Für das Portal des Humboldt Forums - Wie Sandsteinskulpturen in Gransee fürs Berliner Schloss entstehen

Sa 01.03.25 | 12:29 Uhr
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Sandsteinskulpturen fürs Humboldt-Forum im Berliner Schloss aus Gransee. (Quelle: rbb)
Audio: rbb24 Inforadio | 27.02.2025 | Franziska Tenner | Bild: rbb

Kai Rötger ist Bildhauer und Restaurator, dazu gelernter Steinmetzmeister. In der Nähe von Gransee (Kreis Oberhavel) arbeitet er mit den Restauratoren André Zehrfeld und Susanna Sbaraglia schon seit Wochen an Figuren, die einmal das Portal I des Humboldt Forums am rekonstruierten Berliner Schloss schmücken sollen. Das macht Kai Rötger stolz.

In einem ehemaligen Futtergebäude einer LPG stehen zwei knapp vier Meter hohe Sandstein-Skulpturen. "Das ist alles Elbsandstein aus Pirna bei Dresden. Das ist das typische Material, was in Berlin und anderen barocken Schlössern im Umkreis verbaut ist", sagt Restaurator Rötger und erklärt, wie er daraus Figuren formt.

Für ein weibliches Sandstein-Wesen hat der gebürtige Kölner zunächst ein kleines Gipsmodell angefertigt, danach ein Modell in Originalgröße aus Ton und noch ein ebenso großes Modell aus Gips. Im nächsten Schritt überträgt er dieses Modell 1:1 auf wetterfesten, 11 Tonnen schweren Sandstein. Die weibliche Figur im barocken Stil stellt die Poesie dar. Die Idee für die Gestaltung der Skulptur stammt von Kai Rötger.

Der erste Grundstein des Berliner Schlosses wurde bereits 1443 gelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss jedoch stark beschädigt. 1950 entschied die DDR-Spitze, das Gebäude zu sprengen. Zu DDR-Zeiten stand der Palast der Republik an seiner Stelle. Von 2013 bis 2020 wurde das Berliner Schloss wiederaufgebaut und rekonstruiert. Seit gut zehn Jahren arbeitet Kay Rötger am Wiederaufbau mit. Die Fassade ist immer noch nicht vollständig.

19 Skulpturen wie die, die gerade in Gransee entstehen, wurden dafür schon neu angefertigt. Rund sechs Monate dauert die Arbeit an einer so großen Sandsteinskulptur. Am Ende wiegt sie nur noch vier Tonnen.

Kay Rötger hat nach seiner Steinmetzausbildung in Köln in Potsdam Restauration studiert. Seine Wahl hat mit der Ausbildungstradition in Potsdam zu tun. "Damals in der DDR haben Restauratoren drei Jahre Lehre als Steinmetz gemacht und dann haben die Guten, oder die wollten, noch zusätzlich zwei Jahre eine Bildhauerausbildung gemacht", sagt Rötger. Diesen Werdegang mit handwerklichen Ausbildungen findet er besser als den im Westen.

Mit Material von Franziska Tenner

Sendung: rbb24 Inforadio, 27.02.2025, 17:20 Uhr

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5 Kommentare

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  1. 5.

    Dieses Kunst-, Fach- und Erfahrungswissen, das im Zuge der Restaurationen am Berliner Schloß und zuvor schon bei anderen Restaurationen in und um Berln entstanden ist, darf nicht einschlafen. Es braucht neue Aufträge. Ich hoffe, dass aus Einsicht und aus Freude an alten Kunstwerken, die Zuständigen mehr Offenheit für beispielhafte Rekonstruktioonen im Inneren des Schlosses zeigen, z.B. die Gigantentreppe als nächster Schritt.

  2. 4.

    Ein toller und befriedigender Beruf. Friedlich, sinnvoll, kreativ, schöpferisch, erfüllend.

  3. 3.

    "Restauration (von lateinisch restauratio „Wiederherstellung“) steht für:

    -Restauration, umgangssprachlich für Wiederherstellung eines alten Zustandes von Kulturgütern, siehe Restaurierung

    -Restauration, veraltet für Restaurant"

    Quelle: Wikipedia

  4. 2.

    ...zum allerletzten mal, es heisst Restaurierung! kein Gartenlokal

  5. 1.

    Welch Glück, dass dieses traditionsreiche Handwerk lebt.
    Vielen Dank für die bewundernswerte Arbeit für die Rekonstruktion des Berliner Schlosses und darüber hinaus.