Nachfolger von Cristian Fiél - Das ist Herthas neuer Trainer Stefan Leitl

Mo 17.02.25 | 18:15 Uhr | Von Till Oppermann
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Stefan Leitl vor einem Spiel seines Ex-Klubs Hannover 96. Quelle: imago images/Jan Huebner
Video: DER TAG | 17.02.2025 | Lukas Witte | Bild: imago images/Jan Huebner

Stefan Leitl wird neuer Trainer bei Hertha BSC. Der Coach ist schon einmal in seiner Karriere aufgestiegen. Das soll er mit Hertha wiederholen. Sein Pragmatismus ist gefragt. Die Bedingungen könnten nämlich deutlich besser sein. Von Till Oppermann

Seitdem Kay Bernstein Hertha-Präsident wurde, wandelt der Verein auf dem Berliner Weg. Insofern ist die Verpflichtung des neuen Trainers Stefan Leitl ganz im Sinne des Mantras der Alten Dame. Leitl selbst spielte zwar die längste Zeit seiner aktiven Karriere in Ingolstadt. Dafür ist sein Co-Trainer Andre Mijatovic ein alter Bekannter bei Hertha BSC.

Zwischen 2010 und 2012 lief der Kroate 52-mal für die Blau-Weißen auf. Als Hertha 2011 in Duisburg die Bundesliga-Rückkehr klarmachte, führte Mijatovic die Mannschaft sogar als Kapitän auf den Platz. Den Aufstieg will er gemeinsam mit seinem Chef erneut schaffen. Auch wenn es in dieser Saison wohl nichts mehr wird. Die große Sehnsucht bei Hertha bleibt die erneute Rückkehr in die Bundesliga.

Offenbar wieder eine Ablöse

Erst im Sommer hatte Hertha für den glücklosen Cristian Fiél eine Ablöse gezahlt. Obwohl das schiefging, greifen die klammen Berliner auch für Leitl in die Kasse. Trotz der Beurlaubung bei seinem alten Verein Hannover 96 verlangten die Niedersachsen dem Vernehmen nach eine niedrige sechsstellige Summe für Herthas Wunschtrainer. Immerhin: Im Gegensatz zu Fiél weiß Leitl, wie sich ein Aufstieg anfühlt. 2021 führte er die SpVgg Greuther Fürth in die Bundesliga.

Auch deshalb gehörte er bereits vor der Saison zu den Favoriten bei der Suche nach Pal Dardais Nachfolger. Hertha-Boss Zecke Neuendorf und Leitl sind alte Freunde aus gemeinsamen Zeiten als Spieler in Ingolstadt. Zwischenmenschlich wird der neue Trainer also keine Eingewöhnungszeit brauchen. Immerhin. Allerdings: Auch Fiél wurde an der Geschäftsstelle für seine menschliche Art geschätzt. Punkte hat das nicht gebracht. Nach der Niederlage in Düsseldorf (1:2) steht Hertha nur noch fünf Zähler vor dem Relegationsplatz 16.

Zwischen Ergebnisdruck und Projekt Bundesliga

Gegen Fortuna bot Hertha über weite Strecken eine ansprechende Leistung. Für einen Sieg reichte es trotzdem nicht. Weil die Mannschaft große Chancen kläglich vergab. Und weil das Team defensiv zum wiederholten Mal in dieser Saison in einen fünfminütigen Tiefschlaf fiel. Als sie aufwachte, hatten die Düsseldorfer das Spiel gedreht.

Genau hier muss Leitl ansetzen. Gelingt es ihm nicht, die Spieler dazu zu bringen, sich besser zu konzentrieren, wird er ebenfalls scheitern. Dafür, dass Leitl die wankelmütige Alte Dame stützen kann, spricht seine Zeit in Hannover. Als 96 ihn kurz vor Silvester in den Zwangsurlaub schickte, stellte die Mannschaft die beste Abwehr der Liga.

Das lobte auch Hannover-Boss Martin Kind. Leitl habe die letzten zweieinhalb Jahre sehr engagiert, verantwortungsbewusst und ergebnisorientiert gearbeitet. "Und auch eine gewisse Stabilität erreicht", so Kind weiter. Zumindest in dieser Saison würde den Verantwortlichen bei Hertha das ausreichen.

Dass die Erwartung aber eigentlich eine andere ist, bekam Fiél zu spüren. Obwohl Neuendorf und Sportdirektor Benjamin Weber kurz vor Transferschluss die Stützen Marc-Oliver Kempf und Haris Tabakovic ersatzlos verkauften, war sein klarer Auftrag der Aufstieg. Im kommenden Sommer werden mit Ibrahim Maza und Fabian Reese weitere Leistungsträger wahrscheinlich gehen. Leitl muss also mit einer schwächeren Mannschaft mehr schaffen als sein Vorgänger.

