Milliarden für die Bundeswehr - Berliner Industrie und Startups stellen auf Rüstung um

Mo 24.03.25 | 08:10 Uhr | Von Martin Küper, Efthymis Angeloudis
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Nahkampfdrohne.(Quelle:rbb)
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Video: rbb24 Abendschau | 23.03.2025 | Nachrichten | Bild: rbb

Nach Grundgesetzänderung und Zustimmung des Bundesrats stehen auf einmal Milliarden für Investitionen in die Rüstung bereit. Industrie und Startups aus Berlin stellen um, um vom Rüstungspaket zu profitieren. Von Martin Küper und Efthymis Angeloudis

Eine mit künstlicher Intelligenz gesteuerte Nahkampfdrohne, die mit 250 Stundenkilometern feindliche Drohnen abfängt, ist nur eins von gut 40 Projekten, die im Berliner Cyber Innovation Hub der Bundeswehr entwickelt und in der Truppe aktiv genutzt werden. "Diese sorgt mit einer Kollision Drohne gegen Drohne dafür, dass die Drohne dann entsprechend zum Absturz gebracht wird", sagt Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hub dem rbb. Eine kostengünstigere Lösung, als die unbemannten Luftfahrzeuge mit weitaus teureren Raketen abzufangen.

Dabei sind Kosten momentan nicht unbedingt das wichtigste Ausschlusskriterium bei der Entwicklung von Rüstungsgütern. Nach dem Bundestagsbeschluss zu weitgehenden Ausnahmen für Rüstungsausgaben von der Schuldenbremse hoffen Rüstungsunternehmen und Startups auf einen Investitionsschub. Ein Teil der Gelder könnte auch nach Berlin fließen, wo mit dem Pilotprojekt des Cyber Innovation Hub der Rahmen für die Zusammenarbeit mit Tech und Industrie gesetzt wird.

Projekte für militärische und zivile Nutzung

Denn die Projekte sind nicht nur von Soldaten und Programmierern erdacht, sondern auch von Startups aus der Deep Tech-Szene. "Wir treten an das Startup heran und agieren als Bindeglied zwischen der militärischen und der zivilen Welt, denn es ist unsere Aufgabe, das zu steuern und dann das Projekt auch gemeinsam umzusetzen", definiert Weizenegger die Aufgabe des Pilotprojekts.

Und es gibt einige Berliner Gründer mit Militäraufträgen, wie zum Beispiel einem Satellitenentwickler, der mit Quantentechnologie Verschlüsselungen anbietet, die strategische Kommunikation vor feindlichen Zugriffen schützen soll. Oder einem Space-Startup, das hilft illegale Regenwald-Rodungen zu entdecken – aber auch die Nato mit detailgenauen Bildern aus dem Weltraum beliefert.

Startups, die für militärische, aber auch zivile Nutzung entwickeln sind keine Seltenheit. Die Wirtschaftsförderung des Landes Berlin kennt inzwischen 50 Beispiele. "Das sind Firmen, die gerade aus dem Optik-, Photonikbereich kommen, aber auch aus dem Medizintechnikbereich und das wird nun natürlich immer mehr", sagt Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie. Gerade weil man jetzt sehe, dass Europa und Deutschland ihre Verteidigung in die eigene Hand nehmen müssen. "Und das merkt man auch in der Wirtschaft."

Rüstungs-Milliarden - ein sicheres Geschäftsmodell

Gemerkt hat man das auch bei der kriselnden Autoindustrie. Der Automobilzulieferer Pierburg in Gesundbrunnen, der zum Rheinmetall-Konzern gehört, denkt gerade auch um: "Das Werk Berlin soll - neben den Aktivitäten in der Brennstoffzellentechnologie - künftig überwiegend mechanische Komponenten für den militärischen Bedarf fertigen", teilte der Rüstungskonzern mit. Was genau hier produziert werden soll, will der Konzern noch nicht sagen. Berlin sei jedoch für Rheinmetall ein hochattraktiver Standort, nicht nur aufgrund der Nähe zu wichtigen Kunden, der Bundeswehr beziehungsweise der Bundesregierung.

Die vielen Rüstungs-Milliarden - das klingt nach einem sicheren Geschäftsmodell. Doch Rüstung ist nicht für jeden in Berlin eine gern gesehene industrielle Ansiedlung. So haben letzten Samstag vor dem Brandenburger Tor etwa 1.000 Menschen gegen die Aufrüstung der Bundeswehr demonstriert.

IG Metall: "Scheiß" lieber in Deutschland bauen

Sorgen um die Ablehnung durch die Gesellschaft macht sich Rheinmetall nicht. Meinungsumfragen zeigten, dass eine deutliche Mehrheit der Deutschen der Auffassung sei, dass Deutschland mehr für die äußere Sicherheit tun müsste, sagt ein Sprecher des Rüstungskonzerns dem rbb. "Dies ist das vorrangige Ziel unserer Aktivitäten."

