2. Fußball-Bundesliga - Debakel in Elversberg: Hertha BSC rutscht tiefer in den Tabellenkeller

So 02.03.25 | 16:48 Uhr
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Herthas Spieler können es nicht fassen: Linus Gechter und Pascal Klemens halten sich die Hand vors Gesicht. Quelle: imago images/Fussball-News Saarland
Audio: rbb24 Inforadio | 02.03.25 | Thomas Wollscheid | Bild: imago images/Fussball-News Saarland

Die Abstiegsgefahr bei Hertha BSC wird immer größer. Nach einer heftigen Pleite bei der SV Elversberg steht die Leitl-Elf nur noch vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Im Saarland lagen die Berliner zur Halbzeit bereits mit 0:4 hinten.

  • Hertha BSC kassiert eine deutliche 0:4-Niederlage bei der SV Elversberg
  • Bereits zur Pause stand es 4:0 für die Gastgeber
  • Die Berliner liegen nun nur noch vier Punkte vor dem Relegationsrang
  • Im Abstiegskampf müssen die Blau-Weißen noch auswärts bei allen direkten Konkurrenten antreten (Braunschweig, Ulm, Münster)

Fußball-Zweitligist Hertha BSC hat eine heftige Klatsche bei der SV Elversberg bekommen. Die Berliner unterlagen am Sonntag in der saarländischen Provinz mit 0:4. Alle vier Tore fielen dabei bereits in der ersten Halbzeit. Die mitgereisten Fans stellten daraufhin ihre Unterstützung ein. Durch die Pleite nach erschreckend schwacher Leistung stehen die Berliner nur noch vier Zähler vor Braunschweig, das aktuell auf dem Relegationsplatz steht.

Der Spielverlauf

Die Gastgeber übernahmen in den ersten Minuten sofort die Kontrolle über die Begegnung. Sie hatten mehr Ballbesitz und drückten Hertha in die eigene Hälfte. Elversberg profitierte dabei von vielen Ungenauigkeiten im Berliner Spiel. Immer wieder gab es einfache Ballverluste, die Blau-Weißen wirkten hektisch. Beim frühen 1:0 für Elversberg in der elften Minute kamen dann noch schwere Stellungsfehler hinzu. Das Abwehrzentrum um Marton Dardai und Linus Gechter war komplett unbesetzt und so war es ein einfacher Pass, der Muhammed Damar in Szene setzte. Der Mittelfeldspieler lief allein auf Tjark Ernst zu und hob den Ball sicher ins Berliner Tor. Elversberg legte nach: Dardai klärte den Ball nach einem Elversberger Angriff schwach vor den eigenen Strafraum, wo Robin Fellhauer ihn kurz annahm und direkt ins linke untere Eck schoss (29.).

Und für die 1.600 mitgereisten Hertha-Fans kam es noch schlimmer: Wieder war es ein einfacher Pass über die Abwehrkette - die viel zu spät auf Abseits spielte - der diesmal Tom Zimmerschied alleine vor Ernst auftauchen ließ. Der 26-Jährige nutze die Einladung und verwandelte zum 3:0 (37.). Wer gedacht hatte, damit würde es in die Pause gehen, lag falsch. Nach einem Foul von Gechter an Lukas Petkov gab es Elfmeter, den Semih Sahin sicher verwandelte (45.+ 4). Die Führung für die Hausherren ging auch in der Höhe komplett in Ordnung, Hertha zeigte eine erschreckend schlechte erste Hälfte.

Leitl wechselt doppelt

Hertha-Trainer Stefan Leitl reagierte zur Pause und wechselte doppelt. Er brachte Diego Demme für Pascal Klemens und Toni Leistner für Florian Niederlechner - einen Verteidiger für einen Stürmer. Leitl war bemüht, Spiel und Ergebnis nicht noch weiter eskalieren zu lassen.

Tatsächlich wirkte Hertha nun etwas stabiler, was aber auch daran gelegen haben dürfte, dass Elversberg es nun deutlich gemächlicher anging. Das Spiel verlief mit deutlich weniger Tempo und Highlights. Die Partie war nun ausgeglichen, am Ergebnis änderte sich nach der rasanten ersten Hälfte nichts mehr. Einziger, wirklicher Aufreger war ein vermeintlicher Handelfmeter für Elversberg, den der Videoschiedsrichter nach langer Überprüfung allerdings zurücknahm (80.). Danach plätscherte die Begegnung dem Ende entgegen und wurde schließlich mit einem bitteren 0:4 aus Herthaner Sicht abgepfiffen.

Was war denn da los?

