Dreharbeiten zu "Ku'damm 77" - Der verdammte grüne Radweg

So 30.03.25 | 13:49 Uhr | Von Anna Wollner
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Die Schauspielerinnen Claudia Michelsen (l-r), Maria Ehrich, Sonja Gerhardt, Marie Louise Albertine Becker und Massiamy Diabyam stehen zusammen am Set der Serie "Ku'damm 77". (Quelle: dpa/Hannes P Albert)
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Video: DER TAG | 28.03.2025 | Susanne Bruha | Bild: dpa/Hannes P Albert

In der Tanzschule Galant auf dem Kurfürstendamm wird wieder getanzt. Zumindest in der fiktiven ZDF-Serie "Ku'damm 77", die mit Familie Schöllack in die vierte Staffel geht. Anna Wollner war bei den Dreharbeiten in Charlottenburg dabei.

Es ist ein absurdes Bild am Nachmittag in Berlin-Charlottenburg. Über das Straßenschild "Richard-Wagner-Straße" hat die Ausstattung "Kurfürstendamm" geklebt, der U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz wurde auch kurzerhand umbenannt. Einige U-Bahn-Gäste gucken verwundert, als sie das Schild "Kurfürstendamm" über dem Eingang zur Treppe sehen und schütteln den Kopf. Alte Leuchtreklamen zieren die Häuserfassaden, Schaukästen stehen auf dem Gehweg. "Tanzschule Galant" oder "Juwelier Weilert", eine kleine Säule mit Hinweisen auf Stadtrundfahrten

Am Straßenrand steht ein alter BVG-Bus, auf der Kreuzung ein altes Polizeiauto. Der Verkehr besteht aus historischen Filmautos, die mit lauten Motoren immer wieder im Kreis fahren: Opel, Porsche, Mercedes, ein alter VW-Käfer, selbst eine Ente ist dabei. Statisten in 70er-Jahre-Kleidung warten auf Anweisungen. Die Straße ist für den Verkehr weiträumig abgesperrt, ab und zu radelt ein Fahrradfahrer gegen die eigentliche Fahrtrichtung auf dem grünen Radweg an den Statisten dabei.

Frauen im "Deutschen Herbst" 1977

Regisseur Maurice Hübner, der im Pressegespräch die erkrankte Showrunnerin Annette Hess vertritt, erklärt die Szene. Mit einem Kamerakran und viel Aufwand wird hier eine Szene für die neue Staffel "Ku'damm 77" gedreht. Claudia Michaelsen als Matriarchin Caterina Schöllack eilt aus der Tanzschule Galant zu einem der Schaukästen und entfernt wütend einen Zettel mit der Aufschrift "Wegen Trauerfeier heute geschlossen".

In der Luft hängt Diesel-Geruch, das Röhren der Motoren hallt auch noch nach, als die nächste Einstellung schon vorbereitet wird. Claudia Michelsen wartet auf ihren nächsten Einsatz und findet kurz Zeit, um über die vierte Staffel zu sprechen. "Ich kenne kein zweites Format, das so viele Frauen im Hauptcast hat und generationenübergreifend erzählt", schwärmt sie über die Serie. Annette Hess erzählt jede einzelne Figur mit einer Liebenswürdigkeit und Hingabe. Der emotionale Kern der vierten Staffel "Ku'damm 77" sind dabei die Frauen, mittlerweile über drei Generationen und jede einzelne um Caterina, ihre Töchter Helga und Monika und die Enkelkinder Dorli und Friederike. Es geht um weibliche Identität, quasi ein Lackmus-Test, wie Frauen in der Gesellschaft behandelt werden - diesmal mitten im "Deutschen Herbst" 1977. Dabei – und das ist den Drehbüchern von Annette Hess so angelegt – touchiert die Serie die großen politischen Themen der Zeit nur und erzählt vor allem über den Alltag.

Dreharbeiten zu Ku'damm 77Dreharbeiten in der Richard-Wagner-Straße. Foto: Anna Wollner

"Wir haben einen Strumpfhosenverschleiß, der ist unnormal."

Der Zeitsprung von 14 Jahren zwischen Staffel drei und vier zeigt sich dabei nicht nur in der Ausstattung und den Autos, sondern vor allem in der Mode. Kostümbildnerin Judith Holste hat dafür aus einem großen Fundus in Berlin schöpfen können. Alle Kostüme sind Originale, nur leicht angepasst an die Körper der Frauen 2025 – die sich dann doch sehr von denen 1977 unterscheiden. Und die weniger Flower Power sind, als die 1970er vermuten lassen. "Flower Power war eher Anfang der 1970er", sagt Holste in der Mittagspause. "1977 geht schon Richtung 1980er, da gab es viele Beige-Töne. Ich sage gerne Leberwurstfarben dazu."

