Pferdesport - Die Mäders: Ein Leben für den Galoppsport

Lutz und Erika Mäder lernten sich in den 60ern während ihrer Jockeyausbildung in Hoppegarten kennen. Dann entschieden sich beide zur Flucht und fanden im Westen wieder zueinander. Für den Renntag der Deutschen Einheit sind sie zurückgekehrt. Von Lynn Kraemer
Bahnbesichtigung auf der Rennbahn Hoppegarten. Erika Mäder bückt sich unter der Absperrung durch, um auf den Rasen zu gelangen. "Kannst du doch aufmachen", sagt ihr Ehemann Lutz und öffnet das Tor. "Das ist besser." In Vorbereiung auf den Renntag der Deutschen Einheit macht sich das Ehepaar mit den Bedingungen vertraut.
"Die Bahn ist top. Wunderbare Grasnarbe drauf. Hervorragend, aber es ist schon gut weich", schätzt Lutz Mäder ein. Der 73-Jährige, hinter dem eine erfolgreiche Karriere als Jockey liegt, steigt zwar nicht mehr selbst aufs Pferd, doch mit der Rennbahn Hoppegarten kennt er sich aus. Hier wurden beide ausgebildet. Erika Mäder, die inzwischen als Trainerin arbeitet, will am 3. Oktober zwei ihrer Pferde an den Start schicken. Wäre da nicht der Regen: "Wenn man Pferde hat, die guten Boden brauchen, dann hasst man jeden Regentropfen."
Kennenlernen in Hoppegarten
Erika und Lutz Mäder lernten sich als Jugendliche in Hoppegarten kennen. Sie begann ihre Jockey-Ausbildung 1964, er ein Jahr später. Ein Paar wurden sie damals aber noch nicht. "Ich war 14 und sie schon fast 17. Da hatte ich keine Chance bei ihr", erinnert sich Lutz Mäder. Doch sie verbrachten automatisch viel Zeit miteinander.
Und kamen zum gleichen Entschluss: Ihre Zukunft sahen beide im Westen. "Ich wollte mehr. Ich wollte international reiten", so Lutz Mäder. In der DDR habe "international" nur Polen, Russland, Tschechien und Ungarn bedeutet. Erika Mäder war mit den zunehmenden Bestimmungen für die Pferdezucht und den Rennsport nicht einverstanden: "Irgendwann habe ich dann so für mich gedacht: Das geht alles den Bach runter hier. Irgendwann gibt es überhaupt keine Privatpferde mehr. Dann haust du ab."
Gescheiterte Fluchtversuche
Beide entschieden sich, in den Westen zu fliehen – und scheiterten. Lutz Mäder entschied sich 1973, von Rumänien nach Jugoslawien über die Donau zu fliehen. Er schaffte es zwar, nach mehreren Stunden das fünf Kilometer entfernte Ufer zu erreichen, doch in Jugoslawien wurde Mäder verhaftet. "Ich war zu zwei Jahren verurteilt und dann haben sie mich nach einem Jahr rausgelassen, weil sie gemerkt haben: Mit dem hat das hier sowieso keinen Zweck."
Erika Mäder wurde vor ihrem Fluchtversuch verraten. Sie kam erst für ein halbes Jahr in Untersuchungshaft und dann für weitere sechs Monate in eine Strafvollzugsanstalt. Am 28. Juni 1975 wurde ihr Ausreiseantrag genehmigt.
Neuanfang im Westen
Der Neuanfang im Westen sei beiden zu Beginn schwergefallen. "Die haben mich bestaunt, als wenn ich vom Himmel gefallen wäre", sagt Erika Mäder. Sie sei die erste ausgebildete Pferdejockey gewesen und keiner habe sie einstellen wollen. "Heimweh hatte ich am Anfang schon sehr. Vielleicht wäre ich zurückgegangen, wenn die Möglichkeit bestanden hätte, weil ich so demoralisiert von dem Empfang in Westdeutschland und der Aussicht als Frau im Rennsport war." Es sei eine harte Zeit gewesen.
"Mich kannte keiner. Wir waren ärmer als hier", sagt auch Lutz Mäder. Doch schon bald machte er sich einen Namen im Rennsport und ritt von Sieg zu Sieg. Während dieser Zeit fanden sie in Köln wieder zusammen. Später zog es die Jockeys nach Krefeld, wo sie sich 1976 das Ja-Wort gaben. Ihren Rennstall betreiben sie dort noch immer.
Nach der Wende kehrte Lutz Mäder im März 1990 erstmals als Jockey nach Hoppegarten zurück. Beim deutsch-deutschen Renntag setzte er sich gleich an die Spitze: "Ich konnte das erste Rennen, das war nur für erste DDR-Pferde, auf Domingo gewinnen." Die Bahn sei brechend voll gewesen. Mäder erinnert sich an 40.000 Menschen, die ihm zuschauten. So voll sei es davor und auch danach nie wieder gewesen. "Das war ein ganz kleines Rennen, aber emotional das größte Rennen, das ich gewonnen habe. Das war wie eine Explosion, die auf der Bahn losging. Er kam, sah und siegte. Es war fantastisch. Das vergisst man im Leben nicht."
Kurz vor dem 1000. Sieg
Nicht nur Lutz Mäder gilt als Legende des deutschen Pferderennsports. In Krefeld begann Erika Mäder 1989 ihre Karriere als Trainerin, der sie bis heute nachgeht. "Der Tag beginnt um halb sechs. Dann nehme ich ein kleines Tässchen Kaffee, einen halben Zwieback und dann geht es ab in den Stall", sagt Erika Mäder. Auch mit Mitte 70 ist sie voll involviert. Und die erfolgreichste Galopptrainerin Deutschlands.
"Sie steht kurz vor dem 1000. Rennen. Da fehlen, glaube ich, noch 15 Siege", sagt Lutz Mäder. "16", korrigiert ihn seine Frau. "Oder 16. Und die werden wir noch schaffen. Bis sie dann im Klub der 1000 ist." Denn ohne Pferde geht es bei den Mäders nicht.
Sendung: DER TAG, 02.10.2024, 18 Uhr
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