchen sollte oder ihre Herde verkleinern sollte.

  18. 65.

    Na ihr Schafsfreunde müsst euch nun langsam mal entscheiden. Erst behauptet ihr, man könne nicht mal von der Schafshaltung leben aber trotzdem über 100 Schafe halten, obwohl man ja nebenbei jobben müsste.
    Nun können die Schäfer auf einmal von ihrer Schafshaltung leben obwohl ihre Herden im Blutrausch vom „reißerischen Räuber“ erlegt werden und wahrscheinlich werden sie demnächst behaupten Stefan Aust wäre Biologe und wüsste von was er redet, wenn er wieder seinem Jagdhobby frönt?!?
    Herdenschutzhunde sind natürlich für ihresgleichen keine Lösung, aber natürlich der Abschuss.

  19. 64.

    Ich finde den Fehler nicht. Die Schafe weiden ganzjährig draußen, außer bei hohem Schnee. Sie ziehen ihre Jungen selbständig groß. Kosten fallen an für Tierseuchenkasse, Tierarzt, Heuzukäufe als Wintervorrat, Benzin (die Tiergruppen und Weideflächen müssen täglich kontrolliert werden und liegen nicht nebeneinander), Weidezäune, Reparaturen, und schließlich will der Mensch auch noch essen und braucht ab und zu ein Kleidungsstück. Rechnen Sie mir bitte aus, wieviele Hunde man braucht für drei oder vier Tiergruppen, was deren Unterhalt kostet, was ein Esel kostet, beantworten Sie mir die Frage, ob man Esel auch ganzjährig im Freien halten kann. Bitte erstellen Sie ein Finanzierungskonzept. Im Übrigen habe ich nicht über die Wölfe geschimpft, sondern auf die "vollständige Förderung" hingewiesen.

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