Ausbau Bundeswehrstandort - Bauarbeiten für umstrittenes Luftverteidigungssystem Arrow in Holzdorf gestartet

Fr 21.02.25 | 15:39 Uhr
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Symbolbild:Ein Jagdflugzeug und eine Rakete sind im Fliegerhorst Holzdorf auf dem Truppenabzeichen vom «Kommando Luftwaffe Berlin» zu sehen.(Quelle:picture alliance/dpa/K.-D.Gabbert)
Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 20.02.2025 | Ingo Boetig | Bild: picture alliance/dpa/K.-D.Gabber

Das Raketenabwehrsystem Arrow soll auf dem Standort Holzdorf in Brandenburg stationiert werden. Die Vorbereitungen haben nun begonnen. Regierungschef Woidke unterstützt das Projekt. Aus dem BSW gibt es kritische Stimmen.

Die Bundeswehrverwaltung hat auf dem Fliegerhorst Holzdorf nahe der Stadt Herzberg (Elbe-Elster) mit Bauarbeiten für das Raketenabwehrsystem Arrow 3 begonnen. Die Absicht sei es, die sogenannte Anfangsbefähigung mit dem Waffensystem im Jahr 2025 herzustellen, teilte ein Sprecher des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr am Donnerstag mit. Die "vollumfängliche Einsatzbereitschaft des Gesamtsystems" werde voraussichtlich 2030 erreicht sein, hieß es.

Lückenschluss in der Luftverteidigung

Der Militärflughafen Holzdorf auf der Landesgrenze von Brandenburg und Sachsen-Anhalt wird der erste von drei Standorten der Feuereinheiten, die Deutschland aus Israel beschafft. Die Raketen werden Teil einer ausgebauten Luftverteidigung und sollen eine Lücke schließen.

Der "Pfeil" kann anfliegende Raketen in bis zu über 100 Kilometern Höhe zerstören, also außerhalb der Atmosphäre und im beginnenden Weltraum. Das soll feindliche Raketen möglichst weitgehend wirkungslos machen. Diese Fähigkeit in der höchsten Abfangschicht gab es bisher so nicht.

Arbeiten bis 2028

Andere Luftverteidigungssysteme wurden nach dem Ende des Kalten Krieges teils abgebaut und werden nun wieder verstärkt. Deutschland hat dazu eine Initiative für ein europäisches Luftverteidigungssystem (European Sky Shield Initiative/ESSI) angestoßen, eine Konsequenz aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Der Sprecher des Bundesamtes erklärte, in Holzdorf sollten die Arbeiten bis 2028 beendet werden. Zu den beiden weiteren Arrow-Standorten in Deutschland teilte er mit: "Im Norden werden für die dort festgelegten Standorte derzeit die grundlegenden Dokumente erstellt, um dann in der nächsten Phase mit der konkreten Bauplanung zu beginnen. Im Süden wurden noch keine Standorte final bestimmt."

Kritik aus BSW-Reihen

Der BSW-Landesvorsitzende Robert Crumbach nennt die Stationierung von Arrow 3 einen "teuren Fehler". Der BSW-Landtagsabgeordnete Sven Hornauf warnte vor einer "Hochrüstung" auf dem Gelände. "Das ist ein völlig untaugliches System, das noch dazu viel zu teuer ist", sagte Crumbach. "Das hat aber nichts damit zu tun, dass der Standort in Holzdorf grundsätzlich ausgebaut wird, dass dort neue Transporthubschrauber stationiert werden." Er sagte zu, dass das Land die nötige Infrastruktur zur Verfügung stelle.

Der BSW-Abgeordnete Hornauf warnte vor Aufrüstung: "Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Stimmen der Vernunft kein Gehör finden und dieser Schritt der Aufrüstung, trotz aller Bedenken und Hinweise, (...) gegangen wird", sagte Hornauf der Deutschen Presse-Agentur. Auf die Bedenken werde eine Antwort von Bundes- und Landesregierung unter Verweis auf Geheimhaltung und nationale Sicherheit verweigert.

Hornauf hatte für Wirbel gesorgt, weil er im vergangenen Jahr mitten im Endspurt der Koalitionsverhandlungen mit fehlender Unterstützung bei der Wiederwahl von Woidke gedroht hatte. BSW-Chefin Sahra Wagenknecht hatte sich gegen die Kritik gestellt und die geplante Stationierung nicht als Hindernis für die Koalition angesehen. Obwohl ein Ausschluss von Hornauf aus der Landtagsfraktion als Möglichkeit im Raum stand, gab es schließlich keine Konsequenzen für ihn.

