Bundestagswahl - Neuauszählung in Tempelhof-Schöneberg: Grünen-Politiker bleibt Wahlkreissieger

Di 25.02.25 | 19:21 Uhr
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Stimmzettel der Bundestagswahl 2025 liegen am 25.02.2025 bei der öffentlichen Nachzählung von drei Wahlbezirken im Rathaus Schöneberg im Bezirk Tempelhof-Schöneberg auf einem Tisch. (Quelle: Picture Alliance/Jens Kalaene)
Video: rbb24 Abendschau| 25.02.2025 | Sebastian Schöbel | Bild: Picture Alliance/Jens Kalaene

61 Stimmen lagen nach der Wahl am Sonntag in Tempelhof-Schöneberg zwischen den Kandidaten von Grünen und CDU. Nach Unstimmigkeiten in der Dokumentation wurden die Stimmen in drei Wahlbezirken neu ausgezählt. Mit einem neuen alten Sieger.

Moritz Heuberger ist nach der teilweisen Neuauszählung der Erststimmen zur Bundestagswahl in Tempelhof-Schöneberg als Sieger bestätigt worden. Nach der Wahl am Sonntag hatte Heuberger einen knappen Vorsprung vor dem CDU-Kandidaten Jan-Marco Luczak im Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg. Drei der etwa 200 dortigen Wahlbezirke wurden seit dem Mittag neu ausgezählt, da es am Sonntagabend Unstimmigkeiten bei der Dokumentation gab.

Erst am Dienstag wurde klar, dass es letztlich nur um insgesamt drei Stimmen gehe - jeweils eine in den drei Wahlbezirken. Das sagte die Bezirkswahlleiterin.

Daher wurde nun neu ausgezählt - aber der Wahlkreissieg von Moritz Heuberger hat Bestand. Ausdrücklich hieß es von der Bezirkswahlleiterin, dass nicht der knappe Vorsprung an sich der Grund für die Auszählung gewesen sei.

Bei der Auszählung am Sonntag kam Heuberger auf 45.632 Erststimmen (24,7 Prozent). Jan-Marco Luczak erreichte 45.571 Stimmen und 24,6 Prozent.

Nicht die einzige Neuauszählung

Auch in weiteren Berliner Wahlkreisen könnten einzelne Stimmbezirke neu gezählt werden müssen. Das stand aber zunächst noch nicht fest. In Marzahn-Hellersdorf waren bereits in der Nacht zum Montag zwei Wahlbezirke neu ausgezählt worden.

Das geschehe öfter nach Wahlen in einzelnen Stimmbezirken, so Berlins Landeswahlleiter Stephan Bröchler. Bei großen Abständen zwischen dem ersten und zweiten Kandidaten fallen kleine Änderungen nicht ins Gewicht. Normalerweise kommt so etwas vor, wenn beim Zählen am Abend etwas schiefgeht, weil Stimmen von Parteien vertauscht werden oder beim Übertragen in Listen Zahlen in falschen Spalten oder Zeilen landen.

Insgesamt zeigte sich Bröchler zufrieden mit dem Ablauf der Wahl in Berlin. Sein Fazit: Der Wahltag sei "unspektakulär" gewesen, mit regem Interesse der Bürgerinnen und Bürger und einer ruhigen Lage in den Wahllokalen.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass ein Stimmzettel komplett ungültig sei, wenn eine der beiden Stimmen (Erst- oder Zweitstimme) ungültig sei. Das beruhte offenbar auf einem falsch wiedergegeben Zitat und stimmt nicht. Richtig ist: Wenn nur eine Stimme auf dem Stimmzettel ungültig ist, wird nur diese eine als ungültig gezählt, die korrekt abgegebene andere bleibt dagegen gültig. [bundeswahlleiterin.de]

Sendung: rbb24 Abendschau, 25.02.2025, 19:30 Uhr

31 Kommentare

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  1. 31.

    Ich würde mir an der Stelle, an der man die nach Parteien sortierten Stapel errichtet hat, auf welchen mit Erst- und Zweitstimme identisch gewählt wurde, zum Durchzählen dieser Stimmzettel den Einsatz von präzisen Waagen wünschen.

    Das würde viel Zeit ersparen.

    Im Supermarkt wird bei der Tagesabrechnung ebenfalls das Geld gewogen und schon lange nicht mehr fehleranfällig von Hand durchgezählt.

    Voraussetzung ist natürlich, dass die jeweiligen zu zählenden Stapel in sich stimmig sind.

  2. 30.

    Fortsetzung:

    Wenn nun ein Wähler seine Erst- und Zweitstimme getrennt abgibt, indem er z.B. seienn Stimmzettel in der Mitte von unten nach oben durchschneidet, so dass sich dann seine Erst- und Zweitstimme nicht mehr zueinander zuordnen lassn, dann wäre diese Stimme unwirksam.

