2. Fußball-Bundesliga - Debakel in Elversberg: Hertha BSC rutscht tiefer in den Tabellenkeller

Die Abstiegsgefahr bei Hertha BSC wird immer größer. Nach einer heftigen Pleite bei der SV Elversberg steht die Leitl-Elf nur noch vier Punkte vor dem Relegationsplatz. Im Saarland lagen die Berliner zur Halbzeit bereits mit 0:4 hinten.
- Hertha BSC kassiert eine deutliche 0:4-Niederlage bei der SV Elversberg
- Bereits zur Pause stand es 4:0 für die Gastgeber
- Die Berliner liegen nun nur noch vier Punkte vor dem Relegationsrang
- Im Abstiegskampf müssen die Blau-Weißen noch auswärts bei allen direkten Konkurrenten antreten (Braunschweig, Ulm, Münster)
Fußball-Zweitligist Hertha BSC hat eine heftige Klatsche bei der SV Elversberg bekommen. Die Berliner unterlagen am Sonntag in der saarländischen Provinz mit 0:4. Alle vier Tore fielen dabei bereits in der ersten Halbzeit. Die mitgereisten Fans stellten daraufhin ihre Unterstützung ein. Durch die Pleite nach erschreckend schwacher Leistung stehen die Berliner nur noch vier Zähler vor Braunschweig, das aktuell auf dem Relegationsplatz steht.
Der Spielverlauf
Die Gastgeber übernahmen in den ersten Minuten sofort die Kontrolle über die Begegnung. Sie hatten mehr Ballbesitz und drückten Hertha in die eigene Hälfte. Elversberg profitierte dabei von vielen Ungenauigkeiten im Berliner Spiel. Immer wieder gab es einfache Ballverluste, die Blau-Weißen wirkten hektisch. Beim frühen 1:0 für Elversberg in der elften Minute kamen dann noch schwere Stellungsfehler hinzu. Das Abwehrzentrum um Marton Dardai und Linus Gechter war komplett unbesetzt und so war es ein einfacher Pass, der Muhammed Damar in Szene setzte. Der Mittelfeldspieler lief allein auf Tjark Ernst zu und hob den Ball sicher ins Berliner Tor. Elversberg legte nach: Dardai klärte den Ball nach einem Elversberger Angriff schwach vor den eigenen Strafraum, wo Robin Fellhauer ihn kurz annahm und direkt ins linke untere Eck schoss (29.).
Und für die 1.600 mitgereisten Hertha-Fans kam es noch schlimmer: Wieder war es ein einfacher Pass über die Abwehrkette - die viel zu spät auf Abseits spielte - der diesmal Tom Zimmerschied alleine vor Ernst auftauchen ließ. Der 26-Jährige nutze die Einladung und verwandelte zum 3:0 (37.). Wer gedacht hatte, damit würde es in die Pause gehen, lag falsch. Nach einem Foul von Gechter an Lukas Petkov gab es Elfmeter, den Semih Sahin sicher verwandelte (45.+ 4). Die Führung für die Hausherren ging auch in der Höhe komplett in Ordnung, Hertha zeigte eine erschreckend schlechte erste Hälfte.
Leitl wechselt doppelt
Hertha-Trainer Stefan Leitl reagierte zur Pause und wechselte doppelt. Er brachte Diego Demme für Pascal Klemens und Toni Leistner für Florian Niederlechner - einen Verteidiger für einen Stürmer. Leitl war bemüht, Spiel und Ergebnis nicht noch weiter eskalieren zu lassen.
Tatsächlich wirkte Hertha nun etwas stabiler, was aber auch daran gelegen haben dürfte, dass Elversberg es nun deutlich gemächlicher anging. Das Spiel verlief mit deutlich weniger Tempo und Highlights. Die Partie war nun ausgeglichen, am Ergebnis änderte sich nach der rasanten ersten Hälfte nichts mehr. Einziger, wirklicher Aufreger war ein vermeintlicher Handelfmeter für Elversberg, den der Videoschiedsrichter nach langer Überprüfung allerdings zurücknahm (80.). Danach plätscherte die Begegnung dem Ende entgegen und wurde schließlich mit einem bitteren 0:4 aus Herthaner Sicht abgepfiffen.
Was war denn da los?
