Neuer Doppelhaushalt für Berlin - Ein Budget, sie zu knechten

Mi 19.02.25 | 12:06 Uhr | Von Sebastian Schöbel
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Stefan Evers (l-r, CDU), Berliner Senator für Finanzen, CDU-Fraktionsvorsitzender Dirk Stettner, Kai Wegner (CDU), Regierender Bürgermeister von Berlin, SPD-Fraktionsvorsitzender Raed Saleh, Franziska Giffey (SPD), Berliner Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, und die SPD-Landesvorsitzenden, Martin Hikel und Nicola Böcker-Giannini. (Quelle: dpa/Joerg Carstensen)
Video: rbb24 Abendschau | 18.02.2025 | Agnes Sundermeyer / Interview mit Stefan Evers (Senator für Finanzen) | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Der schwarz-rote Senat hat sich auf erste Eckpunkte beim nächsten Doppelhaushalt für die Jahre 2026 und 2027 geeinigt. Zu den weiteren Einsparungen kommt nun auch eine neue Methode der Aufstellung dazu: Feste Budgets für alle Ressorts. Von Sebastian Schöbel

Von den turbulenten Debatten über den aktuellen Doppelhaushalt, inklusive Nachtrag und milliardenschweren Kürzungen, hat sich Berlin noch gar nicht erholt – da stehen schon die nächsten Verhandlungen an. Das Budget der Jahre 2026 und 2027 ist in Vorbereitung. Dieses Mal will Finanzsenator Stefan Evers (CDU) aber nach anderen Regeln spielen: Verbindliche Vorgaben und vorab eingepreiste Kürzungen sollen für Ausgabedisziplin sorgen. "Es wird kein zusätzliches Geld für politische Wünsche an irgendeiner Stelle zur Verfügung stehen", so Evers nach dem Beschluss des Senats auf die Eckwerte des neuen Haushaltes.

Auf die neue Strategie hatte sich zuvor bereits der Koalitionsausschuss von CDU und SPD geeinigt: Ab 2026 soll jeder Senatsverwaltung ein fixer Betrag zugeteilt werden, mit dem dann alle Kosten und mögliche Investitionen gedeckt werden müssen. Anders als bislang müssen die einzelnen Senatsverwaltungen für ihre Bereiche auch Lohnsteigerungen, etwa durch neue Tarifabschlüsse, selber finanzieren. Teilweise bekommen die einzelnen Ressorts damit zunächst sogar mehr Geld zugeteilt, weil sie besonders viel Personal beschäftigen.

Die Senatsverwaltung für Bildung zum Beispiel, mit all ihren Lehrkräften, hat auf dem Papier in diesem Jahr 5,4 Milliarden Euro zur Verfügung, 2027 dann sogar knapp 5,5 Milliarden Euro. In der Realität aber bleibt von diesem Betrag deutlich weniger übrig – ein Effekt, der sich so auch in den anderen Senatsverwaltungen zeigt.

Auf dem Papier mehr, auf dem Konto weniger

Faktisch muss die Berliner Politik 2026 und 2027 laut den bisherigen Planungen mit insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro weniger auskommen. "Die Begeisterung hielt sich in Grenzen", berichtet Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler aus der Senatssitzung. Aber die Eckwerte seien nun einmal so, wie sie sind. "Da kann man lange drüber greinen und Protokollerklärungen abgeben", so der SPD-Politiker – ein Seitenhieb auf CDU-Justizsenatorin Felor Badenberg, die mit solch einer Erklärung ihrem Unmut Luft gemacht hatte.

Der Spardruck, den Evers seit Monaten anmahnt, ergibt sich derweil nicht nur aus den stetig steigenden Preisen. Auch auf der Einnahmeseite droht Ungemach: Die für Mai geplante Steuerschätzung könnte angesichts der miserablen Wirtschaftslage noch einmal deutlich schlechter ausfallen als erwartet, so Evers. Es dürfte also "weitere Anpassungs- und Konsolidierungsbedarfe" geben – also Kürzungen. Es ist auch Evers' Warnung an die eigene Koalition: Teure Wünsche und Versprechungen, besonders mit Blick auf das Wahljahr 2026, verbieten sich.

Evers: Eigentlich müssen vier Milliarden gekürzt werden

Schon jetzt sei klar, "dass wir den strukturell ausgeglichenen Haushalt nicht im Jahr 2026 erreichen werden", so Evers. Denn würden die schwarz-roten Haushälter ernst machen, müssten nicht 1,6 Milliarden Euro aus dem Berliner Budget verschwinden: Der eigentliche Handlungsbedarf liege "eher bei vier Milliarden".

Wieviel am Ende von den Vorgaben des Finanzsenators und den schwarz-roten Koalitionsspitzen übrigbleibt, werden die anstehenden Haushaltsverhandlungen zeigen. AfD-Fraktions- und Landeschefin Kristin Brinker spricht bereits von einem "Muster ohne Wert": Mit der Justizsenatorin sei bereits ein Regierungsmitglied öffentlich ausgeschert. "Erst wenn die Ressorts ihre Haushaltsentwürfe einreichen, wird sich zeigen, ob der Eckwertebeschluss ein Schritt zu solider Haushaltsplanung ist oder ein Täuschungsmanöver, mit dem Solidität nur simuliert werden soll."