Nach dem frühen 0:3 durch Zimmerschied hatten die mitgereisten Hertha-Fans genug gesehen. Nachdem sie ihre Mannschaft bis dahin lautstark und wie gewohnt mit etlichen Fahnen unterstützt hatten, stellten sie ihre Unterstützung noch vor der Pause ein. Fahnen und Doppelhalter wurden eingerollt, die Gesänge verstummten. Auch nach der 15-minütigen Halbzeitpause blieb es im Berliner Block ruhig. Viele Fans drehten dem Spiel und ihrer Mannschaft den Rücken zu und drückten nach den schlechten Leistungen des Teams in den letzten Wochen und am Sonntag so ihren Frust aus.

Spieler des Spiels

... sind trotz oder gerade wegen ihres Verhaltens die Fans von Hertha BSC. Ihre Geduld und Resilienz in dieser Saison ist wirklich bewundernswert. Alle zwei Wochen reisen sie in Massen durch die Republik und unterstützen ihre Mannschaft bedingungslos - bis zum Sonntagnachmittag. Gepaart mit den schwachen Auftritten zuhause (erst zwei Heimsiege), war die Nicht-Leistung in der ersten Halbzeit in Elversberg offenbar der Tropfen, der das Fass für viele Anhänger hat überlaufen lassen. Sie stellten ihre Unterstützung ein. Es ist nun die Aufgabe der Mannschaft, sich das Vertrauen und den Support der Fans zurückzuerarbeiten. Wie wichtig der Zusammenhalt mit der Kurve - insbesondere im Abstiegskampf - ist, sollten die Spieler aus den letzten Jahren wissen.

Zählbares

  • Ein 0:4 zur Pause gab es für die Berliner in der 2. Bundesliga zuvor nur im Mai 1990 in Wattenscheid (1:5-Niederlage am Ende)
  • Semih Sahin erzielte alle seine 3 Saisontreffer per Strafstoß gegen die Hertha; in der Hinrunde schnürte er beim 4:1-Sieg in Berlin einen Doppelpack
  • Marton Dardai bestritt am Sonntag sein 50. Zweitliga-Spiel - alle für Hertha BSC

Stimmen zum Spiel

Stefan Leitl (Hertha BSC): "Die erste Hälfte war definitiv ein Debakel. Die zweite Hälfte war dann besser, wir hätten auch ein Tor erzielen können, um das Ergebnis zu verbessern. Insgesamt reicht es aber natürlich nicht, um hier zu punkten. Wir sind nicht ins Spiel gekommen. Nach der Partie gegen Nürnberg hatten wir eigentlich ein gutes Gefühl und wollten hier intensiv und aggressiv sein. Leider haben wir uns dann zu sehr ziehen lassen und die Tiefe aufgegeben - dann kriegst du die Tore. (...) Wir wussten, dass eine Mannschaft kommt, die total befreit aufspielen und vielleicht in dieser Saison auch ein bisschen mehr erreichen kann. Du musst es hier annehmen und dich anders präsentieren. Wir müssen jetzt intensiv arbeiten. Es geht für uns darum, Punkte zu holen, um in dieser Liga zu bleiben."

Fabian Reese (Hertha BSC): "In der ersten Halbzeit waren wir in allen Grundtugenden unterlegen, auf allen Feldteilen nicht wach, nicht bereit, die Zweikämpfe anzunehmen, nicht bereit die Wege zu gehen und den Matchplan umzusetzen. Die ganze Woche wurde gepredigt, dass es hier gefährlich ist und die Mannschaft guten Fußball spielt und wir aufpassen müssen, dass wir hier nicht ein böses Erwachen haben. Genau dieses böse Erwachen haben wir heute bekommen. Es ist irgendwas zwischen fahrlässig und dumm. (...) So eine Leistung wie in den ersten 45 Minuten ist nicht zu entschuldigen, das macht mich sprachlos. Der Blick geht jetzt nur nach unten, das Ziel ist es, die Klasse zu halten."

Horst Steffen (SV Elversberg): "Es war eine starke Leistung von uns. Die Jungs haben super kombiniert und schöne Chance herausgespielt. Bis in die zweite Halbzeit hinein haben wir wenig zugelassen vom Gegner. Das war eine bemerkenswerte Leistung gegen Hertha, die mit neuem Mumm und neuem Trainer gekommen ist und sicherlich auch was machen wollte."

Der Liveticker

Sendung: rbb24 Inforadio, 02.03.25, 13:30 Uhr

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58 Kommentare

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  1. 58.

    Ach nein?
    Dann schildert dieser Artikel wohl die Zusammenhänge falsch?
    Wers glaubt!

