FAQ | Streit um versperrte Rettungswege - Poller in Berlin: Verkehrssicherheit oder Hindernis für Rettungskräfte?

Fr 07.02.25 | 10:50 Uhr
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Neues Verkehrskonzept Reuterkiez soll den Durchgangsverkehr von Nebenstraßen auf die Hauptstrassen verlagern. Einbahnstraßen, Poller und Sperren für den Durchgangsverkehr.Berlin-Neukölln, Poller an der Friedelstraße . (Quelle: dpa/Jürgen Held)
Audio: rbb24 Inforadio | 07.02.2025 | Marcus Latton | Bild: dpa/Jürgen Held

Den einen bieten sie Sicherheit, den anderen versperren sie den Weg: Poller sollen in Berlin den Verkehr beruhigen, doch es gibt Bedenken, dass sie den Einsatz von Rettungskräften behindern könnten. Wie problematisch sind sie?

Die Berliner Bezirke haben in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen sogenannte Kiezblocks errichtet, um Straßen vom Durchgangsverkehr zu entlasten - allerdings wird seit Monaten diskutiert, ob die für die Straßensperren aufgestellten Poller Feuerwehr und Notärzte bei ihren Einsätzen behindern.

Die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) appellierte am Mittwoch im rbb an die Bezirksämter, Poller abzubauen, die bei Notfällen zum Problem werden könnten: "Es kann ja nicht sein, dass Einsatzkräfte womöglich dadurch behindert und so Menschenleben gefährdet werden", erklärte Bonde.

rbb|24 erklärt, welche Regeln die Berliner Bezirke für das Aufstellen von Pollern einhalten müssen, welche Poller-Varianten es gibt und wie die Rettungskräfte damit umgehen.

Wo dürfen in Berlin Poller aufgestellt werden und wer ist dafür zuständig?

Die Berliner Bezirksämter haben die Befugnis, Poller in verschiedenen Bereichen zu installieren, insbesondere in Wohngebieten oder auf Fahrradwegen, um Fußgänger und Radfahrer zu schützen und den Verkehr zu beruhigen.

Die rechtlichen Vorgaben für solche Maßnahmen sind in §45 der Straßenverkehrsordnung (STVO) festgelegt. Demnach können Poller unter anderem aufgestellt werden, um außerordentliche Schäden an Straßen zu verhindern, die Lärmbelastung zu verringern oder zum Schutz der Gesundheit der Anwohner beizutragen. Bezirke wie Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg setzen Poller ein, um beispielsweise Radwege abzugrenzen und die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen.

Poller müssen so aufgestellt werden, dass sie gut sichtbar sind und nicht selbst eine Gefahr für den Verkehr darstellen.

Müssen Bezirksämter nachweisen, dass Poller notwendig sind, bevor sie aufgestellt werden?

Ja. Im Dezember 2023 hat das Berliner Verwaltungsgericht entschieden, dass das Aufstellen von Pollern im Pankower Nesselweg rechtswidrig war. Der Bezirk Pankow hatte die Notwendigkeit der Maßnahme nicht ausreichend begründet, und es fehlten Untersuchungen zur Verkehrssicherheit und Umweltbelastung. Das Gericht betonte, dass solche verkehrsberuhigenden Maßnahmen nur dann zulässig sind, wenn eine fundierte Begründung vorliegt.

Einen ähnlichen Fall gab es im Sommer 2024 auch im Bezirk Mitte, wo das Verwaltungsgericht entschied, dass aufgestellte Poller an der Kreuzung Tucholskystraße/Auguststraße abgebaut werden müssen. Nach Auffassung des Gerichts bestanden Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Poller: Die zu rechtfertigende Gefahrenlage und damit die Begründung für einen Modalfilter sei nicht dargelegt worden.

Welche verschiedenen Arten von Pollern werden zur Sperrung verwendet?

In Berlin gibt es beispielsweise fest in den Boden einbetonierte Poller, umklappbare Poller, Steckpoller und Poller, die sich bei Bedarf in den Boden versenken lassen.

Poller aus Beton bereiten den Einsatzkräften der Berliner Feuerwehr laut Markus Wiezorek, stellvertretender Abteilungsleiter Einsatzvorbereitung, die größten Probleme, weil sie sich nicht entfernen lassen und die Rettungskräfte teilweise dazu zwingen, größere Umwege zu den Einsatzorten oder zu den Notaufnahmen der Krankenhäuser zurück zu legen.