Opposition zweifelt am Spar-Willen des Senats

Grünen-Finanzexperte André Schulze rechnet bereits damit, "dass die heutigen Eckwerte spätestens im April, wenn die einzelnen Senatsverwaltungen die Haushaltsentwürfe einreichen, Makulatur sein werden". Die beiden Linken-Fraktionschefs Anne Helm und Tobias Schulze wiederum befürchten einen weiteren "sozialen Kahlschlag" und fordern den Senat auf, "endlich alle Möglichkeiten für Einnahmeerhöhungen etwa bei der Grunderwerbssteuer auszuschöpfen".

Dazu gehöre auch, sich auf Bundesebene für eine Reform oder gar Abschaffung der Schuldenbremse "sowie für die Wiedereinführung der Vermögenssteuer einzusetzen". Zumindest ersteres hatte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner bereits getan und sich damit auch gegen CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz gestellt.

Schnelle Abhilfe für das klamme Berlin würde das allerdings ohnehin nicht bringen. Zumal Evers nicht müde wird, zu betonen, dass konjunkturbedingte Kredite, die Berlin schon jetzt trotz Schuldenbremse aufnehmen könnte, keine nachhaltige Lösung seien. "Das wird sich nicht in jedem Jahr wiederholen lassen." Das Gleiche gelte auch für die Erklärung der Notlage, um die Kosten der Flüchtlingsunterbringung auf Pump zu finanzieren.

Trotzdem räumt Evers an, dass es am Ende nicht anders gehen könnte. "Wir werden uns am äußersten Rand des Haushalts und ordnungspolitisch Vertretbaren bewegen müssen.“

Sendung: rbb24 Abendschau, 18.02.2025, 19:30 Uhr

Beitrag von Sebastian Schöbel

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46 Kommentare

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  1. 45.

    Welche "Wohnungsbaugesellschaften" meinen sie? Die landeseigenen Berliner Wohnungsbaugesellschaften meinen sie mit Sicherheit nicht, denn die haben aktuell 17 Mrd. Euro Schulden.

  2. 44.

    Herr Evers ... die BI-Wuhlheide wird sie dazu gern beim Wort nehmen:

    "Es wird kein zusätzliches Geld für politische Wünsche an irgendeiner Stelle zur Verfügung stehen"

    Sie wissen! ... Die TVO steht noch immer auf der Wunschliste. Mit mindestens 326Mio € ist diese jedoch kein Papenstiel!
    CDU und SPD müssen sich von diesen Plänen lösen. Wegen uns auch erst nach der Bundestagswahl, aber rechtzeitig vor 2026. Das laufende Planfeststellungsverfahren könnte schon seit gut einem Jahr angehalten worden sein um Kosten und personelle Kapaziäten auf hohem Niveau zu sparen!

  3. 43.

    Warum steigt dann die Verschuldung immer weiter? Mit den Sozialwohnungsmieten lässt sich realistisch kein Gewinn erwirtschaften, denn dann wären die Sozialmieten ja zu hoch. Gewinne lassen sich also nur über Tochtergesellschaften erwirtschaften, die zu hohe Nebenkosten für Heizung oder Objektpflege generieren. Diese steigenden Mietnebenkosten zahlen dann wieder die Mieter, wobei bei den meisten dann wieder das Amt einspringen muss.

  4. 42.

    " Sollte sich auch da das Blatt wenden, und der Ausgleich fällt weg, dann fehlen Berlin noch mal 3-4 Milliarden Euro. "

    Sie wollen also das GG abschaffen?

    "Da lacht die ganze Welt drüber, wie hier gearbeitet wird." Wenn ausgerechnet Rechtsextreme so etwas behaupten...

    "Geht es Deutschland schlecht..."

  5. 41.

    Noch haben wir Bundesländer die trotz Rezession noch genügend Überschüsse haben um den Länderfinanzausgleich zu leisten. Sollte sich auch da das Blatt wenden, und der Ausgleich fällt weg, dann fehlen Berlin noch mal 3-4 Milliarden Euro.
    Mir sind 2 Brücken und Straßensanierung bekannt, S-Atillastr. und S-Marienfelde wo seit Jahren umgebaut wird. Das steht in keinem Verhältnis! Wenn die letzte Brücke saniert ist, dann ist die erste wieder Baufällig. Da lacht die ganze Welt drüber, wie hier gearbeitet wird.

  6. 40.

    Warum sollte man auf ihren plumpen Whataboutism eingehen? Sagen sie es doch selbst.

  7. 39.

    Und wenn dem so ist, dann sollte man als Land das Geld auch so Sinnvoll ausgeben damit es sich rentiert. Ganz Berlin mit Poller zupflastern für viele Millionen. Schulen sehen immer noch aus wie Bauruinen, und dann mit den Sprüchen rum laufen, Kinder sind unsere Zukunft. Bildung vor Poller! Wohnungsbau vor Poller! Brücken und Straßensanierung vor Poller. Digitalisierung vor Poller! Diese Poller können zu dem noch ein Fass ohne werden, weil ständig Reparaturen anfallen, wenn die umgefahren werden.

