Berliner Charité - Studie beschäftigt sich mit Drebkauer Ambrosia-Allergikern

Di 25.03.25 | 12:47 Uhr
Eine ausgerissene Beifuß-Ambrosiapflanze (Ambrosia artemisifolia) wird am 12.07.2016 nahe Vetschau (Brandenburg) von einer Hand im Gummihandschuh gehalten. (Quelle: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul)
Bild: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul

Eine Studie der Charité Universitätsmedizin Berlin hat erstmals die Auswirkungen von Ambrosia auf Anwohner im Raum Drebkau (Spree-Neiße) untersucht. Demnach reagieren die untersuchten Probanden in und um Drebkau, einer Region mit den größten Ambrosiabeständen deutschlandweit, durchaus häufiger allergisch auf Ambrosiapollen als anderswo.

Für seine Untersuchung hat der in Cottbus ansässige Lungenfacharzt Ulf Gereke 129 Probanden im Drebkauer Raum untersucht. Die vergleichsweise kleine Stichprobe liefert damit erste, eindeutige Hinweise darauf, dass Menschen, die häufiger mit Ambrosiapollen in Kontakt kommen, eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, allergische Reaktionen zu entwickeln. Dies müsse jedoch in Folgestudien noch näher beleuchtet werden, so der Arzt.

Ein Bild von Lungenfacharzt Ulf Gereke.
Lungenfacharzt Ulf Gereke | Bild: rbb

Ambrosia verlängert für viele Allergiker-Saison

Ambrosiapollen verursachen Reaktionen wie bei einem Heuschnupfen, sie können zu Nies- und Juckreiz sowie tränenden Augen und einer laufenden Nase führen. Dabei zählt Ambrosia zu den stärksten Allergie-Auslösern: Rund eine Milliarde Pollen verbreitet eine einzelne Pflanze - und das bis zu 400 Kilometer weit. Schon zehn Pollen pro Kubikmeter Luft können körperliche Reaktionen hervorrufen. Bei Gräsern sind beispielsweise 50 Pollen pro Kubikmeter Luft nötig.

Darüber hinaus verlängert Ambrosia für viele die Allergiker-Saison. Wer empfindlich auf Ambrosia reagiert, ist fast immer auch auf andere Pollen allergisch. Im Frühjahr beginnen die Beschwerden dann mit den Frühblühern, ziehen sich mit einer möglichen Gräserallergie über den Sommer - und enden erst mit dem ersten Frost, wenn auch der Pollenflug der Ambrosia endet. Diese Menschen sind oft nur etwa drei Monate im Jahr beschwerdefrei.

Der Wegzug in ein anderes Gebiet kann da nur bedingt Abhilfe schaffen. Wie die Studie zeigt, entwickeln Menschen, die empfindlich auf Ambrosia reagieren, auch allergische Reaktionen gegenüber dem Beifuß. Er ist eng verwandt mit dem beifußblättrigen Traubenkraut Ambrosia und fast überall in Deutschland verbreitet.

Land muss zukünftige Maßnahmen noch beschließen

Aus den Ergebnissen könne das Land Brandenburg nun Rückschlüsse zum Umgang mit der Pflanze ziehen, so Gereke. Denn noch ist offen, ob und wie viele Mittel der Landtag im nächsten Haushalt zur Bekämpfung der invasiven Art bereitstellen wird.

Bislang versucht das Land mit verschiedenen Maßnahmen gegen die Ausbreitung vorzugehen. 600.000 Euro wurden dafür im letzten zwei Jahren eingesetzt, so der Koordinator zur Ambrosiabekämpfung, Matthias Hoffmann. Das Land habe Firmen beauftragt, die zum Beispiel mit Heißwasser verstärkt gegen Ambrosia am Straßenrand vorgehen.

Kommunen können die Pflanze mit Mitteln des Landes selbstständig bekämpfen. Außen vor sind bislang die Landwirte: Um die Verbreitung auf ihren Flächen müssen sie sich selbst kümmern, das Land steht hier laut Hoffmann lediglich beratend zur Seite.

Mit Blick auf die Behandlung der Patienten sagt Lungenfacharzt Ulf Gereke: "Wir als Ärzte rennen dem Problem eigentlich hinterher." Es gebe zwar Medikamente, um die Allergiereaktionen zu lindern. So wie andere Antihistaminika auch würden diese laut Betroffenen aber oft müde machen.

Meist hilft den Patienten dann nur eine sogenannte Hyposensibilisierung, bei der dem Körper Allergenextrakte gespritzt werden, damit dieser nicht mehr überreagiert. Um die weitere Verbreitung von Ambrosia zu bekämpfen, hält Gereke vor allem gebündelte und koordiniertere Aktionen zur Beseitigung der Pflanze für sinnvoll.

Nächster Artikel