Meinung - Der schwarz-rote Senat macht es sich bei der Verkehrssicherheit zu leicht

Mi 26.02.25 | 18:46 Uhr
Archivbild: Einen Sichtschutz haben Rettungskräfte der Feuerwehr an einem Lastwagen an der Kreuzung Berliner Allee/Feldtmannstraße im Stadtteil Weißensee aufgebaut. (Quelle: dpa/Zinken)
Bild: dpa/Zinken

2024 ist die Zahl der Verkehrstoten in Berlin stark gestiegen. 55 Menschen verloren bei Unfällen ihr Leben, 2023 waren es 33. Die Antworten auf den Anstieg, die Polizei und Senat bei der Vorstellung der Unfallstatistik gaben, reichen nicht aus. Von Sabine Müller

In einem haben Senat und Polizei völlig recht: Mehr Sicherheit im Verkehr ist eine gemeinsame Aufgabe. Jede und jeder muss besser aufpassen, vorsichtiger und rücksichtsvoller sein. Fußgängerinnen, die bei Rot über die Ampel laufen, um noch den Bus zu kriegen. Radfahrende, die in Einbahnstraßen in der falschen Richtung unterwegs sind. Autofahrer, die aus Termindruck oder einfach aus Spaß an der Raserei zu sehr aufs Gas drücken.

Alle müssen besser werden, denn 55 Todesopfer im Verkehr in einem Jahr sind schlicht nicht akzeptabel. Auch wenn Berlin damit bundesweit im Vergleich zur Einwohnerzahl am besten dasteht, wie Polizeipräsidenten Barbara Slowik Meisel betonte.

Ja, Verkehrssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe. Das darf aber nicht heißen, dass die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer exakt gleich behandelt und gefordert werden. Wer die meisten Unfälle verursacht, muss mehr Verantwortung tragen dafür, dass sich die Situation verbessert. Wer die größte Gefahr für andere darstellt, muss schärfer kontrolliert werden. Dass im vergangenen Jahr mehr als 50 Prozent der Verkehrskontrollen Radfahrende betrafen und nur ein knappes Drittel den Autoverkehr, ist unverständlich.

Polizei: Viele Tote, weil Autoverkehr sich verdichtet

Die Hälfte der Verkehrstoten 2024 waren Seniorinnen und Senioren – ein Zeichen dafür, dass ältere Menschen dem immer schnelleren und dichteren Fahrverkehr nicht gewachsen sind. Ähnlich geht es Kindern, auch wenn hier im vergangenen Jahr zum Glück weniger Tote zu beklagen waren.

Als die Senatorinnen für Verkehr und Inneres, Ute Bonde (CDU) und Iris Spranger (SPD), über die Bedeutung von Prävention sprachen – über mehr Verkehrserziehung bei Kindern, über Aktionstage für Senioren – da klang das, als müssten diese Gruppen einfach lernen, sich an die Bedürfnisse des Verkehrs anpassen. Dabei müsste es andersherum sein: Der Verkehr müsste sich verstärkt an die Bedürfnisse der Schwächsten anpassen.

Die Polizeipräsidentin nannte als einen möglichen Grund für die 55 Toten, dass sich der Autoverkehr in Berlin zunehmend verdichte. Sie erwähnte das ganz faktisch, als sei das halt einfach so. Als könne man da nichts machen. Aber genau so sollte es eben nicht sein. Man könnte durchaus mehr tun, aber der schwarz-rote Senat hat seine Prioritäten in der Verkehrspolitik schlicht nicht anständig klargezogen.

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