  8. 38.

    Erst erwirtschaften, dann verteilen, das sagen Sie mal dem 1% der Weltbevölkerung, das 50% der Gesamteinnahmen unter seinen Raffnägeln hat.

    Da wird nichts "verteilt", das ist ja "hart erarbeitet".

  9. 37.

    Wohinein sind denn unnötig Unsummen geflossen, an den Elefanten im Raum. Und noch immer. Und weiterhin.

  10. 36.

    Es ist zu befürchten, dass Sie recht haben. Investitionen in Infrastruktur täten gerade jetzt not. Aber die Berliner-innen könnnen ja politisch anders entscheiden.

  11. 35.

    Es ist ein Schritt in eine Abwärtsspirale - und ich fürchte, es war kein Volkswirtschaftler dabei, als diese fonanzpolitischen Parameter festgelegt wurden. Die Bedenken der Justizsenatorin sagen alles. Hochacjting vor ihr! Wer faktisch den Rechtsstaat mit Einsparungen reduziert - was faktisch mit diesen haushaltspolitischen Maßgaben geschieht - hat die Werte drr Verfassung wahrscheinlich aus dem Blick verloren. Und noch eins: indirekt hat der Senat die Anpassung der Beamtengehälter an das Bundesniveau kassiert (es bleibt ja nur eine leicht erhöhte Summe für Personalausgaben zu 2024 - und der Tarifabschluss könnte höher ausfallen). Das wäre es dann gewesen mit diesem Versorechen von Kai Wegener (CDU). Und mit einem leistungsfähigen öffentlichen Dienst, nicht wahr?

  12. 34.

    Vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich teile Ihre Meinung.

  13. 32.

    Damit dürften dann die Eigenbetriebe(BVG, BSR usw.) und Unis pleite gehen; denn die zuständigen Senatsverwaltungen werden die Tarifsteigerungen und notwendigen Anlageinvestitionen mit keinem höheren Zuschuss finanzieren können. Der Wohnungsbau wird mit Sicherheit vollständig gestoppt. Und über die Situation an Schulen und Kitas braucht man nicht mehr reden. Familien sollten die Stadt möglichst bald verlassen.

  14. 31.

    Wie kommen Sie auf solchen sprichwörtlichen Unsinn? Die Wohnungsbaugesellschaften erwirtschaften und das ist öffentlich nachzulesen, Gewinne im zweistelligen Millionenbereich. Deren Tochtergesellschaften sind Monopolisten in der Wärmeversorgung und ihnen werden somit auch Gewinne zugeschoben. Alles öffentlich nachzulesen und völlig widerspruchslos im Senat.

  15. 30.

    Kürzen bitte bei denen , die uns dies seit Jahrzehnten eingebrockt haben.

  16. 29.

    "Opposition zweifelt am Spar-Willen des Senats"
    Die Opposition hat doch mit der SPD jahrzehnte lang in Saus und Braus regiert.

  17. 28.

    Stellen Sie sich doch mal der Realität! Die kommunalen Wohnungsunternehmen sind mit ihren Sozialwohnungsmieten schon lange nicht mehr kostendeckend. Zunehmend muss wieder an der Instandhaltung gespart werden. Die haben schlicht kein Geld mehr in der Kasse, um auch nur den Eigenanteil für Kredite zum Neubau zusammen zu kratzen. Die Mieter, die bei den Kommunalen ohne WBS mieten, zahlen genau so viel wie überall am freien Markt, weil sie die restlichen Mieter quersubventionieren. Ein neues Neubauprogramm wäre die sichere Pleite. Davon ab hat Berlin mit den höchsten Anteil an Sozialwohnungen bundesweit, trotz stetigen Rückgangs in den letzten Jahren. Das Problem lässt sich nicht einfach mit neuen Schulden lösen, es ist strukturell.

  18. 27.

    Am besten wäre es, die bestehenden Gesetze anzuwenden, den Notstand zu erklären und die Wohnungsbaugesellschaften auf soziale Wohnungsvergabe zu verpflichten. Dazu müssen alle Leerstände beschlagnahmt werden, die Flüchtlinge in Wohnungen, genau wie die Obdachlosen unterzubringen und die Gesundheit wie landeseigenen Unternehmen auf kostendeckend, nicht Gewinnorientierung zu bringen. Hinzu muss die Beamtenreform und die Reform des RBB stehen- es ist inakzeptabel, dass Redakteure zehntausende an Gehältern monatlich verdienen und Berliner hungern. Austerität hilft auch nichts, im Gegenteil, dann werden noch mehr hungern und obdachlos werden. Die NGO´s können gestrichen werden, die Möglichkeiten der sozialen Reformen der EU angehen, hier kann das Land einiges bewirken und natürlich die "Energiewende" zum Elektrodiesel steuern. Es gäbe viele sinnvolle Möglichkeiten aber wie den Senat der Korruption und Inkompetenz mit seinen Bezirksämtern kenne, nehmen sie lieber Tote in Kauf.