Bürgerentscheid - Hoppegartener stimmen gegen Abwahl von Bürgermeister Siebert

Mo 24.02.25 | 10:50 Uhr
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Sven Siebert, parteiloser Bürgermeister von Hoppegarten (Quelle: dpa/Sorge)
Audio: rbb Antenne Brandenburg | 24.02.2025 | Yvonne Krause | Bild: galoppfoto/Sorge/dpa

Zum zweiten Mal in wenigen Monaten wurde in Hoppegarten über die Abwahl des Bürgermeisters Sven Siebert entschieden. Das Resultat ist eindeutig. Siebert bleibt der Chef im Rathaus.

Sven Siebert (parteilos) bleibt Bürgermeister von Hoppegarten (Märkisch-Oderland). Bei einem Bürgerentscheid um dessen Abwahl haben sich von den rund 11.000 Wählern 57 Prozent für einen Verbleib des parteilosen Politikers im Amt ausgesprochen. Lediglich 43 Prozent stimmten dagegen.

Bürgermeister von Hoppegarten sieht Auftrag der Bürger zur Zusammenarbeit

"Das ist ein ganz klarer Auftrag unserer Bürgerinnen und Bürger, dass man sich wieder an den Tisch setzt und gemeinschaftlich miteinander arbeitet", sagte Siebert nach der Wahl gegenüber dem rbb: "Und genauso werde ich das auch initiieren. Da ja viele aus der Gemeindevertretung im Prinzip meinen Rücktritt gefordert haben, müssen diejenigen, die dabei die Wortführer waren, sich auch Gedanken darüber machen, ob sie zukünftig weiter an diesem Tisch sitzen wollen oder sich vielleicht anderen Aufgaben widmen."

Es ist bereits das zweite Abwahlverfahren, dass die Gemeindevertretung gegen den Bürgermeister eingeleitet hat. Ursprünglich wurde Siebert bis Ende 2027 gewählt. Doch die Gemeindevertretung wirft ihm unter anderem vor, zu wenige Beschlüsse umzusetzen und die Verwaltung nicht führen zu können. "Natürlich freut man sich, dass die Bürger nach den vergangenen fünf Jahren einen Rückblick geben und weiterhin der Meinung sind, dass ich der richtige Mann bin", kontert Siebert die Vorwürfe.

Siebert-Gegner fürchten Stillstand

Kay Juschka (CDU), der Vorsitzende der Gemeindevertretung und Gegner Sieberts, ist hingegen von dem Ergebnis entsprechend enttäuscht. "Nach wie vor bin ich für die Ablösung von Herrn Siebert", so Juschka. "Aber als guter Demokrat muss man das natürlich akzeptieren. Im Ergebnis bedeutet es aber, dass sich in der Gemeinde Hoppegarten nichts ändern wird. Es hapert an der Beschlussumsetzung. Der Stilstand wird genau der gleiche bleiben, wie bisher, denn der Manager im Rathaus ist ja der gleiche."

Am Montagabend soll in einer nicht öffentlichen Hauptausschusssitzung besprochen werden, wie beide Seiten zukünftig zusammenarbeiten wollen. Volkmar Seidel, Gemeindevertreter der SPD-Fraktion, stellt sich künftige Kooperationen schwierig vor. "Nach so vielen Jahren und so viel Frust ist die Frage: Wie wollen wir das noch hinbringen? Und vor allem, wie will er die Gemeindevertreter überzeugen, dass er auf einmal das Wissen erlangt hat eine Gemeinde zu führen? Weil Herr Siebert hat in den letzten Jahren einfach die Leute mit Kaffee und Kuchen und mit rhetorisch guten Sprüchen überzeugt. Aber Taten hat er bis heute nicht gezeigt und ich glaube, die wird er auch demnächst nicht zeigen."

Vorwurf der Steuerverschwendung und Blockadehaltung

Anfang Januar 2025 sprachen sich 22 der insgesamt 27 Gemeindevertreter von Hoppegarten für ein Abwahlverfahren gegen Siebert aus. Der Bürgermeister wurde für mehrere Wochen beurlaubt und sollte eine Geldbuße in Höhe von 2.250 Euro zahlen.

Der Grund für die angestrebte Abwahl: Der Bürgermeister weigere sich, die von der Gemeindevertretung beschlossene Hauptsatzung in der Verwaltung durchzusetzen. Als Hauptverwaltungsbeamter sei er aber der Gemeindevertretung unterstellt. Siebert wiederum erklärte damals, dass er noch prüfe, ob die neue Hauptsatzung überhaupt rechtskonform sei. Gemeindevertreterin Jana Köhler (Linke) sprach von "nachgewiesenen Steuerverschwendungen".

Laut CDU-Gemeindevertreter Tim Zahlmann sei der versprochene Haushalt für 2025 im Vorjahr nicht verabschiedet worden. "Die Verwaltung ist bis dato handlungsunfähig, weil kein Haushalt da liegt."

Nicht der erste Abwahlantrag

Bereits im September 2024 gab es ein Abwahlverfahren gegen Siebert. Damals entschied eine knappe Mehrheit der Hoppegartener, dass Siebert im Amt bleiben soll. Die Gemeindevertreter warfen ihm vor, dass er die Zukunft der Gemeinde mit ihren knapp 18.600 Einwohnern ausbremse und mit dem Amt überfordert sei. Außerdem hatte Siebert laut einem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes Märkisch-Oderland seine Kompetenzen als Bürgermeister überschritten.

Die Amtszeit von Bürgermeister Siebert würde regulär im Jahr 2027 enden, acht Jahre nach seiner Wahl. Er wolle alles daran setzen, seine achtjährige Amtszeit erfolgreich zu beenden, sagte er im Januar.

