Später Elfmetertreffer - Ciğerci schießt Cottbus an die Tabellenspitze
Energie Cottbus hat sich mit einem späten 1:0-Sieg gegen Erzgebirge Aue vorübergehend an die Tabellenspitze der 3. Liga geschossen. Den Treffer des Tages erzielte Tolcay Ciğerci per spätem und umstrittenem Foulelfmeter.
- ausgeglichenes Spiel mit Chancen kurz vor Schluss
- Aue scheiterte mehrfach an Energie-Keeper Elias Bethke
- Cottbus belohnt sich spät per Elfmeter
- Energie zieht vorübergehend an Dresden vorbei an die Tabellenspitze
Im Kampf um den Aufstieg hat Fußball-Drittligist FC Energie Cottbus einen glücklichen, aber wichtigen Sieg eingefahren. Gegen Erzgebirge Aue setzten sich die Lausitzer am Samstag knapp mit 1:0 (0:0) durch. Das Tor des Tages erzielte Tolcay Ciğerci per verwandeltem Foulelfmeter (89.). Durch den Sieg springt das Team von Trainer Claus-Dieter Wollitz vorübergehend an die Tabellenspitze. Dynamo Dresden kann mit einem Heimsieg gegen Wiesbaden am Sonntag (16:30 Uhr) aber wieder vorbeiziehen.
Der Spielverlauf
Während Energie Cottbus das sensationelle Aus im Halbfinale des Brandenburg-Pokals verarbeiten musste, merkte man den Gästen aus Aue das Selbstvertrauen nach dem Halbfinaleinzug im Sachsenpokal an. Das Team von Trainer Jens Härtel stand sehr kompakt und übernahm in den Anfangsminuten mit mehr Ballbesitz das Spiel. Die erste gute Chance gehörte dann aber den Hausherren: Erik Engelhardt legte eine Flanke in den Rückraum zu Phil Halbauer, der den Ball jedoch nicht richtig traf (14.). Energie fand in der Folge immer besser ins Spiel und kombinierte sich gleich mehrfach sehenswert Richtung Tor, es fehlte aber die letzte Konsequenz.
In der Schlussphase der ersten Halbzeit war dann auch Energie-Keeper Elias Bethke gefordert: Aues Maximilian Schmid wurde perfekt bedient und kam aus spitzem Winkel zum Abschluss, der herauseilende Bethke blieb im direkten Duell aber Sieger (37.). Die Gäste aus Sachsen kamen über Jonah Fabisch per Volley und den freistehenden Boris Tashchy kurz darauf zu weiteren Chancen, es blieb aber beim 0:0 zur Pause.
Elfmeter in der Schlussphase bringt die Entscheidung
Energie-Coach Wollitz wechselte zur zweiten Halbzeit Maximilian Krauß und Timmy Thiele für Halbauer und Engelhardt ein. Weil beide Teams weiter bemüht nach vorne, aber eben auch defensiv aufmerksam agierten, bekamen die Zuschauer im Energie-Stadion ein weitestgehend ausgeglichenes Spiel zu sehen. Nach rund einer Stunde fand Ciğerci aus der eigenen Hälfte Krauß, der Aue-Verteidiger Linus Rosenlöcher verlud, dann jedoch an Gäste-Keeper Martin Männel scheiterte (61.).
Der Doppelwechsel zur Pause brachte aus Cottbuser Sicht nicht die erhoffte Offensivgefahr, stattdessen verpassten die Gäste die Führung. Im Strafraum war es erneut Schmid, der aus kurzer Distanz zum Schuss kam, Bethke konnte aber parieren und wehrte im Liegen auch noch den Nachschuss von Kilian Jakob ab (78.). In der Schlussphase brachte Aues Rosenlöcher dann Lucas Copado zu Fall, der Schiedsrichter Lars Erbst entschied auf Elfmeter. Den verwandelte, wie schon zuletzt gegen Sandhausen, Ciğerci zu einem weiteren etwas glücklichen Energie-Sieg.

Spieler des Spiels
... oder besser "Mann des Tages" war Tolcay Ciğerci. Der 30-Jährige verwandelte den späten und umstrittenen Elfmeter souverän und sicherte seiner Mannschaft so drei wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Kurios: Bereits im letzten Liga-Spiel gegen Sandhausen traf Ciğerci ebenfalls per Stafstoß zum 1:0-Sieg. In der laufenden Saison hat der Spielmacher alle seine vier Elfmeter verwandelt und führt damit die Strafstoß-Statistik der Liga an.
Was war denn da los?
Elfmeter oder nicht? Schiedsrichter Lars Erbst zögerte nach dem Foul von Rosenlöcher an Copado keine Sekunde, zeigte sofort auf den Punkt. Doch die Szene war strittig. "Ich glaube, er kreuzt ihn und dann trifft er ihn unten", analysierte Energie-Trainer Wollitz kurz nach Abpfiff. Sein Gegenüber Jens Härtel sah das naturgemäß anders. "Ich sage, wir spielen klar den Ball. So kippt der Schiedsrichter hier um vor der Kulisse und dreht das Spiel komplett", so Härtel.
Zählbares
- Cottbus gewinnt in der Liga zum zweiten Mal in Folge mit 1:0 durch einen verwandelten Elfmeter von Ciğerci
- Energie übernimmt zum ersten Mal seit dem 25. Spieltag wieder die Tabellenführung der 3. Liga
- Torhüter Elias Bethke hat in dieser Saison bereits zum elften Mal zu Null gespielt - Bestwert in der Liga
- Cottbus hat seit 19 Spielen kein torloses Heimspiel mehr erlebt
Stimmen zum Spiel
Claus-Dieter Wollitz (Trainer Energie Cottbus): Wir haben glücklich gewonnen, das ist die Realität. Wir hatten gute Phasen, aber für ein Heimspiel - mit den guten Phasen im letzten Drittel - zu wenig Torchancen. Elias Bethke hält zwei sehr gute Möglichkeiten. Man merkt, dass es aktuell nicht so einfach ist, diese letzte Überzeugung zu zeigen. Aber in dieser Phase geht es um die Ergebnisse. Natürlich hätte ich gerne das perfekte Spiel: mehr eigene Torchancen, weniger Chancen zulassen. Wichtig ist, dass wir alle erkennen, dass es eine historische Chance ist.
Timmy Thiele (Energie Cottbus): Drei Punkte mehr auf dem Konto, wie wir uns das gewünscht haben. Wenn man so spät ein Tor macht, ist es immer glücklich. Wir haben gedrückt, wir haben alles gegeben und es versucht. Großes Lob an das Publikum, denn dank des Publikums haben wir heute die drei Punkte einfahren können.
Jens Härtel (Trainer Erzgebirge Aue): Extrem ärgerlich. Ich glaube, wir waren über 90 Minuten gesehen die gefährlichere Mannschaft, die mehr Kontrolle hat und mehr Chancen rausgespielt hat. Aber den Vorwurf müssen wir uns machen, dass wir die Chancen nicht genutzt haben.
Sendung: rbb UM6, 29.03.2025, 18 Uhr