Vor dem RAW-Gelände - Fahrradweg in Friedrichshain wird zur Stolperfalle

Do 28.03.24 | 15:13 Uhr
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Nahaufnahme der Erhöhung an einem Fahrradweg in der Nähe des RAW-Geländes in Berlin-Friedrichshain.(Quelle:rbb)
rbb
Video: rbb|24 | 27.03.2024 | Janek Alva Kronsteiner | Bild: rbb

Am RAW-Gelände in Berlin-Friedrichshain gibt es seit wenigen Monaten eine Fahrbahntrennung aus Beton. Anwohner und Passanten berichten seitdem von Unfällen und Stürzen.

Erst stolperte er über das neue Trennelement auf dem Fahrradweg in der Revaler Straße, konnte den Sturz aber noch abwenden, mit dem nächsten Schritt aber strauchelte er an der Bordsteinkante. "Dann bin ich direkt aufs Gesicht gefallen", sagt Michael K. aus Friedrichshain dem rbb. Beschert hat ihm das eine blutende Platzwunde an der Stirn und auf der Nase und einen Aufenthalt in der Notaufnahme statt auf dem Weihnachtsmarkt, wo er mit Freunden hin wollte.

Ein bedauerlicher Einzelfall, könnte man sagen, wenn Anwohner und Passanten nicht vermehrt von solchen Unfällen mit den Bumpern berichten würden. "Wenn ich hier vorbeilaufe, sehe ich öfter jemanden, der hier hinfällt oder wenigstens stolpert", sagt Josh, der auch hier wohnt gegenüber rbb24.

Viele Stürze und undurchdachtes Design

Auch im Internetforum Reddit berichten viele von Stürzen an den neuen Trennelementen und kritisieren das "undurchdachte Design". Denn die Fahrbahntrennung aus Beton ist weiß und damit kaum von der einfachen weißen Linie auf der Straße zu unterscheiden.

Dabei sollten die neuen Radverkehrsanlagen in der Revaler Straße zwischen Warschauer Straße und Modersohnbrücke laut dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg die Sicherheit für Rad- und Fußverkehr erhöhen. "Auf insgesamt 600 Metern Länge sind beidseitig neue Radverkehrsanlagen entstanden, die baulich mit Klebeborden vom fließenden Verkehr getrennt sind", hieß es in einer Mitteilung vom vergangenen Monat.

Michael K. hat die Trennelemente jedenfalls nicht gesehen. "Das Problem ist, dass diese Kante weiß bemalt ist und im Weiterverlauf der Straße weiterhin weiß bemalt, obwohl es keine Kante sondern nur eine Linie ist." Auch auf Reddit schreiben Nutzer, dass sie nicht erkennen konnten, dass das eine Barriere sein solle. "Rot-weiß reflektierendes Material auf den schrägen Kanten wäre das Mindeste hier", fügt ein Nutzer hinzu.

Rot-weiße Markierungen

"Jedes Element enthält zwei reflektierende Glaskugeln", antwortet das Bezirksamt auf Anfrage des rbb. "Zur besseren Sichtbarkeit sind die Betonelemente weiß ausgeführt - jeweils das erste Element einer Reihe in rot-weiß mit einem rot-weißen, flexiblen Poller." Das trifft aber nur auf den anfänglichen Teil der Radverkehrsanlage zu. Eine Weiterführung der rot-weißen Markierungen sei nicht geplant, hieß es vom Bezirksamt zunächst. Später ergänzte ein Sprecher, dass aufgrund der Hinweise das Element direkt an der Ampel kurzfristig rot-weiß markiert werden solle.

"Mit der neuen Gestaltung der Revaler Straße sorgen wir für mehr Verkehrssicherheit für die schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen und gleichzeitig für eine geordnete Lieferverkehrssituation", teilte Bezirksstadträtin Annika Gerold (Grüne) beim Abschluss der Bauarbeiten im Februar mit.