Umklappbare Poller und Steckpoller lassen sich mit einem sogenannten Feuerwehr-Dreikantschlüssel lösen und umklappen, bzw. aus dem Boden lösen. "Die sind für uns wesentlich besser zu handhaben", sagt Wiezorek.

Versenkbare Poller können auf verschiedene Weise gesteuert werden. Für Anwohner oder Rettungsdienste lassen sich einige Poller mit Zugangskarten oder -chips in den Boden einfahren. Die Berliner Bezirke setzen allerdings nicht in großer Zahl auf diese vergleichsweise kostspielige Technologie, wie Wiezorek erklärt. Ein weiterer Grund, der den Einsatz elektronischer Poller erschwert, ist der Boden unter den Berliner Straßen. "Dort verlaufen etliche Leitungen, Kanalisation, U-Bahnen und andere Hindernisse, die solchen Pollern im Weg sind. "Wir müssen aber auch sagen, dass wir als Feuerwehr nicht für alle versenkbaren Poller in Berlin eigene Fernbedienungen in unseren Einsatzfahrzeugen hinterlegen können."

Wie wird die Feuerwehr über neue Poller im Stadtgebiet informiert?

Die Bezirke gehen unterschiedlich vor, um die Feuerwehr über Straßensperren zu informieren, wie Markus Wiezorek dem rbb erklärt. "Je nach dem, wie gut die Kontakte in den jeweiligen Bezirken bereits aufgebaut werden konnten, werden wir zeitnah informiert. Teilweise laufen die Informationsketten noch nicht so ganz so, wie wir uns das wünschen."

Was ist, wenn die Feuerwehr nichts über neue Poller weiß?

Dass die Weitergabe von Informationen und veraltetes Kartenmaterial in den Navigationsgeräten der Rettungsdienste zu Problemen führen können, zeigte sich zuletzt in der Silvesternacht. In sozialen Netzwerken kursierte ein Video, in dem ein rückwärts aus der Stadthausstraße in Lichtenberg herausfahrendes Feuerwehrfahrzeug zu sehen ist. Nutzer folgerten, dass der Poller in der Stadthausstraße die Feuerwehr in ihrem Einsatz behindert hätte.

Im Nachgang konnte die Bezirksverwaltung den Fall aufklären [berlin.de]: Der Poller in der Stadthausstraße war im Dezember 2023 installiert worden. "Die Fahrzeuge der beteiligten Feuerwache scheinen über veraltete Navigationssoftware zu verfügen, die nicht der aktuellen Realität entsprechen und scheinbar älter als ein Jahr sind", heißt es auf der Website der Bezirksverwaltung Lichtenberg.

In der Folge kündigte der Bezirk an, auf die für die Feuerwehr zuständige Senatsverwaltung für Inneres und Sport "einzuwirken", um möglichst auszuschließen, dass veraltete Navigationssysteme die Einsätze der Feuerwehr verzögern.

Wie problematisch sind Poller aus Sicht der Feuerwehr?

Die Feuerwehr sieht in den meisten Pollerarten keine großen Probleme, solange sie sich mit einem Feuerwehr-Dreikantschlüssel öffnen lassen. Die Durchschnittszeit für das Lösen oder Umklappen eines Pollers beträgt laut Markus Wiezorek etwa eine Minute.

Probleme entstehen jedoch, wenn Poller beschädigt sind, etwa durch Parkrempler oder Vandalismus. Das kann zu erheblichen Verzögerungen führen, da die Poller dann aufwendig mit Trennschleifern oder anderen Werkzeugen entfernt werden müssen.

Wie häufig kommt es vor, dass Poller die Feuerwehr behindern?

Eine Statistik dazu führe die Feuerwehr nicht, sagt Wiezorek, betont allerdings, dass Poller nur eines von vielen möglichen Hindernissen sind, die in einer Großstadt wie Berlin dazu führen können, dass Einsatzkräfte verspätet an Einsatzorten eintreffen. "Es gibt Probleme, die durch viele Baustellen ausgelöst werden, wir haben Probleme mit Falschparkern oder mit dem Lieferverkehr. Eine explizite Auswertung zu Pollern haben wir allerdings nicht vorliegen."

