Versorgung der Schwedter Raffinerie - Öl-Lieferungen zur PCK nicht von Angriffen auf Pipeline in Russland betroffen

Mi 19.02.25 | 15:13 Uhr
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Audio: Antenne Brandenburg | 19.02.2025 | Rosneft-Sprecher Burkhard Woelki | Bild: rbb-Film

Die Ukraine hat per Drohne eine russische Pumpstation beschädigt. Infolgedessen kann Kasachstan für Wochen nur noch eingeschränkt Rohöl liefern. Auch die Raffinerie Schwedt wird teils aus Kasachstan versorgt. Engpässe soll es aber nicht geben.

Ein ukrainischer Drohnen-Angriff am Montag auf eine Pumpstation für Rohöl im südlichen Russland hat keine Auswirkungen auf Lieferungen kasachischen Öls an die PCK-Raffinerie in Schwedt (Uckermark). Das hat der Sprecher vom deutschen Ableger des russischen Mineralölunternehmen Rosneft, Burkhard Woelki, dem rbb am Mittwoch auf Nachfrage bestätigt. "Die Versorgung der PCK durch kasachisches Rohöl ist definitiv nicht betroffen", sagt Woelki.

Über Wochen nur eingeschränkt Lieferungen aus Kasachstan

Im Verlauf des mittlerweile dreijährigen Krieges haben die Ukraine und Russland wiederholt gegenseitig ihre Energieinfrastrukturen angegriffen. Ziele von ukrainischer Seite sind eigenen Angaben zufolge Anlagen, die Moskaus Armee mit Treibstoff versorgen oder Einnahmen für den Militäreinsatz generieren.

Bei dem Angriff am Montag war eine Pumpanlage in der Region Krasnodar getroffen worden, wie es in Medienberichten heißt. Nach Angaben des russischen Betreibers Transneft vom Dienstag führt der Angriff dazu, dass Kasachstan in den kommenden sechs bis acht Wochen wahrscheinlich fast ein Drittel weniger Öl in den Westen leiten kann.

Versorgung von PCK über nördliche Druschba-Pipeline

Auch die PCK-Raffinerie wird zum Teil mit Öl aus Kasachstan versorgt. Allerdings über andere Wege, wie Burkhard Woelki erklärt. "Wir können natürlich nicht genau sagen, was dort passiert ist. Aber sicher ist, dass es eine südliche Leitung ist, die kasachisches Öl über die sogenannte CPC-Pipeline in den Süden liefert. Unsere Leitung, beziehungsweise die, die die PCK mit kasachischem Rohöl versorgt, sind die nördlichen Leitungen. Die sind definitiv nicht betroffen."

Die 1.500 Kilometer lange Pipeline des Caspian Pipeline Consortium (CPC) transportiert Erdöl aus Kasachstan durch Russland bis ans Schwarze Meer, von wo aus das Erdöl bis nach Westeuropa gebracht wird. Die Schwedter Raffinerie wird allerdings über die sogenannte Druschba-Pipeline beliefert, die etwa über Russland, Belarus und Polen führt.

Lediglich 17 Prozent des PCK-Rohöls aus Kasachstan

Insgesamt kann die Uckermärkische PCK eigenen Angaben zufolge jährlich 11,5 Millionen Tonnen Rohöl verarbeiten. Für die Beschaffung der Rohstoffe sind die Gesellschafter verantwortlich, hieß es am Mittwoch von der Raffinerie-Leitung. Das sind die unter der Treuhand des Bundes stehenden Rosneft-Töchter (rund 54 Prozent) sowie die europäischen Konzerne Shell (37,5 Prozent) und Eni (8,3 Prozent). PCK würde die Rohstoffe lediglich verarbeiten.

Ein Großteil des Öls für Schwedt wird auf dem Weltmarkt eingekauft. Rund 70 Prozent des gesamten Volumens kommen über eine Pipeline aus dem Hafen Rostock. Die restlichen 30 Prozent werden aus dem Hafen Danzig und direkt aus Kasachstan abgedeckt. Kasachstan hatte nach Angaben aus Regierungskreisen 2023 rund eine Million Tonnen Rohöl an PCK geliefert. Für das vergangene Jahr waren 1,4 Millionen Tonnen vereinbart, hieß es.

Lieferungen bisher nicht vom Krieg betroffen

Rosneft erklärte im vergangenen September, der Vertrag mit Kasachstan sei verlängert worden über eine Öllieferung von 100.000 Tonnen im Monat bis Ende 2025. Dazu sagte Sprecher Burkard Woelki jetzt: "Wir sind froh, dass die kasachischen Lieferungen über das letzte Jahr und davor absolut stabil gelaufen sind. Wir haben immer die mindestens 100.000 Tonnen, die wir für die PCK benötigt haben, auch sicher bekommen - auch durch Russland."

Danach befragt, ob es aber in Zukunft im Zuge des Krieges zu Einschränkungen kommen könnte, fügte er hinzu: "Alles ist möglich. Wir wissen ja, wie gerade die weltpolitische Lage ist. Aber das kann man schlecht einschätzen."

Sendung: Antenne Brandenburg, 19.02.2025, 15:10 Uhr

Mit Material von Stefanie Fiedler und Tony Schönberg

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5 Kommentare

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  1. 5.

    Jetzt wo der Amerika den ukrainischen Präsidenten neu einstuft und an Frieden mit Russland interessiert ist ist die Chance sehr groß, dass bis Ende des Jahres wieder russisches Öl fließt.

  2. 3.

    Fahren sie mal hin und gucken sich das Elend an. Ein Rubel ist aktuell weniger Wert als eine türkische Lira.

  3. 1.

    Sagt Woelki.

    Meinen tut Woelki jedoch das in Kasachstan umetikettierte Russenöl.