Zumal die IG Metall sich nicht den Forderungen der Protestierenden anschließt. "Keiner will Krieg. Wir alle wollen eine Welt, in der wir ohne Kriegshandlung auskommen", sagt Jan Otto, von der IG Metall Berlin dem rbb. Wenn man aber eine Bundeswehr haben wolle, die unterstützen und abschrecken sowie auch anderen Staaten helfen könne, dann brauche man Ausrüstung. "Alle aktuellen Umfragen belegen doch: Wenn wir den Scheiß bauen müssen, dann bauen wir ihn lieber hier in Deutschland."

Sendung: rbb24 Abendschau, 23.03.2025, 19:30 Uhr

Beitrag von Martin Küper, Efthymis Angeloudis

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131 Kommentare

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  1. 131.

    Genau das ist der Unterschied zu den Ossis. Die Ossis lebten 40 Jahre in Unfreiheit, daran kann man sich schon gewöhnen und die persönliche Freiheit als diesen Kapitalismus ablehnen.

  2. 130.

    Du vielleicht, andere nicht.

  3. 129.

    Der Russe Lawrow ist übriges die Quelle für den Inhalt meines zweiten Absatzes. Lesen Sie mal sein Interview von 2005 im Handelsblatt. Putin 2002 und er haben erst Bukarest 2008 möglich gemacht.

  4. 128.

    Deutsches Wunschdenken zu eigenen Vorteilen. Anderen spricht du nationale Interessen ab. Merkst Du selbst, oder. Warum soll die Welt nach unseren Maßstäben ticken? Wir sind nicht der Nabel der Welt. Im Maßstab sind wir bellende Pinscher und einem Gehege mit Kampfhunden und Doggen.

  5. 127.

    Freiheit muss immer verteidigt werden . Ich bin glücklich das ich 60jahre in Freiheit leben durfte. Leider gibt es antidemokratische Wirrköpfe in Ost und West die Freiheit nach ihrer Art nicht wollen. Also müssen wir uns bewaffnen um unsere Freiheit weiter zu genießen.
    Wenn uns Startup dazu uns verhilft, dann gibt ihnen das Geld. Es bringt Arbeitsplätze und Steuern.
    Von 100€ sind 19€Umsatzsteuer die der Staat wieder bekommt.

  6. 126.

    Reden sie mit mir?! Also mir müssen sie nun wahrlich keinen Geschichtsunterricht erteilen. Meine Sinnesorgane funktionieren sehr gut und ich kann noch zwischen Vladof Puttler und dem Völkerrecht unterscheiden.

  7. 125.

    Wie kann dies ein innersowjetischer Konflikt sein, wenn die Sowjetunion seit 1991 durch die einzelnen Unabhängigkeitserklärungen der Mitgliedstaaten überhaupt nicht mehr existiert und der Oberste Sowjet selbst 1954 die Krim an die Ukrainische SSR übergab?! Und was ist eigentlich mit dem Budapester Memorandum von 5. Dezember 1994 das auch Boris Jelzin unterzeichnete? Es ist schon bemerkenswert, dass sich die USA unter Trump offenbar an ihre eigenen gemachten Sicherheitsgrarantien zur Ukraine gegenüber eines widererwartenden "umschwenkenden" Russlands nicht mehr erinnern können.

  8. 124.

    Sie bringen die zeitliche Reihenfolge durcheinander und haben immer noch nicht verstanden, dass Gorbatschow bereits 2014 das russische 2+4-Märchen als Lüge entlarvt hatte. Seit ein paar Jahren sind neue russische Raketen auf uns gerichtet, wir haben dem gegenüber bekanntlich eine Fähigkeitslücke im Mittelstreckenbereich.

    Wenn das Prinzip der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Ukraine beibehalten worden wäre und Moskau der Ukraine das Recht gelassen hatte, sich ihre Partner selbst auszusuchen, gäbe es jetzt nicht deshalb die Gefahr eines neuen Kalten Krieges. Es ist das Recht eines jeden Staates, sich seine Partner selbst zu wählen, selbst zu entscheiden, welcher Organisation sie beitreten wollen. Die Souveränität der Nachfolgestaaten der Sowjetunion muss auch Putin akzeptieren.

  9. 123.

    Warum denn überhaupt Armeen? Wäre es nicht billiger eiben unentgeltlichen ÖPNV und BahnhofsHotels für Invasoren aufzubauen, dann könnten diese den militärischen Schnickschnack in der Heimat belassen und Europa wie einst Mallorca von den Nordwesteuropäer ohne Ballast erobern?

  10. 122.

    Auch an dich: Osteuropa ist nicht russisches Eigentum.

    Den INF-Vertrag hat Russland durch die Entwicklung und Stationierung der Iskander-Rakete gebrochen. Die Dinger stehen in Kaliningrad.

    Noch irgend etwas unklar?

  11. 121.

