Diogo Leite als tragische Figur - Union kommt in Dortmund mit 0:6 unter die Räder

Der 1. FC Union Berlin hat bei Borussia Dortmund eine verdiente 0:6-Auswärtsniederlage kassiert. Der BVB spielte druckvoll und hätte sogar noch höher gewinnen können. Tragische Figur des Abends war Union-Verteidiger Diogo Leite.
- Unions Niederlage in Dortmund ist auch in der Höhe verdient
- Dortmund-Stürmer Serhou Guirassy erzielt Viererpack
- Union-Verteidiger Diogo Leite unterläuft Eigentor
- Die Köpenicker haben nun neun Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz
- Union bleibt weiterhin ohne Punktgewinn beim BVB
Der 1. FC Union Berlin hat bei Borussia Dortmund eine empfindliche 0:6-Auswärtsniederlage einstecken müssen. Tragische Figur des Abends vor mehr als 80.000 Zuschauern im Dortmunder Stadion war Unions Verteidiger Diogo Leite, der zunächst ein Eigentor in der 25. Minute verursachte und beim zweiten Treffer Stürmer Serhou Guirassy aus den Augen verlor (40.). Der BVB-Stürmer schnürte anschließend einen Viererpack. Maximilian Beier traf in der 90. Minute zum 6:0 für die Gastgeber.
Im siebten Pflichtspiel war es die siebte Niederlage für den 1. FC Union in Dortmund. Durch die herbe Pleite verharrt die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart auf dem 13. Tabellenplatz mit jetzt neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz.
Der Spielverlauf
Steffen Baumgart wechselte dreifach im Vergleich zur 1:2-Heimpleite gegen Mönchengladbach. Der Ex-Dortmunder Tom Rothe ersetzte den verletzten Robert Skov. Lucas Tousart und Andras Schäfer waren für Janik Haberer und Tim Skarke neu dabei.
Union stand kompakt und ließ zu Beginn gegen engagiert auftretende Borussen wenig zu. Pascal Groß hatte die erste Chance in der 7. Minute, aber dessen Schuss stellte FCU-Torwart Frederik Rönnow vor keine Probleme. Im Anschluss neutralisierten sich beide Teams im Mittelfeld, wobei Union mit zunehmender Spieldauer immer mehr in die Defensive geriet. Ein Zufallsprodukt von Julian Ryerson wurde dann zum Bumerang für Union: Diogo Leite hielt den Fuß in die scharfe Flanke des Ex-Unioners und der Ball segelte unhaltbar über Rönnow ins eigene Tor (25.).
Es war der Dosenöffner für die Hausherren. Dortmund wirkte durch die Führung beflügelt und es war weiter viel los im Union-Strafraum: Einen Katastrophen-Querpass von Benedict Hollerbach nahm Adeyemi auf, legte quer auf Maximilian Beier, der mit seinem Abschluss nur die Latte traf (29.). Union musste den Druck abschütteln und kam durch Hollerbachs Flachschuss zur ersten und einzigen Chance. Dortmund-Keeper Gregor Kobel zeigte dabei eine starke Reaktion (35.).
Kurz vor der Pause folgte der nächste Nackenschlag für die Eisernen: Ramy Bensebaini gewann einen Zweikampf an der Außenlinie gegen Woo-yeong Jeong, Groß flankte an den zweiten Pfosten, wo sich Guirassy im Rücken von Diogo Leite weggestohlen hatte. Der BVB-Torjäger versenkte den Ball per Kopf aus kurzer Distanz zum 0:2 (40.) - gleichzeitig der Pausenstand.
In der zweiten Hälfte zeigte sich Union zwar bemüht, aber Dortmund spielte weiter druckvoll. Guirassy zog aus vollem Lauf ab und schoss knapp über Rönnows Kasten (52.). Unions Offensivspiel fand kaum statt, auch die offensiven Wechsel von Steffen Baumgart (Benes und Haberer kamen für Khedira und Tousart) änderten nichts daran. Stattdessen hätten Beier (72.) und Karim Adeyemi (74., an den Pfosten) für den BVB erhöhen können.
