Berlin - SPD-Fraktion fordert 160 Euro pro Jahr für Anwohnerparken

Sa 25.01.25 | 18:15 Uhr
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Symbolbild: Ein Fußgänger geht zwischen parkenden Autos über eine Straße. (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)
Audio: rbb24 Inforadio | 25.01.2025 | Jan Menzel | Bild: dpa/Sebastian Gollnow

Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus will den Preis für Anwohner-Parkausweise drastisch erhöhen. Zurzeit kostet die Vignette 10,20 Euro im Jahr. Damit machen die Bürgerämter aber Verlust. Auch an die Grunderwerbsteuer will die SPD ran.

  • SPD für Erhöhung des Anwohnerparkens von 10,20 auf 160 Euro pro Jahr
  • Einnahmen von 25 Millionen Euro erhofft
  • Grunderwerbssteuer soll um 0,5 Prozentpunkte steigen
  • SPD-Fraktion will die Vergütung von Geschäftsführern und Vorständen landeseigener Unternehmen begrenzen

Das Anwohnerparken in Berlin soll nach dem Willen der SPD künftig 160 Euro im Jahr kosten, also etwa 13 Euro im Monat. Das beschloss die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus bei einer Klausurtagung in Dresden. Die Einnahmen daraus schätzt sie auf mindestens 25 Millionen Euro pro Jahr. Eine Einigung mit dem Koalitionspartner CDU steht aber noch aus.

Berlin könne es sich nicht mehr leisten, Verluste zu machen

Der derzeitige Preis für einen Bewohnerparkausweis von 10,20 Euro im Jahr bringe lediglich Einnahmen von etwa 2 Millionen Euro, während die Erstellung der Parkausweise in den Bürgerämtern 7,2 Millionen Euro koste, heißt es in dem SPD-Papier. "Das Land Berlin kann sich nicht mehr leisten, für die Bewohnerparkausweise Verluste einzufahren, weshalb sich die SPD-Fraktion für zeitgemäße Beträge einsetzt."

Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte sogar einen noch höheren Preissprung ins Gespräch gebracht. Zuletzt sagte sie, aus ihrer Sicht sei ein Euro am Tag zumindest für größere Fahrzeuge angemessen - also 365 Euro im Jahr. Für Kleinwagen könne sie sich einen niedrigeren Betrag vorstellen als für ein SUV.

Grunderwerbssteuer soll hoch

Die SPD-Fraktion schlägt auch vor, die Grunderwerbssteuer um 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen. Begründet wird dies mit "Verteilungsgerechtigkeit", weil Immobilien häufig zu Spekulationszwecken gekauft würden. Hier rechnet die SPD mit Mehreinnahmen von rund 100 Millionen Euro pro Jahr.

Sie dringt zudem darauf, über den Bundesrat eine Änderung des Grunderwerbsgesetzes auf den Weg zu bringen. Ziel: Sogenannte Share Deals - also Teileigentum an Immobilien - sollen nicht mehr von dieser Steuer ausgenommen werden. Hier handele es sich um ein Schlupfloch.

SPD will Manager-Gehälter in öffentlichen Unternehmen deckeln

Außerdem will die SPD-Fraktion die Vergütung von Geschäftsführern und Vorständen landeseigener Unternehmen begrenzen. "Die Manager-Gehälter sind teilweise unverschämt hoch", sagte SPD-Fraktionschef Raed Saleh. Als Orientierung soll nach den Vorstellungen der Fraktion das gelten, was der Regerende Bürgermeister verdient. Mit dem Koalitionspartner CDU ist der Vorstoß nicht abgestimmt.

Die SPD nimmt damit insbesondere Vorstände von Landesunternehmen in den Blick, die besonders viel verdienen. Beispielsweise bekommen die Chefs der landeseigenen Investitionsbank IBB, der Flughafengesellschaft und der Messegesellschaft jeweils annährend eine halbe Million Euro im Jahr. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner kommt mit rund 214.000 Euro nicht mal auf die Hälfte.

Auch der Landesrechnungshof hat die Chef-Vergütungen in seinem jüngstem Bericht als zu üppig kritisiert. Die Rechnungsprüfer wiesen insbesondere darauf hin, dass die Risiken für Geschäftsführungen öffentlicher Unternehmen geringer seien als in der freien Wirtschaft.