Leitls Pragmatismus ist gefragt

Umso wichtiger ist es, dass der neue Trainer eine Spielidee mitbringt, mit der man auch gegen besser besetzte Gegner gewinnen kann. In Hannover galt Leitl als akribischer Arbeiter und analytischer Trainer. In der Hinrunde ließ er seine Mannschaft siebenmal mit Dreierkette und zehnmal mit Viererkette auflaufen. Zu seinem Dienstantritt in Fürth nannte er das 4-3-3 als sein favorisiertes System.

Leitl passt seine Aufstellung also pragmatisch dem Personal an. Eines ist jedoch unabhängig von Formationen gesetzt: Seine Teams spielen selten durch die Mitte. Hannover initiierte in der Hinserie 35 Prozent der Angriffe über links und 39 Prozent über rechts. Die Außenverteidiger starten am häufigsten in die Tiefe. 370 Flanken waren nach der Hinrunde der Top-Wert der Liga.

Trotz dieses großen Aufwands erzielten die Hannoveraner in der Hinrunde sogar fünf Tore weniger als Hertha. Unter anderem, weil der Mannschaft prozentual die wenigsten Dribblings in der Liga gelangen. Bezogen darauf hat Hertha mit Spielern wie Maza, Reese und Michal Karbownik zwar mehr individuelle Qualität als 96. Aber ein treffsicherer Abnehmer für Flanken fehlt schon die ganze Saison. Da sollte sich Leitl in den kommenden Wochen also den Berliner Gegebenheiten anpassen und umdenken. Sonst bleibt die Rückrunde für Hertha zäh.

Leitl direkt unter Druck

Welche entscheidende Rolle der Fußball in Stefan Leitls Leben spielt, zeigt seine Anekdote aus Hannover. Dort lebte er mit seinem Co-Trainer Mijatovic in einer WG. Immer wieder gab es auch Streit. Denn Mijatovic sei eine unglaublich starke Persönlichkeit, so Leitl. Er brauche keinen, der ihm nur nach dem Mund spricht. Damit passt er gut nach Berlin, wo neben der Vereinsführung und den Fans besonders kritische Medien jeden seiner Schritte verfolgen werden.

Der Druck ist groß. Der gefallene Riese Hertha BSC spielt nicht nur um Punkte in der Liga, sondern auch um sein Überleben im Profifußball. Schon vor dieser Saison bezeichnete Finanzchef Tom Herrich den Aufstieg als "alternativlos". Das gilt auch in der kommenden Saison. Immerhin aus einem Fehler des Sommers haben die Verantwortlichen gelernt. Auch Fiel hatte einen Co-Trainer, den er mit zu Hertha bringen wollte. Damals verweigerten ihm Weber und Neuendorf diesen Wunsch.

Sendung: rbb24 Abendschau, 17.02.2025, 19:30 Uhr

Beitrag von Till Oppermann

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21 Kommentare

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  1. 21.

    Warum hat Hertha Geld Ablöse für Trainer zu bezahlen, aber zeitgleich kein Geld die Stadionmiete zu tilgen ?

  2. 20.

    Ja klar, Hertha macht gegenüber der Konkurrenz noch 15 Punkte gut und steigt auf, und der FCU gibt (inklu. Tordifferenz) noch 11 Punkte an die Nachstehenden ab und geht nach unten.

    Wenn man schon "Witze" macht, sollten diese eine gewisse Grundlage haben.

  3. 18.

    Neben Leitl kommt sein Co-Trainer Andre Mijatovic. Ist das der Mijatovic,der Im Februar 2011 Kapitän war als im Olympiastadion - Union Berlin mit 2:1 durch das Freistoß von Mattuschka gewann ?

  4. 17.

    Gutes Wortspiel, finde ich lustig. Zumindest ist der Neue etwas günstiger zu haben.

  5. 16.

    Hertha wechslt die Trainer wie die Unterhosen.

  6. 15.

    Jetzt geht’s los!
    Hertha steigt nun doch noch auf. Die 2.Liga-Radkappe ziert das Vereinszimmer.
    Reste bekommt die Torkanone für … (kann man jede Zahl einsetzen, die man sich erträumt)Tore und Gersbeck wird Mitglied der Nationalmannschaft der Boxer.
    Der Freund eines Freundes, dessen Bekannter vom Bruder wird Trainer bei Hertha BSC.
    Vitamin B.
    Viel Glück

  7. 14.

    Gut gebrüllt, Löwe! Endlich mal ein Kommentar mit Esprit...

  8. 13.

    Guter Trainer, hoffentlich erkennt er schnell, dass mit Menger, Ebert und Kuchno keine Profis am Start sind. Nur Vetternwirtschaft ist halt keine Auszeichnung. Den Abstieg sollte er verhindern können und sich gleichzeitig jetzt schon auf die neue Saison vorbereiten um dann neu anzugreifen. Leider wird es in diesem Verein wieder anders kommen als geplant...