Das 3:0 für die Dortmunder besorgte dann erneut Guirassy aus kurzer Distanz in der 75. Minute. Unions Defensive zeigte in dieser Phase bereits Auflösungserscheinungen. Dortmund spielte jetzt wie im Training: Beier setzte sich auf links durch, legte quer auf Guirassy und der schob aus zwei Metern locker ein zum 4:0 für die Hausherren (80.). Union fiel nun defensiv auseinander und Guirassy markierte in der 83. Minute das 0:5 aus Sicht der Köpenicker - sein viertes Tor des Spiels. Das Scheibenschießen ging weiter: Beier traf in der 90. Minute zum 6:0-Endstand. Unterm Strich eine auch in der Höhe verdiente Auswärtsniederlage für Union.

Spieler des Tages
Wenn ein Spieler vier Tore in einem Spiel macht, dann ist er natürlich auch der Spieler des Spiels. Unions Defensive bekam Serhou Guirassy an diesem Abend überhaupt nicht zu fassen. Der 28-Jährige hätte in diesem Spiel sogar noch häufiger treffen können, denn die Chancen mehr Tore zu erzielen, waren definitiv vorhanden. Guirassy kommt durch seinen Viererpack mittlerweile auf stolze 13 Saisontore. Seine Union-Gegenspieler Diogo Leite und Danilho Doekhi bekamen ihn zu keiner Zeit unter Kontrolle und werden noch lange mit Schrecken an diesen großen Abend des Stürmers aus Guinea zurückblicken.
Was war denn da los?
Unions Defensive zeigte ab Mitte der zweiten Hälfte erschreckende Auflösungserscheinungen. Der Matchplan in der Offensive ging nicht auf, aber anstatt sich auf Kompaktheit und Tugenden wie Härte und Zweikampfstärke zu konzentrieren, fiel Union in der Abwehr komplett auseinander. Dortmunds Spieler waren fast immer den entscheidenden Schritt schneller.
Frederik Rönnow konnte einem nur noch leidtun, denn am Torwart lag es wahrlich nicht, dass Union beim zuletzt so kriselnden BVB mit 0:6 unterging. Die Niederlage ist ein herber Rückschlag im Abstiegskampf und Steffen Baumgart muss die Mannschaft schnell wieder aufrichten. Denn am kommenden Sonntag empfängt Union mit Holstein Kiel einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf - eine richtungsweisende Partie für die Eisernen.
Zählbares
- Union hat alle sieben bestrittenen Pflichtspiele in Dortmund verloren (fünf in der Bundesliga, zwei im DFB-Pokal).
- Serhou Guirassy hat erstmals in einem Pflichtspiel vier Tore erzielt.
- 24:6! Das Torschussverhältnis machte deutlich, wie dominant Dortmund agierte.
Die Stimmen zum Spiel
Steffen Baumgart (Trainer Union Berlin): "Das Ergebnis ist sehr deutlich. Am Ende muss man sagen, gerade mit der letzten Viertelstunde hat es eine Ursache, warum es so gekommen ist. Das lag an uns und an der Qualität von Dortmund. Ich hadere extrem mit der letzten Viertelstunde."
Tom Rothe (Union Berlin): "Es ist extrem schmerzhaft und extrem bitter auch in der Höhe zu verlieren. Ich denke, man kann gegen Dortmund verlieren, aber nicht in dieser Art und Weise wie wir es in den letzten 15 Minuten gemacht haben."
Niko Kovac (Trainer, Borussia Dortmund): "Die Art und Weise wie die Mannschaft es gemacht hat, da muss man ein Kompliment an alle aussprechen. Nach 15 Minuten haben wir es kontrolliert und zwangsläufig viele Chancen kreiert, viele tolle Momente. Das war schöner Fußball."
Der Liveticker zum Nachlesen
Sendung: rbb24, 22.02.2025, 22 Uhr