Warten auf Zulassung - Neue Straßenbahnen in Cottbus bleiben vorerst Geisterbahnen

Brandneue Straßenbahnen sollen in Cottbus die Jahrzehnte alten Modelle nach und nach ersetzen. Zwei neue Bahnen fahren bereits durch die Stadt - nur einsteigen darf noch niemand. Von Isabelle Schilka.
Das typische Rot-Weiß tragen sie noch, sonst haben die neuen Straßenbahnen des Modells Škoda ForCity Plus nicht mehr viel mit den alten Tatra-Oldtimern aus den 90ern gemeinsam. Das Design ist schlanker, die Fensterfronten sind größer und die Einstiege erleichtert. Das konnten die Cottbuser mit etwas Glück schon mehrfach sehen.
Denn die ersten zwei neuen Bahnen sind bereits in der Stadt und auch schon auf den Schienen unterwegs. Nur ohne Gäste. Das hat mehrere Gründe.

Üben, üben, üben
Nicht nur für die Fahrgäste, auch für die Fahrer soll es in den neuen 29 Meter langen, sehr leisen Bahnen komfortabler werden. Aber erst dann, wenn sie die neue Technik auch beherrschen. Die 85 Fahrerinnen und Fahrer von Cottbusverkehr müssen deshalb zunächst zur Fahrschule.
Darüber hinaus wird auch die Bahn selbst derzeit auf Herz und Nieren geprüft. Zahlreiche Gutachten liegen dafür bei Landesbehörden und beim Eisenbahnbundesamt. "Evakuierungsgutachten, Brandschutzgutachten, Lärmschutzgutachten, Statikgutachten, Crashschutznorm einzuhalten - es ist ein irrsinniger Stapel Papier", sagt laut Cottbusverkehr-Geschäftsführer Ralf Thalmann. Doch der umfangreiche Prozess sei nötig, damit das Schienenfahrzeug wirklich sicher ist. Und: "Es soll die nächsten 30, 40 Jahre sicher sein", so Thalmann.

Oldiefahrzeuge vs. Moderne
Dass es bis zur Zulassung eine gewisse Zeit dauert, liegt auch an der Tatsache, dass zurzeit viele Städte ihren Schienen-Fuhrpark erneuern. Die Anträge stapeln sich also im Amt. Mit einer Zulassung rechnet Cottbusverkehr bis zum Sommer 2025. Die Genehmigung gilt dann auch gleich für jede der 22 neuen Bahnen. Sie sollen alle bis Ende des Jahres in Cottbus ankommen.
Den Wechsel von den alten zu den neuen Bahnen verfolgt der Teamleiter der Straßenbahnsparte in Cottbus, Nico Fahrentz, mit einem lachendem und einem weinenden Auge. "Es gibt die Oldie-Liebhaber, die gerne noch einmal einen Trabi fahren und so weiter. So fühle ich mich bei der Straßenbahn. Ich fahre unsere alten Straßenbahnen wirklich sehr gerne." Gleichzeitig finde er aber auch das Fahren mit den neuen Fahrzeugen gut. "Für mich ist es jetzt beides schön."
Innen und außen besser geworden
Bei den neuen Straßenbahnen ist nicht nur die Technik und das Äußere neu, auch das Interieur wurde überarbeitet. Und das ist gut für den Gast, so Cottbusverkehr-Betriebsleiter, Dirk Jakisch. So sei die Bahn vollklimatisiert. "Im Sommer sind dann angenehmere Temperaturen zu erwarten."
Es könnten auch mehr Fahrgäste transportiert werden und die Anzeigetafeln, also das Infotainment, sei verbessert worden. "Das heißt, der Fahrgast kann besser erkennen, wo er hinfährt und wann er sein Ziel erreicht." Darüber hinaus können Fahrgäste mit eingeschränkter Mobilität die Bahnen deutlich bequemer nutzen. Die bisherigen Straßenbahnen sind nur zum Teil barrierefrei.
Beim Beschleunigen sollten sich Fahrgäste aber künftig vielleicht festhalten. "Da wo es das Gleis zulässt, werden wir sehen, dass die Bahn wesentlich besser beschleunigt und auch die Streckenhöchstgeschwindigkeit hier in Cottbus von 60 km/h an viel mehr Stellen erreichen kann", so Jakisch.
Mehr Bahnen für mehr Netz
Brandenburg/Havel, Frankfurt (Oder) und Cottbus hatten sich vor einigen Jahren auf den gemeinsamen Kauf neuer Bahnen geeinigt. Das spart Geld. Nach Brandenburg gehen vier Bahnen, Frankfurt orderte 13 Fahrzeuge, Cottbus ist mit seinen 22 Bahnen der größte Besteller. Noch fährt keine davon mit Fahrgästen.
In Cottbus sollen später weitere hinzukommen, die dann für eine dichtere Taktung und das erweiterte Schienennetz eingesetzt werden sollen, das für Cottbus geplant ist. 2022 hatte "Cottbusverkehr" angekündigt, das Netz in der Stadt erweitern zu wollen. Dann könnten Fahrgäste künftig beispielsweise zum neuen Wissenschaftscampus im Cottbuser Norden fahren. Es wäre die erste Erweiterung seit den 1980er Jahren.
Unterdessen rollen einige Cottbuser Tatra-Oldtimer mehr als zehn Jahre parallel weiter.
Mit Informationen von Rico Herkner.
Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 28.02.2025, 19:30 Uhr