Schwedt - Deutsche Umwelthilfe droht wegen Schwefel-Dioxidausstoß mit Klage gegen PCK-Raffinerie

Do 06.02.25 | 19:30 Uhr
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PCK-Raffinerie in Schwedt. (Quelle: rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.02.2025 | Fred Pilarski | Bild: rbb

Die PCK-Raffinerie muss seit dem Öl-Embargo auf verschiedene Öl-Sorten aus aller Welt zurückgreifen. Dadurch komme es zeitweise zu einem höheren Schwefel-Dioxidausstoß. Die Raffinerie hat eine Ausnahmegenehmigung beantragt - die Umwelthilfe droht mit Klage.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) droht mit einer Klage, sollte die beantragte Ausnahmegenehmigung für Schwefeldioxidemissionen für die Mineralölraffinerie PCK Schwedt (Uckermark) erteilt werden.

Die Raffinerie hat beim Landesamt für Umwelt in Brandenburg eine erneute Ausnahmegenehmigung beantragt, die den erlaubten Emissionswert für Schwefeldioxid nun auf 1.000 mg/Nm3 (Milligramm je Normkubikmeter) als Tagesmittelwert erhöhen soll. Dieser Wert liegt fünffach höher als der gesetzliche Grenzwert.

"Eine Frage der Profitsteigerung"

Nach Ansicht von Jürgen Resch, Geschäftsführer der Umwelthilfe, hätte die PCK längst in entsprechende Entschweflungsanlagen investieren müssen, zumal schon seit 2017 Ausnahmegenehmigungen gelten: "Da entfallen hier jetzt aus mehreren Gründen Argumente, warum man hier nochmals eine Verlängerung einer Ausnahme vornehmen kann, die Luft zu verpesten." Es gebe keine technischen Schwierigkeiten, so Resch: "Es ist rein eine Frage der Profitsteigerung."

Die PCK wollte sich auf Anfrage des rbb dazu nicht äußern. Aufschluss bringt jedoch ein Blick in den Genehmigungsentwurf des Landesumweltamts. Ein Grund für den Ausnahmeantrag ist demnach das Embargo auf russisches Rohöl und dessen Ersatz durch aktuell bis zu 20 verschiedene Sorten, deren Schwefel- und Stickstoffgehalte schwanken könnten, heißt es.

Deshalb könne man nicht ausschließen, dass es an einzelnen Tagen zu "unvorhergesehenen Betriebszuständen" kommen kann mit bis zu 1000 Milligramm pro Normkubikmeter. Der bisherige Jahreshöchstwert soll jedoch eingehalten werden. Weiterhin will die PCK 42 Millionen Euro für technische Anlagen ausgeben, um die Grenzwerte wieder einzuhalten. Diese Investitionen seien von den Gesellschaftern bewilligt und die Arbeiten beauftragt worden, heißt es in dem Genehmigungsentwurf. In der Übergangszeit sollen also nur zeitweise mehr Schadstoffe ausgestoßen werden dürfen, nicht insgesamt.

Der Entwurf für die Ausnahmegenehmigung ist noch bis Freitag öffentlich einsehbar in der Schwedter Zweigstelle des Landesamts für Umwelt und im Brandenburger Dialog-Portal. Einwendungen sind bis einschließlich Freitag möglich.

Polnische Anlieger beunruhigt

Auf der polnischen Seite der Oder sind Gemeindevertreter gerade dabei, eine Art Widerspruch gegen die Ausnahmeregelung zu formulieren. Die Gemeinde Widuchowa um Bürgermeister Pawel Wrobel hat ein Schreiben an das polnische Umweltministerium verfasst, mit der Absicht, als betroffene Gemeinde in dem Verfahren die Stellung eines Beteiligten zu erhalten, so dass alle Informationen dazu auch ihnen mitgeteilt werden.

Sie fordern außerdem, dass Untersuchungen zu Auswirkungen auf die Umwelt durchgeführt werden. Da das Gemeindegebiet überwiegend aus Agrar- und Forstflächen besteht, mache sich die Bevölkerung Sorgen, welche Auswirkung das auf die Qualität der Produkte habe, sagte Wrobel. Sie würden das polenweite Monitoring der Luftqualität - eine der Messstationen ist auch in Widuchowa - verfolgen. Die Werte seien aber im grünen Bereich, so Wrobel.

Die PCK Schwedt gehört zu den größten Erdölraffinerien Deutschlands und verfügt zudem über ein eigenes Industriekraftwerk. Sie versorgt zu 95 Prozent die Räume Berlin und Brandenburg mit Kraftstoffen wie Benzin, Diesel, Flugturbinenkraftstoff und Heizöl. Hauptgesellschafter sind mit 54 Prozent zwei Tochtergesellschaften des russischen Erdölkonzerns Rosneft. Diese wurden im September 2022 von der Bundesregierung unter die Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur gestellt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 06.02.2025, 09:30 Uhr

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49 Kommentare

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  1. 49.

    Für Kohle gibt es in Brandenburg doch Milliarden an Strukturhilfen !
    Also, an der Kohle, kann es darum nicht liegen.

  2. 47.

    Und warum hat das PCK, dann noch nicht, in den Umwelt/Gesundheit/Klimaschutz für die Anwohner investiert ???

  3. 45.

    Was ist mit Ihnen los? Das hat doch nix mit UNS Steuerzahlern zu tun! das stemmt das PCK allein! Mal nachdenken!