  3. 29.

    Fortsetzung:

    Deshalb müssen Erst- und Zweitstimme auf dem geleichen Wahlzettel stehen. Das ist der einzige, aber ein notwendiger Grund.

    Die Einzelkandidaten erkennt man daran, dass es für sie nur eine Erststimme auf der linken Seite gibt, die rechte Seite für die Zweitstimme aber leer ist. Diese Kandidaten stehen immer ganz unten auf dem Wahlzettel.

    Rechtsgrundlage im Bundeswahlgesetz (BWahlG):

    § 20 Absatz 3: Definition der Einzelkandidaten

    § 6 Absatz 2: Einzelkandidaten brauchen keine Zweitstimmen. (Sie können diese auch gar nicht erlangen, weil für die Zweitstimmen nur Parteien kandidieren.)

    § 4 Absatz 2 Satz 2 Nr. 1: "Nicht berücksichtigt werden dabei die Zweitstimmen derjenigen Wähler, die ihre Erststimme für einen Bewerber abgegeben haben, der gemäß § 6 Absatz 2 erfolgreich ist."

    www.gesetze-im-internet.de/bwahlg/index.html

  4. 28.

    Polarlicht:
    "Antwort auf [R. Nesto] vom 25.02.2025 um 10:35
    Viele Wähler wählen Erststimme = Zweitstimme. Das ist mit einem Stimmzettel für beide leichter und umweltfreundlicher auszuzählen."

    Nein, der Grund ist ein ganz anderer:

    Wenn ein Direktkandidat als Einzelkandidat kandidiert, also zu keiner Liste gehört, die für Zweitstimmen kandidiert, und das Direktmandat gewinnt, dann gelten folgende Besonderheiten:

    1. Dieser Direktkandidat kommt in den Bundestag, ohne dass er die 5%-Hürde überwinden muss. (Schließlich kann man als Einzelkandidat ja auch nur in einem Wahlkreis kandidieren.)

    2. Die Zweitstimmen der Wähler, die diesem erfolgreichen Kandidaten ihre Erststimme gegeben haben, wird aussortiert und zählt nicht für die Zweitstimmen. Denn schließlich hat er bereits einen Direktkandidaten (mit seiner Erststimmen) in den Bundestag gebracht. Wenn er nun auch noch mit seiner Zweitstimme einem anderen Kandidaten würde helfen können, dann würde seine Stimme doppelt wirken.

  5. 27.

    Wie bitte? Die Linke hat in Lichtenberg mit 10 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen (was die Erststimmen angeht). Aber auch nach Zweitstimmen war da gar nichts knapp.

  6. 26.

    Der Vorteil einer Zettelwahl ist, dass sie absturzsicher und unabhängig von Strom-, Funknetz- und Internetausfall ist.

    Auszählen kann man zur Not aus bei Kerzenlicht.

    Und das Wichtigste: Die Auszählung von Stimmzetteln kann man überprüfen!

    Was allerdings möglich wäre: Man könnte die Stimmzettel bei der Auszählung alle erstmal auseinanderfalten und durch einen schnellen Scanner schicken, der dann schnell automatisch auszählt, dann hätte man ein schnelles VORLÄUFIGES Ergebnis innerhalb einer Stunde. Es MUSS dann aber unbedingt noch manuell ausgezählt werden, weil solch ein maschinelles Lesen natürlich nicht 100%ig sicher ist! Die Veränderungen sind dann aber nur im 1%-Bereich. Die Frage, ob das BSW über die 5%-Hürde kommt wäre dann natürlich bis zum Ende offen. Aber das Scheitern der FDP wäre vorher schon sicher.

  7. 25.

    ich hatte vor einigen Wochen den "Berliner Jung, der mit Herz und Seele hier für das einsteht was wir sind" bei einer Veranstaltung in einer Schule erlebt. Dein Marco antwortete auf die Anmerkung eines Schülers, dass Mietenregulierung eine Erleichterung für die Eltern von Jugendlichen sei, mit, "Ich glaube, dass Deine Eltern ihre Miete auch so bezahlen können." Neben seinen (eindeutig) ausländerfeindlichen Anmerkungen fand ich diese Aussage einfach nur frech. Nicht ohne Grund hat er die Wahl verloren.

  8. 24.

    Es gibt KEIN Wahlergebnis. Zzt gibt es NUR ein VORLÄUFIGES WAHLERGEBNIS,

  9. 23.

    Viele Wähler wählen Erststimme = Zweitstimme. Das ist mit einem Stimmzettel für beide leichter und umweltfreundlicher auszuzählen.

