Fußball-Bundesliga - Was für Unions Berufungsverfahren nach dem Feuerzeug-Eklat wichtig wird

Fr 28.02.25 | 06:33 Uhr
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Bochum-Torwart Patrick Drewes umringt vom medizinischen Personal und Spielern, nachdem er im Spiel beim 1. FC Union Berlin von einem Feuerzeug getroffen wurde (Bild: Imago Images/Matthias Koch)
Audio: rbb24 Inforadio | 28.02.2025 | Johan Gallwitz | Bild: Imago Images/Matthias Koch

Union Berlin geht gegen das Urteil des DFB-Sportgerichts nach dem Feuerzeug-Eklat im Spiel gegen den VfL Bochum in Berufung. Holstein Kiel und St. Pauli ziehen mit vor das Bundesgericht. Die wichtigsten Informationen vor der Verhandlung am Freitag.

Der bisherige zeitliche Ablauf:
  • 14. Dezember 2024: Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem VfL Bochum wird nach Feuerzeugwurf unterbrochen
  • 9. Januar 2025: Bochum bekommt vor dem DFB-Sportgericht den Sieg zugesprochen, Union legt aber Berufung ein
  • 22. Januar 2025: Holstein Kiel und St. Pauli schließen sich Union an
  • 28. Februar 2025: Der Fall wird vor dem DFB-Bundesgericht verhandelt
VfL-Torwart Patrick Drewes muss nach Feuerzeug-Wurf behandelt werden, Mitspieler Felix Passlack spricht vorher mit ihm, Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und Bochum am 14.12.2024 (Bild: Imago Images/Matthias Koch)
VfL-Torhüter Drewes wird von Mitspieler Passlack angesprochen, nachdem er von einem Feuerzeug getroffen wurde. | Bild: Imago Images/Matthias Koch

Was ist beim Bundesliga-Spiel passiert?

VfL Bochum-Torhüter Patrick Drewes wurde im Spiel bei Union Berlin am 14. Dezember 2024 kurz vor Schlusspfiff von einem Feuerzeug am Kopf getroffen. Ein Fan der Berliner hatte den Gegenstand in Richtung Spielfeld geworfen. Drewes konnte nach Angaben der Bochumer nicht weiterspielen.

Schiedsrichter Martin Petersen unterbrach die Partie für rund 30 Minuten. Da das Wechselkontingent der Gäste schon ausgeschöpft war und Bochums Koji Miyoshi früh in der Partie die Rote Karte gesehen hatte, kehrte die Mannschaft zu neunt aufs Feld zurück. Stürmer Philipp Hofmann ging für Drewes ins Tor.

Union Berlin und der VfL Bochum einigten sich auf einen "Nichtangriffspakt" und spielten die verbleibende Zeit ohne Angriffe runter. Das Spiel endete regulär mit dem Ergebnis 1:1.

Wie lief es in erster Instanz vor dem DFB-Sportgericht?

Der Fall wurde am 9. Januar vor dem DFB-Sportgericht in Frankfurt am Main verhandelt. Der VfL Bochum gewann das Spiel am Grünen Tisch. Die Partie wurde 2:0 für die Gäste gewertet, weil Bochum nach Ansicht des Sportgerichts irregulär geschwächt wurde.

"Entscheidungen am Grünen Tisch sind immer das allerletzte Mittel. Die Umstände ließen uns aber kaum andere Möglichkeiten", begründete der Sportgerichtsvorsitzende Stephan Oberholz seine Entscheidung: "Wir konnten keine Aspekte eines Komplotts oder eines Schmierentheaters erkennen."

Wer geht in Berufung?

Neben dem 1. FC Union Berlin haben auch die Bundesligisten Holstein Kiel und der FC St. Pauli Einspruch eingelegt. Eine solche Konstellation ist durch die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB in §26 Nr. 2 möglich: "Das Recht zur Berufung haben auch zunächst nicht am Verfahren beteiligte Mitgliedsverbände, ihre Vereine sowie deren Einzelmitglieder und Tochtergesellschaften und Spieler, die ein unmittelbares berechtigtes Interesse an der Entscheidung aufweisen." Ob eine unmittelbare Betroffenheit für Holstein Kiel und den FC St. Pauli tatsächlich besteht, wird erst in der Sitzung entschieden. Beide Vereine hatten eine schriftliche Klärung vorab abgelehnt.