Die Feuerwehr in Berlin arbeite in der jetzigen Größe und in ihrer derzeitigen Ausstattung an ihrem Leistungslimit, so Wiezorek. Straßensperrungen seien insofern nur ein weiterer Faktor, der es der Feuerwehr schwerer mache, Hilfsfristen einzuhalten.

Sollte Berlin seine Poller abbauen?

Nach Auffassung der Feuerwehr müsse das nicht unbedingt sein. "Die Perspektive der Feuerwehr ist nur eine von vielen, die unsere Stadt prägen. Es gibt auch die Perspektiven der Verkehrssicherheit oder der Wohnqualität, die es zu berücksichtigen gilt, die die Stadt lebenswerter machen", sagt Wiezorek. "Es ist die Rolle der politischen Entscheidungsträger, diese Perspektiven zu gewichten und gegeneinander abzuwägen." Und weiter: "Wichtig ist uns, dass wir an den Planungen beteiligt werden. Das ist in der Vergangenheit nicht immer passiert."

Sendung: rbb24 Inforadio, 06.02.2025, 18:20 Uhr

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113 Kommentare

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  1. 113.

    Oha mein Freund, schon spaßig all die Reaktionen auf Deinen Kommentar.
    Nur sollte dieses Volk/Bürger/? da bleiben wo sie sind und nicht die Schönheiten abseits der berliner Stadtgrenze mal in Anspruch nehmen zu beabsichtigen.
    Vielleicht gar noch die Strassen.
    Das sich die aus dem Wessi-Land in Berlin Angesiedelten, oder Studierenden, Berlin für sich, Brandenburg aber auch nutzen wollen, solte verwehrt werden!
    Brandenburg sollte eine Maut für aus Berlin kommende Privat-KFZ erheben, so ca. 200 Euro die Stunde.
    Den Alleennutzenden (berliner) Radfahrenden ist ein Nutzerentgeld von 10 Euro pro Kilometer einzufordern.
    Pollert, Pollert, Pollert weiter - Berlin als Haupt-, Regierungs-, Welt-Stadt schaft sich weiter und weiter ab.

  2. 112.

    "Poller haben nunmal ihren Sinn - sie schützen unsere Kinder und Großeltern - mal bißchen mehr nachdenken?"
    A: vor was?
    und
    B: was ist mit denen zwischen Kinder und Großeltern?
    und
    C: "mal bißchen mehr nachdenken"!!!

  3. 111.

    Tja, Poller oder nicht? In Berlin wird mal wieder darüber gestritten und Rettungsdienste werden vorgeschoben, um Poller zu verhindern oder wieder abzubauen.
    Dabei gibt es sehr gute Beispiele aus zB französischen oder niederländischen Städten, wo Lieferdienste als auch Rettungsdienste oder berechtigte Anwohner durch steuerbare Poller locker rein- und rausfahren können. So werden dort historische Altstädte vor nicht berechtigtem Individualverkehr geschützt und es ist sauber geregelt wer berechtigt ist. Das diskriminiert niemanden und verhindert diejenigen, die alles mit dem Auto fahren wollen (wer muss ist berechtigt = Behindert, Handwerker etc.). Zudem gibt es in vielen Städte gut ausgebaute und auch gesicherte Parkhäuser, wo man Parkplätze mieten kann oder stunden/tageweise einen bekommt.
    Also Poller JA BITTE, aber intelligent(er) als an mancher Stelle.

  4. 110.

    Wir sind mit unseren SUV und Transportern ins Umland gezogen. Weit und breit keine Poller. Fahrspass pur. Keine linksrotgrünen genderqueeren wokeurbanen Vorschriften, Anweisungen, Regeln und Gesetze.
    Einfach nur - "Leben".

  5. 107.

    Poller haben nunmal ihren Sinn - sie schützen unsere Kinder und Großeltern - mal bißchen mehr nachdenken?

  6. 106.

    Dass immer alles von Falschparkern zugeparkt ist, ist viel schlimmer für Feuerwehr und Rettungswagen, als die Poller.

    Und die Poller müssen ja nur aufgestellt werden, weil sich viel zu viele Autofahrer überhaupt nicht an Regeln halten.

  7. 105.

    Ist doch schon oft besprochen worden, irgendwie ein ausgelatschtes Thema. natürlich sind diese Poller wichtig, zum Schutz der Fußgänger, wat gibts da zu ,,diskutieren''?

  8. 104.