Die beiden Schöllack-Töchter-Schauspielerinnen Maria Ehrich und Sonja Gerhard genießen die modische Weiterentwicklung. Für sie ist das neue Jahrzehnt eine echte Befreiung. "In der ersten Staffel war es wirklich schlimm, weil wir alles im Original hatten. Es hat gezwickt und war anstrengend", erzählt Sonja Gerhard lachend. Ehrich fügt hinzu: "Da gab es noch diese Spitzen- BHs. Heute sind unser Endgegner die Strumpfhosen. Wir haben einen Strumpfhosenverschleiß, der ist unnormal."

Mit Visual Effects gegen das moderne Berlin

Der Strumpfhosenverschleiß ist allerdings noch das kleinste Problem. Viel schwieriger ist es, im Jahr 2025 das authentische Stadtbild von 1977 nachzubauen. Die Autos von damals gibt es noch – aber das Straßenbild hat sich verändert. Direkt vor der Tanzschule Galant führt ein grüner Fahrradweg entlang, der Produzent Marc Lepetit schlaflose Nächte bereitet. "Wir haben einen Visual-Effects-Supervisor, der mit dem Kameramann jede Einstellung überprüft", erzählt er resigniert lachend. "Dann entscheiden wir, ob wir das kaschieren können oder nicht, mit parkenden Autos oder eben einer nachträglichen Retusche in der Postproduktion."

Eine Arbeit, an die am Set jetzt noch nicht gedacht wird. Schnell müssen sich die Autos und der Bus wieder sortieren für die nächste Einstellung. Alles zurück auf Anfang – ins Jahr 1977.

Sendung: DER TAG, 28.03.2025, 18 Uhr

Beitrag von Anna Wollner

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8 Kommentare

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  1. 8.

    Das ist so üblich, wichtiger als der Originaldrehort ist, dass das Stadtbild zur Zeit passt. Deshalb wurde auch noch vor ein paar Jahren Danzig als Drehort für Filme, die in Berlin vor und im 2.Weltkrieg spielten, genutzt.

    Und im Film "Bornholmer Straße" spielt die Swinemünder Brücke in Gesundbrunnen die Rolle de Bösebrücke am historisch korrekten Standort in Prenzlauer Berg und in Gesundbrunnen.

  2. 7.

    "Warum wird nicht am echten Kurfüstendamm gedreht. Verzerrt doch die Realität."

    Das könnte vielleicht daran liegen, dass an Kudamm mehr Verkehr ist, und es daher schwieriger ist, ihn zu sperren als die Richard-Wagner Straße. Abgesehen davon müssten auch eine ganze Menge Busse umgeleitet werden und wohin mit den Touristen?

    Der Film ist übrigens Fiktion und nicht Realität!

  3. 6.

    Diese tolle farbenfrohe Mode, warum hat man sie eingetauscht gegen 80er neonbunt und grau,
    Schnitte und Schmuck gegen Kanten, Schlabber und Dauerwelle?!?

    70s Revival, yeah yeah yeah!

    Man vergleiche Mutter Schöllacks Frisuren durch die Zeiten – die 70er machen sie gleich wieder 20 J. jünger, die 40er 10 J. älter.

  4. 5.

    Frederike war nicht die Tochter von Monka ,sondern von Helga! Ansonsten freue ich mich sooooo sehr auf die nächsten Folgen!
    n

  5. 4.

    Freuen uns schon sehr auf die neuen Folgen! Die erste Serie über das Alltagsleben und die Emanzipationsgeschichte der deutschen Frauen.

    Und alle vier spielen großartig, besonders Mutter Schöllack ist eine Freude!

  6. 3.

    Was ist denn das hier für eine doofe Diskussion. Ich dachte es geht um die neue Staffel. Aber, nee. Nur Gemecker.

    Andere Frage: Ist Emilia Schüle nicht mehr dabei?

  7. 2.

    Großartig, dass diese wunderbare Serie fortgesetzt wird!

  8. 1.

    Tja die regellosen Fahrradfahrer. Sicherlich die selbe Altersklasse.

    Warum wird nicht am echten Kurfüstendamm gedreht. Verzerrt doch die Realität.