Kritik von CDU, Lob von Woidke

Kritik gibt es von der Oppositionspartei CDU an der Landesregierung und Ministerpräsident Woidke. Der CDU-Landtagsabgeordnete Danny Eichelbaum argumentiert, dass die betreffenden Anträge seiner Partei, den Infrastrukturausbau für die Bundeswehr am Standort zu unterstützen, abgelehnt worden seien. Die CDU-Fraktion Brandenburg fordert von der Landesregierung, notwendige Maßnahmen zur Stärkung der Bundeswehrstandorte in Brandenburg konsequent zu unterstützen.

Woidke sieht im Ausbau kein Problem für Rot-Lila: "In der Koalition haben wir uns verständigt, die Bundeswehr-Standorte zu stärken", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Deshalb ist es gut, dass es in Holzdorf zügig vorangeht. Hier entsteht der größte Luftwaffenstützpunkt im Osten Deutschlands. Mit den sehr hohen Investitionen und zusätzlichen modernen Arbeitsplätzen ist das für unsere Region von großer Bedeutung."

Aus dem Luftwaffenstützpunkt Holzdorf soll einer der wichtigsten in ganz Deutschland werden. So sollen neben einem neuen Raketenabwehrsystem auch 47 schwere Chinook-Transporthubschrauber hier stationiert werden. Das Luftfahrtunternehmen Airbus sucht Mitarbeiter für die Reparatur und Wartung von Hubschraubern. Mit dem Ausbau des Bundeswehrstandortes soll die Zahl der Beschäftigten bei Airbus bis 2031/32 zudem auf über 100 steigen.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 20.02.2025, 19:30 Uhr

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37 Kommentare

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  1. 37.

    Ja auf jeden Fall, das kriegstaugliche Deutschland schützt mich besser. Wem das (etwa von von afd/bsw/linke) nicht passt, die kann ja an die Ostgrenze Deutschlands umsiedeln, um im Ernstfall sofort und als erste zu spüren, wie "klug" die Haltung von afd/bsw/linke ist. Daß ihr Putins Angriffskrieg in die LÄnge zieht, fällt schon sehr lange auf. Frieden wählen heißt Aufrüstung zwecks Verteidigung wählen.

  2. 36.

    Ja auf jeden Fall, das kriegstaugliche Deutschland schützt mich besser. Wem das (etwa von von afd/bsw/linke) nicht passt, die kann ja an die Ostgrenze Deutschlands umsiedeln, um im Ernstfall sofort und als erste zu spüren, wie "klug" die Haltung von afd/bsw/linke ist. Daß ihr Putins Angriffskrieg in die LÄnge zieht, fällt schon sehr lange auf. Frieden wählen heißt Aufrüstung zwecks Verteidigung wählen.

  3. 35.

    Luftverreidigung ist der letzte Mist,
    wenn Du gut Freund mit Putin bist.

  4. 34.

    Die Aufrüstung Deutschlands ist zu stoppen. Folglich ist auch der Ausbau des Standortes Holzdorf abzulehnen. Zu verurteilen ist, dass auch die BSW eingeknickt ist und sich nicht distanziert. Ich bitte mein Kreuz auf dem Wahlschein während letzten Landtagswahl zu annullieren. Das Geld, das hier in Holzdorf zweckendfremdet zur Befriedigung der Kriegsgelüste der Regierenden verwendet wird, sollte stattdessen deren Weiterbildung dienen. Egal wie sie heißen, ob Pistorius, Baerbock, Strack-Zimmermann, Hofreiter, Merz, Scholz und andere, denen ist beizubringen, dass ihre Aufgabe ist, Frieden zu schaffen ohne Waffen. Deren Handlungen und Propaganda sind kreuzgefährlich, wie in der Ukraine der Schuss nach hinten los. Sie trachten nur danach Deutschland kriegstauglich zu machen. Friedensgedanken haben sie anscheinend vollständig abgelegt. Die Leute haben anscheinend zu viel und lange vor dem Computer gesessen und Kriegsspiele konsumiert. Solche Software sollte übrigens verboten werden.