Kiel und St. Pauli wären im Abstiegskampf indirekt betroffen, wenn Bochum statt des einen Punkts alle drei Punkte am Grünen Tisch zugesprochen bekommen würde.

Wie, wo und mit welchen Beteiligten läuft der Berufungsprozess genau ab?

Die Berufungen von Union Berlin, Holstein Kiel und dem FC St. Pauli werden am Freitag, 28. Februar 2025, ab 12:30 Uhr mündlich am DFB-Campus in Frankfurt am Main verhandelt.

Das Bundesgericht des DFB entscheidet in einer Besetzung mit drei, in Fällen von grundsätzlicher Bedeutung mit fünf Sportrichtern. Im Fall der Köpenicker sind es drei. Oskar Riedmeyer, der Vorsitzende des DFB-Bundesgerichts, leitet die Sitzung. Beisitzer sind Arno Heger und Ex-Profi Carsten Ramelow (Hertha BSC und Bayer 04 Leverkusen).

Wie begründen die Vereine die Berufung?

Laut Union-Präsident Dirk Zingler will der Verein "alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ausschöpfen und gegen das Urteil vorgehen." Denn durch das Urteil setzte man sich "der Gefahr aus, dass in Zukunft nicht die sportlichen Leistungen der Mannschaften entscheiden, wie ein Spiel ausgeht, sondern mögliche Schmähungen, Beleidigungen, Rauch oder eben der Wurf eines Gegenstandes."

Der FC St. Pauli begründete gegenüber der "Bild" die Entscheidung Berufung einzulegen: "Zum einen geht es dabei um die Folgen für den Wettbewerb und unbeteiligte Dritte – zum anderen um die Frage, ob die Entscheidung rechtmäßig ist. Wir sind der Meinung, dass eine solche Spielwertung in diesem Fall von der Rechts- und Verfahrensordnung nicht vorgesehen ist und das Gericht damit über seinen von der DFB-Satzung gesetzten Spielraum hinaus eine Entscheidung getroffen hat, die in dieser Form nicht vorgesehen ist." Und weiter: "Dadurch könnte ein Präzedenzfall geschaffen werden, wonach ein Gericht dem Schiedsrichter zustehende Wertungen aufhebt und durch eigene Erwägungen ersetzt. Wenn das Gericht aber der Meinung ist, dass die betreffende Schiedsrichterentscheidung nicht korrekt war, wäre die richtige Rechtsfolge, das Spiel zu wiederholen." [bild.de, 24.01.2025]

Wie nimmt die Spielwertung auf den Abstiegskampf Einfluss?

In der aktuellen Bundesliga-Tabelle wird die Spielwertung für den VfL Bochum durch den Einspruch der Berliner noch nicht berücksichtigt. Sollte der Sieg und damit drei Punkte an Bochum gehen, würde sich der Verein vom vorletzten Platz an Heidenheim vorbei auf den Relegationsplatz schieben.

Union würde durch den Punktverlust zwar zunächst weiter auf dem 13. Platz bleiben, aber zugleich wieder in größere Abstiegsgefahr rutschen. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz würde dann nämlich - bei noch elf ausstehenden Saisonspielen - von neun auf sechs Zähler schmelzen.

Was passiert, wenn Union Berlin auch vor dem Bundesgericht verliert?

Innerhalb des DFB ist das Bundesgericht die letzte Instanz. Eine weitere Berufung wäre vor dem Ständigen Neutralen Schiedsgericht für Vereine und Kapitalgesellschaften möglich.

Sendung: rbb24, 28.02.2025, 21:45 Uhr

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76 Kommentare

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  1. 76.

    Netter Versuch Ihre Unhöflichkeit als "Mode" zu vekaufen.

