Eberswalde (Barnim) - Wie künstliche Intelligenz und neue Technik bei der Waldbrand-Früherkennung helfen sollen

Sa 29.03.25 | 09:30 Uhr
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Station für Drohne zur Waldbrand-Früherkennung, aufgenommen im März 2025 (Quelle: rbb)
rbb
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 30.03.2025 | Nachrichten | Bild: rbb

Wenn in Brandenburgs Wäldern Feuer ausbrechen, kommt es oft auf Minuten an, um die Ausbreitung zu verhindern. Dabei könnten künftig künstliche Intelligenz und neue Technik helfen. In Eberswalde werden aktuell autonome Drohnen getestet.

Mit einer kleinen, einer Zigarette ähnlichen Fackel steht Jürgen Müller in einem Wald bei Eberswalde (Barnim) und entzündet eine Feuerschale. Der Rauch wird von der leichten Brise zwischen die Bäume davongetragen. Was im ersten Moment angesichts schon jetzt trockener Wälder riskant anmutet, ist ein Test zur Früherkennung von Waldbränden. Denn Müller ist pensionierter Waldökologe und Berater eines Unternehmens, das mittels künstlicher Intelligenz und digitaler Technik verhindern will, dass sich Feuer ausbreiten.

Jürgen Müller simuliert Feuer
Waldökologe Jürgen Müller simuliert Feuer | Bild: rbb

Technik misst Luft-Zusammensetzung im Wald

Spezielle Sensoren in den Bäumen sollen auf die Rauchquelle reagieren und Signale in ein Funknetz senden, stellt der Fachmann bei dem Vorführtermin am Donnerstag vor. "Wenn ein Waldbrand entsteht, braucht er Sauerstoff. Damit verändert sich das Gasgemisch in der Luft", erklärt Müller, "und diese Veränderung messen wir mit einem Gas-Sensor. Dann haben wir die Kommunikation, die die Information an eine Cloud schickt. Und die Cloud setzt dann den Alarm an die Feuerwehr und Waldbesitzer ab."

Drohne zur Früherkennung von Waldbränden in Eberswalder
Die Drohne steigt aus ihrer Garage auf. | Bild: rbb

Autonome Drohne soll Infos übermitteln

So weit, so erprobt. Neu ist hingegen, dass mit dem Feueralarm auch eine Aufklärungsdrohne zum Einsatz kommt. Die werde autonom durch Künstliche Intelligenz gesteuert, so Müller. Dafür steht eine Art überdimensionierter, grüner Fußball auf einer Lichtung parat. Der obere Teil klappt sich auf und gibt die Sicht auf eine Drohne darin frei.

Beim ersten Anlauf klappt der Abflug bei der Vorführung zwar noch nicht - und Techniker müssen neue Datenleitungen verlegen. Dann hebt das Gerät mit den zwei Rotoren aber doch noch ab. Carsten Brinkschulte, Chef des Unternehmens "Dryad", zeigt sich zufrieden. "Im zweiten Anlauf hat das System perfekt funktioniert und hat einen Brand innerhalb von Minuten erkannt. Die Drohne ist autonom mit KI zu der Brandstelle hingeflogen und hat die visuellen und infraroten Bilder geliefert, genau wie das System sein sollte."

Hunderte Waldbrände in den vergangenen Jahren in Brandenburg

Brinkschulte ist überzeugt, dass künstliche Intelligenz und digitale Technik künftig eine wichtige Rolle bei der Brandbekämpfung zukommen wird. Denn der fortschreitende Klimawandel verschärft Jahr für Jahr weltweit die Waldbrandsituation. Auch Brandenburg ist als einer der im wahrsten Sinne des Wortes Hotspots in Deutschland regelmäßig von Feuern betroffen.

2024 war dabei dem Waldzustandsbericht des Landes zufolge aufgrund verhältnismäßig feuchter Witterung mit 195 Bränden und 223 Hektar verbrannter Waldfläche nicht das schlimmste Waldbrand-Jahr. In den Rekordjahren 2022 und 2018 wurden jeweils um die 500 Waldbrände registriert. Vor drei Jahren brannten fast 1.430 Hektar ab, eine Fläche größer als der Scharmützelsee und doppelt so groß wie der Müggelsee.

Zentrale zur Waldbrand-Früherkennung mit Raimung EngelDer Waldbrandschutz-Beauftragte Raimund Engel.

Brandenburger Forst setzt auf Weltraum-Kameras

Um den vielen Bränden zu begegnen, setzt nicht nur das Unternehmen aus Eberswalde auf Systeme zur automatisierten Früherkennung. Der Landesbetrieb Forst Brandenburg nutzt bereits seit 20 Jahren das Weltraum-Kamera-System "Fire Watch". Seit 2021 unterstützt eine KI-basierte Software die Auswertung der Bilder.

