Berlinale-Preisträger - Palästinensischer Regisseur Ballal offenbar von jüdischen Siedlern angegriffen

Di 25.03.25 | 15:54 Uhr
Regisseur Hamdan Ballal steht am 17.02.2024 während der 74. Berlinale beim Roten Teppich vor dem Dokumentarfilm „No Other Land“ (Sektion Panorama Dokumente) im Kino International.
dpa
Audio: Radio3 | 25.03.2025 | Kultur Kompakt | Bild: dpa

Hamdan Ballal, palästinensischer Co-Regisseur des mit dem Dokumentarfilmpreis der Berlinale ausgezeichneten Films "No Other Land", soll im israelisch besetzten Westjordanland verletzt worden sein. Nach ersten Berichten wurde er von israelischen Siedlern angegriffen. Anschließend hätten israelische Soldaten den Filmemacher festgenommen, berichteten palästinensische Aktivisten und Kollegen Ballals.

Am Dienstag wurde Ballal dann von den israelischen Behörden nach einer Nacht in Gewahrsam wieder freigelassen. Journalisten der Nachrichtenagentur AP beobachteten, wie Ballal und zwei mit ihm festgenommene Palästinenser am Nachmittag eine Polizeiwache in der Stadt Kirjat Arba im besetzten Westjordanland verließen. Ballal hatte demnach Blutergüsse im Gesicht und Blut an seiner Kleidung. Die drei Männer wurden in ein Krankenhaus in der Stadt Hebron gebracht.

Film über Vertreibung von Palästinensern

Der Dokumentarfilm, den Ballal mit den Israelis Yuval Abraham und Rachel Szor sowie dem Palästinenser Basel Adra gedreht hatte, gewann im vorigen Jahr den Dokumentarfilmpreis bei der Berlinale und Anfang März in Los Angeles den Oscar für den besten Dokumentarfilm. "No Other Land" dreht sich um die Vertreibung von Palästinensern im Westjordanland durch Soldaten im Auftrag der israelischen Regierung und erzählt, wie sich Palästinenser in Susja und der umliegenden Landschaft Masafer Jatta südlich von Hebron für den Erhalt ihrer Dörfer und ihres Landes einsetzen.

Hamdan Ballal, palästinensischer Co-Regisseur des mit dem Oscar ausgezeichneten Dokumentarfilms No Other Land, wird am 24.03.2025 in seinem Haus im israelisch besetzten Westjordanland vom israelischen Militär festgenommen. (Quelle:Picture Alliance/AP/Raviv Rose)
Mehrere Männer werden im Westjordanland von der israelischen Armee festgenommen, einer der Männer soll Ballal sein. | Bild: Picture Alliance/AP/Raviv Rose

Die nicht-staatliche Organisation Center for Jewish Nonviolence teilte über die Plattform Bluesky mit, Ballal sei am Montagabend in seinem Heimatdorf Susja von israelischen Siedlern angegriffen worden. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hatte er am Fest des täglichen Fastenbrechens im Ramadan teilgenommen. Die Angreifer seien mit Schlagstöcken, Messern und mindestens einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen. Mehrere seien maskiert gewesen.

Nach Medienberichten sollen Dutzende Siedler Steine in Richtung der Bewohner, Häuser und Autos des Dorfes geworfen haben. Vier Palästinenser seien verletzt worden, unter ihnen Ballal. Er soll von einem Stein am Kopf getroffen worden sein.

Das israelische Militär teilte mit, dass "einige Terroristen" Steine auf Israelis geworfen und ihre Fahrzeuge beschädigt hätten. Daraufhin hätten sich Gruppen von Israelis und Palästinensern gegenseitig mit Steinen beworfen. Polizei und Armee hätten die Gruppen voneinander getrennt.

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Berlinale reagiert in Mitteilung

Die Berlinale bezeichnete die Berichte über Ballal am Dienstag in einer Mitteilung bei Instagram als "sehr beunruhigend". Die Sicherheit der Filmemacher liege der Berlinale-Community am Herzen, hieß es. "Wir fordern seine sichere Rückkehr zu Freunden und Familie." Die Rollen des Journalismus und des Dokumentarfilms müssten geschützt und seine Macher vor Repressalien und Gewalt bewahrt werden.

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Eklat auf der Berlinale 2024

Bei der Preisverleihung bei der Berlinale war es im Vorjahr zum Eklat gekommen. Adra nahm in seiner Dankesrede Bezug auf den bewaffneten Konflikt im Gaza-Streifen und sagte: "Es ist für mich sehr schwer zu feiern, wenn Zehntausende meines Volkes in Gaza gerade durch Israel abgeschlachtet werden." Zudem richtete er den Appell an Deutschland, keine weiteren Waffen an Israel zu liefern. Sein Co-Regisseur, der israelische Journalist Yuval Abraham, sprach von einer "Situation der Apartheid" im Westjordanland.

Im Saal hatte es Applaus und Unterstützung gegeben. Im Anschluss gab es Kritik, auch aus der Politik, weil nur einseitig Vorwürfe gegen Israel laut wurden, ohne dass das Oktober-Massaker der islamistischen Hamas-Terroristen erwähnt wurde, das den aktuellen Konflikt ausgelöst hatte. Nachträglich distanzierte sich die Festivalleitung von den Aussagen, nicht aber vom ausgezeichneten Film.

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Sendung: Radio3, 25.03.2025, 07:30 Uhr

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