  10. 22.

    Das ist mehr als unwahrscheinlich. Auszählungen werden punktuell wiederholt, wenn Fehler erkennbar sind. Nur weil eine Partei nicht die nötigen Stimmen erhält, ist die Auszählung ja per se nicht fehlerhaft. Und, das Zählen dient nicht dazu, solange zu zählen bis ein erhofftes Ergebnis passt.

    Wann ist eigentlich in diesem Land so ein Grundmisstrauen entstanden. Unsere „Probleme“ würden sich andere nur wünschen.

  11. 21.

    Das mit dem Fälschungssicher wird wohl noch ein paar Jahrhunderte dauern, siehe ePA.

  12. 20.

    Sie haben bei Wahlen noch nicht mitgeholfen, nehme ich an!? Schade, denn am Wahlsonntag liegt der gesamte Wahl- und Zählprozess bei den Wählenden. Und wenn Sie mal teilgenommen hätten, dann wüssten Sie, dass auch bei mehrmaligem Zählen manchmal der gleiche Fehler wiederholt und die fehlende Stimme nicht auftaucht. Deshalb ist das Ergebnis auch nur ein vorläufiges und kein endgültiges. Das endgültige Ergebnis muss erst noch festgestellt werden. Deshalb erfolgen auch teilweise Neuauszählungen und, auch die sind öffentlich.

  13. 19.

    Weder richtig noch falsch zu zählen ist gleich schätzen. Verkündet wurde bisher ein VORLÄUFIGES Wahlergebnis. Das endgültige wird nach allen Kontrollzählungen verkündet.

  14. 18.

    Es wird von links nach rechts gelesen und gemeinhin auch geschrieben. Deshalb liegt darin keine Bewertung, sondern nur eine Beschreibung. ;-

  15. 17.

    Kann es eine wirklich fälschung- bzw manipulationssichere App überhaupt geben?

  16. 16.

    Ähm?? Warum ist jetzt die erste Auszählung nicht korrekt? Wenn man davon ausgeht, dass die ersten Auszählungen unkorrekt sind, wie kann man dann ein Wahlergebnis verkünden. Was sind das dann für Wahlen? Alles wieder nur geschätzt?

  17. 15.

    Was bei all diesen Wahl-App-Diskussionen immer gern vergessen wird, ist die Öffentlichkeit der Stimmauszählung. Bei der analogen, manuellen Auszählung kann jede Bürgerin, jeder Bürger, der möchte, den Wahlhelfenden über die Schulter schauen und überprüfen, ob alles mit rechten Dingen zugeht. Ich erinnere hierbei an die Kommunalwahl in der DDR im März 1989, bei der der Staat sich als Demokratie inszenieren wollte und dann von unabhängigen Wahlbeobachtungsgruppen mit seinen eigenen Waffen geschlagen wurde - eine Keimzelle der späteren Bürgerrechtsbewegung. Und auch heute ist die Öffentlichkeit der Stimmauszählung ein demokratisches Recht. Jegliche Form von maschineller Wahl würde entweder als vollkommen geschlossenes System funktionieren müssen, um nicht von außen manipuliert werden zu können - wäre dann aber für die Öffentlichkeit eine black box. Oder es arbeitet mit einem quelloffenen Code - der aber wiederum ein Einfallstor von außen wäre.

  18. 14.

    Und der Zweitstimme ist wirksamer und müsste eigentlich Erststimme heißen!

    Ich verstehe nur Bahnhof ;)

  19. 13.
    Antwort auf [toberg] vom 25.02.2025 um 11:54

    Weil ein Stimmzettel schneller und besser auszuzählen ist. Das Problem ist das Eintragen in der Wahlniederschrift. Da kann man schnell mal durcheineanderkommen. Und da die meisten das ehrenamtlich machen, entstehen da oft Fehler, vor allem bei Briefwahlauszählung

  20. 12.

    Das gesamte Wahlauszählungsverfahren ist sehr fehleranfällig und völlig analog. Alles erfolgt schriftlich in einer komplizierten Wahlniedetschrifr. Vor allem bei der Beiefwahlauszählung gibt es so viele Fehlermöglichkeiten beim Ermitteln und Eintragen der Zählergebnisse. Und auch bei der Nachkontrolle durch die Mitarbeiter des Wahlamtes gibt es nicht selten Fehler.
    Aber es gibt kein besseres Verfahren. Und es ist ja gut, dass nachgezählt wird. Aber würden die Wahlleiter ubd die Wahlämter die Wahlhelfer mal befragen, gäbe es sicherlich viele gute Vorschläge für eine einfachere, sichere und schnellere Auszählung.