    Russifizierung ist mit Vertreibung immer schon ein imperialistisches Werkzeug Russlands gewesen. Die baltischen Staaten haben ja nicht eine 20%ige russische Minderheit weil s eine Willkommenskultur für Russland gab. Die Krim wurde auch gewaltsam besiedelt. So fragt man sich warum hier immer noch einige von historischen Ansprüchen reden. Im Übrigen ist es in russland immer noch üblich Polen sein Existenzrecht abzusprechen, das gilt auch im Zusammenhang mit der Ukraine. Daher ist es sinnvoll jetzt, eigentlich schon früher, Schulden für eine wirksame Verteidigung zu machen.

  12. 120.

    Ist ganz einfach: unser Sozialstaat. Den gibt es in Russland nicht. In Russland müsste die Schwiegermutter von 100€ leben, bei Preisen teurer als bei uns (1 Rubel = 1türkische Lira).

    Aber auf die "Fritzen und Faschisten" schimpfen. Minderwertigkeitskomplexe.

  13. 119.

    Die eigentliche Ursache waren Provokationen von Geheimdienstlern wie Girkin. Das Krim-Referendum war gefälscht, die grünen Männchen waren russische Soldaten.


    Welche ihrer Fakenews soll ich noch entkräften?

  14. 118.

    Russen mit deutschen Pass wählen AFD, In meiner Familie gibt es einen priviligierten ehemaligen DDR-Bürger. Dieser hatte in Moskau studiert und war Stasi Informant. Hat eine Russin geheiratet und für ihn war die "Wende" eine Niederlage. es gibt viele wie ihn und die AFD ist nicht umsonst in Ostdeutschland so stark. Das die Faschisten die anderen , die aus dem Westen sind, passt genau zu Moskaus Verdrehung der Begrifflichkeiten.

  15. 116.

    Sie beschreiben 50 %. Zur Gänze zu bringen wäre das Ganze dadurch, dass bspw. Deutschland inzwischen in der Lage ist, zwischen Kulturgeschichte u. Territorialgeschichte zu unterscheiden, die nennenswerte Ansiedlung von Deutschen im Ausland nicht als Grund hernimmt, dort die Geschicke maßgeblich mit- o. gar allein zu bestimmen. Dass bspw. das dt.sprachige Stadtrecht aus Lübeck u. Magdeburg, was sich aus Gründen der Praktikabilität bis hinein in baltische und Schwarzmeer-Städte erstreckt hat, keinen Grund bietet, Territorialansprüche zu stellen. Letzteres aber macht Russland zweifellos mit dem Hinweis auf den Kiewer Rus (eine kulturgesch. Begebenheit) und in Bezug auf die verflossene Sowjetunion.

    Insofern liegt eine beidseitige Eskalation vor: Die russ.sprachige Minderheit als Vorposten des Mutterlandes zu betrachten und, auf der anderen Seite, gleich ihres Verhaltens ihnen wesentl. Minderheitsrechte vorzuenthalten.

    Der Konflikt ist nur kulturell, nicht militärisch zu lösen.

  16. 115.

    ROFLMAO! Die UdSSR existiert seit Jahrzehnten nicht mehr. Insofern lohnt es sich auch nicht, auf Ihre russischen Narrative zu den Scheinseferenden einzugehen.

  17. 114.

    Es sind die Putin-Zöglinge, die dem Westen Kriegstreiberei vorwerfen, aber kein Problem mit dem russischen Angriffskrieg samt begleitender hybrider Kriegsführung und dem lauten Säbelrasseln in Moskau haben. Mittlerweile dürften die meisten verstanden haben, dass Putin sehr wohl ein durchgeknallte Nationalist ist, der sich daran berauscht, Grenzen mit Gewalt zu verschieben und Diplomatie deshalb keine Chance hat. Bei der BTW hat es deshalb nur für weniger als 5% gereicht. Selbst "Dealmaker" Trump ist übrigens verlacht worden.

  18. 113.

    Warum denn überhaupt Armeen? Wäre es nicht billiger unentgeltlichen ÖPNV und BahnhofsHotels für Invasoren zu bauen, dann könnten diese den militärischen Schnickschnack in der Heimat belassen und Europa ohne Ballast erobern.

  19. 112.

    Der Krieg zwischen Rußland und der Ukraine ist erst einmal ein innersowjetischer Konflikt und nichts anderes.
    Dass es dem Westen nicht passt,dass durch das Referendum auf der Krim,das laut Westen so nicht ausgegangen sein darf,wie es laut Rußland ausging,das aber niemand im Westen überprüft hat,Sevastopol mit der russische Schwarzmeerflotte den Begehrlichkeiten der Nato entzogen wurde,ist die eigentliche Ursache des Krieges.Der zweite Punkt ist die Herstellung einer innerrussischen Landverbindung zur Krim,nachdem immer wieder versucht wurde die Krimbrücke unbenutzbar zu machen.Und dann kommt noch dazu,dass die russischsprachige Bevölkerung gezwungen werden sollte,ukrainisch zu sprechen.Und das ist analog so im Baltikum,deshalb haben die Balten ja die Befürchtung,dass Rußland kommt.An Polen oder gar der DDR,die mit der Roten Armee auch Putin verlassen hat,hat dieser kein Interesse.Das kann sich das deutsche Militär und auch die Politik,die einst an der Wolga stand nur nicht vorstellen.