Mögliche Brandorte können sofort und direkt am Bildschirm von erfahrenen Forstmitarbeitern begutachtet werden, erklärt der Brandenburgische Waldbrandschutz-Beauftragte Raimund Engel. "Immer dann, wenn eine Rauchwolke über der Krone aufsteigt, dann kriegt das System das mit und sendet sofort Daten. Wir sehen am Bildschirm schon, dass da eine Rauchwolke ist und zeitgleich sehen wir, wo sie sich befindet." Insgesamt sind Engel zufolge 106 Kamera-Sensoren in ganz Brandenburg aufgestellt, die 1,1 Millionen Hektar Waldfläche überwachen, knapp ein Drittel der Fläche des Bundeslands. Vom ersten Bild bis zur Alarmierung der Feuerwehr vergingen maximal vier Minuten, erklärt er.

Ganz verhindern werden, lassen sich Waldbrände zwar auch mit all den Innovationen wahrscheinlich nicht. Dennoch kann Engel zufolge wohl viel Waldfläche geschützt werden, wenn die Flammen schon frühzeitig erkannt und gelöscht werden können.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.03.2025, 16:40 Uhr

Mit Material von Georg-Stefan Russew

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7 Kommentare

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  1. 7.

    Schon klar. Falschparken ist auch verboten und vom stillen Protest bekommt man höchstens 'n Brummschädel. Ich habe die unangenehme Angewohnheit, das ich es demjenigen ins Gesicht sage was mir auf den Senkel geht.

  2. 6.

    Kippen können und haben, genauso wie Funkenflug an Bahndämmen, Brände ausgelöst; Wildgriller und "romantisch veranlagte" Biwakfans mit Lagerfeuerchen auch. Katalysatoren von PKw sind auf trockenem Gras u.ä. dazu geeignet. Ein konkreter Fall ist mir allerdings nicht bekannt. Die Nummer mit den Glasscherben ist mehr ein Mythos als Realität in unseren Breiten. Gegen den gemeinen Brandstifter ist kein Kraut gewachsen.
    Was wollten Sie mir jetzt eigentlich sagen?

  3. 5.

    Gibt es denn Daten dazu wie viele Waldbrände wirklich die Kippen ausgelöst wurden? Oder gar durch Glasscherben?

    Es gibt einen Alltäglichen Gegenstand, der ist super dafür geeignet Waldbrände auszulösen und wird wahrscheinlich die meisten davon ausgelöst haben, aber darüber reden wir nicht, sondern lieber über die unwahrscheinlicheren Branderzeuger.

    Wir lieben unsere nostalgischen Märchen. Realität diskutieren wir lieber weg, aber hier ändert sich auch Einiges. Dadurch könnten die Waldbrände auch sinken trotz Klimawandel.

    Wen würden wir eigentlich als nächsten Waldbrandverursacher vermuten, wenn es keine Raucher und kein Glas gäbe?

  4. 4.

    Die Variante mit den Waldsensoren ist zwar nett, aber ich befürchte, dass sie zu aufwändig wird, wenn wir den Wald so großflächig damit ausstatten müssen. Und dann müssen die ja auch noch gewartet werden.
    Mit den Kameras und Satelliten und den Kameras kann man sehr effektiv mit weniger Mitteln eine recht große Fläche abdecken.
    Da als Faktor für die Technik auch noch Mensch und Tier reinspielen. Gelangweilte Jugendliche oder neugierige Tiere könnten da so einiges Zerstören. Da sind die Kameras schon unauffälliger und sind oft ohnehin dort angebracht wo sie große Gebiete überschauen können, also eher schwer zu erreichende Orte.

  5. 3.

    Schon beachtlich wenn man sich nur drüber aufregt. Rauchen im und am Wald ist in Brandenburg ganzjährig verboten, unabhängig von Waldbrandstufen.

    Haben Sie denn den Raucher angesprochen, der sicher etwas Pech beim Denken hat?

  6. 2.

    Danke da bin ich ganz bei Ihnen. Hebe täglich alleine in meinem anliegenden Park zwischen zehn und zwanzig Kippen auf von den Zugängen der Häuser mal ganz zu schweigen. Die ganze Stadt ist voll davon egal wo man hin geht. Aber he,wir haben tolle neu erhöhte Bußgeldkataloge nur schade,dass das Personal fehlt um das zu verfolgen. Herr Wegner und Herr Stettner rühmen sich gerade dafür in ihrer neuen Zeitung Klartext. Also das wird oder?

  7. 1.

    Ich hatte heute schon ein paar mal einen dicken Hals. Waldquarzer und Kippenschnipser - ich wünsch' mit eine Glimmstengellöschdrohne.