    Im Übrigen wurden die Nebenkläger bereits vom Berufungsprozess ausgeschlossen.
    Keine unmittelbare Betroffenheit.
    Die wussten warum Sie vorher keine schriftliche Stellungnahme abgegeben haben....nur Show von St.Pauli und Kiel.

  2. 75.

    „ Also im Sportrecht ist der Verein für seine Fans haftbar“

    Stimmt , deshalb wird Union auch eine hohe Geldstrafe zu erwarten haben.
    Aber weil es keine Schiri-Fehlentscheidung gab, kann die Spielwertung auch nicht auf diese Art korrigiert werden.

    Und nein, Du hattest kein Du angeboten, aber im 21. Jahrhundert ist Duzen das moderne Siezen, erst recht im sportlichen Umfeld, Herr oder Frau John.

  3. 74.

    Genau. Oder nicht! Warum sollte er in einer Klemme stecken? Weil er Union nicht leiden kann? Unfug. Vielleicht ist er ja sogar für Union, weil er mal Berliner Luft geschnupptert hat? Oder alle gegen die Ossis? Wird auch gern genommen von Euch.

  4. 73.
    Antwort auf [Andreas] vom 28.02.2025 um 13:12

    "Und nein, ich bin kein Fan der Hertha."
    Du bist aber auch nicht im Ansatz ernst zu nehmen ;-)
    made my day.

  5. 72.

    Also im Sportrecht ist der Verein für seine Fans haftbar, daher kein Wiederholungsspiel...da hilft Ihr Gerechtigkeitsgefühl wenig.
    Und ich hatte nicht das Duzen angeboten. Danke

  6. 71.

    Es war bereits die Nachspielzeit und der Bochumer Torwart hat sich subjektiv etwas sehr lange auf einen Abstoß vorbereitet, den er weit in die gegnerische Hälfte treten wollte.

    Um diesen Moment herum unterbrach der historisch unrühmliche Feuerzeugwurf eines Unionfans den Spielrhythmus komplett und zerstörte mit dieser Bedrohungssituation die letzten, theoretischen Chancen der Bochumer auf einen Auswärtssieg.

  7. 70.

    die größte schauspielerische (und heuchlerische) Leistung geht natürlich an den FC Union

    und by the way, der ‚Umfang‘ der Verletzung ist nicht relevant

  8. 69.

    Union rechnet sich was aus, glaube aber das Urteil wird bestand haben

  9. 68.

    Union rechnet sich was aus, glaube aber das Urteil wird bestand haben

  10. 67.

    Das Spiel wurde nicht abgebrochen, damit bleibt es beim 1:1.
    Oder man bestraft beide Mannschaften wegen des "Nichtangriffspakts", ist ja irgendwie auch eine Manipulation.

  11. 66.

    Ich bitte doch, meinen Kommentar vollständig zu lesen und nicht nur den ersten Satz.
    Denn dann, John_Berlin, hättest Du Deinen Kommentar nicht schreiben brauchen.

    Nochmal zur Klarstellung und Wiederholung.
    Es bestand eine rein theoretische, aber unwahrscheinliche Chance, dass Bochum noch das Siegtor erzielt.
    Daher wäre eine Spielwiederholung ein faires Urteil gewesen.
    Das getroffene Urteil geht aber davon aus, dass es eine fehlerhafte Schiedsrichterentscheidung gegeben hat. Dies ist aber nicht der Fall, zumal sich der Schiri vor seiner Entscheidung rechtlich abgesichert und sogar die Zustimmung der Bochumer eingeholt hat.

    Insofern hat das auch und vor allem im Sportrecht Relevanz.

    Daher noch mal die Bitte an Dich: vor einer Antwort gründlich lesen.

  12. 65.

    War mir nur so oder sind Spieler nicht bereits im Nachhinein, über die Köpfe von nicht alles sehen könnenden Schiedsrichtern und ihrer Assistenten, gesperrt worden?

