Trotz Sparzwang - Wissenschaftssenatorin pocht auf Umzug der Hochschule für Technik nach Tegel

Fr 15.11.24 | 19:05 Uhr | Von Dorit Knieling und Angela Ulrich
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Archivbild: Blick auf das Flughafengebäude und den Tower des Flugahfen Tegels Berlin am 22.08.2020. (Quelle: IMAGO/F. Anthea Schaap)
Video: rbb24 | 15.11.2024 | Nachrichten | Bild: IMAGO/F. Anthea Schaap

Droht dem Wissenschafts-Campus in Tegel das Aus? Die Berliner Hochschule für Technik will in das Terminal A einziehen. Doch das Projekt könnte dem Rotstift zum Opfer fallen. Das will die Wissenschaftssenatorin verhindern. Von D. Knieling und A. Ulrich

Baulärm im Sechseck des früheren Terminals A in Tegel: Gelbe Bagger stoßen ihre Presslufthammer in den grauen Beton des Innenrings. Brocken brechen raus, werden zur Seite gekarrt. Stahlträger und Drähte liegen auf großen Haufen, dort, wo früher die Autos parkten. Aufzugstürme in Orange ragen weiterhin empor, aus dieser sechseckigen Baustelle. Auch die roten "Finger", die Gangways zu den Fliegern nach außen hin – alles noch da, verstaubt, ein bisschen morbide. Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra steht auf der früheren Aussichtsterrasse und staunt: "Das ist erstmal sehr beeindruckend, das Gelände erlebt man ganz anders ohne Flugbetrieb, man sieht die Größe, man sieht die Chancen."

Die Chancen: das heißt, dass hier eigentlich das Herzstück des neuen Wissenschaftsstandorts von Berlin entstehen soll: Die "Urban Tech Republic". Als Kernstück soll Berlins Hochschule für Technik (BHT) in das ehemalige Terminal A in Tegel einziehen. Geplant wird das schon seit 15 Jahren. Weil der Plan aber wackeln könnte, angesichts der extremen Sparzwänge des Berliner Senats, ist Czyborra nach Tegel gekommen, um zu werben. Die SPD-Politikerin zieht ihre Schirmmütze in die Stirn und will Entschlossenheit ausstrahlen: Ich gehe davon aus, dass Berlin es sich nicht leisten kann, diesen Ort in Dornröschenschlaf fallen zu lassen. Er ist viel zu wichtig, es gibt viel zu viele Chancen hier für die Urban Tech Republic, auch Wirtschaft zu entwickeln", sagt sie.

BHT platzt im Wedding aus allen Nähten

Auch die Hochschule für Technik hofft auf den Umzug – 2030 ist dafür bisher geplant. Und wenn nicht? Hochschulpräsidentin Julia Neuhaus steht auf der Aussichtsterrasse in Tegel neben Czyborra und legt die Stirn in Falten: "Natürlich ist ein Bangen dabei, wir haben eine ganz große Notwendigkeit, dass wir Sanierungsmaßnahmen durchführen müssen." Von einem "Flächendefizit von 20.000 Quadratmetern" spricht die Hochschulpräsidentin, und von "gewaltigem Handlungsdruck".

Das heißt: die BHT platzt an ihrem bisherigen Standort im Wedding aus allen Nähten. Kann sie nicht umziehen nach Tegel, könnten im Extremfall sogar Studiengänge gestrichen werden. Frank Wolters, Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH, die das Quartier entwickelt, warnt vor fehlender Strahlkraft, wenn die Hochschule nicht käme: "Da ist natürlich ganz bedeutend eine starke Universität, eine starke Wissenschaftseinrichtung zu haben, wie die BHT, für die weiteren Entwicklungen. Weil das ein Anzugspunkt ist auch für Unternehmen aus Berlin, aus Deutschland, Europa und der Welt."

Kein florierendes Areal mit Bauruine in der Mitte

Rund 300 Unternehmen sollen sich auf dem früheren Flughafenareal ansiedeln, 10.000 Arbeitsplätze entstehen, so die Visionen der Tegel Projekt GmbH allein für den ersten Bauabschnitt. Wenn in den denkmalgeschützten Flughafen aber keine Studierende einziehen würden, wäre das fatal fürs gesamte Projekt, warnt Wissenschaftssenatorin Czyborra, und blickt über das Sechseck unter ihr: "Das kann nicht funktionieren. Es kann nicht mit einer Bauruine in der Mitte ein florierendes Ökosystem entstehen. Es geht ja auch um die Architektur, um einen historischen Platz für Berlin mit viel Geschichte."