Dieser Sichtweise scheinen Anwohner wie Michael K. zu widersprechen. Dabei habe der Bezirk das Problem an anderen Orten besser gelöst, sagt er. "Auf der Frankfurter Allee gibt es auch eine Erhöhung, die man aber besser sehen kann."

31 Kommentare

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  1. 31.

    Nach meiner Auffassung wird dies Problem nie zu lösen sein. Menschen gehen weitaus mehr nach ihrer Vorstellung, was sie sehen, als nach demjenigen, was sie tatsächlich sehen könnten. Die Erhöhung ist ja gerade deshalb gemacht worden, weil sie ein erhöhtes Maß an Sicherheit für Radfahrende bietet, als wenn der weiße Strich ebenerdig und somit ohne Weiteres überfahrbar wäre.

    Wer bspw. auf ein Tram-Haltestellen-Kap zugeht, sieht die Erhöhung; wer sich von ihm entfernt und zur gegenüberliegenden Gehwegseite geht, kann diese Höhendifferenz von 22 cm zwischen benachbarten Fahrbahnen schon einmal "übersehen".

    Heute bin ich Augenzeuge eines Stolperns - glücklicherweise ohne Auswirkungen - geworden: Das war über eine leicht hochstehende Arretierung, die mittig zwischen zwei geöffneten Türflügeln liegt.

    Alles schwarz-gelb anstreichen? Oder einfach als tägliche Herausforderung annehmen?

  2. 29.

    „Fußgänger bekommen Ausgehzeiten„
    Aber nur in Abhängigkeit von Körpergröße und Gewicht...um den Platz gerecht zuzuteilen... ;-)

  3. 28.

    Ich wohne in der Nähe der Revaler Straße und habe das Problem ehrlich gesagt noch nicht wahrgenommen. An den Stellen, wo man normalerweise die Straße überquert, sind jedenfalls keine sogenannten Stolperfallen. @ Die RBB-Redaktion: Wie lange musste eigentlich die Kamera aufnehmen, bevor jemand stolpert? Oder ist die Szene etwa gestellt?

  4. 27.

    Wer erinnert sich angesichts dieses Irrsinns nicht an den ehemaligen Bezirkstadtrat Schmitt, der mit seinen Feldsteinen die Bergmannstraße verkehsberuhigen wollte.
    Nun führt eine Parteigenossin das weiter. Scheißegal der Bürger, Hauptsache der Fahrradfahrer. Bleibt abzuwarten, wann ein so Bevorzugte Mal vor ein Auto stürzt, weil er die Schwelle übersah.

  5. 26.

    Ich bin da auch schon gefallen. Ich bin kurzsichtig und der Abstand zu den Füßen ist mein toter Winkel, mit und ohne brille

  6. 25.

    @ Fhaini, auch hier kommt Hochmut vor dem Fall. Das überqueren der Straße ist dort nicht verboten. Versetzen Sie sich bitte in die Lage älterer Menschen. Auch wenn der Weg bis zur nächsten Ampel sicherer ist. Aber 200 m zurück zu laufen um dann 600 m nach vorne zu laufen (wo keine Ampel ist, weil Nebenstraße), das überlegt man sich schon, wenn die Beine nicht mehr so wollen.

  7. 24.

    Bin Anwohner in direkter Nähe der Revaler Straße und dort täglich unterwegs. Ich begrüße ausdrücklich die Umgestaltung und die neuen Markierungen. Gestolpert bin ich dort noch nie und es gibt auch genug Unterbrechungen der Markierungsleisten, die man nutzen kann, außerdem es gibt es auch Zebrastreifen ( natürlich ohne Leisten)...ich finde die Straße ist seither sicherer geworden. Mein Eindruck ist auch, dass der Autoverkehr sich dort verringert hat.
    Und es stimmt eben auch...wer ab und zu mal auf die Umgebung rund um den Smartphone -Bildschirm achtet, der stolpert weniger.

  8. 23.