    Es ist wahlweise erschreckend oder belustigend, wie die üblichen Dauernörgler nur an sich denken und von dort wahlweise auf alle Autofahrer oder auf alle Berliner zu schließen vermeinen, während sie die Argumente des Für und Wider im Artikel wahlweise komplett ignorieren oder einfach nicht verstehen. LESEN!!!

  9. 103.

    90.
    "Wir sind mit unseren SUV und Transportern ins Umland gezogen. Weit und breit keine Poller. Fahrspass pur. Keine linksrotgrünen genderqueeren wokeurbanen Vorschriften, Anweisungen, Regeln und Gesetze.
    Einfach nur - "Leben"."

    Wenn Sie zum Glücklichsein einen SUV und Transporter benötigen, Fahrspass pur genießen müssen, Vorschriften, Anweisungen Regeln und Gesetze nicht befolgen wollen, sind Sie zufrieden? Und diese Lebensphilosophie nennen Sie "Leben"? Warscheinlich finden Sie das cool...

  10. 102.

    Die Poller müssen ja nur aufgestellt werden, weil sich viel zu viele Autofahrer überhaupt nicht an Regeln halten.

    Und alles zugeparkt von Falschparkern ist viel schlimmer für Feuerwehr und Rettungswagen, als die Poller.

  11. 101.

    Werte Frau Karin B.,
    diese "Grüppchen zu Dritt" haben nicht den alten Witz, das lesen, schreiben, rechnen Pflicht sind zur Grundlage, sondern die fortschreitende Aggressivität der Gesamtheit der Verkehrsteilnehmer und dem wohl zunehmenden, auch anlasslos unfriedlichen Einmischen Unbeteiligter bei jeglichen Amtshandlungen.

  12. 100.

    *48.
    "Aufgeregt sind hier lediglich sie. Strassen sind für alle da und wenn diese nicht gesperrt sind, so ist dies auch mein gutes Recht dort jederzeit langzufahren. Ob es ihnen passt oder nicht."
    Wenn eine Fahradstraße als Fahrradstraße beschildert ist, dürfen Sie diese Straße nicht als "Schleichweg" und Ortsfremder befahren.
    Ob es Ihnen passt oder nicht.

  13. 99.

    Alles falsch.
    Quer- und Diagonalsperren beruhigen NACHWEISLICH den Verkehr in diesem Bereich. Da zählt deine unwissende Einschätzung so garnix. Kann man gut im Graefekiez sehen.
    Verkehrsberuhigter Bereich bringt NACHWEISLICH die Autofahrenden nicht dazu langsamer zu fahren oder sie Straßen zu meiden. Auch hier, der Graefkiez ein gutes Beispiel.
    Krankenwagen wissen in der Regel wo sie entlang fahren können und wo nicht. Die stehen nicht einfach auf einmal vor Pollern. Zudem sind Poller an kritischen Stellen herunterfahrbar.

  14. 98.

    Gut so. Dann bleibt Deinesgleichen unter sich. Jedes Auto weniger, dass hier die Gesundheit und das Leben meiner Kinder gefährdet, ist ein Gewinn.

  15. 97.

    Wohnen da je 50 Menschen auf 2 Seiten pro 20 Meter? Bretten da Tausende aus Nachbargemeinden an Ihrem Vorgarten vorbei? Und was machen Sie, wenn die Dorfjugend jede Nacht rennen auf den angrenzenden Feldern veranstaltet. Da Privatgrund mit viel Alkohol, Musik aber ohne Schalldämpfer und Führerschein? Also was wollen Sie damit sagen? Ratlos!

  16. 96.

    Hey Mike, wenn dich sowas dolle stört, melde solche Stellen bei den entsprechenden Dienstleistern deiner Wahl. Die freuen sich immer über nützliche Hinweise der Nutzenden Kundschaft um ihr Angebot für alle Kunden so aktuell wie möglich anbieten zu können. Falls du Kunde bei G-Maps bist werden solche Anpassungen spätestens bei der nächsten Scan fahrt erfasst werden.

  17. 95.

    Mein Reden: wer überall mit seiner Karre rumbrettern will, soll in die Provinz ziehen. Wir sind hier schließlich in einer Großstadt, nicht auf dem Dorf.

  18. 94.

    Alle Poller wieder abbauen. Es staut sich auf den Hauptstraßen. Viele radwege abbauen. Alte Leute brauchen parkmöglichkeiten. Früher war alles besser.hört endlich auf mit diesen sinnlosen steuerverschwendungen.