Womit Czyborra sich sogar einig ist mit der Opposition. Kommen die Millionen für den Flughafen-Umbau nicht, sind die Pläne in Tegel nahezu tot, fürchtet Linken-Fraktionschef Tobias Schulze: "Dann hat man vielleicht ein Gewerbegebiet und vielleicht auch ein Wohngebiet, aber das ausstrahlungsfähige Modellprojekt für Berlin, die ‚Urban Tech Republic‘, die würde wegfallen", fürchtet Schulze.

Vorbild Adlershof

Einen "Plan B" – ein anderes Quartier für die Hochschule, oder ein anderes Projekt für das Hexagon des ehemaligen Flughafens – hat keiner. Auch die Umzugspläne zu verschieben, mache die Sache nicht billiger, sagt Ina Czyborra und verweist auf gute Erfahrungen mit dem Wissenschafts-Quartier in Adlershof. "Wir haben gesehen, wie es in Adlershof funktioniert hat: Langer Atem, mutige Entscheidungen, und hier muss das wieder funktionieren, weil wir das für Berlin brauchen, ein Ökosystem für Innovation und für Arbeitsplätze zu schaffen."

Anfang kommender Woche wird klar sein, wie das Sparpaket des Senats genau aussieht. Und ob damit in Tegel perspektivisch Hochschul-Leben einziehen wird oder erstmal Leere bleibt.

Sendung: rbb24, 15.11.2024, 16:00 Uhr

Beitrag von Dorit Knieling und Angela Ulrich

10 Kommentare

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  1. 10.

    Um welche U-Bahn-linie geht es denn?

  2. 9.

    Nach dem ersten Weltkrieg wurden auch in einer Krise einfache Wohnungen gebaut.

    Einfach mal die Vorschriften entschlacken.
    Ich such ne neue Wohnung bezahlbare Wohnung. Ich brauch kein schnickschnack. Gern ohne Wärmepumpen, ohne wärmedämung, einfach nur 2 kleine Räume, ne wanne, nen Waschbecken u. Nen Klo. Ich brauch nicht mal ne Küche.

    Wenn jemand einen Supermarkt oder burgerladen o.ä. bauen will, gern, aber mit Wohnungen drüber.

    Oder einfach gegen nicht genehmigte hostels, Airbnb vorgehen..

  3. 8.

    Auf jeden Fall ist es reichlich abstrus, ein so riesiges Areal verschlossen und brachial liegen zu lassen, nachdem die vorherige Nutzung aus guten Gründen aufgehört hat. Es sind sehr gut investierte Gelder, so ein Gelände aufzuschließen mit Bebauung, Gewerbe, als Hochschulstandort und für Forschung - anstatt Gelder für Tunnelbauten auszugeben, die sich kilometer ins Erdrecht bohren oder für Studien, wie sich oberirdsche Betonbänder in recht großer Höhe, die sowieso nicht gebaut werden, quer durch einzelne Stadtquartiere ziehen könnten.

  4. 6.

    Es wäre falsch, an Studierenden und einem zukunftsweisenden Projekt zu sparen, zumal Berlin ohnehin zu wenige Gewerbeflächen hat und Unternehmen nach Brandenburg abwandern. Da wäre mir die Urban Tech Republic wichtiger als eine neue Ubahnlinie, die ohnehin deutlich teurer würden, da der Bund die Kofinanzierung bereits abgelehnt hat.

  5. 5.

    Was ist denn nun mit dem Gelände als Flüchtlingsaufnahme-Zentrum Berlins?
    Hab ich da etwas verpasst?

  6. 4.

    Da ist leider nur Frankfurt am Main wirklich hinterher. Berlin pennt da. Wie immer.

  7. 3.

    pocht auf Umzug der Hochschule für Technik nach Tegel.
    Das ganze Ostkreuz steht leer. DRV Bund musste raus . Warum ?
    Was ist in Tegel ? Nicht mal der öffentliche Verkehr funktioniert dort. Am Ostkreuz ist alles vorhanden.

  8. 2.

    3. Strafgelder gegen Vermieter, die gegen die Mitoreisbremse verstossen.

  9. 1.

    Also, wenn ich das Problem richtig verstehe, muss Berlin aufgrund geringerer Einwohnerzahlen nach dem Zensus Geld einsparen.

    Wie wäre es, wenn 1. Gegen die illegale weitervermietung von Wohnungen, die tageweise weitervermietung von zimmern, die nicht-Vermietung von Wohn. usw vorgegangen wird.

    2. Preiswerte Wohnungen gebaut werden

    Dann könnten sich viel mehr Leute legal in Berlin anmelden. Berlin würde mehr Zuweisungen vom bund sowie Steuereinnahmen erhalten, könnte mehr in die Zukunft inves

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