  4. 43.

    Sie sind ahnungslos. Die DUH setzt sich offen und ehrlich für uns Anwohner ein! Wir wollen diesen Gestank hier nicht, auf Kosten unserer Gesundheit! Haben Sie mal an die Kinder hier gedacht, nee? dachte ich mir, nur dumme Sprüche raushauen.

  5. 42.

    Mir persönlich vollkommen egal : Ich brauche keinen Arbeitsplatz mehr und mir geht es Geldlich gesehen gut.
    Ich brauche keine Industrie, kein Gewerbe, keinen Dreck, keinen Gestank.
    Unsere gesamte Region, lebt von der Natur und von der Landschaft, Viele Grüße.
    Viele Menschen in unserer Region, haben Ihr Arbeitsleben schon hinter sich und wollen keine Industrieelle Beeinträchtigung mehr.

  6. 41.

    Man könnte zum Beispiel, Arbeitsplätze im PCK abbauen und als Gegenleistung, in die Modernisierung investieren.
    Dann haben die Anwohner, auch was davon.
    An Löhnen und Gehältern einsparen und dafür lieber, in den Klimaschutz investieren.
    Dazu muss noch, der Ausbau der Erneuerbaren in der Region forciert werden.

  7. 40.

    Heutzutage, arbeitet man ja auch in der Verwaltung irgendwo auf dem Amt, oder ist sowieso Rentner.
    Da möchte man es natürlich auch, schön Grün und schön BiO haben - Industrie/Abgase ist natürlich von Gestern -
    Kann eigentlich weg, das stört natürlich auch Irgendwann.
    Man hat jetzt die Stadt die Region, auf Staatskosten so schön herausgeputzt - jetzt kann die blöde Industrie eigentlich auch weg.

  8. 39.

    Vollste Zustimmung !!!
    Schwedt profitierte und profitiert auch Heute noch, vom PCK - und das, nicht wenig, Viele Grüße.

  9. 38.

    PCK zumachen, Tesla zumachen, BER dichtmachen - dann ist endlich Ruhe.
    Brandenburg ist doch sowieso das Land der Windräder, der Solarfelder und der unendlichen Monokulturen - Wer braucht schon Industrie/Gewerbe, wenn doch Ackerbau, Viehzucht und der Windpark vor der Haustür, unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand sichern - Blink Blink.

  10. 37.

    Und jetzt, soll wieder der Steuerzahler einspringen und wieder bezahlen ?
    Schwedt/Oder möchte Tausende Arbeitsplätze weiterhin haben, möchte sehr viele Fördergelder sehr viele Strukturgelder, Gelder für Investitionen weiterhin erhalten - möchte aber 0,0000 Beeinträchtigungen durch die PCK-Raffinerie ertragen müssen.
    Das ist das Problem unendlicher Förderungen/Strukturhilfen in Brandenburg: Man kann letzendlich nur noch nehmen - ohne selbst etwas geben zu müssen.

  11. 36.

    Entschuldigung, natürlich und ein Glück sind 33% nicht die Mehrheit - die sind (noch) Sie / ich / wir!

    Und dafür lohnt der Klimaschutz, auch in gerade in Schwedt.

  12. 35.

    Eine saftige Geldstrafe und Androhung von Gefängnis für die Verantwortlichen des PCK und es wäre Ruhe im Karton!

  13. 33.

    Bezahlt denn, der Herr Habeck nicht mehr für Schwedt ?
    Obwohl, Zerstörung und Verlagerung ins Ausland, ist wahrscheinlich viel Grüüüüner ?

  14. 32.

    Nö, ich wohne auch in Schwedt und mir ist das nicht egal, ich will diesen Dreck nicht einatmen und werd emit dagegen kämpfen! Und zu Ihrerm Vorwurf der Wahl - ich wähle selbstverständlich nicht diese braunen Kameraden, denn denen ist Umwelt und Klima schnurzpiepegal!

  15. 31.

    Unser Lausitz MP und seine Genossen, fühlen sich doch seit Jahren/Jahrzehnten nicht zuständig, für das Land Brandenburg in seiner Gesamtheit, mit all seinen unterschiedlichen Regionen.
    Die Menschen erwarten in allen Regionen gleichermaßen, Investitionen in Wirtschaft, in Infrastruktur/Bahn/ÖPNV, in Lebensqualität.
    Ist doch ganz klar, das die Geduld der Menschen in den einzelnen Landkreisen, irgendwann am Ende ist - wenn in Brandenburg, Strukturhilfen/Fördergelder nur einseitig versenkt werden und das schon, über viele Jahrzehnte und ohne absehbares Ende.
    Brandenburg hat seit Jahrzehnten, die immergleichen Baustellen - und versenkt darin Milliarden - und dann wird sich gewundert, das sich Blau/Braun bald über das gesamte Land zieht.

  16. 30.

    Na und !!!
    Wir nehmen auch Bauarbeiter aus aller Welt und haben dann, Pfusch am Bau und Wir sind danach Pleite.
    Wir bestellen Alles mögliche, aus China/Asien und vergiften uns und unsere Kinder damit.
    Wir importieren Alles Erdenkliche, wählen vielleicht sogar ,,Grün,, und sind die ,,Arm aber Saubermänner,,.
    der gesamten Welt.
    Oder vielleicht, sind Wir nur ,,melkende Kühe,, denen man Moral und Verzicht, einimpft, LG.