    Ich sag mal andersrum: wer Behauptungen aufstellt, ohne diese zu belegen, sollte lieber nichts dazu schreiben.
    Aber Du hast ja die Chance, das klarzustellen. Wäre mal ein konstruktiver Zug!

  2. 57.

    Kann es sein das Hertha BSC schon mal das Olympiastadion für den Stadtrivalen räumen will? Ab nächste Saison wollen die Rot/Weißen ja dort spielen. Bauen sich dann ein größeres in Köpenick. Naja das Oly hat ja noch Nebenplätze die reichen vielleicht für die 3. Liga bzw. Regionalliga. Hertha Fans müssen jetzt ganz stark sein und nein Ihr bekommt Euer Eintrittsgeld nicht zurück.

  3. 56.

    Wenn man keine Ahnung hat, sollte vielleicht gar nichts dazu schreiben. Die Anti-Leistung hatte mit dem eingestellten Support mal gar nichts zu tun.

  4. 55.

    „ Kurz:
    - der Trainer ist ne Wucht.“

    Mal ehrlich, was soll ein Trainer nach 3 Spielen denn wuppen?
    Der ist einfach eine arme Sau und kann nix für den Schlammassel

  5. 53.

    Es ist und bleibt ein Trauerspiel. Es geht rapide abwärts. Ich kenn mich mit den internen Strukturen innerhalb des Vereins ja nicht so gut aus wie es anscheinend einige hier tun. Frage: Was sollte der Verein jetzt dringendst tun, denn wenn’s weiter so nach unten geht ?Geldsorgen,Lizenzsorgen, Abstiegssorgen und die Fans bzw. Mitglieder sind mehr als sauer. Kann ich auch verstehen. Wieviel werden jetzt ihre Mitgliedschaft wieder kündigen? Fragen über Fragen!

  6. 52.

    Es ist genau diese Überheblichkeit, die die vermeintlich großen Clubs scheitern lässt! Keine Kohle, kein Stadion, mit einem Bein in der 3. Liga, aber eine große Klappe…!

  7. 50.

    Dritte Liga auf Kurs, jawolla!!!

  8. 49.

    Der Berliner Fussball am Boden und an der Elbe träumen wir vom Aufstieg blau weiße Grüsse

  9. 48.

    Tja, Nils hat wohl mit allem Recht.
    Auch wenn ihr Blauweissen dies nicht wahrhaben wollt.

  10. 47.

    Kann man das neue Stadion dann auch zu Auswärtsspielen mitnehmen???

  11. 46.

    Elversberg liegt im Saarland und steht drei Punkte hinter dem Tabellenführer. Im Gegensatz zu Hertha BSC wird hier seit Jahren gute Arbeit, egal ob Wirtschaftlich oder Sportlich, geleistet.

  12. 45.

    Ich find das lustig, oder ist "lustig" ein Hasspost?

  13. 44.

    Union hat gerade verloren....Hertha und Union. Der Berliner Fußball in Liga 1 und 2 ist im Moment mehr als frustrierend.
    Aber es kommen die guten Zeiten und beide Mannschaften bleiben in ihren Ligen.

  14. 43.

    Da hat der jüngste von Pal Dardai mit seinen 19 Jahren die richtige Entscheidung getroffen.Das Hertha Juwel ist jetzt fast Stammspieler bei Wolfsburg.Es ist ein Jammer dass Hertha aus dieser Misere nicht mehr rauskommt.Die haben ja wirklich gute Nachwuchsspieler.Hoffe auf nächste Saison in der 2.Liga.Für Union wird es auch schwer in der Bundesliga zu bestehen.Die Hauptstädter haben wenig zu jubeln.

  15. 41.

    Für die dritte Liga bekommen wir keine Lizenz. Es würde dann in der Regionalliga weitergehen für uns.

  16. 40.

    Wir knacken die katastrophalen 59 (!) Gegentore von letzter Saison locker. Man hielt es halt nicht für nötig die Abwehr zu verbessern im Sommer. Und nun geht es halt so weiter. Die Abwehr gibt einfach nicht mehr her. Da kannste als Trainer hinstellen wen du willst. Ich bleibe dabei, im Sommer hat man nicht mit Verstand / Sachverstand gehandelt um die Schwachstelle auszumerzen und nun geht es so weiter. Wir haben noch Braunschweig, Ulm und d Münster auswärts und für die dritte Liga bekommen wir keine Lizenz.

  17. 39.

    Hertha braucht jetzt endlich eine neues lautes steiles Stadion! Das Olympiastadion ist nicht gut genug für Hertha! So kann Hertha nicht gewinnen!