  5. 33.

    Zwischen voll Verteidigungsfähig und einem System ist dann doch ein Unterschied.

  6. 31.

    Der BSW-Abgeordnete Hornauf warnte vor Aufrüstung: "Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Stimmen der Vernunft kein Gehör finden und dieser Schritt der Aufrüstung, trotz aller Bedenken und Hinweise, (...) gegangen wird",
    Sehr richtig. Morgen hat Deutschland die Chance diesem Aufrüstungswahn entgegenzutreten.

  7. 30.

    Die Ukrainer haben dieangeblich unbesiegbar russischen Überschallraketen sogar mit dem Patriot System aus den 1970 er Jahren runtergeholt. Die Jünger Putins erzählen viel von den angeblich überlegenen Waffensystemen aus Russland, die Wahrheit ist es nicht immer. Russland schafft es nicht in drei Jahren die wesentlichen kleiner Ukraine einzunehmen. Diese erhält ja eher ältere Systeme von der EU, das zeigt wohl den technischen Stand in Putuns Russland.

  8. 29.

    Die Fragen ist doch wie groß eine Armee sein muss um Europa zu besetzen? Den Russen gelang es nicht große Teile der Ukraine zu besetzen und wollen sie dies überhaupt ernsthaft. Allein rechnerisch wäre das unmöglich oder alle 500 Kilometer wird ein einsamer auf sich gestellter Stützpunkt eingerichtet. Aber kein Militärexperte denkt über Logistik und Kosten nach.

  9. 28.

    Absolut notwendig! Jetzt umso mehr da wir uns nicht mehr auf die USA als Schutzmacht verlassen können.

  10. 27.

    Europa muss schnellstens seine eigene Verteidigung auf die Beine stellen. Wir werden sonst schnell von den aktuellen Despoten zerfleischt. Wer jetzt Russlandfreunde wählt, hat wenig verstanden.

  11. 26.

    Sie haben noch nicht die Nachricht vom Führungsstab der nato gelesen? Dort wird eindringlich und mit Berechnungen belegt, davor gewarnt, daß die Russen duch Ihre Kriegswirtschaft, ab 2029 zu einem Angriff der Nato/Deutschland bereit sind. Also wer das noch leugnet, dem ist nicht zu helfen!

  12. 25.

    Wieso ,,umstritten''? das Ding wird bald benötigt werden! Ich sage nur: 2029!

  13. 24.

    Deswegen wird Arrow ja auch in Deutschland stationiert, weil wir und viele andere Europäer von ballistischen Mittelstrecken bedroht werden.
    Nicht so die Ukraine. Deswegen sind in der Ukraine Patriot- und Iris-T-Systeme im Einsatz.

  14. 23.

    Wer ist denn „man“?
    Und wann hat er oder sie von Heilsbringer gesprochen?
    Ich interpretiere und verstehe das als ein Teil eines komplexen Verteidigungssystems gegen komplexe Bedrohungsszenarien.
    Technologie aus Israel ist da sicher keine schlechte Wahl weil quasi täglich im echten Einsatz erprobt.

  15. 21.

    >"Gibt es wirklich jemanden der meint hätte die Ukraine Arrow gehabt, dann gäbe es keinen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ?"
    Naja... hinterher ist man immer schlauer. Sicher wäre es für Putin nicht so einfach bis fast unmöglich gewesen, wenn die Ukraine voll verteidigungsfähig gerüstet gewesen wäre. Aber da vor Selensky ein russischgelekter Staatsführer an der Macht war und der sich auf Putins Waffen verlassen konnte, gabs nach dem Sturz der alten Regierung eben nur wenige Waffen in der Ukraine. Das wusste Putin natürlich und ehe die Ukraine unter dem neuen Parlament sich rüsten konnte gegen den angriffslustigen Nachbarn, musste Putin fix einmarschieren, um seine Einfluss-Sphere wieder herzustellen.

  16. 20.

    Es ist schon merkwürdig wie man meint dieses System ist der Heilsbringer.
    Gibt es wirklich jemanden der meint hätte die Ukraine Arrow gehabt, dann gäbe es keinen russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ?
    Scheint aber der neue Weg zu sein… Hauptsache man macht irgendwas.

  17. 18.

    Spätestens seit es Satelliten gibt, guckt der Gegner ab dem ersten Tag bei den Bauarbeiten zu.