    Ich schätze, Union wird vor das Ständige Neutrale Schiedsgericht gehen müssen und hoffe, daß die Ungeklärtheit und damit verbundene Unruhe um dem Verein, nicht eine ähnliche Erfolgslosigkeitsserie auslöst, wie die CL-Spiele der Köpenicker in ihrer Premierensaison.

  13. 64.

    Den Schwachsinn erzählen Sie hier . Keiner hat behauptet das Herr Ramelow nur darauf wartet dem 1.FC Union eins auszuwischen. Es wurde lediglich die Zusammensetzung des DFB Schiedsgerichts dahingehend kritisiert, das ausgerechnet ein ehemaliger Herthaner in einem Verfahren gegen Union mitwirkt. Dafür ist der DFB verantwortlich und so etwas sollte unterbleiben. Carsten Ramelow kann nichts dafür, steckt aber jetzt in der Klemme. Oder nicht?

  14. 63.

    Punktabzug für Union, aber keine Punkte für Bochum. Wieso erhielt Bochum 3 Punkte. War der Torwart der beste Stürmer der Bochumer?

  15. 62.

    Ab wann ist eine Spielzeit dann noch relevant oder eine Verletzung wirklich eine Verletzung.
    Diese Vermutungen und Annahmen haben auch im Sportrecht kein Gewicht.

  16. 61.

    "Und daher ist es egal, wie sehr der Torwart verletzt wurde"
    Wo steht das?
    Es ist eben für die Fortsetzung des Spiels nicht egal, ob und wie schwer ein Spieler verletzt wurde. (Schau)spieler machen den Sport ebenso kaputt, wie aggressive unkontrollierte durchgeknallte "Fans". Den "Fan" hat man bestraft und wird weiter strafrechtlich gegen ihn vorgehen. Wo bleibt die Aufarbeitung der schauspielerischen Glanzleistung?

    "Und die Umstehenden .."
    du hast echt keinen Plan. Wenn ich im Spiel bin, bekomme ich nichts um mich rum mit. Berufsempörte ekeln mich an.

  17. 60.

    Meine Güte, Du hast nichts kapiert. Die einzig schuldige Person ist der Werfende gewesen. IHM war es egal, wie sehr er verletzt. Und daher ist es egal, wie sehr der Torwart verletzt wurde. Und die Umstehenden haben weggeschaut und nicht eingegriffen!
    Und die Wertung beruht wohl darauf, dass es zum Zeitpunkt des Wiederanpfiffs ein "Nichtangriffspakt" auf allen Seiten beschlossen wurde. So ehrenhaft das ist, ist es verboten, da es als Spielmanipulation gilt. Hätten die Teams es gemacht, ohne es miteinander abzustimmen, wäre es wohl keine Frage gewesen!
    Und wir müssen wieder dazu kommen, dass Menschen wichtiger sind als Punkte. Und Hass, Wut und Gefährdung in den Stadien nichts zu suchen hat.
    Eisern Berlin

  18. 59.

    „ Verletzung wurde nie festgestellt“

    Das stimmt nicht.
    Ein Büschel Haare wurde nach rechts gedrückt und die Frisur musste daher neu gelegt werden.
    Dies zählt meines Wissens schon als Körperverletzung!

  19. 58.

    Hab ich mir mehrfach angeschaut - Wurf, Reaktion und keine Verletzung im UKB festgestellt worden. So eine Showeinlage in der Verlängerung und nicht reguläre Spielzeit ist schon ein hartes Ding. Der DFB hat den Schiedsrichter entmündigt danach

  20. 57.

    Wir wissen doch, dass es sich um eine minimale verbleibende Spielzeit gehandelt hat und der VfL dem Spielverlauf nach keine Chance gehabt hätte. Trotz dessen, der Zufall will es manchmal anders, Daher wäre eine Spielwiederholung gerechtfertigt. Aber kein Dieg des VfL am grünen Tisch.
    Ich hoffe, die Vernunft setzt sich durch, zumal kein Schiedsrichterfehler vorlag.

    Ansonsten bleibt ja noch das neutrale Svhiedsgericht.