Sendung: rbb Antenne Brandenburg, 24.02.2025, 07:30 Uhr

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12 Kommentare

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  1. 12.

    Bürgermeister Siebert kann ich nur zu diesem Ergebnis beglückwünschen. Ich komme nicht aus Hoppegarten.
    Allerdings musste ich erleben, wie schwierig es ist, in Hoppegarten in Wohnungsbau zu investieren.
    Da war Herr Siebert der Einzige, der sich mit seiner Verwaltung für unser Projekt eingesetzt hat.
    Hat trotzdem 3 Jahre gedauert, bis die erste Baugenehmigung da war. Inzwischen hatten sich die Zinsen verdreifacht,
    die Baukosten verdoppelt und der Bau von 12 Wohneinheiten und zwei Baukörpern für Gewerbe konnte von uns nicht realisiert werden. Hauptsache die Bauvorhaben der Gemeindevertreter wurden und werden schnell realisiert.
    Herr Siebert. Bleiben sie standhaft.

  2. 11.

    Wenn ich mich recht erinnere, haben die teilweise selben Gemeindevertreter schon in ähnlicher Weise gegen den vorherigen Bürgermeister geschossen und auch da blockiert. Die bei facebook überhand nehmende Flut nicht umgesetzter Beschlüsse bestehen meist aus Forderungen ohne Lösungsansatz. Das geforderte Schwimmhallenkonzept ist neben anderen "Wünschen" rein wettbewerbsrechtlich in Deutschland nicht so realisierbar. Wenn man als Gemeindevertreter mal über den Tellerrand schaut, sieht man vielleicht, dass Nachbargemeinden mit ähnlichen Themen kämpfen. Dort werden aber Probleme gelöst, weil GV und Bürgermeister Hand in Hand arbeiten.

  3. 10.

    Immer ist nur die andere Seite Schuld - dabei gehören zum Streiten immer zwei.
    Falls die persönlichen Egos der Gemeindevertreter immer noch keine Ruhe geben wollen ... gibt es ja auch für "das gemeine Wahlvolk" die Möglichkeit, ein Abwahlverfahren gegen die Gemeindevertreter anzustoßen - schauen wir mal.

  4. 9.

    Dann wählt diese Personen oder Parteien bei der nächsten Wahl ab.
    So funktioniert das hier.

  5. 8.

    Wer bezahlt das? Warum tritt der GV nicht geschlossen zurück den die sind das eigentliche Problem!!!??? Der GV steht doch allem und allen im Weg!!!

  6. 7.

    Tja liebe Vertreter der Gemeinde, nun ist es an euch nachzudenken, wer abdanken sollte.
    Aber ich ahne: in 5 Monaten kommt der nächste Abwahlantrag gegen den Bürgermeister. Mit welcher Begründung auch immer, aber sicher zum Verschwenden der Gelder unserer Gemeinde.

  7. 6.

    Jetzt kann man nur hoffen, dass die Gemeindeverwaltung jetzt die entsprechenden Schlussfolgerungen zieht. Der Bürger hat jedenfalls zum wiederholten Male festgestellt, dass das Problem nicht beim Bürgermeister liegt

  8. 5.

    Schon ärgerlich, wenn der Souverän eine andere Auffassung hat als die Parteien. Dann sollten die Parteien sich im Sinne der Demokratie mal fragen, was bei ihnen falsch läuft. Ob sie die Richtigen für diesen Job sind. Wen in unserer representativen Demokratie sie überhaupt noch vertreten.

  9. 4.

    "Steuerverschwendung und Blockadehaltung" Sagen ausgerechnet die Schuldenmacher- und Brandmauerparteien.
    "Siebert-Gegner fürchten Stillstand" ja dann sollten sie ihre eigene Blockadehaltung mal übderdenken und mitarbeiten statt parteipolitische Spielchen zuspielen. Stillstand ist ja nur deswegen, weil die Parteien bockig nur auf ihren eigenen Standpunkten beharren und dann den Stillstand anderen in die Schuhe schieben. Es ist wie bei einer Spaltung, wo die Einen nicht einsehen wollen, dass es etwas anderes gibt und das Andere nicht mehr nach ihrer Pfeife tanzen wollen.

  10. 3.

    Na, dann: Auf zum dritten Abwahlverfahren samt Volksentscheid. Derlei scheint in brandenburgischen Städtchen zu den Lieblingsbeschäftigungen der Gemeindevertreter zu gehören.

  11. 2.

    Dahlwitz Hoppegarten und die dortige Lokalpolitik im Ortsparlament sind und bleiben für mich eine unendliche Geschichte.

    Wenn man es genauer betrachtet es ist und bleibt ein örtliches Drama, aber es geht noch weiter.

    Bereits vor dem Amtsantritt von Herrn Siebert gab es dort etliche Probleme.

    Bei der Bürgermeisterwahl, hoffte die dortige Bevölkerung, dass er als parteiloser Kandidat, endlich die Grabenkämpfe im Rathaus beenden kann.

    Durch die Eigenschaft ist die Unterstützung der Bürger D.-H. sogar noch mit der gestrigen Abstimmung angestiegen (auf 57%). Warum wohl?

    Für mich wurden durch die Gemeindevertreter in D.H. für u. a. die Abwahlen mehr als genug Zeit u. Mittel dafür ver(sch)wendet.

    Die Gemeindevertreter sollten sich vllt., nach diesem gescheiterten Abwahlantrag gegen Herrn Siebert, einmal an die eigene Nase fassen.

    Vllt. sollten sie selbst zurücktreten, und den Weg für Neuwahlen in D.H. freimachen, damit mit anderen Kandidaten endlich dort Ruhe einkehren kann.

  12. 1.

    Ehrlich.....ich bin stolz auf Euch....also habt ihr zuerst an eure Gemeinde gedacht