Nach dem frühen 0:3 durch Zimmerschied hatten die mitgereisten Hertha-Fans genug gesehen. Nachdem sie ihre Mannschaft bis dahin lautstark und wie gewohnt mit etlichen Fahnen unterstützt hatten, stellten sie ihre Unterstützung noch vor der Pause ein. Fahnen und Doppelhalter wurden eingerollt, die Gesänge verstummten. Auch nach der 15-minütigen Halbzeitpause blieb es im Berliner Block ruhig. Viele Fans drehten dem Spiel und ihrer Mannschaft den Rücken zu und drückten nach den schlechten Leistungen des Teams in den letzten Wochen und am Sonntag so ihren Frust aus.
Spieler des Spiels
... sind trotz oder gerade wegen ihres Verhaltens die Fans von Hertha BSC. Ihre Geduld und Resilienz in dieser Saison ist wirklich bewundernswert. Alle zwei Wochen reisen sie in Massen durch die Republik und unterstützen ihre Mannschaft bedingungslos - bis zum Sonntagnachmittag. Gepaart mit den schwachen Auftritten zuhause (erst zwei Heimsiege), war die Nicht-Leistung in der ersten Halbzeit in Elversberg offenbar der Tropfen, der das Fass für viele Anhänger hat überlaufen lassen. Sie stellten ihre Unterstützung ein. Es ist nun die Aufgabe der Mannschaft, sich das Vertrauen und den Support der Fans zurückzuerarbeiten. Wie wichtig der Zusammenhalt mit der Kurve - insbesondere im Abstiegskampf - ist, sollten die Spieler aus den letzten Jahren wissen.
Zählbares
- Ein 0:4 zur Pause gab es für die Berliner in der 2. Bundesliga zuvor nur im Mai 1990 in Wattenscheid (1:5-Niederlage am Ende)
- Semih Sahin erzielte alle seine 3 Saisontreffer per Strafstoß gegen die Hertha; in der Hinrunde schnürte er beim 4:1-Sieg in Berlin einen Doppelpack
- Marton Dardai bestritt am Sonntag sein 50. Zweitliga-Spiel - alle für Hertha BSC
Stimmen zum Spiel
Stefan Leitl (Hertha BSC): "Die erste Hälfte war definitiv ein Debakel. Die zweite Hälfte war dann besser, wir hätten auch ein Tor erzielen können, um das Ergebnis zu verbessern. Insgesamt reicht es aber natürlich nicht, um hier zu punkten. Wir sind nicht ins Spiel gekommen. Nach der Partie gegen Nürnberg hatten wir eigentlich ein gutes Gefühl und wollten hier intensiv und aggressiv sein. Leider haben wir uns dann zu sehr ziehen lassen und die Tiefe aufgegeben - dann kriegst du die Tore. (...) Wir wussten, dass eine Mannschaft kommt, die total befreit aufspielen und vielleicht in dieser Saison auch ein bisschen mehr erreichen kann. Du musst es hier annehmen und dich anders präsentieren. Wir müssen jetzt intensiv arbeiten. Es geht für uns darum, Punkte zu holen, um in dieser Liga zu bleiben."
Fabian Reese (Hertha BSC): "In der ersten Halbzeit waren wir in allen Grundtugenden unterlegen, auf allen Feldteilen nicht wach, nicht bereit, die Zweikämpfe anzunehmen, nicht bereit die Wege zu gehen und den Matchplan umzusetzen. Die ganze Woche wurde gepredigt, dass es hier gefährlich ist und die Mannschaft guten Fußball spielt und wir aufpassen müssen, dass wir hier nicht ein böses Erwachen haben. Genau dieses böse Erwachen haben wir heute bekommen. Es ist irgendwas zwischen fahrlässig und dumm. (...) So eine Leistung wie in den ersten 45 Minuten ist nicht zu entschuldigen, das macht mich sprachlos. Der Blick geht jetzt nur nach unten, das Ziel ist es, die Klasse zu halten."
Horst Steffen (SV Elversberg): "Es war eine starke Leistung von uns. Die Jungs haben super kombiniert und schöne Chance herausgespielt. Bis in die zweite Halbzeit hinein haben wir wenig zugelassen vom Gegner. Das war eine bemerkenswerte Leistung gegen Hertha, die mit neuem Mumm und neuem Trainer gekommen ist und sicherlich auch was machen wollte."
Der Liveticker
Sendung: rbb24 Inforadio, 02.03.25, 13:30 Uhr