Erster Katastrophenschutz-Leuchtturm - Cottbuser haben im Katastrophenfall nun einen Zufluchtsort

Fr 26.07.24 | 15:43 Uhr
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Michael Stübgen übergibt das Schild für den Katastrophenschutz-Leuchtturm an Oberbürgermeister Tobias Schick (Foto: rbb/Kabisch)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.07.2024 | Holger Kessler | Bild: rbb/Kabisch

Egal ob Blitzeinschläge, Sabotage oder Überlastung: Auch in Krisenzeiten soll es in Brandenburg an festgelegten Orten Strom, Wasser und Wärme geben. Dafür werden Katastrophenschutz-Leuchttürme geschaffen. Der erste ist nun in Cottbus sichtbar.

Die Stadt Cottbus hat als erste Stadt in Brandenburg am Freitag eine Beschilderung für einen Katastrophenschutz-Leuchtturm im Land Brandenburg bekommen. Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) hat sie an Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) übergeben.

Zusammen haben sie die Plakette an der Turnhalle in der Christoph-Kolumbus-Grundschule im Cottbuser Ortsteil Sandow angebracht. Sie dient als ein stationärer Anlaufpunkt im Katastrophenfall.

Bei einem Großbrand oder langanhaltenden großflächigen Stromausfall werden die Anwohnerinnen und Anwohner dort mit Informationen, Trinkwasser und warmem Essen versorgt. Außerdem wird eine medizinische Betreuung angeboten. In Cottbus sind 15 Anlaufpunkte geplant, die meisten davon sind Turnhallen [cottbus.de].

In der Turnhalle der Christoph-Kolumbus-Grundschule Cottbus wird die Telefonausrüstung für den Notfall gezeigt, auf einem Tisch stehen mehrere Satelitentelefone (Foto: rbb/Kabisch)
In der Turnhalle der Christoph-Kolumbus-Grundschule Cottbus wird die Telefonausrüstung für den Notfall gezeigt. Sie besteht aus mehrere Satellitentelefonen. | Bild: rbb/Kabisch

Bekannt und leicht erreichbar

Cottbus ist laut Innenministerium der erste vollständig eingerichtete Katastrophenschutz-Leuchtturm. Es gehe darum, den Menschen bei schwereren Katastrophen Hilfe zu geben, sagte Innenminister Stübgen bei der Eröffnung gegenüber dem rbb. "Es gibt noch aus dem Bundestag ein älteres Konzept, das empfiehlt solche Katastrophenschutz-Leuchttürme." Der Begriff Leuchtturm bedeute, dass sie bekannt und leicht erreichbar sein müssten.

Darüber hinaus sei definitiert, was grundsätzlich für Leistungen an diesen Orten angeboten werden müssen. Dazu würden auch Satellitentelefone gehören, mit denen man, "wenn gar nichts mehr gehen sollte, Nachrichten an Verwandte und dergleichen absetzen könnte", so Stübgen. Jeder dieser Anlaufpunkte müsse laut Innenministerium einen täglichen Betrieb von zwölf Stunden gewährleisten.

Über 300 Anlaufstellen geplant

Brandenburg baut bis zum Jahresende ein flächendeckendes Netz mit Anlaufstellen für Katastrophenfälle auf. Das Land sieht einen Bedarf von mindestens 308 dieser zentralen Anlaufpunkte. Dabei sei auf die Bevölkerungsstruktur und Fläche der jeweiligen Landkreise geschaut worden, heißt es. Um diese aufbauen zu können, stellt das Land den kreisfreien Städten und Landkreisen über 40 Millionen Euro zur Verfügung, gut 1,5 Millionen davon allein für Cottbus.

"Einige Landkreise und kreisfreie Städte errichten darüber hinaus in Eigeninitiative 18 zusätzliche Leuchttürme, so dass zum aktuellen Zeitpunkt insgesamt 326 Katastrophenschutz-Leuchttürme errichtet werden sollen", heißt es in der Mitteilung des Innenministeriums. Das nötige Personal muss geschult werden. Darum kümmern sich laut Innenminister Stübgen die Kommunen.

"Cottbus ist für uns nur der Anfang, um mit der Beschilderung und dem Erkennungszeichen für die Katastrophenschutzleuchttürme deutlich zu machen, dass nicht nur irgendetwas vorgehalten und gebaut wird", sagte Staatssekretär Markus Grünewald dem rbb. Es werde mit der Beschilderung deutlich gemacht, "wenn es hier zu einer Katastrophe, zu einer schwierigen Lage käme, habt ihr hier ausgewiesen den Standort, wo ihr euch einfinden könnt."

