Regionalsprache - Mehrere Ortsschilder im Brandenburger Norden jetzt auch auf Plattdeutsch

Di 25.03.25 | 17:26 Uhr
  10
Das niederdeutsche Ortsnamenverzeichnis als Broschüre beim MWFK erschienen. (Quelle: platt-in-brandenburg.de)
platt-in-brandenburg.de
Audio: Antenne Brandenburg | 25.03.2025 | Britta Streiter | Bild: platt-in-brandenburg.de

In mehreren Dörfern im Norden Brandenburgs gibt es jetzt neue Ortsschilder auf Plattdeutsch.

Die zweisprachigen Tafeln wurden am Dienstag in zehn Orten der Kommune Wittstock (Ostrprignitz-Ruppin) angebracht, wie das Kulturministerium mitteilte. Der Behörde zufolge war im Jahr 2020 der Wittstocker Ortsteil Sewekow-Sävko das erste Dorf mit einer hoch- und niederdeutschen Ortstafel.

Berlinchen ist nun auch Berlinken und Dossow Doss

Neu hinzugekommen seien jetzt Babitz-Boats, Berlinchen-Berlinken, Dossow-Doss, Freyenstein-Freinsteen, Gadow-Jorro, Rossow-Rosso und Schweinrich-Schwienrich sowie Groß Haßlow-Grot Hasslo mit seinen Gemeindeteilen Randow-Ranno und Klein Haßlow-Kleen Hasslo, hieß es. Damit trügen künftig neun der 18 Wittstocker Ortsteile sowie zwei Gemeindeteile eine zweisprachige Ortstafel. In Brandenburg gebe es außerdem noch in Lunow-Luune im Barnim, Fredersdorf-Fräesdörp im Fläming und Bebersee-Beversee in der Uckermark Ortsschilder auf Plattdeutsch.

Schutz des Niederdeutschen in der Verfassung

Kulturministerin Manja Schüle (SPD) erklärte, es sei gut, dass die Sichtbarkeit der einzigen deutschen Regionalsprache durch zweisprachige Ortstafeln erhöht werde. Das Niederdeutsche gehöre zum kulturellen Erbe und zur Zukunft Brandenburgs, stifte Identität und bereichere das Land.

Niederdeutsch ist den Angaben zufolge eine germanische Sprache, die mit dem Englischen und Friesischen verwandt ist. Sie werde derzeit in acht Bundesländern gesprochen, hieß es. Das traditionelle niederdeutsche Sprachgebiet in Brandenburg reiche vom Fläming über
Havelland, Prignitz, Uckermark und Barnim bis zum Oderland. 2022 wurden Schutz und Pflege der Sprache in die Landesverfassung aufgenommen.

Sendung: rbb24 Brandenburg Aktuell, 25.03.2025, 19:30 Uhr

Nächster Artikel

10 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 10.

    Tolle Sache, hat der Brandenburger MP nicht gerade gesagt man müsse sparen? Fragen Sie mal die Einwohner dieser Dörfer. Die Zucken mit den Schultern und sagen das es ihnen schnuppe ist. Wieviel Leute wurden da schon wieder in der nötigen Planung und Umsetzung beschäftigt? Einfach nur noch zum totlachen.

  2. 9.

    Würde man jeden deutschen Dialekt verschriftlichen könnten wir wahrscheinlich mehrere Dutzend Völker zusätzlich konstruieren. Die Schriftsprache dient jedoch zunächst der Informationsweitergabe und nur im Nebenzweck dem regionalen Kulturerhalt. Außerdem setzt sich solche staatlich gewollte Verschriftlichung ohnehin kaum durch wie man z. B. in Luxemburg sehen kann. Dort versuchte man nach 1945 in gewollter kultureller Abgrenzung zum sonstigen deutschen Sprachraum, den moselfränkischen Dialekt zur Amtsschriftsprache zu machen. Ein Blick in die luxemburgischen Medien zeigt jedoch, dass die Gesellschaft trotz dieser politischen Vorgabe weiterhin Standarddeutsch verwendet oder auf Französisch ausweicht.

  3. 8.

    >"Genau das haben wir auch gebraucht. Für solchen Schwachsinn ist Geld da."
    So Schwachsinn für die Leuts dort ist das gar nicht. Das hat was mit regionaler Identität zu tun. Die Schilder werden nur in neu ersetzt, wenn die ersetzt werden müssen z.b. bei in dieser Gegend sehr häufigem Diebstahl oder weil die Schilder nach Jahrzehnten einfach mal fertig sind.

  4. 7.

    Der Massenklau von Ortsschildern hat System, die bösen Diebe haben einen Schild Fetisch. Schüttel meinen Kopf und so.


    Lesen Sie sich mal den Kommentar von Suse durch, das ist ein super informativer und erfreulicher Kommentar.


  5. 6.

    Ach, nun habt euch mal nicht so. Anders als Berlin bei Straßenumbenennung im Afrikanischen Viertel muss ja niemand zum Bürgeramt und seine Anschrift korrigieren lassen. Auch wenn es nur ein Ortsschild ist, ist es doch ein Symbol der Heimatverbundenheit und Geschichte der Orte. Es gibt doch Orte, die auch kulinarisch mit ihrer Geschichte punkten.
    Was macht den Spreewälder stark - Pellkartoffeln mit Quark, Quark alleene macht krumme Beene. Leinöl dazu!
    Dann gibts noch Klemmkuchen im Fläming oder Teltower Rübchen, Obstwein aus Werder...
    Sicher gibt es in eurer Gegend auch Besonderheiten aus Küche und Keller, längst vergessene Anekdoten und bekannte Persönlichkeiten, technische Sachen aus eurer Region. Vermarktet es, das machen andere auch und zwar mit Erfolg. Der Anfang ist gemacht, die Schilder sind gute Werbung für eure Region. Viel Erfolg!

  6. 5.

    Ich wohne direkt neben einem Ortsausgangsschild, ich kann Ihnen versichern, es ist seit Jahrzehnten nicht geklaut worden.

  7. 4.

    Ortschilder werden massenhaft geklaut. Wir haben andere Sorgen. Schulen, Kitas uuu.

  8. 3.

    Genau das haben wir auch gebraucht. Für solchen Schwachsinn ist Geld da.

  9. 2.

    Das kann schon sein, Köln und Wien waren auch mal römisch, wurden danach aber von Menschen besiedelt, die keine Römer waren. Im Fläming gibt es Ortsnamen slawischen Ursprungs und irgendwann kamen Menschen aus Flandern und Hugenotten mit Frikassè über die Chaussee, tranken Champagner im Chateau, Chapeau! So wie heute Anglizismen Einzug in unsere Sprache halten, war es damals wohl auch. Meine Großmutter erzählte, dass sie in der Schule mal so schreiben sollten, wie sie sprachen, also Flämingplatt. Als sie das Geschriebene vorlesen sollten, gab's Problemchen. Mühlenflügel = Mellenflettich, Pluumkuke = Pflaumenkuchen.
    Kinderlied: Klatsche, klatsche Händeken, backt det Kind een Semmelken, schmeert ook orntlich Puttere rupp, esst det Kind ook alles up.
    Wäre schade, wenn's verloren geht, denn "ich geh EDEKA" ist wohl neudeutsch.

  10. 1.

    Was meint ihr mit hoch- und niederdeutschen Ortsbezeichnungen? Der Ortsnamen Sewekow geht meines Erachtens auf einen slawischen Ursprung zurück.