In dem Beschluss, den die Fraktion auf ihrer Klausurtagung in Dresden gefasst hat, heißt es: "Die Höchstgrenze des Grundgehalts bildet im Einzelfall maximal ein Äquivalent zum Grundgehalt des Regierenden Bürgermeisters." Die Top-Gehälter sollen zudem nur maximal fünfmal höher als der Durchschnittsverdienst der Belegschaft ausfallen. Etwaige Bonus-Zahlungen oder Beiträge zur Altersvorsorge dürften sich auf maximal ein Drittel des gedeckelten Grundeinkommens summieren, heisst es weiter.

Gelten soll die neue Vergütungsstruktur nur für Vorstände, die neu bestellt werden. Bestehende Verträge wären nicht betroffen. Zuvor müsste der Senat allerdings mehrere Gesetze sowie die Landeshaushaltsordnung ändern. Die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat bislang nicht erkennen lassen, dass sie solche Änderungen mittragen will.

Sendung: rbb24 Abendschau, 25.01.2025, 19:30 Uhr

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131 Kommentare

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  1. 131.

    Ganz ihrer Meinung,
    Ist kein Geld mehr da wird der Kfz Halter zur Kasse herangezogen. Es gibt auch Menschen die nicht soviel Geld haben. Ich brauche das Auto um meine Krebskranke Frau zur Chemo und zur Ärztin zu fahren

  2. 130.

    Wenn eine Straße von Kindern zum spielen vereinnahmt wird, ist das doch nur zu begrüßen - oder etwa nicht? Und schon ist aus einer schnöden Straße für Autos eine bunter Spielstraße geworden. Gibt es schon und ich (72 Jahre jung) finde das toll!

  3. 129.

    Ich gehe auch von der sozialdemokratischen und grünen Revolution in Berlin aus.
    Kostenloser ÖPNV, Verbrennerfrei, Radfahrerfreundlich, Selbstversorgend, Handwerkerresistent, Energieunabhängig, mit grenzenlosen öffentlichen Begegnungs-und Auffenthaltsstätten, multikulti und queer in allen Gassen, Kita- und Schulplätze nach Bedarf, 10-Stunden-Woche für Alle, ...
    Erbitte weiter Inovationen!

  4. 128.

    Bin (fast) mitgenommen von dem Gedanken.
    Nur stört mich etwas der vereinnahmte Begriff "Strasse" bei Spielstasse!

  5. 127.

    Das muss nicht für die Ewigkeit so sein - mein Zauberwort heißt Spielstraße.

  6. 126.

    Die SPD fordert..... Haaaahaaahaaa, dürfen die das?

  7. 125.

    Nun ja, spielende Kinder sind laut StVO auf der Fahrbahn nicht vorgesehen, höchstens auf dem Bürgersteig..

  8. 124.

    Das wäre (nach dem schlimmen Grundsteuer-Fehler) dann ein weiterer, fetter Betrag zur Gentrifizierung bestimmter Teile der Stadt … Aber, wollen wir das ?! … Nein … Lieber die sozial-politisch wichtige und Alles in Allem doch gesunde "Berliner Mischung", oder ?

  9. 123.

    Sobald dieser Preis auf solche oder ähnliche Höhen steigt wird darauf geklagt, dass GANZ Berlin zur „Parkzone“ wird … Mit welcher Begründung sollten denn auch nur bestimmte (heute schon quasi willfährig festgelegte) Wohngebiete / Bürger davon betroffen sein ?!?! … Gleiche Rechte, gleiche Pflichten für alle Bürger der Stadt ... Logisch, oder ?

  10. 122.

    Zweck dieser ganzen Parkregelung war und ist es, Berufspendler aus den Wohnvierteln heraus (und damit in den ÖPNV) zu lenken, aber die Anwohner der entsprechenden Wohnviertel nicht gegenüber anderen Bürgern der Stadt zu benachteiligen … Deshalb heißt das auch ANWOHNER-Parkausweis … Und deshalb ist das Preis-Niveau auf Bearbeitungskosten-Niveau ... Und, Jeder bekommt übrigens auch nur EINEN Ausweis für einen PKW … … Zwei oder mehr PKW gehen schon nicht … … Dies an Alle, die die Einführung bzw. Begründung dieses Systems damals nicht miterlebt haben.