    Wo ist das Problem? Der Film zeigt deutlich, daß die Fußgänger quer laufen, also über den Radweg auch - knapp. Es gibt in Holland viel bordsteinhohe Trenungen, in Belgien ebenfalls und italienische Städte fangen damit an.
    Teilweise haben wir alte Fußwegbelege, die fast unpassierbar sind, dennoch gibt es dort nicht ständig Unfälle. Besser kommunizieren (Leute, es gibt was Neues) ud schon gewöhnen sich alle dran.
    Die AutofahrerInnen laufe Sturm gegen jeden Radweg, das paßt zur deutschen Auto-Mentalität.
    Augen auf im Straßenverkehr und alles wird gut.

  9. 22.

    Ich zitiere mal aus dem Vorgängerthread:

    Feankk | Berlin "Ist das schon ein Videobeitrag zum 1.April??
    Für die Autos SOLL es ja ein Hindernis sein, und viele jüngere Fußgänger müssen erst (wieder) lernen wie man läuft, ohne dabei eine App zu nutzen, die einem Hindernisse auf dem Boden anzeigt… "

    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  10. 21.

    Passieren wird erst etwas wenn der Bezirk verklagt wird,unterwandert wegen Unterlassung.

  11. 20.

    @ Frage....
    Das muss dann am Bezirk liegen. Ich habe das auch schon anders erlebt. Hinweis und Beseitigung der Gefahrenquelle.

  12. 19.

    Unfälle und Stürze? Dann vielleicht mal diese komischen Stöpsel aus den Ohren nehmen und die Augen weg vom Handy - dann sieht man, wo man langläuft.

  13. 18.

    @ Jim, "einheitliche" Gestaltung wäre schön. Aber man hat manchmal den Eindruck, jeder Bezirksbürgermeister sieht sich als Insel im Rest von Berlin.
    Allerdings grenzt es nicht nur an Arroganz, über Klagen von Passanten und über Unfälle hinwegzusehen.

  14. 17.

    Wenn die Leute die Straße an den vorgesehenen Stellen überqueren passiert gar nix...wer der Meinung ist er müsse eine Straße an jeder Stelle überqueren ist selber Schuld. Gerade an Flohmarkttagen ist dort Anarchie auf der Straße...

  15. 16.

    Ich freue mich schon wenn es nur noch Radfahrer und Radwege gibt! Autosteuer fällt weg, Tankstellen schließen, Autowerkstätten schließen, Zubringer Firmen entlassen ihre Leute. Fußgänger bekommen ausgehzeiten.

  16. 15.

    Ist der Zeitgeist nicht genau entgegengesetzt? Der Rückbau von Behinderungen schafft neben der Unfallrisikosenkung auch mehr Freiheit. Und Geld könnte gespart werden für weitere unnütze „Blumenkübel“. Die haben sich zum Hassobjekt entwickelt.

  17. 14.

    Hat jetzt genau was mit dem Artikel zu tun? Hier geht es um Fussgänger, welche über die Abtrennung stolpern. Hauptsache mal wieder etwas Polemik gegen Radfahrer einstreuen.

  18. 13.

    Vielleicht sollte es mal ein Berlineinheitliches System zum Abgrenzen, Bepollern, Bemalen, Markieren, usw. von all den tollen Radwegen/-strassen geben.
    Schön wäre auch, wenn es in Bereichen auf diesen "Wegen und Strassen" einen Nutzungszwang geben würde und ein Abweichen mindestens Bußgeldwürdig, wenn nicht sogar strafbar ist.

  19. 12.

    "Anwohner und Passanten berichten seitdem von Unfällen und Stürzen. Ändern will das Bezirksamt aber nichts."

    Wieso reagiert das Bezirksamt nicht auf die Unfälle und Stürze? Wieso wird nichts verändert obwohl schon einiges passiert ist? Auf was möchte man eigentlich noch warten? Völlig unverständlich. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand klagt. Und spätestens dann wird man wohl reagieren müssen. Ich hoffe wirklich, dass genau das möglichst bald passiert.

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