  9. 12.

    Kenny geht; ist doch schon lange bekannt, dass er in seine Heimat zurück möchte. Kann ja auch nur besser für ihn werden :((

  10. 11.

    Das Wesentliche haben sie gesagt. Das Problem ist doch, dass die Mannschaftszusammenstellung nicht stimmt. Da hilft der beste Trainer nicht. Eine Mannschaft benötigt eine Mischung aus jung und alt, aus Unbeschwertheit und Erfahrung. Beim Berliner Weg setzt man ausschließlich auf jung. Jetzt lasst uns mal schauen, wo die Ausbildungmannschaften, Also die zweiten Mannschaften, in der Regel so spielen. Ich sag nur Regionalliga!
    Da sich Hertha gegen die Pleite stemmt und kein Geld für gestandene Spieler vorhanden ist, kann das einzige sinnvolle Ziel in Zukunft nur lauten: Klassenerhalt!

  11. 10.

    Rein sportlich gesehen könnte er Hertha schon weiterhelfen, um zumindest den Abstieg zu verhindern. Hannover hatte unter ihm die beste Abwehr der 2. Liga.
    Eine absolute Baustelle bei uns, mal sehen, ob und wie schnell er etwas bewirken kann.

  12. 9.

    Es tut mir Leitl, ich glaub der kann auch nicht Fiel.

  13. 8.

    Volle Zustimmung Thomas, Leitl tut mir jetzt schon leid, Was soll der bitte in diesem maroden Verein richten.Die paar Guten Spieler werden in kürze gehen. Der Rest ist teurer Ballast Die Einahmen schwinden u. schwinden. Und jeden Tag kommen neue Schulden dazu. Wer sieht hier bitte noch ne Chance für diesen , Verzeihung, Geldvernichtungsverein

  14. 7.

    Welche Mannschaft soll der Neue, auch hier wieder Vetternwirtschaft und alte Seilschaften in der Beschaffung des Jobs, wann zum Aufstieg führen, den "gefallenen Riesen"?

  15. 6.

    Bei dem Verein weiß ich nicht, ob man dem neuen Trainer gratulieren oder kondolieren soll. Ich empfehle ihm, nicht sein Herz zu geben, denn sie werden es möglicherweise wieder wegwerfen. Naja, alles Gute, Herr Leitl.

  16. 5.

    Leitl wird sich noch wundern, welche Mannschaft er zum Aufstieg führen soll. Der maximale Ausverkauf ist angesagt. Nicht nur Maza und Reese werden wahrscheinlich gehen. Fraglich wird sein ob zum Beispiel Gechter, durchaus ein Talent und im Fokus von einigen Erstligisten, der Torwart Ernst, Kenny, Cuisance, Krabownik, Marton Dardai, um nur einige Kandidaten zu nennen. Das heisst eigentlich nur, das dann das Geschwafel vom „Umbruch, der Zeit braucht“ usw. wieder Einzug hält. Dann wird es heissen, das die Mannschaft noch Zeit braucht usw usw. Dieser Verein steigt nicht mehr auf! Es gibt keinen „Beirliner Weg“ der in die erste Liga führt. Hertha hat sich abgewirtschaftet und ist nur noch eine romantische Illusion. Es wird vielleicht noch darum gehen, nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie 1860 München. Das wars dann aber auch.

  17. 4.

    Wieder Vetternwirtschaft, wieder Ablösen zahlen. Wird nichts daran ändern, dass jede Menge Spieler am Ende der Saison den Verein verlassen werden. (nachvollziehbar). Und dann werden von denselben Leuten wie jetzt wieder Spieler gekauft, die es am Ende nicht bringen. Hertha ist der neue HSV der 2. Liga. Aber noch peinlicher und noch weiter weg vom möglichen Aufstieg entfernt. Solange nicht komplett ausgemistet wird, ändert sich nichts. Fängt beim erfolglosen Torwarttrainer an (Köln lacht heute noch) bis zum farblosen Präsidenten. Hertha sollte sich umbenennen. Trude BSC.

  18. 3.

    Nicht auszudenken, wenn Hertha mit 4 Niederlagen in eine neue Saison startet. Wenn Leitl es also schafft mit der Mannschaft die nächsten 3 oder wieviel Jahre in der 2.Liga zu bleiben wäre schon sehr viel erreicht. Die Chefetage sollte mal langsam Zahlen rausgeben, wielange es noch dauert wieder in Spieler zu investieren.

  19. 2.

    Gar nicht nett von 96 für ihren entlassenen Trainer auch noch eine Ablösesumme von der verschuldeten Hertha zu verlangen, sparen sie doch bereits die Gehaltskosten.;-(