  11. 121.

    Ich gehe auch von der sozialdemokratischen und grünen Revolution in Berlin aus.
    Kostenloser ÖPNV, Verbrennerfrei, Radfahrerfreundlich, Selbstversorgend, Handwerkerresistent, Energieunabhängig, mit grenzenlosen öffentlichen Begegnungs-und Auffenthaltsstätten, multikulti und queer in allen Gassen, Kita- und Schulplätze nach Bedarf, 10-Stunden-Woche für Alle, ...
    Erbitte weiter Inovationen!

  12. 119.

    Nur nach 4 Strafzettel im Kalenderjahr wird es teuer, mit Punkt,ggf Fahrverbot.
    Unser Stadtteilpolizist hat mir einiges erzählt, viele Mitmenschen wissen es nicht.

  13. 118.

    Ost-West-Ausdehnung 45 km,
    die Nord-Süd-Ausdehnung 38 km.

    "Von dem Geld werden die Bedingungen für Radfahrer und Fußgängern verbessert." + "(Fahrradwege, die nicht zugeparkt werden können, Fussgänger-Überwege" bin voll bei Deinen Träumereien.

  14. 117.

    Das ist auch meine Einschätzung, Hoffnung und Aussicht.
    Hatte vor zwei Wochen meinen Dacia für zwei Tage in ner Werkstatt.
    Bei Abgabe via Öffis ne Stunde nach Hause, sonst 25 Minuten.
    Da voll, stehend, zwei mal umsteigen, Bahnhöfe Witterungsungeschützt.
    Bei Abhoung via Öffis ne Stunde von zu Hause.
    Da voll, stehend, zwei mal umsteigen, Bahnhöfe Witterungsungeschützt.
    Wanke noch ob ich meinen Dacia abgebe.

  15. 116.

    Ich kann hier keinen Autohasser erkennen, dafür aber mindestens einen Autofanatiker.

  16. 115.

    Was ist eigentlich mit Motorrädern, sie brauchen keine Anwohnerparkausweise bezahlen. Nutzen aber auch öffentliches Straßenland, sprich Gehwege. Andererseits müssen elektrische Kabinenroller eine Vignette haben. Wenn diese Kleinstfahrzeuge etwas wie Motorräder auf dem Gehsteigrand stehen, erhalten sie vom Ordnungsamt sofort ein Knöllchen. Kabinenroller nehmen längst nicht so viel Straßenland in Anspruch wie immer größer werdenden Monster Autos. Darüber sollte die Politik auch mal nachdenken!

  17. 114.

    Klar würde ich mich auch weiterhin mit den 10,20 jährlich einverstanden geben.
    Und selbst mit 160,- für ZWEI Jahre würde ich einverstanden, aber auch als absolute Schmerzgrenze.
    Aber so passt das mit dem sozial im Parteinamen immer weniger und weniger.

  18. 113.

    Wenn sie glauben, dass die woken Autohasser bald die Mehrheit in dieser Stadt bilden dürften sie einem Irrtum erlegen sein. Dafür ist das Auto für viele Menschen ein zu reizvolles Beförderungsmittel welches die Lebensqualität und die individuelle Freiheit erheblich ansteigen lässt. Daher werden ihre Träume von der autofreien Stadt auch nur Träume bleiben.

  19. 112.

    *65.
    " Die die genug haben und dicke Autos fahren, haben auch genug Geld um die Strafzettel zu zahlen!"
    Dann haben sie auch das Geld, um einen Parkausweis zu bezahlen. Oder finden Sie das nicht?

    "Was macht man mit dem Geld, pflegt man damit die Parkplätze?!"

    Nein, das macht die BSR. Von dem Geld werden die Bedingungen für Radfahrer und Fußgängern verbessert. (Fahrradwege, die nicht zugeparkt werden können, Fussgänger-Überwege usw. Sie sind doch ein aufgeklärter Mensch, das finden Sie doch sicher auch richtig... ;-)))