Eine Nahaufnahme des Katastrophenschutz Leuchtturm-Schilds (Foto: rbb/Kabisch)

Die Anlaufstellen sind in keinem Dauerbetrieb, sondern werden in einer Art Stand-by gehalten. Sollte es zum Ernstfall kommen, sollen sie in kurzer Zeit arbeitsfähig sein.

So sollen die Katastrophenschutz-Leuchttürme im Land verteilt sein

Landkreis/kreisfreie Stadt Anzahl
Barnim 20
Dahme-Spreewald 20
Elbe-Elster 17
Havelland 18
Märkisch-Oderland 20
Oberhavel 20
Oberspreewald-Lausitz 15
Oder-Spree 20
Ostprignitz-Ruppin 18
Potsdam-Mittelmark 34
Prignitz 16
Spree-Neiße 16
Teltow-Fläming 19
Uckermark 20
Brandenburg/Havel 11
Cottbus 15
Frankfurt (Oder) 11
Potsdam 16

Quelle: Brandenburger Innenministerium. Stand: 26.07.2024

Brandenburg ist Blaupause

Auch im Barnim laufen die Vorbereitungen für die Eröffnung solcher Leuchttürme auf Hochtouren. Der Landkreis habe bereits Fördermittel erhalten, sagte Landrat Daniel Kurth dem rbb. "Wir haben allein als Landkreis über zwei Millionen Euro bekommen und das Land beschafft viele Dinge zentral, zum Beispiel Notstromaggregate", so Kurth.

Diese sind auf Anhängern verbaut. Der Landkreis hat laut Kurth 18 davon geordnet. "Wir haben schon Geld in die Pipeline gegeben, sie sollen demnächst geliefert werden." Der Landkreis sei zurzeit mit den Städten Eberswalde, Bernau und auch den Ämtern im Gespräch, wo genau sie ihre Katastrophenschutz-Leuchttürme eröffnen wollen.

Laut Innenminister Stübgen ist Brandenburg mit dem Projekt eine Blaupause für andere Bundesländer. Dort gebe es zwar verschiedene Strukturen und Konzeptionen, so Stübgen, "aber eins, was über das gesamte Land flächendeckend konzeptionell so organisiert, durchstrukturiert und finanziert wird, gibt es bisher in keinem anderen Bundesland." Deshalb sei die Nachfrage groß. "Auch unser Entwurf des Logos wird voraussichtlich bundesweit übernommen", so der Innenminister. Einheitlichkeit sei dabei wichtig, damit jeder den Ort erkenne, wo es Unterstützung gibt.

Wie so ein Katastrophenschutz-Leuchtturm funktioniert, soll laut Innenministerium exemplarisch auf dem Tag des Bevölkerungsschutzes am 7. September auf dem Gelände der Landesschule und Technische Einrichtung für Brand- und Katastrophenschutz (LSTE) in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) vorgestellt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.07.2024, 10:30 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Deutschland muss kriegstüchtig werden . So lautet die Parole fast aller größeren Parteien, die im Bundestag vertreten sind.
    Hier wird versucht mit untauglichen Mitteln der Bevölkerung Sicherheit zu suggerieren, die es nicht geben wird.
    Welche Katastrophen hat denn das Innenministerium im Auge ?
    Vulkanausbrüche, Erdbeben, Eiszeit, Hochwasser ?

  2. 1.

    "Wir haben allein als Landkreis über zwei Millionen Euro bekommen..." Hier wird viel Geld ausgegeben (wessen Geld eigentlich) um einer Bedrohungslage vorzubeugen, von der gar nicht klar wird, wie realistisch sie eigentlich ist. Geht es hier um belegbare Katastrophenvorhersagen oder geht es hier um die Angst in den Köpfen von Leuten, die sich durch das Leben überfordert fühlen und überall Bedrohungen sehen. Ich vermute eher Letzteres.
    Wie ist oft wäre in den letzten zehn Jahre so ein Schutzraum tatsächlich gefragt gewesen und ohne Alternative.
    Wenn ich den Artikel lese, dann habe ich das Gefühl "die Angst geht um" und ich vermute sie wird genau von denen ausgelöst, die jetzt hier Schutzräume wie in einem Kriegsgebiet haben wollen.

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